Blog

AAAH….WEEEH….Tee

 

Graubünden hat etwa 190’000 Seelen und ca. 300’000 Wirtschaftsexperten…Da gab’s jahrelang ein Gemunkel, dass viel zu viele Aufträge des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Tourismus (AWT) ins Unterland gingen. Ein Schrei nach Transparenz und Übersicht. Grossrätin Vera Stiffler ist jetzt sicher beruhigt: wir haben endlich eine Excel-Tabelle.

Die Liste ist einsehbar auf: https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Dokumente/AWT-Drittauftr%c3%a4ge_2012-2016.pdf – Gut so, nit kompliziert.

Die Ergebnisse vorneweg: auf 10 Seiten erfährt man wie das AWT zwischen 2012 und 2016 genau 5’187’684.61 Franken auszugeben im Stande war.
Ja, auf 61 Rappen genau.

Schneisen haben sie keine hinterlassen, aber Dürrenmatt würde fragen: „Klara, ist denn überhaupt alles Prothese an Dir?“

Und für Insider ist es eigentlich kalter Khaffi. Einige Schmunzler mag’s einem entlocken: eine Rob Nicolas Gmbh Rhäzüns (nie gehört) entwickelte „Studien und Konzepte“ für Fr. 30’000 zur Abklärung für die olympischen Winterspiele 2026. Offenbar erfolgreich. Wie alles, das dann mit Drucksachen, Broschüren und viel Präsentationsaufwand aufgebretzelt wurde.

 

Die üblichen Verdächtigen sind alle schön dabei. Oft sind sie geniale Kompilierer von Beratungsplatitüden. Schön gleichmässig megademokratisch- medioker wurden an alle Aufträge verteilt. Von Hanser und Partner bis zur Trimarca, von Forster/Wergenstein bis Küng Chur, von der HTW bis zur Grischconsulta. Mag sein, dass alle zu kurz kamen, weil sie ja alle nur mikrige Aufträgli erhielten. Ganz zu schweigen, von all den Kleinstbetrieben (Einfrau-Beratung), die alle auch was… Ausser Vera Stiffler sind fast alle auf der Tabelle.

 

Im 2013 gab’ s auch noch eine BeraRtung (wörtlich) zur Kommunikation Tourismus Programm für 13’122 Fr. – Ja, verkünstelt wurde da viel.

Dass sie nur EINE Zweitmeinung für Fr. 11’340. genau zur Marktbearbeitung der Märkte China, Brasilien und Russland bei der raw consulting ltd. in Zürich einholten, war vielleicht ein kleiner Fehler. Die waren eben limitiert.

Alle durften mitschellen. Dem tollen Schellenursli hat die Rütter Soceco nachträglich mit einer Langzeit-Studie Monitoring für 130’000 Franken nachgewiesen, dass das ein erfolgreicher Film war. Das hätten auch Kids am Kinoausgang gesagt…

Ein gerngesehener Gast war auch Dr. Daniel Fischer und Partner aus Niederwangen. In Graubünden beliebt bei allen Behörden. Der entwickelt meist Strukturen bevor er das Markt-Problem löst. So ein Dokter macht immer Eindruck in Graubünden. (Wenn das dann wenigstens mit Tarmed abgerechnet würde…) Kürzlich las ich in  der Presse über eine seiner Studie für „Klosters 2018“: „Verliert seit 10 Jahren Marktanteile. Es fehlt touristische Leadership. Verantwortung wieder selbst übernehmen. Wenig Momentum und Drive…“ – ja stimmt doch. (Touristiker, die das nicht selber merken, müssten halt irgendwo ins Unterland ziehen).. Hatte ich vor 20 Jahren auch schon bemerkt. Aber  kein 90’000 fränkiges Konzept dazu geschrieben.

Man merkt’s irgendwann kam die Erleuchtung, dass man die Leuchtürme – ein Beraterbegriff aus dem letzten Jahrhundert – auch umsetzen müsste. Dann kam die Messung der Erfolge „Marke Graubünden“. Die Agentur Interbrand AG Zürich kassierte nach einigen Marken-Hunderttausendern dann auch noch mal 74’604.04. Die 4 Rappen waren wahrscheinlich für die damit verbundene sprichwörtliche Ataraxie, also die Seelenruhe, der Gleichmut, unsere „Patschifigness“. Jo, was die Volkswirtschaftsdirektoren meist machen, würde Kant „das uninteressierte Wohlgefallen“ nennen.

Meist ist das alles nicht daneben aber auch nicht durch Gedankenschwere angekränkelt – und vieles papieren geblieben. Insider erkennen immer wieder die doch filzigen Zusammenhänge. – Wenn ein Pontresiner 3 Stern Hotel im Jahre 2017 Kantonsgelder zum Neubau erhalten soll, ist das doch vielleicht das Voraus-Bezahlen des Schleuderkurses vor wirtschaftlichem Aquaplaning.

Die Tabelle ergibt einfach eine interessante Transparenz. Das musss man jetzt mit derselben kontemplativen unschuldigen Aufmerksamkeit betrachten. Einfach reinziehen. Zusammengefasst ist das ganze vielleicht eine wirkmächtige Schilderung der Tragik des Wollens. Das ist der mittlere wirtschaftliche Durchschnitt eines Kantons, dem seine Probleme nicht ans Lebendige gehen, sondern höchstens ans Gemütliche…und solange die Zuger und Zürcher uns Geld schicken, dürfen doch auch Berater von dort kommen.

Die Idee dieser Vergaben, der ganzen Konstruktion ist, dass die Volkswirtschaftsdirektoren  nicht belangt werden. Der Berater kann dann ausgewechselt werden, kommt aber im Turnus alle zwei bis drei Jahre wieder dran. Die Ohrenbläser auswechseln und dann „more of the same.“

Schneisen haben sie keine hinterlassen, aber Dürrenmatt würde fragen: „Klara, ist denn überhaupt alles Prothese an Dir?“– Wer sagt da noch, das sei nicht Wirtschaftsförderung. Wirtschaftsförderung in Graubünden ist ja eigentlich keine Amtshandlung, eher eine Amtshaltung, eine Verhaltensauffälligkeit von Seifenblötterlern, so geistlos wie eine Seifenblase, aber doch unzerstörbar. Das erledigen sie dann nach dem Arpagausschen Imperativ: „Handle stets so, dass niemand die Diskrepanz  zwischen deinem nach aussen gestülpten Fortschrittsglauben und deinem inneren Rückwärtsgang erkennt.“

 

Einen Hirsch zu spiegeln bringt noch keinen Jagderfolg.

 

Fazit: Keine Sensation, nichts zu motzen. So schliessen wir denn heute mit einem Song: „ hey, hey, hey, ther’s nothing left to say.“ Und über den Amtsinhaber sagen wir schon seit Jahren nichts mehr.

Standard

2 Gedanken zu “AAAH….WEEEH….Tee

  1. Urs Wohler schreibt:

    Lieber Hansruedi, auf deine Breitseite in verschiedene Richtungen gehe ich etwas weiter zurück als nur bis zu Dürrenmatt, nämlich bis zu Seneca um das Jahr Null. Er sagte damals, sicher auch als Hinweis an die von dir Beleidigten und als Rückmeldung auf deine vermutlichen Frustausstösse: „Aber der wahrhaft große Geist, der sich selbst richtig schätzt, rächt Beleidigungen nicht, weil er sich nicht beleidigt fühlt.“ Weiterhin viel erfolgreiches Wirken mit deiner Art und Weise. Beste Grüsse, Urs
    NB: Falls du zur Begleitstudie von Rütter soceco zum Schellen-Ursli eine weitere Einschätzung möchtest zu jener der Kinder am Kinoausgang, dann kannst du dich auch an mich wenden, wenn du dich nicht beim AWT aus erster Hand informieren lassen möchtest.

    • 23.05 Uhr

      Lieber Urs,
      Komme gerade von einer Beckett Aufführung „Endspiel“- Burgtheater Wien im TAK. Grossartig. Absurdikon. Erinnert mich an das Vakuum unserer kantonalen touristischen Aufblasblase …

      UndJa, kannst ja recht haben, das kann und darf man natürlich auch so sehen. Viele Bündner sehen das anders. Und um deinen Frust-Reflex etwas nachzujustieren: Das Anstarren von Konzepten und teure Ankaufen von nachträglichen Selbstbestätigungs-Konstruktionen hat offenbar höchstens zu einigen Wunderkerzen auf dem Grab des Bündner Tourismus geführt…

      Text aus Endspiel: (HAMM überdrüssig): Seid doch still, seid still, laßt mich doch schlafen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.