Kolumne

Alles fabelhaft

Unter dem Emser Stauwehr schwimmen zwei junge Forellen und treffen zufällig einen älteren Fisch, der in der Gegenrichtung unterwegs ist. Er nickt ihnen zu und sagt: „ Bien gi, giuvens, schwimmt ihr in die Zukunft?“ Die zwei jungen Fische schwimmen eine Weile weiter und schliesslich wirft der eine dem anderen einen Blick zu und sagt:“ Pel diavel, was ist Zukunft?“ Ein Bär, der dem Rhein entlang läuft, sieht die zwei Jungfische und sagt sich:  «Die Armen sind unter Wasser, werden ertrinken, ich muss sie retten.» Der Bär schnappt sie, und sie beginnen zwischen seinen Fingern zu zappeln. Da meint er: «Luag, wie fröhlich die jetzt sind.» Gut, die Fische sind dann an der freien Luft gestorben. Da sagt der Bär: «Oh, wie truurig – wäre ich nur ein wenig früher gekommen, ich hätte sie retten können.»  (Das sind zwei Fabeln gekürzt-geklaut aus den  USA und Mosambik..)

…und die Alten im Bündner Brackwasser wissen nicht, wieso’s da vielen irgendwie stinkt.

Nachdenken schadet nicht. Das meinen doch auch unsere Volkswirtschafts-Retter – man soll nicht wieder endlos über Fehler und Erklärungsmodelle für die Führungs-Misserfolge und die Rationalisierung hinter den Erklärungsmodellen für die Emser Sägerei studieren – einfach das gruppendynamische Durchwurstelproblem der Bündner Wirtschaft lösen. Man kanns sehen wie im Fischhandel: „Lässt du’s liegen, wärst du besser ausgestiegen, sonst ernährst du nur die Fliegen.“

Hamilton wird jetzt einsteigen: die Emser haben kürzlich entschieden. Die denken wenigstens nicht zu viel über das Wasser nach und vergessen dabei das Schwimmen. Fische stinken eben meist vom Kopf, unsere Wirtschaftsförderung auch. Die sollte man eigentlich einfach schwach schleudern und nass aufhängen eventuell später liegend nachtrocknen. Oder etwas klartextiger: Man müsste nur den Wirtschaftsförderer Arpagaus entlassen, dann müsste man bald niemand mehr retten.

Vielleicht haben wir einfach etwas viele gutgläubige Bären und sehr viele alte Ablagerungen in unseren Gewässern. Man sollte sich jetzt aber nicht wieder über kleine Fische ärgern, denen ist das so ziemlich egal. Zukunftsorientierte Jungfische schwimmen meist direkt nach Zürich. Die Jungen fragen sich, wo’s hier noch was zu holen gibt, und die Alten im Bündner Brackwasser wissen nicht, wieso’s da vielen irgendwie stinkt. Das ist eben so mit den Rettungsringen: sie verhindern zwar, dass wir ertrinken, aber sie hindern uns auch am Schwimmen.

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