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Bart oder Maske?

In letzter Zeit begegne ich ihnen täglich. Den alten Jammeris. Boomers. Ja, diese (meine) Generation boomt, der Pulk Abwärtsgehender um mich wird grösser. Und in näherem Kontakt mit der Grube bekommt alles so eine Finalität . Guat, vielleicht ist’s ja auch nur eine hypochondrische Wertung der Corona-Aktualität?

Der Alt-Regierungsrat, der (zwar mit Maske) im Theater Chur kaum mehr auf sein Ticket warten kann. Grummelt 5 Minuten und konnte es nicht mehr verbeissen: alles falsch. Aber schon alles in dieser Gesellschaft.

Dachte, nein, das ist nur ein etwas psychisch handicapierter alter Mann. So wie Du. Früher nannte ich ihn „the last emperor of Grischun“. Also eher so wie eine Figur aus dem alten (romanischen) Testament, den man eher fürchtete als mochte. Der hat jetzt einfach nicht mehr alle und alles, vor allem nicht mehr seinen gewohnten Lebenskomfort. Schade.

Er möchte doch, dass Komplexität reduziert wird. Wie viele mit ihm. Auch Präsidenten. Komplex ist schon das Virus, deshalb sollen wir es nicht auch noch sein.

Er möchte doch etwas mehr Ordnung. Ordnung ist das halbe Leben. Das halbe Leben ist wohl eher für die meisten Schweizer: Ordnung. Wir als dysfunktionale Perfektionisten schätzen das.

Heute wo alle Bünzlis, Bart tragen wie Hipsters…so Bankprokuristen und Hochbauzeichner…und sich als Querdenker fühlen, kann man sich auch vorstellen, dass keine Maske tragen dasselbe Gefühl erzeugt.

Naja, ist einfach modisch, kann man da sagen. Stimmt. Wie das Maskentragen.

Und jetzt sterben unsere Jahrgänge, und sogar unsere Nachfolger, die Kopisten der Boomers. Man sollte ihnen aber nicht dauernd dazwischen reden mit so Vorschriften. Weil viele Männer in meinem Alter ja an so einem Testoteron-Autismus erkranken, was mit einem langsamen Verschwinden der sozialen Intelligenz und einem zunehmenden Unvermögen, was zwischenmenschliche Kommunikation betrifft, einhergeht…da wird dann die Realität halt einfach älter und mürrischer. Guat, man könnte sich auch darauf einigen, dass man halt etwas tattrig-senil wird.

Fredy, alt Grossrat, umgekehrt ist so ein energetischer Maskenverweigerer, schreibt Leserbriefe, belehrt einem vom Velo herab. Wenn man ihn fragt wieso, sagt er bestimmt und akademisch: „ Weil es die Wissenschaft beweist…“ O-Ton: „Ich hab’ ja auch Psychologie studiert.“ Wie der jetzt mit dem grössten Aufgebot an Social-Media-Überfliegermodi sein Leben mit Karacho gegen eine Firewall fahren will, ist eigentlich beeindruckend…

Auch er sieht sich als Querdenker. Also alles umgekehrt: Leute, die etwas anders andenken waren doch früher Querdenker. Leute, die etwas anders andenken, nicht einfach etwas ein bisschen anders machen. Heute wo alle Bünzlis Bart tragen wie Hipsters…so Bankprokuristen und Hochbauzeichner…und sich als Querdenker fühlen, kann man sich auch vorstellen, dass keine Maske tragen dasselbe Gefühl erzeugt. Oder ist es einfach das erhoffe Image: ich will auch wirken, wie etwas neben den Schuhen?

 

Muss man die aktuell bizarre Überbietungsmechanik der Social Media bis zum Tode zelebrieren? Mir geht’s dann wie dem Hirsch zwischen Zernez und Brail der von den Scheinwerfern eines Autos erfasst wird und erstarrt. Erschaudert über soviel Blendnis.

 

Naja, Never complain. Never explain, sagte schon Mick Jagger. Und der lebt noch. Die Verlangsamung der Spielgeschwindigkeit hat schon seine Konsequenzen. Die eigene Bedeutunglosigkeit rüttelt schon an einem.

Ein ganz normaler ist Hampa. Er merkt vielleicht, dass mit zunehmendem Alter die Taille zwar zunimmt, der Horizont etwas abnimmt, und die Reichweite der Kontakte auch. Gut, mit dem E-Bike und täglichen FB-Posts über gefahrene Velokilometer kann man das kompensieren. Trainingseffekt wird da nicht viel sein. Von Chur nach Ragaz und zurück ist wohl mehr ein Feelgood-Fake.

„Ich fliege Jack…“ So eine Titanic-Feelgood-Semantik kommt gut an. Jack Günthard lässt grüssen und dazu alle Retro-posts auf Facebook – unserem Senioren-Medium. Fazit: Bevor sie uns in der Kirche heimorgeln und heimgeigen ist das Leben ein endloser Biketag bei wolkenlosem Himmel und wohltemperierten 24 Grad mit genauer Kilometerangabe. In der Idiotenschleife des Infotainments fötelen sie sich selber und stellen sich onanistisch vor.

Wird schon schön sein: Von der Kirchenbank hochblicken und im ganzen Wohlverdientheitsstatus unsere unglaubliche Lebens-Tatsachen-Verweigerungssicht zelebrieren. “Vergesst das Warten auf das Gebimmel im Himmel“, kann man da nur sagen.

Unsere minergiebeheizte, springmatrazierte, daunenbebettete, ledbelichtete, wifiverkabelte, 4Kbefernsehte, regenbeduschte, zuparkettierte, spotifybeschallte , gemütsverkühlte und gehirnüberhitzte Welt will auch einen angemessenen Abgangs-Tusch.

Man klatscht zwar nicht in der Kirche. Aber ein Daumenup und ein Tusch-Daadaaah auf Instagram wär’ schon angepasst. Zum Beispiel für einen jener Augenblicke, die man anhalten möchte, aus denen man nicht auftauchen will, in denen ein unmöglicher, geheimnisvoller Sinn des Daseins zu ruhen scheint.

Wie dann, als ich von Irina las. Sie ist eine „Freundin“ von Anton Herbert  meinem FB-Freund, Chef-Verbreiter von Angst durch Pandemie-Diktatur. Mit Aussagen wie: „Stimmt alles nicht, Trump hat Recht.“ Ja, frag’ ich mich dann: Wieso hat denn so ein verfettes, ehemals energisches Diktatoren-Doppel-Kinn so viel Erfolg? Und zwar immer noch. Diese Hasardeure und Allesglauber mit Maskenkomplex und blindem Drang nach Selbstbestimmung sind wohl die Symptome der gegenwärtigen politischen Idiotie, nicht aber die Ursache.

Wenn der selbsternannte Querdenker, Covidiot vom Rand der Gesellschaft ins Zentrum wechselt, wirds wohl brenzliger. Aber im Moment sind das ja nur 15 Prozent.– Bin ich froh, lebe ich in der Schweiz.

Wenn ich dann meinen kleinen Rentner-Mut zusammennehme, komme ich zum Schlusse mit Mozart/Sarastro: „Wer keine Maske trägt,….verdient es nicht ein Mensch zu sein.“ Wer sagt da nicht, Mozart hätte eine lebensbejahende Musik geschrieben. Aber merke: Sowohl ein brillanter Bildungshintergrund stellt also, so wenig wie Analphabetismus, ein Immunsystem gegen Verschwörungs-Begeisterung dar…Unsere Jahrgänge sind ja sowieso so was wie Untote. The walking dead mit viel systemrelevantem Funfaktor.

 

 

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