Allgemein, Kolumne

weihnachtlicher Grenznutzen

Die erste Carvingabfahrt um 9 Uhr am Stätzerhorn ist meist die Schönste. Die Schwünge danach sind’s dann meist schon etwas weniger. Das nennen die Ökonomen das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen. Beim dritten Stück Schwarzwälder lässt eben der Speichelfluss nach, vieles verleidet mit der Zeit.– Ja, je älter man wird desto eher erkennt man den Grenznutzen.

Ich kann ja auch nicht permanent atemlos rumlaufen wie eine Helene-Fischer-Melodie.

Gegen Dauerreize wird man halt abgestumpfter, sagt mir meine TV-Psychologie. Darum gibts auch so Vorbild-Senioren wie der Udo, der seine Freundinnen aus Abwechslungsgründen im Konfirmanden-Unterricht abholt. Als Senior kann man auch nicht Dauerwandern, das weiss jeder pensioniert Postchauffeur. Und immer die gleichen Kinder grossziehen ist laut Hanspeter Danuser auch nicht euphorisierend. Dauer-Weihnachten sind wahrscheinlich so etwas wie Dauer-Wellness: es will ja auch niemand 2 Wochen am Stück massiert werden. Darum genügen den meisten Menschen die ersten Weihnachtstage, die folgenden können oft irritieren.

Ich kann ja auch nicht permanent atemlos rumlaufen wie eine Helene-Fischer-Melodie. – Als TV- Serienfreak weiss ich aber , dass Serien-Freude-Killer – wie ich – aussterben. Als 66 Jähriger könnte ich zwar statistisch noch 15 Jahre leben, aber vielleicht wird’s doch schon vorher. Immer vor 18 Uhr zu essen damit ich noch 15 Jahre lebe, hat ja auch einen Grenznutzen.– Gut, einer meiner grenzsenilen Altersgenossen geht da noch weiter mit der Abwechslung: er erfand die Masseneinwanderungsinitiative. Die hat dann wieder einen wirtschaftlichen Grenznutzen, spätestens an der Grenze zur EU.

Das tönt jetzt schon etwas grenzwertig negativ…das wollte ich jetzt genau nicht so kurz vor den Festtagen – es soll ja Weihnachtsfreude aufkommen. Und ob eben auch das Leben einen Grenznutzen hat, wissen wir nicht so genau, tönt auf jeden Fall nicht so christkindlich erlösend. Das mit der Endreinigung ist eben so eine Sache…Aber, aber man sollte Religion nicht mit Ferienwohnungen verwechseln. Das ist höchstens was für Walliser und Bündner CVP- und Zweitwohnungs-Politiker. Die dürfen wirklich an Gschenggli glauben und erst recht ans Christkind. Für die ist so eine satirische Weihnachtskolumne wahrscheinlich an der Grenze des guten Geschmacks. – Was soll’s, die Zeitung von heute ist morgen eh Recycling-Papier. Zeitungsseiten haben so gesehen eben einen echt zunehmenden Grenznutzen.

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Business-Sprech

In diesem Office klang mein Name aus seinem Mund wie ein Querschläger-Projektil: Schiesserrrrr…Ja aber jetzt werd’ ich wieder unsachlich, mitten in einer Besprechung, da brauch ich jetzt einen superschnell wirkenden Säureblocker. Der hört sich an wie ein Flipchart, sinnierte ich zuerst…und tut abgebrühter als eine Siedwurst. Dieser Goldmann-Sachs-Endsieg ist ja nahe, denk ich. Der kann sich mit Spreadsheets ins Komma saufen, auch wenn seine Grosshirnrinde im Leerlauf-Modus ist….ein Erfolgsfrisör mit der moralischen Integrität einer Schwingtüre…auf jeden Fall eine Büroraumverschwendung. „Da haben sich wohl der Horror deiner Krawatte und deine Tiefflieger-Ignoranz umarmt? Und dann erst deine neue Strategie, die hat ja nicht mal ein Geschlechtsteil , ein besserer Fusspilzkitzler“, dachte ich wohlwollend auf Autopilot umschaltend. – „OK, diese Blindschleiche braucht eigentlich nur ein geistiges Erektionskompositum.“

„All dieses Businessgehabe schneidet in der Meinung der Menge besser ab, wenn die Menge weiss, dass sie hinter dem grossen Schwindel einen Schwanz und ein Paar Eier ausmachen kann.“,

“Ich brauche endlich bessere Zahlen, bessere Ideen. Ich verlange jetzt mal etwas Positives.“ raunzte er im Ueberlegenheitsmodus. Er wusste zwar nicht so genau welche von was, egal, vielleicht wirken die Medikamente bei ihm nicht mehr. Kommt mir schon so vor wie die Investmentbanker um 2007 vor dem Crash…oder einige dieser Leute, die immer noch neue Sesselbähnli bauen. – Gut, zugestanden, im Grunde genommen sind die alle wie ich, also gestandene Männer und Machos. „All dieses Businessgehabe schneidet in der Meinung der Menge besser ab, wenn die Menge weiss, dass sie hinter dem grossen Schwindel einen Schwanz und ein Paar Eier ausmachen kann.“, so etwa hat doch Siri Hustvedt mal einfühlsam bemerkt…

Ja, Idioten erklären, dass sie welche sind, kann man nicht, sonst wären sie keine, wenn sie das verstehen würden, flüsterte mir dann mein Zitaten-Schatz liebevoll zu. Man nennt sie die „gierigen Wenigen“, sie möchten doch so gerne dazugehören. Das schaffen aber leider nur 1 Prozent, der Rest tut lieber so als ob er dazu gehörte. Und die auswendiggelernten Managementsätze markieren höchstens seinen Schrottstatus…er bleibt eine Handpuppe seiner Banker. So ein Muppet, so Klein-Josef Blatter plus Managementkurs plus Irina Beller, wahrhaft eine Killerapplikation. Den sollte man verklagen und den Golfsack verpfänden… – Halt, jetzt läuft meine Tastatur Amok…nun, wenigstens haben Sie ihren Business-Wortschatz erweitert.

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2012: Die Zweitfrau-Initiative

Könnte eine Zweitfrau-Initiative beim Volk Erfolg haben? So ein Verbot zum Halten einer Zweitfrau – oder mindestens eine Beschränkung auf nur noch 20 Prozent Zweitfrauen?

Das Volch weiss doch genau, dass da doch etwas viel unter dem Hag gegrast wurde in letzter Zeit. Und der Neid gegen die, die sich eine Zweite halten können, wird schon ausschlaggebend sein bei so einer Initiative. Eine Zweite ist meist luxuriöser und braucht meist mehr Wohnfläche als eine Erstfrau. In jüngster Zeit sind Zweitfrauen ja oft auch Ausländerinnen. Da können wir dann zwar nicht mit der Verschandelung der Landschaft kommen: sie sind ja oft architektonische Augenweiden und von imposantem Bauvolumen. Dafür haben wir diesmal auch die vereinigte Baulobby mit uns. Schliesslich geht’s ja um sexuelle Überkapazität und nicht um betriebswirtschaftliche Übergrössen. Gut, eine heiklere Frage wird dann schon die Definition werden, ob eine Zweitfrau erst eine Zweitfrau ist bei mindestens 3 Monaten Benutzung pro Jahr.

Das billige Argument von den warmen Betten bring’ ich jetzt in diesem Zusammenhang nicht. Zweitfrauen sind ja meist eh heisser – wie Zweitwagen. Das weiss nun jeder Eheberater: Zweitfrauen entstehen oft bei kalten Betten. Punkto Arbeitsplätze müssten wir uns eigentlich keine differenzierteren Gedanken machen – soziologische Studien zeigen ja: weniger Zweitfrauen steigern das Bruttosozialprodukt. Durch die Angebotsreduktion entstehen (hoffentlich) einige Tausend Arbeitsplätze im Nebengewerbe in städtischen Verrichtungsboxen.

Ob die Erstfrauen damit teurer werden? Das kann noch nicht definitiv beantwortet werden. Die Preissensibilität ist bekanntlich sehr individuell und das Halten von Zweitfrauen ist nach bestehendem Eherecht eh eingeschränkt. Beruhigend und für unsere Initiative wichtig ist: wer gegen die Minarette gestimmt hat, ist ja bestimmt auch gegen die antichristliche Zweit- und Mehrfrauenhaltung…

Eine entscheidende Frage wird sein, wo und wann die Zweitfrau-Bewilligungen eingeschränkt werden sollten? Ich meine Überhitzungen in einzelnen Regionen sind genau zu beobachten: zum Beispiel die Walliser-Cowboys grasen eben noch gerne unerlaubt. – Und bitte nicht vergessen, dass das mit dem exakten Nachweisen und Nachzählen von Zweitfrauen administrativ und auch juristisch etwas schwierig werden dürfte.

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