Kolumne

kostenlose Todesanzeigen

Man kann sein Leben mit dem endlosen Hören der Bach-Kantate „Ich habe genug“ bereichern. Oder man liest. Im Buch „Ein sterbender Mann“ von Martin Walser stösst man dann auf solche Sätze: “Die Todesanzeigen sind im Bündner Tagblatt kostenlos.“ – Walsers neuer Roman über das Altsein. Gut, der ist jetzt 89jährig. Liest der jetzt das Bündner Tagblatt? Kostet das jetzt tatsächlich nichts? Wir leben eh zu lange, da sind die Todesanzeigen eh noch das billigste und die Diesseits-Kosten auch egal, wenn man schon im Jenseits. „Der Tod ist das einfache. Sterben kann ein Idiot.“,  hat ja schon Heiner Müller gesagt. Heutzutage muss man sich wohl volkswirtschaftlich eher Sorgen machen über die angekündigte „Ära der Greise“.

…da älteren Herren in neuer Zweisamkeit mit jüngeren Damen doch oft ihre Filzpantoffelgemütlichkeit gesundheitsgefährdend konsequent ausgetrieben wird.

Ein Leben beginnt mit den Windelwechseljahren, dann kommen die Wechseljahre und später endet man dann wieder mit den Windelwechseljahren. So gepampert gehen wir durchs Leben. Babies oder alte Männer wie Walser schimpfen dann ja gerne altklug mit der Luft. Ist ja bald alles eine Bedrohung; und das denken nicht mal mehr nur wir Alten.

In Walsers Chat- und Briefroman meint die moribunde Hauptfigur, Leute seines Alters seien ihm jetzt zuwider. Jeden der ihn daran erinnere, wie alt er aussieht, würde er gerne aus dem Wege scheuchen. Er will im Zug die erste Klasse nicht mehr betreten, dieses fahrende Altersheim. OK, können wir nachvollziehen, der Tod ist eh die grösste Zumutung des Lebens…viel grösser als ein Zweitklass-Abteil voller Kleinkinder. Altersakustisch meint Walser dann auch noch, dass sein linkes Ohr (das meint er wohl kaum politisch) besser hört als sein rechtes. Das haben wir doch auch alle, dieses Bedürfnis zu erklären: „ich bin sonst normal, vertamminomal.“

Der Roman-Briefschreiber will dann sogleich einem Online-Suizid-Forum beitreten. Er hat den Wunsch mit allem Schluss zu machen, kommt dann auf tolle Einsichten: „Alte Chinesen sehen weniger chinesisch aus als junge Chinesen“. Also, Frau Martullo sieht nach ihren Englisch-Verhandlungen mit Chinesen sicher mal älter aus. Ob auch schweizerischer als ihr Vater? Gut, politische Correctness und mein Alter verbieten mir zu beurteilen wie Schweizer Businessfrauen um die 40 auszusehen hätten…In punkto Einschätzung fremdländischer Frauenakzeptanz hab’ ich wahrscheinlich auch ein Wahrnehmungsvermögen wie ein Steinbock für abstrakte Kunst. – Und dann unterstreich ich diesen Satz : „Wir dürfen uns nicht mit Jüngeren abgeben, das ist gesundheitsschädlich“. Das wiederum ist weise, da älteren Herren in neuer Zweisamkeit mit jüngeren Damen doch oft ihre Filzpantoffelgemütlichkeit gesundheitsgefährdend konsequent ausgetrieben wird.

Die Konsequenz einer Todesanzeige ist ja, dass du verbrannt oder vergraben wirst. Diesen Preis bezahlt man halt. Ohne Kostenfolge hab’ ich dann den Walser beiseite gelegt, in der Erkenntnis, dass auch früher bewunderte Schreib-Ikonen nahe dem Tode vom Gelehrtsein ins Geleertsein wechseln können.

Standard
Kolumne

alles real

„Wieso geht ihr eigentlich ins Theater?“, fragte unser Sohn leicht ironisch in der Berliner S-Bahn, „ das gibt’s ja alles hier…“, und zeigte auf den angetrunkenen Bahn-Rapper, der da virtuos rumwörterte. – So war’s auch am Theatertreff in Berlin: verblüffend und schräg. Zehn jurierte, ausgewählte Theaterstücke der deutschsprachigen Bühnen – ein Feuerwerk der Besten mit viel zeitgenössisch- postdramatischem Zündstoff: Doku-Theater, Diskurstheater oder Dramatisierungen von Romanen und Filmen.

Regieanweisung: Sie rühren sich nicht von der Stelle. (Das hat wohl Beckett in Graubünden geschrieben)

Die höchste Stufe von Doku-Theater erreichen heute die Regisseure Milo Rau oder Rael Ronen unter Einsatz von realen Exponenten. Das ist mehr als Theater: eingehende Kopfreisen. Umsetzungsperfekt auch anderes: die dada-ähnliche Schau „der die mann“, eine lautmalerische ästhetische Orgie und ein Gliederbiegen des heuer prämierten Regisseurs Fritsch. Ein Publikumsrenner dieses Jahr dazu Ibsens „Gabriel Borkmann“, mit einer umwerfenden Besetzung. – Furore machen heute das Faktentheater mit Unterhaltung auf hohem Level oder das aktuelle Migrations-Theater. Das ist dann so real, das einem der Atem stockt. Zum Beispiel im Stück „The Situation“ wird die hebräisch-arabische Migrationssituation in Berlin in bitterem Ernst mit Amüsement-Faktor gekonnt zerlegt.

Man kann im Theater nicht blättern, nicht nach vorn und nicht nach hinten. Wie im Leben. Das Verpasste kommt nicht mehr. Das Gefühl hat man manchmal auch im Theater Chur. Gibt’s da bald nur noch meine Alterskategorie: Damen, deren Wechseljahre bereits zu den Jugenderinnerungen gehören und Herren, deren Tschopen dem Schnarchmodus angepasst sind? Die Direktion versucht zwar mit Minibudget alles zwischen Avantgarde und Abgestanden, aber viele wollen da nicht mehr so mitklatschen…

Daneben eben gibt’s die (jüngere) Generation „Fake“, die Generation die Künstlichkeit eh schon zur Lebensform erklärt hat, die gar nicht mehr diese Bühne sucht; sie hat ihre Vergleichsbühne auf dem Internet. Sie probiert Meinungen wie neue Jeans und zelebriert ihr Kreativitätsgehabe mit käsigen Alphüttlis vor dem Theater. Es hypt mit hossahossa, unzunzuns oder motherfuckfuck…(auch die können’s). Weil ja bei denen alles künstlich ist, haben die genug Kunst…auch eine Realität.

Theater und Realität sind sich heute sehr nahe. Theater stellt den Link her zu anderen Welten, die glauben, kein Theater zu sein…wie unsere Unternehmer, und Politiker. Wir haben zwar in Chur Theater und Grossen Rat im gleichen Haus, welche Rollen sie manchmal spielen, scheint denen aber nicht so klar. Da bleibt doch oft das Gefühl:„ versteh’ ich nicht mehr alles, aber die wollen bestimmt nur das Welten-Puff etwas retten…“.

Lesen wir mal im Text von „Warten auf Godot“: „ Wladimir: Also? Wir gehen?“ „Estragon: „Gehen wir“. Regieanweisung: Sie rühren sich nicht von der Stelle. (Das hat wohl Beckett in Graubünden geschrieben) – Dochdoch, mein Sohn, im heutigen Theater gibt’s viel Reales…(auch wenn Woody Allen mal meinte, die Realität sei der einzige Ort, wo’s noch Steaks gibt…)

Standard
Kolumne

Ein Schweizer Karriere-Sprung

So gehts einem doch: kleine Verhältnisse, enge Wohnung, viele Geschwister und immer arbeiten und immer Hunger. Ungeheizt auf dem Velo und immer Gegenwind, mit dem Geschmacksdiktat der Unterschicht ausgerüstet, muss man sich dann aufwärts rackern und hat eigentlich nur ein Lebensziel: ein Cordon-Bleu pro Tag im Hier und Jetzt.

Man entwickelt dann eine besonders affektierte hochgeschraubte Verbalität und erlangt auch noch einen MBA nach einem Fernkurs bei einer thurgauischen Fachhochschule. Jetzt kann man den Akademiker aus dem Hosenlatz raushängen lassen und ist bald Steuerhinterziehungsberechtigter. Ab und zu wird man auf seine Kinder angesprochen: „Wie alt sind denn die jetzt?“ – „Die Juristin ist drei, und der Investmentbanker geht im Herbst in die erste Klasse.“ Aber den Witz verstehen nicht alle Parteifreunde.

Gut, die Ueberakademisierung wird immer schlimmer, meinen viele. Aber gemach, man weiss aus Untersuchungen, dass gleichviele mit Master masturbieren wie ohne – ist also auch nicht staatsdestabilisierend. Und aus dem Handbuch der Illustrierten-Psychologie weiss man, dass so ein Bachelor auch nur in etwa Melanie Winigers Ausbildungs-Level erreicht.

So läuft dann das Leben weiter. Man ist seiner ersten Frau dankbar für den Erfolg, dem man die Zweite verdankt. Aber auch die Zweite fühlt sich dann nach 10 Jahren etwas übersext und unterf…ordert. (Madame Bovary wusste schliesslich auch nicht, wohin sie fahren wollte.) Frau fährt dafür oft und gerne ihren weissen Schützenpanzer aus der Garage, frühstückt meist nicht wegen der neuen Trennkost und fühlt: “…nach dem Frühstück so eine tiefe Leere in mir…“. Schliesslich hat sie sich gestern wieder die Bootsflüchtlinge in der Tagesschau ansehen müssen. Ein Lach-Yogakurs macht dann einiges wieder besser und bald hat sie wieder ihre innere Standleitung zur fröhlichen Stimme von Beatrice Egli.

„Schatz, bist Du glücklich?“ getraut sich der moderne Schweizer dann in diesen spärlichen Momenten zu fragen. Dramaturgisch dann überraschend die Antwort, dankend einfühlsam wie in den Gedichten der Frau Hohmeister in der Bündner Woche oder auf dem Kugelschreiber des Südtiroler Wellnesshotels: “Schön, dass es dich gibt.“ – Ob sie damit die Schweiz meint, weiss man nicht so genau, aber auf jeden Fall wär’ es eine schöne Geschichte, die man gestern doch allen Asylsuchenden hätte vorlesen können.

Standard
Kolumne

Immer nur Statist

Den einzigen Satz den ich je auf einer Theaterbühne aussprechen durfte, war als Statist im Theater Chur: „Geh du linkswärts, lass mich rechtswärts gehen“, in Schillers Räuber. Damals als Kantischüler noch nicht wissend, dass viele Kollegen links blinkten um später rechts abzubiegen.

Wenn ich sie jetzt damit auf der Kulturseite etwas verwirrt habe, so nennen sie das einfach Dekonstruktion. Politik ist ja meist auch nur massenmedial animierte Dekonstruktion der anderen.

Bei den Skis bin ich immer etwas unsicher: welcher ist jetzt der Rechte oder der Linke? Manchmal tricky. Politisch doch auch…Egal, irgendwann hat man eh mehr begriffen oder in Indien vom Elefanten-Gott Ganesh dazugelernt. Damals wusste ich noch nicht, dass dieser nur dann als freundlich und glücksbringend gilt, wenn sein Rüssel nach links zeigt. – Mit der Zeit lernt man viel…Der Zeitablauf ist für uns Westler von links nach rechts, weil wir von links nach rechts schreiben, hebräisch oder arabisch ist’s ja umgekehrt. Gut, rechts ist also die Zukunft, das suggerieren uns auch die sogenannten Bürgerlichen, Baumeister und Kleingewerbler, die schliesslich auch die schweizerische Planwirtschaft erfunden hatten: in der Landwirtschaft, in der Stromwirtschaft und bei öffentlichen Bauaufträgen. Naja, umgekehrt fuhr auch der linke Lenin bekanntlich einen rächten Rolls.

Aber das tönt jetzt auch etwas billig wie im Blondinenwitz; da sagte ja das linke Bein zum rechten auch: „ wenn nichts dazwischen kommt, geh’n wir ins Kino.“ Das Leben ist halt flexibler als die Politik. Meine Frau sieht mich wegen meiner zwei linken Hände auch als Linken. Die SP-ler hielten mich zwar immer für einen Rechten. Aber auch die Rechts-Mehrheit im Churer Gemeinderat tickt etwas linkisch. Nach dem Gusto dieser Herren tönt das jetzt aber einfach subversiv, ist also bestenfalls Kunst. Hat nichts zu tun mit der Kunst Gewinne zu privatisieren und Verluste zu verstaatlichen, wie unsere Banker-Abzocker oder Stromgiganten. In solchen Fällen wird man fast etwas linker, also so Rinklechtser, so mittelechzend, aber doch mit einem entschlossenen Jein zur sozialen Marxwirtschaft – sozusagen ein politischer Flexitarier. – Wenn ich sie jetzt damit auf der Kulturseite etwas verwirrt habe, so nennen sie das einfach Dekonstruktion. Politik ist ja meist auch nur massenmedial animierte Dekonstruktion der anderen.

Da wir 70-Prozent-Nicht-SVPler alles Linke sind, muss man auch mit dem Schreibstil etwas subversiv umgehen. Schliesslich muss man auch die Massenimmigration von Leuten verhindern, die von rechts nach links schreiben. Für die Leute aus dem nahen Osten ist die Zukunft halt im Westen, also links auf dem Blatt. Im Osten gibt’s ja die noch nicht vollständig ausgebildeten Demokratien wie Oesterreich oder Afghanistan, die brauchen da halt noch etwas Nachhilfe im Schreibunterricht. Aber dieses Links-Rechts-Gefasel ist ja eh nur ein Schaukampf. Schauen sie mal in den Spiegel – schauen sie was bei ihnen links ist, ist dort rechts – leicht zu verwechseln. Deshalb hat’s mir wohl 50 Jahre nach der Kanti im anforderungsreichen Polit-Theater nicht mehr zum subalternen Statisten gereicht.

Standard
Kolumne

Valse riche

Ohne Falschmünzer gäbe  es keine Wasserzeichen auf Banknoten und ohne Wirtschaftsdelikte und Veruntreuungen auch nicht immer kreativere Businessideen. Das kann man neustens hautnah in Vals  mitverfolgen, welch erfolgreiche Bindung die Reagenzien Geldakkumulation und freudsche Kompensation mit Lächerlichkeit eingehen können. – Nein, das soll jetzt sicher nicht im Stile althergebrachter Neiderei verstanden werden, sondern eher so als Aufbruch-Signal.

In Stein gehauener Grössenwahn gibt’s nun überall auf der Welt, aber unser Valser-Stein schlägt nun mal alles, vom Bundesplatz bis nach New York. Ja, der Valser Gneis macht Kohle. Damit will man jetzt höher raus. 381 Meter…endlich sind wir international angekommen: „Allah ist gross, meiner ist grösser.“ Das ergibt dann so einen XXL-Architekturständer. – Gut, die architektonische Form des Penisvergleichs ist ja international anerkannt. Die unermesslich angeschwollenen Menschenkenntnisse will man jetzt auch punkto Gästeansprache nutzen. Man muss ja auch mit dem Geschmack des mittleren Ostens und den Grössenvorlieben dieser Weltreligion gut vertraut sein. Und der Rest der Bündner Touristiker und Kafferahmdeckeli-Sammler wird sich halt plötzlich etwas körperlich benachteilligt vorkommen.

Normerigierende Normalos bringen’s ja auch nicht mehr. Wohlmeinend kann man da Karl Kraus unterstellen, er meinte das wohl auch auf Türme bezogen: es käme ja nicht auf das Aeussere einer Frau an, sondern auf das Dessous. Schliesslich will man ja auch urbane Kulturbegeisterte herholen und begeistern. Die Kunst ist ja seit Camus „ ein Mittel um das Heilige zur erreichen“,  dazu hat man doch schon mal einige Fotos von Giacometti gekauft…und Intellektuelle hat das schon angesprochen, und ich sage bewusst Intellektuelle auch wenn Herr Truffer dabei war. Und ja,  zur Erzielung eines furchtbaren interessanten Effektes soll auch der Kaffeepreis in Vals jetzt dem internationalen Negativzins-Preisniveau entsprechen: so um die 15 Franken.

Aus Turm-Höhe kann man dann auch den letzten Walser-Mohikanern zuschauen, die  in der Dorfdüsternis des Reservats rumstoffeln. Und sieht erst noch auf’s neu einfliegende Geld. Schliesslich bekommt Vals auch noch eine Mehrzweckhalle, so als Ghetto-Grenze. Aber das wird dann ein bisschen so sein, wie wenn Mamma zum Nachtessen ruft, und niemand hat Hunger weil
er schon zweimal Zvieri hatte.

Standard
Kolumne

Oster-Kreuzfahrt

„Er sass in den Ferien auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik im Liegestuhl als ihn die Nachricht von der Aufhebung des Mindestkurses erreichte. Sämtliche Budgets waren mit einem Schlag Makulatur“, erinnert er sich an das Schockmail….“ – Das Schicksal eines Bündner Verwaltungsratspräsidenten, hautnah erzählt im Bündner Tagblatt. Erschreckend aktuell für uns, die wir uns nicht vorstellen können, was so managende Krawattenträger alles zu ertragen haben. Wir, die wir nie diese Verantwortung riechen können, wir frühgelangweilten Rentner, leserbriefschreibenden Jobsucher oder alleinerziehenden Migros-Verkäuferinnen lesen solche Texte mit Genuss.

Wir, die wir die Hölle nur noch als Religionserpressungsmittel kennen und bisher auch keine Schwimmwesten auf Kos brauchten

Der geneigte Leser kann erfahren, wie es so einem geplagten Leader gehen kann. Hier, wo die Schneekanonen störungsfrei zu surren haben und die Gotthard-Röhre uns auch bald an Ostern erlöst, ist das fundamental. – Und da lernen wir auch, dass Kreuzfahrten so ein Schockpotenzial haben können. Wir, die wir die Hölle nur noch als Religionserpressungsmittel kennen und bisher auch keine Schwimmwesten auf Kos brauchten. – Alles funktionierte, und jetzt kommen diese Scheiss-Ausländer, die uns alles wegnehmen – mehr als das Badetuch auf Deck, sogar die Argumente…Wir, die wir gerade wissen, dass Saudiarabien nur Freitags köpft und wir gleichentags Fisch essen. Da erfahren wir dann, was uns alles erwartet im Rest der Welt.

Ohne Weltprobleme wären wir putztundgschtrählt. Mitfühlend hab’ ich doch kürzlich auf facebook bei einer bekannten Bündnerin mitgelesen …(ich schwörs Originaltext): “Auf dem Schiff ist es wunderschön. Jedoch wenn man ins Hinterland fährt sieht man viel Armut, Dreck und Elend bei Mensch und Tier was denn alles wieder sehr relativiert. Ich komm dann ganz verstört wieder zurück aufs Schiff. Freu mich au sehr wieder uf daheim.“ – Nein, nix christlich fremdschämen, wir haben doch alle so ein mittelmässiges Mitleid mit diesen Flüchtlingen. Die müssen ja nur nicht gleich…

Darum bin ich froh, dass unsere Führer diese tonnenschweren Probleme erkannt haben. Deshalb auch die Obergrenzen. Nicht immer die für Volltrottel, aber doch in klaren Zahlen. Darum laufen denen schon circa 30 % der Schweizer nach; und punkto kriminalisierte Minarette schon über 50%. – Wie eine weisse Schafherde auf Koks. – Ja, zum Glück gibt’s Kreuzfahrt-Schiffe: da sind wir wenigstens unter uns mit den vollen Louis Vuitton-Taschen.

Standard
Kolumne

Wääh Torriani

„Ich heisse nicht Peter, ich heisse Peider, das ist rätoromanisch.“ sagt der Bündner Kameramann zur deutschen Regieassistentin im neuen Torriani-Musical. „Macht ja nix“ meint die. Grins, schön dass die Kultur-Grenzen sich erfreulich vermischen…

Ja, man kann auch Kulturschaffende entlang ihrer Einnahmen sortieren. – Aber es ist nicht so, dass Elite Elitengeschmack hat und Masse einfach Massengeschmack.

 

Theater ist ja da um Grenzen zu verwischen. Doch manchmal versteht man manchmal nicht so alles, was da geboten wird oder ob das jetzt gut ist. Sagt dann ein Herr Wichtig, dass das ganz toll und richtig, dann hilft das schon. – Heilige Kühe der Kunstwelt lassen sich meist einfach künstlich erschaffen. Zu Kultur-Marketing gehören eben auch einige professionelle Kunstschwätzer, die das dann schönreden oder schlauschreiben. So wie ich das jetzt mache: nächste Woche ist die Churer-Premiere von „Hotel Victoria“ – dem Vico Torriani Musical. Einfach ein Hingucker, zwei Torrianis in einer Screwball-Kommödie, klassische Stimmen, Chorus-Girls, wunderschöne Szenen. Eine mit dem 12 jährigen Vico als Liftpage, der glockenhell „Chara lingua“ singt bis die Silberfäden schmelzen.

Igitt Schlager! Da kann man sich natürlich fragen, ob so Schnulzenkultur wie „Schöön und kaffebraun“ jetzt gut oder schlecht ist ? Meine Güte schlecht ist’s nur, wenn man’s schlecht macht…90 Prozent des ganzen internationalen Kulturbetriebs ist doch Marketing. Wenn ich bedenke, wieviel Schrott zu Hochkultur hochgeschrieben wird…und umgekehrt viele Kulturschaffende nur eine Rand-Eck-sistenz in der Ferienecke haben– sie leben nämlich am Existenzminimum.

Kürzlich am Radio eine piepsende Jungmoderatorinnen-Stimme: ob es nicht so sei, wer Kultur machen wolle, solle die halt selber zahlen. Ja, man kann auch Kulturschaffende entlang ihrer Einnahmen sortieren. – Aber es ist nicht so, dass Elite Elitengeschmack hat und Masse einfach Massengeschmack, liebe Opernhausbesucherin, lieber Literaturclub-Zuschauer, das hat sich alles so vermischt wie beim Vico-Musical die Filetto-Sossen. Gute Kultur wird in ganz verschiedene Saucen getunkt. So vermischen sich heute auch immer mehr Hochkultur und Populärkultur: je jünger die Leute sind, desto häufiger. Das wollten die Macher: einen Hinseher, der dem Tourismus etwas Geld bringt, und der Bündner Kultur ein weiteres Gesicht gibt. Mit viel Herz und Harmonie. Wau nitt Wääh. – Bescheiden meint auch der Engadiner Peider zum Musical-Vico: “Mol, jo. Wenn miars nid übertriband, find i’s schu no luschtig.“

Standard
Kolumne

Bündner Seele

„Gohn endli zuma Psycholog…“, sagte die Ehefrau von Gian nach dem Januar an dem er antriebslos an allgemeiner Lebenstrübung, Mattheit und Geistesarmut litt: „ du kannst nicht jahrelang nur mit dem Hund zum Vehdokter gehen, die Welt besteht auch nicht nur aus Hirsch- und Wolfproblemen – tuan öppis.“ Da ging er dann wohl oder übel, wissend zwar, dass in seiner Lieblingszeitung zwar auch meist nur über Wolf-Füllthemen und Wohlfühlthemen gesprochen wurde. „Das ist Presse Baby, da kannst du nichts machen.“ meinte seine Madlaina mit einem Humphrey Bogart-Spruch: „… wir sind doch real“.

…dass er in der Kleinklasse mit 4 Schülern im Oberhalbstein schon immer schlauer war als der Rest und wie belastend dieses Oberhalbsein für ihn gewesen sein muss.

Der Seelen-Dokter eröffnete ihm die volle Garnitur: dass Gian eher von leicht phlegmatischer Disposition, voller imitierter Lebensbewegungen, bestenfalls mit Aufwallungen ohne Tiefe sei, aber unter leichter Beschäftigungsneurose litt. Dass sein Leben so etwas wie auf Tempomat sei, doch leidlich gut funktioniere, wenn auch mit etwas viel Selbstablenkung – „ halt so wie vieles in ihrer Lieblingszeitung“. Gut, Social Climbing als Extremsport war nicht sein Ding. Er hätte eben „ so eine resignative Reife“. Gerne frönte er zwar alle 3 bis 4 Jahre seiner Sammelleidenschaft: Olympia-Dossiers sammeln. Das äussere sich dann doch in quälend unerträglichem Psalmodieren über Zukunftschancen oder im Strudelteig-Auswalken von Hochschulstudien.

Dass er bei aller äusserlichen Klugheit und Redlichkeit innerlich voller Partei-Vorurteile und Verbohrtheit stecke, vermerkte der Dokter dann nur nebenbei und etwas gedämpft. Gemeinsam therapeutisch rückwärts blickend fanden sie den Grund: dass er in der Kleinklasse mit 4 Schülern im Oberhalbstein schon immer schlauer war als der Rest und wie belastend dieses Oberhalbsein für ihn gewesen sein muss.

„Patschifig,“ meinte der Shrink: „ …sie sitzen im gleichen Boot wie Tausende von Bündnern, Herr Grossrat…“. Aber übervolll sei das Boot ja nicht, im Gegenteil eher vielleicht bald etwas unterbelegt. – So endete dann die Schlussbesprechung. Er solle jetzt vielleicht dieses fantastische neue Buch über Traumdeutung von Sesselbahn-Anlagen lesen. Eine vorübergehende Orientierungspause könne nicht schaden. – Reto, sein Freund, der unendlich viele Naturdoks gesehen hatte, meinte auch noch: „ Weisst du Gian, auch bei den Steinböcken dominieren im Grunde genommen die Geissen…“ – Da wusste er, dass er gar nichts mehr ändern müsse in seinem Leben.

Standard
Kolumne

Elefantensterben

Am liebsten alles beim Alten, meinen wir Alten. So halten wirs auch in meiner Seniorenriege, vom Turnfest bis zum Mountainbiken: immer nur die wohlgeübten Armschwünge  und immer die gleichen Bergstrecken. Ja, und wir machen halt alle gern auf jung. –  Zu meiner Jugendzeit war auf dem Plakat des Zirkus Knie ein junger Elefant, drinnen aber waren diese etwas angegrauten Tiere,  die von Jahr zu Jahr melancholischer, trauriger und unahnsehnlicher wurden. Gut, das ist heute viel besser: der Zirkus passt sich an, die abgeschlafften Elefanten wurden abgeschafft.

Immer so stereotyp den Rüssel zu schwenken, macht schon etwas abgeschlafft. Auch da hat man sich angepasst: meine Jahrgänge altern etwas langsamer, dafür glauben sie heute etwas mehr an Aktien als ans Jenseits.  Doch auch Aktienkurse können abschlaffen. Zum Beispiel der REpower-Kurs: immerhin ein Unternehmen, dass dem Kanton einige Hundert Mio. versenkt hat, und jetzt dem Chef leider nur noch etwas über 700’000 Fr. Jahreslohn geben kann, weil es denen doch so schlecht geht. Etwas irritiert hocken wir Aktionäre dann wie abgenudelte Plüschelefanten an deren Generalversammlung und glauben noch immer hinter allem eine Strategie oder sogar Geschäftsintellekt zu ahnen. Zugegeben: die neue RE-Strategie ab 2016 auf erneuerbare Energie zu setzen, wär’ ja so vor 20 Jahren visionär gewesen.

Immer im Kreis hintereinander Schwänzli an Rüssel und immer nach der Pfeife des Axpo-Elefantenflüsterers.

 

Jetzt brauchen wir doch Muntermacher und Aufsteller schrieb mir (und rüsselte) kürzlich auch Graubündens abgeschlaffter, abgeschaffter Tourismus-CEO vorwurfsvoll. – Gut, ich würde auch lieber einen Text schreiben, der genug Schnee für fünf Wintersaisons hat. Aber immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten, sei doch Wahnsinn, meinte schon Einstein.  Ob das Genie wusste, dass bei uns immer  wieder die altbekannten Regierungs-Elefanten ihre wohlbekannten Elefanten-Ehren-Runden als Strom-Verwaltungsräte drehen? Immer im Kreis hintereinander Schwänzli an Rüssel und immer nach der Pfeife des Axpo-Elefantenflüsterers.

Sicher wusste er, dass Elefanten im Gegensatz zu unseren Managern ein gutes Gedächtnis haben. So gesehen ist der Elefant im Porzellanladen eigentlich weniger schlimm als der Igel in der Kondomfabrik. Oder der Stromboss aus Graubünden, der  mehr als dreimal mehr verdient als die Regierungsräte. – Gut, den überlassen wir jetzt seiner eigenen Beschämung, die wohl nicht sehr alt wird.

Standard
Kolumne

Vom weihnachtlichen Grenznutzen

Die erste Carvingabfahrt um 9 Uhr am Stätzerhorn ist meist die Schönste…die Schwünge danach sind’s dann meist schon etwa weniger. Das nennen die Ökonomen den abnehmenden Grenznutzen. Beim dritten Stück Schwarzwälder lässt eben der Speichelfluss nach. Wir Alten wissen eh, dass vieles mit der Zeit verleidet.

Ich kann ja auch nicht permanent atemlos rumlaufen wie eine Helene-Fischer-Melodie.

Gegen Dauerreize wird man halt etwas abgestumpfter, sagt mir meine Küchenpsychologie. Darum gibts auch so Vorbild-Senioren wie der Udo, der seine Freundinnen aus Abwechslungsgründen im Konfirmanden-Unterricht abholt. Auch Hanspeter Danuser lebt uns doch den Gernejung vorbildlich vor, man kann ja nicht immer die gleichen Kinder grossziehen…Als Senior kann man auch nicht Dauerwandern, das weiss jeder pensioniert Postchauffeur. Und Dauer-Weihnachten sind auch nichts für die Meisten. Da ist wie Dauer-Wellness: es will ja auch niemand 2 Wochen am Stück massiert werden. Darum genügen den meisten Menschen die ersten Weihnachtstage, die folgenden können oft irritieren. Ich kann ja auch nicht permanent atemlos rumlaufen wie eine Helene-Fischer-Melodie.

Als TV-Serienfreak weiss ich aber, dass solche Serien-Freude-Killer wie ich aussterben. Und zudem als 66 Jähriger auch zuverlässig, dass ich statistisch noch 15 Jahre leben könnte, aber vielleicht wird’s eh schon vorher. Und immer vor 18 Uhr zu essen damit ich noch 15 Jahre lebe, ist ja auch keine Alternative. – Das tönt jetzt aber schon etwas grenzwertig. Das wollte ich jetzt aber nicht so kurz vor den Festtagen, jetzt genau nicht, ist jetzt kein guter Gesprächsauflockerer mehr – Lebensfreude soll aufkommen. Und dass auch das Leben einen Grenznutzen hätte, ist auch etwas weit hergeholt und nicht so christkindlich erlösend. Das mit der Endreinigung ist eben so eine Sache…Aber, aber man sollte Religiöses nicht mit Ferienwohnungen vergleichen. Das ist höchstens was für Walliser CVP- und Bündner-Zweitwohnungs-Politiker.

Gut, ich bin seit Jahren weihnachtlich darauf vorbereitet, dass es läutet und der Papst vor der Türe steht. Der würde mir dann endlich beibringen, das Zweifel falsch sei und nicht die richtige Chipsmarke zum Fondue Chinoise. Darum sollte ich demütig mein Haupt und meinen Silber-Rücken beugen (und nicht nur ein paar Wörter). Da glaubt mann dann vielleicht wieder mehr ans Christkind. Aber sicher sollte man nie eine satirische Weihnachtskolumne schreiben – Zeitungsseiten haben eh einen Grenznutzen.

Standard