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Wahlverwandschaften

Diesen Sommer ging’s bei den Churer Wahlen um Wahlverwandschaften. Einer der 50 Cousin des Stadtpräsidenten bewarb sich im  zweiten Wahlgang um einen Stadtratssitz, wurde dann nicht gewählt. Keine Bange, ihr Wutbürger, sag ich da, Verwandtschaften sind vielleicht gar nicht so gefährlich…undja, wenn mir der Durchblick fehlt, helfe ich mir mit Rückblick… diesmal auf Verwandtschaften.

…das sind Shakesparesche Castingverhältnisse. Sieht jetzt aus wie auf dem Klappentext eines Verwechslungsromans

Was so richtig verwandten-mischeln ist, zeigen uns drei  aktuelle Regierungsräte, die überhaupt nicht verwandt sind miteinander, aber geistig schon irgendwie. Haben Sie zum Beispiel die Schilder der Churer Rechtsanwälte und Notare studiert? Da gabs mal Kunz, Mengiardi und Toller. Mengiardi Eins wurde Regierungsrat. Der Sohn von Kunz, also Kunz Zwei ist FDP- Fraktionschef und heute Partner von Ständerat Schmid, das sind die Cheerleaders . Und jetzt wird’s übersichtlicher: Mengiardi Eins ergänzte dann später mit Bänziger und Toller die Anwaltspraxis, raten sie, wo der spätere Regierungsrat Christian Rathgeb Partner war – auch dort. Also der gleiche Mengiardi Eins, der auch Partner von Regierungsrat Cavigelli war– diesmal durfte auch die CVP mittun (aber die könnens ja auch ). Weil man ja auch nicht so pingelig ist mit Parteizugehörigkeit. Mengiardi Zwei, also der Sohn in den Startlöchern, ist jetzt bei Conrad, Mengiardi, Clavadetscher…daraus stammt wieder die BDP-Regierungsrätin Barbara Janom Steiner. Noch Fragen?

Das müssen sie sich aber nicht merken, so funktioniert das Polit-Branding im System Graubünden. Ich weiss das ja schon, aber weiss das das Publikum mit unseren regionalen Unterforderungsmedien? Polit-Erbschaften sind doch angesagt, das ergibt einfach ein so übergreifendes Narrativ einander überlagernd, total modern. Das ist auch Authentizität, kommt beim Volk guat an, so: „hey, ich bin auch nur ein Steinbock.“

Man sieht woraus ich hinaus will: das sind Shakesparesche Castingverhältnisse. Sieht jetzt aus wie auf dem Klappentext eines Verwechslungsromans; aber das sind keine Cousins. Es sind alles nur RECHTSanwälte, also halb so schlimm,  so ein Churer-Swinger-Club der selbstreferenziellen Art, die sich halt mal Parallelhierarchien schaffen, wie zum Beispiel bei der Repower, wo als nichts mehr zu retten war, am Schlusse sogar mal eine Status-Mikrobe, ein SP-Ex-Regierungsrat, mittun durfte, so als Alibi und Kontrastmittel. Und Händewaschen rettet ja Leben, steht auf den Schildern in den amerikanischen Krankenhäusern.

Also, zur Sache: Die Wahlverwandtschaften ist ein Roman von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1809. Er beschreibt die Geschichte des in abgeschiedener Zweisamkeit lebenden Paares Charlotte und Eduard. Das endet dann in Leidenschaft und Chaos… exgüse, wollten sie gar nicht wissen? – Verwandte…weiss nicht wieso man sich da aufregen kann, ihr Weltuntergangbesprecher? Das zeugt doch noch von Machergeist dieser Tatelite in dieser Müdigkeitsgesellschaft mit ihren Ordnungsfantasien und ihren Cousin-Bashings. Noch  2 Jahre und einer davon sitzt sicher im Bundesrat oder im FIFA-Vorstand. Dann gib’s einen tollen Empfang der Regierung in der Bahnhofstrasse.

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