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Das Leben ist ein Steilhang.

Wir präsentieren so eine nichtganzneue Tourismus-Idee: so im Anfangsstadium damit alle mega-demokratisch mitkommen können. Ein Projekt für ein Hybrid- und Footprint-Hotel auf der Wiese oberhalb der Luziensteig. Die Präsentation ist im Stall auf der Luziensteig – genannt Suscht – dort fand früher der Pferdewechsel statt.  Abladen und Aufladen. Suscht eigentlich nicht so viel Neues. Eine Zeitraffer-Kamera hätte erfasst, dass sich dort oben in rund 2000 Jahren relativ wenig baulich veränderte. Und mit etwas Naturschutz-Sensorium, Marktsensibilität und Wertschöpfungserfahrung bekäme man da einiges hin…

In der Nähe viel Militärisches. Früher, seit der Römerzeit war das ein strategisch wichtiger Passübergang. Erinnert an die militärische Strategie-Entwicklung. Im Militär mal gelernt: Zuerst Raumverteidigung, dann dynamische Raumsicherung und später Militärkooperationen.

Und moderne Gäste wollen doch eh nicht in diesem Schaf- und Pferdemist…

Zuerst dann die Präsentation: ganz professionell durch Projektleitung und Stadtpräsident. Die Zuhörenden, Gemeindemitglieder und Neugierige,  wollen sich offensichtlich nicht zuviel Aufladen, vielleicht lieber zuerst mal Abladen. Bei der Fragerunde: Zuerst spricht der in die Jahre gekommene Herr Doktor, wahrscheinlich heimlich unterwühlt vom Gedanken, dass da Unbekanntes auf ihn zukomme. Der ist für Raumverteidigung. Korrekt justiert und auf seinen angelernten Habitus zählend, erklärte er der Welt, dass er das nicht so gut finde. Irgendwie. (Weil er wahrscheinlich nicht gefragt wurde als Experte.) Und überhaupt: was brauchen wir denn noch sowas. Man sieht’s den Gesichtern an: „ Das ist bestenfalls in den Wind geschissen…“ Und ein Windprojekt haben sie ja auch schon.

Die Nummer zwei – natürlich wieder Mann – findet, das sei ein Landwirtschafts- und Militärgebiet. Schon immer so. Der ist für dynamische Raumsicherung. Und moderne Gäste wollen doch eh nicht in diesem Schaf- und Pferdemist…. Deutlicher Stimmungsabfall mit Lustverlust. Da kenne er anderes. (War wahrscheinlich mal in einem Wellness Hotel im Tirol). Gilt ja auch für uns. Die Nase zuhalten um die üblen Gerüche der Rückständigkeit nicht wahrnehmen zu  müssen, ist ja auch eine Form um die landflüchtigen Kleinbauernköpfe zu saturieren.

Und dann noch der beleibte Herr mit sanfter Kratzbürstigkeit und einsichtigem Zukunftsblick. Fragt so aus röchelndem Gedächtnis, ob der Schiessplatz in Ragaz (der doch etwas weit entfernt scheint) nicht wegen der Fremdenindustrie dicht machen musste. Der ist nun definitiv nicht für militärische Kooperationen. Später nach Mann Nummer 5 eine Frau, die Vierzigjährige,  die sich erlaubt in Kürzestform zu sagen, dass das eigentlich ein schönes Projekt sehr zeitgemäss: „so möchte ich Ferien machen…“

Da kommt dann aber schon die Ü-60-Bäuerin, die sich fragt ob die Kuhschelllen für die neuen Gästen dann abgeschafft werden müssten? (Jetzt wo die Kuhhörner wieder in sein sollten, aber der Bundesrat dafür keine Subventionen geben will.) Das akustische Wohlbefinden der künftigen Gäste ist wohl der Haupt-Knackpunkt, kurz vor der Frage, ob so ein Naturort dann Geld bringe auf diesem leeren kreidebleichen Markt…

Damit sie nicht denken: der mischt sich auch überall ein…..Ich war dabei: bei workshops zum erweiterten Nationalpark im Engadin, im Aletsch-Gebiet, bei der Planung des Parc Ela. Ausgestiegen wurde ich dann, als ich Bemerkungen machte, wie: „ ihr könnt euch ja alles bezahlen lassen, aber macht ihr eigentlich auch mal was selbst?“

Das Leben ist zwar ein Steilhang, diese Naturwiese aber eigentlich nur leicht ansteigend. Heisst eben Steig. Der Ort hat zwar einige Feudalzeiten überstanden (der Fürst ist 2 Kilometer entfernt, und das Bankgeheimnis auch schon), die Feudalzeit der Hotel-Hochkonjunktur auch. Offenbar kann hier auch Markt-Wissen als Sabotage ausgelegt werden, denkt man sich, wenn man diese Reaktionen verdaut. – Da kommt die junge, peacestiftende Weinbäuerin, dies rettend zusammenfasst und meint, das sei doch eigentlich genau das was man sich so vorstelle unter modernen Erlebnis-Tourismus…und Geld bringen könne das ja auch allen. Schlussakkord. Eben, Leben ist manchmal eine Frage der Wortwahl.

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