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Die 68er in GR – ein neues Buch

Morgen erscheint das Buch und wird der Presse vorgestellt. Werner „Mausi“ Caviezel hat in zweijähriger Arbeit ein Buch über die 68er Bewegung in Graubünden verfasst.  Es ist ein spannendes und persönliches Zeitdokument. Mit 31 Stimmen und Portraits von Weggefährten der Bewegung–  mitgestaltet, mitkommentiert und mitgefühlt. Dazu erhöhen zeitgeschichtliche Fotos den emotionalen Kontext. Die Erinnerungs-Bilder sind eingefügt und machens richtig lebendig und süffig. „Ha, hät dä so usgseeh…?? – isch dä au dabi gsii?“

 

Werner Caviezel, Dr. iur. mit Anwaltspraxis in Chur, war in den „wilden 1968er Jahren“ politisch sehr aktiv, vor allem in Graubünden: in der Studentenpolitik, in der ausserparlamentarischen Opposition, aber auch in der SP und in der Gewerkschaft, im Mieterverband, in Umweltschutzorganisationen sowie als Parlamentarier und Richter. Er hat die 68er Bewegung in Graubünden massgeblich geprägt.

Ich war kein 68er… und bin doch…

Der Autor, selbst 68er an vorderster Front, geht auf Spurensuche, sieht sich nicht als Historiker, sondern als Aktivist. Wann und wie wurde auch der Kanton Graubünden von dieser gewaltigen Strömung erfasst? Werner Caviezel blickt hinter die Kulissen und nähert sich der 68er-Bewegung – analytisch aber auch sehr persönlich. Was geschah in Graubünden? Wer war dabei? Was war das Besondere?

Die 68er-Bewegung hat als internationales Phänomen die Nachkriegszeit nachhaltig verändert. Als Rebellion gegen
die bestehende Gesellschaftsordnung und deren Werte – vielleicht die wichtigste soziale Bewegung im letzten Jahrhundert. Neue Klänge und
Modeerscheinungen, Rock- und Popmusik und viele neue Verhaltensformen entstanden aus ihr.

1968 ist eine vielschichtige Chiffre. Sie umfasst Politik und Kultur sowie eine neues Lebensgefühl und einen neuen Lebensstil. Der 68er- Generation wird ein vielfältiger und zum Teil nachhaltiger Einfluss nachgesagt. Und angesichts der heutigen Verwerfungen in Politik und Gesellschaft besteht guter Grund, sich historisch mit der 68er-Bewegung in Graubünden zu befassen.
Klar hat sich in GR nichts allzu spektkuläres ereignet. Caviezel gibt zu, dass nicht selten auch bei den 68ern das kritische Denken versagte. Aber bei wem nicht?

 

Die Anekdoten von Ruedi Albonico, Fortunat Anhorn, Romedi Arquint, Felix Bertogg, Gallus Cadonau, Anna Tina Campell, Armin Capaul, Bernard Cathomas, Christian Crottogini, Leza Dosch, Peter Egloff, Mario Florin, Mario Giovanoli, Andrea Hämmerle, Hanspeter Hänni, Jürg Hartmann, Chris Hassler, Martin Jäger, Claudio Lardi, Anna Ratti, Clà Riatsch, Kaspar Schuler, Hanspeter Seiler, Silva Semadeni, Jürg Simonett, Christian Thöny, Rudolf Trepp, Georg Weber, Hans Weiss, Mario Zulauf und mir sind es schon wert mal reinzugucken.

 

Ich war kein 68er… und bin doch…Als HSGler hatte man damals nur einen Churer-Wochenend-Bezug zu den Bündnern in Zürich. Mit vielen befreundet, auf Reisen oder später in einem Kultur- oder Aktionskomitee. Von der Klibühni bis zu Olympia-Abstimmungen. Und was bleibt mit fast 70? Die vielen Leute, mit denen man schon befreundet war (Jürg oder Peter Hartmann u.a.), einem damals schon imponierten (Andrea Hämmerle) oder man später kennenlernte (Bernard Cathomas, Peter Egloff), die immer noch ausserirdisch kommunizieren (Chris Hassler) oder sich völlig unprätentiös als Top-Berufsleute etablierten (Hans Weiss/ Rudolf Trepp), sie haben alle etwas gemeinsam – sie haben für etwas gekämpft, das man nicht so einfach in ein Schlagwort „68er“ biegen kann.

 

Sie haben einem manchmal vom Tunneldenken befreit, sind nicht in der eigenen kulturellen Komfortzone geblieben und haben auch ihre Selbstprofilierung verlassen können (mindestens mal einige…) Und denkt man dann so aus eigener Sicht: „ Wieso sollte aus dem etwas geworden sein? Aus mir ist schliesslich auch nichts geworden…“ erkennt man, dass wenigstens einige tolle Freundschaften geblieben. Einige 68er-Gedankentransporte haben stattgefunden.

Die Flügelspannweite ist vielleicht nicht so gross geworden, wie die Ikarus-Träume an der Kanti, wo wir uns im Kantonsschülerturverein zuerst trafen, vielleicht nicht unbedingt „sozialisierten“. Aber man kann ja Politik nicht am Barren vorturnen – doch die wenigsten mäanderten wenigstens nicht gleich nach der Uni in all die opportunistischen Gesellschafts-Vorturner-Cliquen. Man erkennt ja den Spiessbürger – haben wir mal gelernt – daran, dass er die Kennzeichen randständiger Subkulturen usurpiert, diese als seine eigenen umdeutet und sie entseelt…(so sehe ich auch mich als 68er.) – Danke Werner Caviezel für deinen Effort zu diesem Buch.

 

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