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wurde schon mal zensuriert …

Unsere aller Zeitung hat seit einigen Jahren ein neues, tolles Kleid mit weniger dafür grösseren Buchstaben. Die füllen neuerdings den Bildschirm, aber noch nicht bei allen den geistigen Horizont. Die neue SO ist vielleicht einfach nur schön, denkt man beim Blättern. Aber nur vom Entblättern hat man ja oft nichts.

Meienberg würde sich den Schuss geben. Der kluge Leser meint eh: „Cogito, ergo stumm.“

„Was wundert ihr euch, dass die Welt untergeht“, zwitschert schon Bischof Huonders Presseberater. Ein Bündner Ex-Bundesrichter erklärt, dass diese Zeitung nicht nur eine Zumutung, sondern nach geltendem Recht schon eine Form von Terrorismus sei. Gian und Giachen posten trocken: „Gschpunna.“ Ein Mediaprofessor vergleicht die Korrelation des ökonomischen Abschwungs  in Graubünden zur Anzahl der ahnungslosen Wirtschafts-Redaktoren und kommt zum Schluss, dass die den Crash auslösten. Die „Medienwoche“ macht publik, dass die Somedia jährlich 2.1 Mio Fr  kassiert „für die Verbilligung der Transportkosten“ und um die „Pressevielfalt zu sichern“ und die Somedia  4.1 Mio Fr. für ihre Fernsehstationen vom Bund bekommt, was die ahnungslosen Bündner eh nicht so recht begreifen. Ganz zu schweigen vom beträchtlichen Mietzins den die HTW mit öffentlichen Geldern ans neue Medienzentrum zahlt. Gut, die stimulieren schliesslich auch gratis und subjektiv die Bündner Bevölkerung zu Olympia… . Die Partei-Pressechefs, die das alles akzeptierten, gewohnt an den normalen Nulltext in ihrem Medium, wünschen sich die frühere, überschaubare Beschaulichkeit herbei: einfach abgedruckte Presssemeldungen. – Noch ist ja nicht alles gesagt über die Nusstorte. Und ja, die Neue sei auch augenschonend meint ein Optiker.

Da hagelt’s los – , Leute, die vorher schon nicht merkten, über was sie nicht informiert wurden, ahnen jetzt, dass das Mediazentrum beim etwas zu gross geratenen Südkreisel von Chur auch eine bewusstseinsbildende Rolle auf die Zeitungs-Regression hat. Seitenfüllende Lebensberatung über Handgeschnitztes und Ziegen, Do(r)fklatsch und Billigreisen– das sei halt wie Ghackats und Hörnli auf Designtellern. Wie schön doch, meint hier der Freund allzubeliebter Redensarten, wenn man sich noch an kleinen Dingen erfreuen kann. Einige Wows und Daumen rauf folgen. Die Deutschlehrer zitieren schon Hans Henny Jahnn: „es ist wie es ist und es ist fürchterlich“, Meienberg würde sich den Schuss geben. Der kluge Leser meint eh: „Cogito, ergo stumm.“

Die zusammengecasteten Multimeinungen summieren sich jetzt zu einem Shitstorm. Die Sonderjagd ist zwar eröffnet, Attacken und Schmerzensschreie sind keine zu erwarten und ab morgen gibt’s bestimmt eine Hotline mit netten Mitarbeitern, die uns einen wunderschönen Tag wünschen… morgen blättern wir ja alle weiter.

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