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e-mtb work-shop im Südtirol

Zur Abwechslung etwas Sport. Da war ich wiedermal unter Experten – e-Mountainbike Studientage im Südtirol. Mit der Bike-Industrie, Touristikern und Bike-Guides…und da fielen so prägnante Sätze wie „ Die Mountainbiker haben das Südtirol entdeckt bevor das Südtirol die Mountainbiker entdeckt hat.“ – Stimmt, wir waren vor 20 Jahren auch schon dort, vor dem Marketing. Letzte Woche gings’ darum die richtigen Leute zusammen zu bringen, zu sehen wer sich vernetzt noch verbessert – und das hat wirklich geklappt.

Natürlich hab’ ich ein eMTB, seit über 2 Jahren. Weil mir schon bewusst war,, dass eMTBs den Bike-Tourismus verändern werden. Bei den Touristikern sind’s natürlich erst die first movers (nur 4 Bündner waren dabei in diesem internationalen Seminar – die steigen meist eh erst aufs Thema auf wenn es in aller Munde ist.). Kenn’ ich von meinen Bike- und Spinning-Kollegen. Kennen wir: „ich werde nie ein E-Bike fahren“. (Die kennen vielleicht das Bild der übergewichtigen aufrechtfahrenden Flyer-Senioren mit diesem Monstrum vor vor sieben Jahren.) Oder auf Bike- Tour: dieser schräge Blick „puuh, der ist electrified.– Mag wahrscheinlich nicht mehr, braucht so ein Motocross-Vehikel, ist nicht so ein Hartgeschwitzender wie wir.“ Das ist die Zielgruppe, die ich gut verstehe, in- und auswendig kenne: die core-MTBers; sind noch ansprechbar auf aggressive Biker Werbung mit hartgepolsterten Hardcore-Abfahrern. Obwohl wir ja vorwiegend uphill nach Brambrüesch biken und uns kaum mehr auf die downhill tracks getrauen. Eben, in unserem Alter, die meisten mehr und lieber aufwärts fahren (und viele Gäste, die Geld bringen auch). Es gibt jetzt schon zu wenig einfache Trails.

Kennen wir: „ich werde nie ein E-Bike fahren“

Jeder der’s ausprobiert, merkt die Leichtigkeit dieser fast neuen Sportart. Ex-Mountain Biker, die plötzlich merken, dass es neu Orte geben wird, die er vorher nicht erreicht hat oder nicht mehr schafft. Ich fahre neu mit dem gleichen Trainingseffekt von Chur aus zur Calandahütte oder zur Maighelshütte. (Hab’ ich früher auch geschafft) mit dem eMTB schafft man so 1000 Höhenmeter und 50 Kilometer je nach Batteriebeanspruchung locker, kann sich aber trotzdem auskotzen). Im steady state, also mit einem 120er Puls. Mit einem E-Bike hast du pötzlich einen viel weiteren Erlebnis-Radius bis 70 km. Da kommst du plötzlich auf einen uphill-flow. Aufwärts ist das neue Flowerlebnis. Touristiker denkt daran bei euren Netzen: die Leute dürfen auf keine Fall schieben müssen. (Das Bike ist nun ja 20 Kilos statt 10 Kilos…) Auf jeden Fall bin ich nach 4 Std. Fahrt meist kaputter…und es ist eben ein Spassmobil. Die meisten Pros die beides fahren (also Mountain-Bike und e-MTB), fahren heute zu 80% auf den Elektros.

Der Boost kündigt sich an. Die eMTB Produzenten kommen nicht mehr nach mit liefern. Zur Zeit haben wir einen Verkäufermarkt. Heisst aber noch nicht, dass wir jetzt Massen von E-Bikern erwarten dürfen. Das ist wie bei den SUVs: die Städter kaufen sie lieber – in Frankfurt und Zürich ist das in. 4×4-Vehikel die selten dreckig werden. Goldgräber-Stimmung herrscht bei den Radshops.

Für den Tourismus heisst das: die motorisierten Städter werden in den nächsten Jahren auch unsere Mountainbike-Gebiete saisonal besuchen. Neue Leute, Genussbiker. Die Käufer-Masse wird breiter (auch die Ärsche sagt man,  die neuen sind Biker sind schwerer, bringen mehr Gewicht auf die Bikes…;-) Sie werden mit neuer Bildsprache umworben: man zeigt Natur, sanfter und langsamer. Grosse Landschaft: der Biker ist im Bild viel kleiner. Entspricht genau der neuen GR-Strategie… Eben: Die Städter mit dem SUV-Verhalten wollen kontrollierte Natur-Abenteuer.

Und was man doch bemerken muss: Graubünden is best. Marc Woodtli von Flims Laax Falera Tourismus hatte die besten Informationen für Praktiker. Im Gebiet der Arena gibts schon 7 Ladestationen. Nach 1000 Höhenmeter und 10 bis 12 km kann man aufladen. Und zwar ohne Ladekabel, für alle 5 markgängigen Batterie-Typen von Bosch bis Yamaha…eine Weltneuheit.

Ladestationen können auch Konflikte zwischen Wanderern und Bikern besser lösen. Die Lenkung der Bikerströme ist entscheidend. Weil E-Biker dort hinfahren wo die nächste Ladung möglich ist. Man kann sie also auf die richtigen Trails steuern. (E-Biker sind vielleicht etwas bequemer, man kann sie also auf bestehende Forststrassen lenken…die Naturschützer danken’s) Die Surselva ist zur Zeit an einem Projekt, dass ermöglichen wird von Chur über Ilanz bis nach Andermatt, Blenio oder ins Wallis zu kommen. Das ist Pionierarbeit.

Und für die Touristiker: zusammenhängende Mehrtagestouren – nicht diesen langweiligen, blauen Schweizer Mittellandsrouten entlang – können wahre Erfolgs-Wertschöpfungen auslösen. Ich war mit meiner Frau (eben: die kommt so auch mit – Frauen sind die neue Targetgroup) auf der Herzroute – vom Bodensee zum Genfersee. Jeden Tag 800 bis ca.1000 Höhenmeter (damit viel schönere Aussichtsrouten, das machts aus) und ca. 50 Kilometer. Auch die Hotels an der Route geniessen den neuen Flow….

Ach, und was ich meinen Bike-Kollegen und den Touristikern mitgebe: „ Ihr werdet euch daran gewöhnen“. Und wenn die Batterien in 5 Jahren ganz andere Leistungen erbringen können, werden vielleicht die Ladestationen schon out sein, das Gefühl einer neuen Zielgruppe für einen neuen Ferienspass wird bis dann aber destinationsspezifisch etabliert und positioniert sein. Die neuronale Erregungsleitung für diesen Spass muss man eben antrainieren.

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