Kolumne

Echolalier

Das wissen sie vielleicht ja noch aus ihrer Bildungszeit. Weil Zeus etwas Zeit für seine amourösen Abenteuer brauchte, gab er der Echo den Auftrag seiner Gattin Hera ablenkende Geschichten zu erzählen. Als Hera das entdeckte, beraubte sie Echo zur Strafe der Sprache und ließ ihr lediglich die Fähigkeit, die letzten an sie gerichteten Worte zu wiederholen….seither tönt’s YOLO-loitüü bei uns von den Felswänden oder YOLO (you only live once) per SMS.

…lieb ich eigentlich eher die Anwälte…„Hab ich nicht, ich war immer und habe nie, nicht dass ich wüsste.“,

Daraus ergab sich ein neuer Menschenschlag: Die Echolalier (ein medizinischer Ausdruck). Sie machen und sagen alles dreimal hintereinander – hintereinander – hintereinander. Das ist nicht nur bei mir und meiner Generation zunehmend.  Wenn man drei mal wöchentlich den Schlüssel suchen muss, lehrt das einem alles zu repetieren wie im Wiederholungskurs.

Jetzt echoen sie wieder das Mantra „Die Energiewende ist schuld“,  dreimal wiederholt. Bei posttraumatischen Belastungsstörungen besteht die Therapie ja darin, seine Geschichte immer wieder und immer wieder zu erzählen, bis sie einen nicht mehr betrifft. – Aber meist wiederholt man ja alles, weil man Angst hat vor dem Nichtverstehen. Ich gehör’ auch dazu, Männer über 50 müssen halt öfters aufs WC; dort kann man dann auch wieder und wieder drücken bis bis die Kacke dampft, in Wirtschaft und Politik gibt’s halt viele Echolalier.

Ich verstehe, wenn man ein kleines Repertoire hat wie zum Beispiel das Wirtschafts-Jodelchörli „EC(H)O-nomie Graubünden“, da  heizt man immer wieder gerne seine alten Liedli auf. Das ewiggleiche Gejodel könnte man zwar auch durch den Song von Steff la Cheffe ablösen: „ ha ke Ahnig, ha ke Ahning…chumme chumme nid drus…“ Aber das ist dann eigentlich auch Echolalen, nur eine etwas modernere Form. Leider tönt’s dann am Schlusse eher wie ein Echo-LALLEN, so im Koma, im Koma…

Unter den Echolaliern lieb ich eigentlich eher die Anwälte, die sind schon variantenreicher wie im Krawattenauswechseln und subtiler im Wiederholen: „Hab ich nicht, ich war immer und habe nie, nicht dass ich wüsste.“, als pflegeleichter und knautschfester Allzweck-Abwehrsatz und wohltrainiertes Allround-Alibi. Das kann man natürlich nicht oft genug wiederholen. Das kann man immer anwenden, auch im kleineren Kreise wie bei Repower, den Valser Hotels, dem Stilli Park in Davos oder anderen Schenkkreisen.

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