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ein Norm-Chur

Ein Normcore ist einer unter vielen, sogar sehr vielen – so ein Mittelmässiger. Ich bin wahrscheinlich sogar ein Norm-Chur, der Durchschnitt vom Durchschnitt: ein Würstchen, erkennbar daran, dass es zu allem meint seinen Senf dazu geben zu müssen. – Doch Kopf hoch es gibt Wege um die eigene Seltenheit zu beweisen. Einigen genügt da ein Enkel- oder Weinflaschen-Föteli auf Facebook und bei einigen muss man die endlosen Kreuzfahrt-oder-Maiensäss-Sonnenuntergänge auf dem i-Phone bewundern…Alles tolle Formen der forcierten Selbstbeschreibung.

… kommt aber nicht immer gut an, sieht man meist an den Gesichtsausdrücken der Notabeln, wenn man sich in Chur begegnet.

Für unsereiner ist einer der süssesten Früchte des Erfolgs, die friends mal so richtig aufzumuntern mit einem Vorschlag für eine Serie. Diesmal ist’s „Black Mirror“ auf Netflix, läuft seit Oktober. Eine „mutige, schwarzhumorige Studie über die modernen Medien“ Ja, und sie meint unsere naive Fröhlichkeit,  Dankbarkeit für die digitalen Helferlein, für Sharing, Siri-Spracherkennung und Kameras könne fatal enden. – Die Serie  ist vielleicht etwas weiter als Mozart-oder Goethekenner (nichts gegen die zwar) zu  begreifen willens sind…

Zurück zu den Wurzeln: Will man kein Normchur sein, brauchts rigide Statusmarkierungen, man braucht seinen Distinktionswert – wie es früher eine Ro! lex!  oder ein Mercedes war. Nur, die meisten haben natürlich nicht so ein grosses Arsenal in einer Welt, in der man sich von morgens bis abends ausstellen soll. Leicht bis mittelprächtig verkalkte Freunde kann man schon mit weniger beeindrucken: Zum Beispiel mit dem Kalauer: „ Die Bündner sind grosszügig, sie vergönnen einem alles.“ Da vergönne ich mir auch ab und zu mal die hochzunehmen in einer Kolumne. Kommt aber nicht immer gut an, sieht man meist an den Gesichtsausdrücken der Notabeln, wenn man sich in Chur begegnet.

Gut, wir versuchen ja alle krampfhaft unsere Statusfassade zu optimieren, gleichzeitig auch unsere Psychofassade. Die Psyche sollte mitkommen, wenn ich’s zu etwas bringe. Muss man ein Leben lang, wenn der Status steigt. Das sieht man dann am Fussgängerstreifen, wenn das Gesicht des BMW-Fahrers aussieht, als ob er „Mein Kampf“ hören würde auf der Mega-Soundanlage. – Viele tragen doch oft schwer an ihrer eigenen Bewunderung.

Ja wir sind halt  in einer Welt, wo bald jeder versucht die intentionale Stilisierung des Lebens mit eigener Seltenheitspositionierung zu markieren. „ Je lauter er schrie, desto niemander kam.“ hat Tucholsky mal gesagt. Man muss sich halt schon Anerkennung erschreien. Das ist wohl die Grundstrategie der Masseneinwanderungs-Initiative. Wer Angst hat, er bleibe ein Normcore stimmt ein in diesen Chor. „Nichts ist schlimmer als unsichtbar zu sein.“, hat doch schon Breivik gesagt, der norwegische Rechts-Attentäter.

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