Kolumne

Elefantensterben

Am liebsten alles beim Alten, meinen wir Alten. So halten wirs auch in meiner Seniorenriege, vom Turnfest bis zum Mountainbiken: immer nur die wohlgeübten Armschwünge  und immer die gleichen Bergstrecken. Ja, und wir machen halt alle gern auf jung. –  Zu meiner Jugendzeit war auf dem Plakat des Zirkus Knie ein junger Elefant, drinnen aber waren diese etwas angegrauten Tiere,  die von Jahr zu Jahr melancholischer, trauriger und unahnsehnlicher wurden. Gut, das ist heute viel besser: der Zirkus passt sich an, die abgeschlafften Elefanten wurden abgeschafft.

Immer so stereotyp den Rüssel zu schwenken, macht schon etwas abgeschlafft. Auch da hat man sich angepasst: meine Jahrgänge altern etwas langsamer, dafür glauben sie heute etwas mehr an Aktien als ans Jenseits.  Doch auch Aktienkurse können abschlaffen. Zum Beispiel der REpower-Kurs: immerhin ein Unternehmen, dass dem Kanton einige Hundert Mio. versenkt hat, und jetzt dem Chef leider nur noch etwas über 700’000 Fr. Jahreslohn geben kann, weil es denen doch so schlecht geht. Etwas irritiert hocken wir Aktionäre dann wie abgenudelte Plüschelefanten an deren Generalversammlung und glauben noch immer hinter allem eine Strategie oder sogar Geschäftsintellekt zu ahnen. Zugegeben: die neue RE-Strategie ab 2016 auf erneuerbare Energie zu setzen, wär’ ja so vor 20 Jahren visionär gewesen.

Immer im Kreis hintereinander Schwänzli an Rüssel und immer nach der Pfeife des Axpo-Elefantenflüsterers.

 

Jetzt brauchen wir doch Muntermacher und Aufsteller schrieb mir (und rüsselte) kürzlich auch Graubündens abgeschlaffter, abgeschaffter Tourismus-CEO vorwurfsvoll. – Gut, ich würde auch lieber einen Text schreiben, der genug Schnee für fünf Wintersaisons hat. Aber immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten, sei doch Wahnsinn, meinte schon Einstein.  Ob das Genie wusste, dass bei uns immer  wieder die altbekannten Regierungs-Elefanten ihre wohlbekannten Elefanten-Ehren-Runden als Strom-Verwaltungsräte drehen? Immer im Kreis hintereinander Schwänzli an Rüssel und immer nach der Pfeife des Axpo-Elefantenflüsterers.

Sicher wusste er, dass Elefanten im Gegensatz zu unseren Managern ein gutes Gedächtnis haben. So gesehen ist der Elefant im Porzellanladen eigentlich weniger schlimm als der Igel in der Kondomfabrik. Oder der Stromboss aus Graubünden, der  mehr als dreimal mehr verdient als die Regierungsräte. – Gut, den überlassen wir jetzt seiner eigenen Beschämung, die wohl nicht sehr alt wird.

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