Kolumne

Fascht a Familia

Die Philosophen raten uns ja von allem das Beste zu nehmen wie so von einem Dessert-Buffet. Also vom Kommunismus das Ausgleichende, vom Kapitalismus das Ueberlebende, vom Katholizismus das Theatralische, vom Hinduismus das Erleuchtende und vom Tourismus die Devisenkurse. – Der Tourismus ist ja nach dem Ableben des Kommunismus und der Krise des Kapitalismus zur weltumspannenden Ideologie geworden. Da darf ich mich als amtlich beglaubigter Tourismusexperte also auch über fast alles auslassen.

 …und der Porsche-Sessellift wird nächstes Jahr durch den Tesla- Sessellift (für Gutmenschen) ersetzt. Ferrari humanum est.

Tourismus sei der Inbegriff unserer modernen Fluchtkultur. Das sehen wir schon am Segment der Kreuzschifffahrer, die souvenir- und buffetplündernd (fast wie die IS) durch die Welt ziehen. Aber im Grunde genommen laufen sie der Masse davon. Da wird halt alles immer ähnlicher. Alles schleppt sehr ähnliche Koffer über immer gleich aussehende Flughäfen und Shoppingmalls zu denselben Zielen. Ja, alle glücklichen Familien gleichen sich, das wissen wir spätestens seit Tolstoi. Darum ist auch in der Bündner Tourismus-Familie alles so ähnlich wie auf der ganzen Welt.

Auch wir Bündner verkaufen nun Fleisch aus weniger wohlbeleumdeten Weidegegenden. Die Jüngsten fahren ab auf alles andere als Ski. Im Alter gleicht sich das auch aus: Der Geschmack reicher Russen und Araber entspricht inzwischen schon jenem von betagten, blondierten italienischen Erstfrauen. In St. Moritz stolpern zwar zum „150 Jahre Champagnerklima“ noch einige abgerubelte Russenpelze rum, aber grundsätzlich kochen alle mit Prosecco. Botoxoptimierte gibt’s jetzt auch schon in Thusis und Ilanz. Schneeferien sind halt nur noch eine Kurzzeit-Wiederholung der Eiszeit – und der Porsche-Sessellift wird nächstes Jahr durch den Tesla- Sessellift (für Gutmenschen) ersetzt. Ferrari humanum est. Wir Bündner waren da mal Avantgarde, heute eher Arrièregarde – was soll’s, schneller als der Rubel fallen wir auch nicht.

Solange Reto Gurtner uns bittet, während der Festtage etwas mehr bei der eigenen Familie zu bleiben, ist das schon gut, da werden wir wenigstens etwas weniger globalisiert. Das nützt dann schon mehr dem Tourismus-Bewusstsein als zu versuchen mit PR-Schneekanonen auf uns Spatzenhirni zu schiessen. – Und ja, Touristen sind bekanntlich immer die anderen, und jeder Tourismusexperte meint meist etwas anderes als der andere. Mein Expertenwissen bleibt da gottseidank en famille.

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