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fertig Kolumnist

Presswürste entstehen wenn man eine Wurst unter Druck aus der Brät-Presse wurstelt. Obiger Herr kommt mir vor wie so eine Presswurst. Der Mann ist  CEO der SO-Medien, der ist ja so unter Druck. Eigentlich tut er einem leid, war ein guter Journi, wurde jetzt selber so zu einer Presswurst. (oder vielleicht eher einer beleidigten Leberwurst. Gut, ich bin ihm auch auf die Pelle…) Also, der stieg gottseidank im Bahnhof Zürich in der 1.Klasse ein. Nicht meine Klasse. Und das schreibe ich jetzt, damit er’s später mal gegen mich verwenden kann. Der wird  vielleicht eine einstweilige Verfügung erwirken, dass ich mich ihm mindestens geistig nicht weiter als 200 Meter nähern darf, nicht mal virtuell, und schon gar nicht in einem 1.Klass-Abteil der SBB.

Doch zum Anfang. So wie sich ja Madonna auch immer neu erfindet, meinte ich, müsste ich Kolumnen schreiben und Blogs und rummeinen. –  Aber oha, jetzt hat er’s mir abgestellt. Seit meiner SO-Kolumne für die Energiewende bin ich wahrscheinlich auf dem Index der Frau Martullo. Ein Tag nach dem Erscheinen der Kolumne „bitte wenden“ wurde mir nach 10 Jahren mitgeteilt, dass ich ab sofort nicht mehr Kolumnenschreiber bei der SO sei. Janudenn, an diesem Tag, am Freitag, also vor der Abstimmung wussten die ja noch nicht mal, dass sie verlieren. – Gut, die SVP-Bauern können wir jetzt ja immer noch trösten: „Ihr braucht ja auch keine Warmwasser-Heizung. Ihr kriegt sonst alles geregelt.“

Und es kann ja sehr wertvoll sein, wenn man, warum auch immer, die Fähigkeit hat, Kritik, egal wie laut sie auch vorgetragen wird, gar nicht wahrzunehmen.

Ich stieg dann also in der 2.Klasse ein. Die SBB hält in Lachen, also wieder so einen Regio erwischt…bin so ein Verschussel-Fahrplan-Leser. Ich schreib ein SMS home: „ SAU, t2 late. 45. DDR.„Übersetzt heisst das:“ Seid alle umarmt. Zu spät. 45 Minuten. Drück dich riesig.“ Schliesslich bin ich ja moderner Kommunikationsspezialist. Auf CASE habe ich dann verzichtet. Also: „coolen Abschiedswitz selbst einfügen.“ Liegt mir jetzt nicht, jetzt nicht so als Kolumnenabgänger noch zu witzeln.

Ein Kollege aus besseren Zeiten, kam in Wädenswil dazu, legte  dann in Ziegelbrücke sein PR-Witze Buch zur Seite, schaut mich an und meint:“ Ich habe den Eindruck, dass Du das oft nur bös-sarkastisch meinst…“ Stimmt, ich bin nicht immer mit dem Herzen dabei, oft nur noch mit der Gallenblase ( die ich auch nicht mehr habe…). Dafür liegen mir die Eier aus der Dachbodenhaltung nicht mehr so üppig auf. Meine Kolliken bekomme ich ja eher von diesen Mojitos, diesen zähen kubanischen Zuckerrübensirup den man so als Spätnachmittags-Wohlfühlformat vor der Tagessschau reinzieht…Das bewirkt dann dieses Dämmergefühl, das man auch bekommt wenn man Zug fährt, diese schlafsackgleiche Ahnungslosigkeit und faszinierende Schimmerlosigkeit, die uns Bündner doch immer wieder auszeichnet. Aber jetzt bin ich da ja fein raus, für die Volksaufklärung bin ich auf jeden Fall nicht mehr zuständig…

Das ist aber gar nicht so blöd, meinen vielleicht jetzt einige, dass die mich jetzt abstellen. So Kolumnen sind auch meist wertlos. Und es kann ja sehr wertvoll sein, wenn man, warum auch immer, die Fähigkeit hat, Kritik, egal wie laut sie auch vorgetragen wird, gar nicht wahrzunehmen. Damit kann man Türme, Sägereien und Skigebiete ausbauen, Olympiakandidaturen versauen oder man wird direkt Regierungsrat.

Der Zugbegleiter, ein netter Herr den ich vom Fitness-Club scheu kenne, kontrolliert mein Sparticket, netzt seine Dienstleistungs-Oberlippen und findet mich dann genug kontrolliert. So im Gegensatz zu besagtem CEO. Der findet, ich hätte jetzt gar nichts mehr zu meckern. Wenn die Leute nämlich nichts mehr zu meckern finden, fangen sie an nach dem tieferen Sinn zu fragen… und dann werden sie still wie eine potenzialarme Gemeindeversammlung bei der Wahl der Behörden.

Und dann bin ich in Chur. Und alle Vögel sind auch schon da. Und alle Vögel singen als wüssten sie von meinem Glück: endlich nicht mehr für die SO schreiben zu müssen. Und ich laufe blickwechselfreudig durch die Leute in der Bahnhof-Unterführung, nehme das Bike vor dem Maron, trete in die Pedalen. Home. Heute brauch ich nicht mal mehr eine Beiz. “Ich trinke nicht mehr, man ist ja auch in nüchternem Zustand besoffen genug….“ hat schon Brecht gesagt. Gut, man kann auch ohne Mojito, also total nüchtern, erkennen, dass man nicht unbedingt alle Wortexzesse gut finden muss. – So trösten sich dann Vertriebene. Zuerst war ja die Vertreibung und dann haben sie das Paradies erfunden.  Ging mir auch so: jetzt darf ich nur noch Blogs schreiben – paradiesisch…

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