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geldopolitik

Dass Feldis zu Geldis wird, und Hinterrhii zu Hinterrüx und Lavin zu Schlawin ist nicht gerecht. Nicht alle Kleinen sind bei den Schweinen. Guat. Maienfeld zu Maiengeld (ja der Alt-Regierungsrat hockt ja dort), oder Chur zu Churleone (der Baumeisterverband und fast alle Anwälte), Celerina zu Zählerina dann schon eher…Ruedi Widmers Karrikatur „Willkommen in Baubünden“ im Tagesanzeiger von heute ist wunderbar.

Die „Republik“ bringt die Geschichte vom Engadiner Bauskandal. Jetzt tauts auch bis nach Oberhalbwelt. Nachdem sich bisher niemand so richtig aufregte zwischen Bonastutz und Chlütters.
Grossartig erzählt, gut recherchiert u.a. von Anja Conzett, Gion-Mathias Durband – mit menschlichen Emotionshappen, aber auch mit vorsichtig abwägenden Voten zum „Aufdecker“ des Skandals. (Auch der ist ja nicht gefeit gegen allfällige Verdachte.)

Alles Tradition: wasasliwas hat Parolinis Vorgänger Trachsel in seinen politischen Flegeljahren in Zählerina anderes gemacht als Immobilien- und Baustreiche…nennen sie’s so. Das hat Methode. So wie nach der jämmerlichen Mediakonferenz des Baumeisterverbandes in Churleone der Trost bleibt: „Vorhang zu und alle Lügen offfen…“

„Nai, glaubinit?“ war ja bisher so die Antwort der Bündner Normalos.

Insider schockiert da nichts. Bei Hotel- und Touristikbauten hab’ ich’s erlebt. Conrad (ja der von Foffa-Conrad aus dem Münzental, der 5 Mio. Busse von 7.5 Mio kassiert), den hab’ ich mal an einer Offert-Besprechung auf dem Offertenpass erlebt; es ging um einen recht kleinen Umbau. Als ich ziemlich direkt diesen tollen Tüüpp, bierzelttauglich und jägervereinaffin und mit allen fraternisierend, darauf aufmerksam machte, dass man wohl kaum mehr so baue, ausser zur Bauunternehmer-Gewinnmaximierung…hat der Beeindruckungspolitiker ziemlich zurückgepisst…

Das heisst in GR landet man dann auf eine Liste, auf der nichtgedruckten Gewerbe-Blacklist. Die geht dann von Ohr zu Ohr bis nach Chur…Und in Davos, also dort nicht nur in Klauenkirch gibts Baunetze, die linken ziemlich viele, oder sie machen Architektur-Wettbewerbe für Hotels oder Golfresorts (war selbst mal in einer Jury mit Peter Zumthor…) und bauen dann mit dem Bauzeichner, den man schon immer kannte…

Und meist läufts auch so ab: meistens haben sie einen Anwalt entspannt in der Ecke stehen, befreundet durch Wirtschaftsverbände, der genau weiss. „ mit irgendeinem formalen Quatsch oder verpasster Anmeldefrist lassen wir das Ding einfach an die Wand laufen….“ Die sind nicht bösartig, meistens wollen sie nur Ruhe im Karton.

„Nai, glaubinit?“ ist ja dann so die Antwort der Bündner Normalos. Sie reden dann lieber über Berlusconis- oder Glencores-Korruptheit. Klar sind unsere nicht korrupt: „Das hämmer schu immar so gmacht, jetz sin aifach die huara Submissionsvorschrifta kho…“

Festangestellte, auf ihrem Angstdrehstuhl getackerte Journalistenheinis wollten das ja bisher auch nicht wissen. Letzte Woche gab’s aber doch Nicht-SO-Journis, die an der Mediakonferenz nur noch von „Bschiss“ sprachen. Guat. Früher wollten bei der SO mehrere Infos meinerseits zu solchen Fakten gar nicht wahrgenommen werden in der Redaktion. Gion-Mattias Durband wurde u.a. gekündigt , einige mürbe gemacht… Die volle Lebrument-Dröhnung hab’ auch ich erfahren..Schliesslich wollte Parolini mit Lebrument ja gemeinsam mit olympischen Winterspielen ein Medienzentrum finanzieren. ( Jo Bauvolumen! Und erst die Zweitwohnungsabstimmung …)

Diese Zusammenhänge werden ungern gesehen. Das ist alles so schön abwaschbar, und zur Überbrückung gibts die Agro oder die Higa wo man dann für das Volch die Wirtschaftzusammenhänge mit Steinbock-Stofftier im Arm auf Bünder-Woche-Verständlichkeit trimmt…Nur so ist das leider dem gemeinen Volk zu vermitteln.

Soviel Geografie-Kenntnisse hab’ ich jetzt aber nicht: ob der Piz Cartel nur die Spitze des Eisbergs ist, oder in der Nähe des Lügenpasses??

Im Grunde genommen sind wir ja nur alle Probanden eines regionalen Experiments zur Self-Gewinnmaximierung – und das auch politisch. Die beteiligten Politiker Parolini, Conrad und Felix – oder auch Engler und Cavigelli – habens bestimmt nur gut gemeint. Sie sind einfach das subkutane Gegenmodell zu dieser Biedermann-Attitüde, diesen rundum wohlversorgten Wohlstandsbürgern, die dann auch solche wählen. Wir reagieren ja erst, wann die Weko (oder diesmal die Republik… ?) oder wann die Selbstkontrolle unserer ach so glaubhaften Provinzpolitiker verloren zu gehen scheint. Diese Hauptagonisten, von denen es nicht nur in der Nähe von St.Palermoritz einige gibt, gelten ja immer noch als Referenzsystem für die grau-blühende Gesellschaftsfähigkeit.

Lang lebe doch die Gewaltenteilung. Uns bleiben dafür noch zuverlässige Journalisten-Darsteller für die Kritik zum Haldensteiner Dorftheater…undja, die Republik: tangga. (und gut, gibts auch noch die SRG)

Jetzt kann man in Chur glauben, dass sich dort oben ein paar Provinz- Machos die Taschen voll gemacht haben, aber das wird dann schon wieder…Ein integrativer Kinderchor wird  in allen romanischen Idiomen „my way“ dazu singen … toll, wir haben ja so eine schollenideologiegesättigte Fertigkeit in jeder gefragten und geprägten Sprach-Nuancierung.

Soviel Geografie-Kenntnisse hab’ ich jetzt aber nicht: ob der Piz Cartel nur die Spitze des Eisbergs ist, oder in der Nähe des Lügenpasses?? Parolinis Füsse sind aber mindesten etwas im Sumpfgebiet.

 

 

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