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hier isch immer punktlich

Früher träufelten sich ja die Opernsängerinnen „Belladonna“ in die Augen. Die glänzten dann unendlich, liessen sie aber auch vorübergehend erblinden. Blind: doch die Zuschauer dachten, die hätten eine vollkommene und perfekte Sicht, die entsprechende totale Einsicht signalisierten.

So sollten wir uns auch gelegentlich sehen.  –Eva Roselt, die Doku-Regisseurin, hat mit Immigranten ein unspektakuläres Video gedreht. Einfach so ein anderer Blick auf die „Schschweiz..“ wie es einige aussprechen im Interview. Man kann das fast nicht nachtippen, wie sies aussprechen. Ja, die Schweiz. Was ist typisch? Gibt es Bilder, Fotos für Dich? Die ungewohnte, seltsame, unbekannte, ärgerliche, lustige Sveiz. Mit einer weltokay Haltung die beeindruckt…radebrechend und sprachsuchend und auch mit glänzenden Augen. Von Ping aus China bis Zahal aus Eritrea. Die Lucia: „so, jezt ich sage, was hab’ ich gefüllt:“– Man fühlt, das ist keine blauäugige Übung in Wahrheitsverleugnung. Sie fotografieren und bereden was sie bewegt.

Die Videofilmproduktion „Meine Schweiz“ ist online:

 

 

Joyce hatte schon gesagt: das Aussergewöhnliche solle man den Journalisten überlassen…er gestalte in seinen Büchern lieber das Durchschnitts- oder Alltagsleben. Hier sind es eben gewöhnliche und zugleich aussergewöhnliche Augenblicke in die Kamera gesprochen. Blicke auf uns.

Blicke, die amüsant und bewegend. „“Hier isch immer punktlich.“ meint Rahel aus Eritrea und Ilanz anerkennend…..Und das Pünktchen auf dem i ist: „ Zwöfli immer, alli am Essen.“ findet Tamara aus Bosnien. Anerkennend und vielleicht auch etwas irritierend – sagt aber nicht mehr dazu. „Ich fule mich sehr wohl in der Schssweiz…“ Das ist der Tenor.

Es ist einfach so eine Rekursionsschleife über verschiedene Spielzüge unserer menschlichen Gemeinschaft. Spontane Urteile über die Istagram-Schweiz. Sie validieren uns und unsere Wirklichkeit ohne SF-Filter oder Pricewinning-Storyboard-Prätention.

Einmal sind’s unsere offenbar langen Blickkontakte…“Schweizer halten lange Blicke aus. Brauchen sie einfach länger oder ist’s soziale Konvention?“ – darauf wär’ ich nie gekommen…Viel Geld für Abfall, bräuchten wir und die Bosnin meint, „Schweizer passen auf Land auf – schön“ Und Rezza aus Afghanistan, meint dass wir gerne mit dem Auto in Fitnesscenter fahren,“…. um danach freiwillig „auf die Stelle zu treten. Komisch oder? Vielleicht haben die Schweizer ihr Ziel schon erreicht?“ Das Ziel erreicht haben auf jeden Fall die Regisseurin und ihre Performer.  Sie möchten, „dass wir nur ein bisschen mehr Verständnis haben für die Leute aus anderen Ländern“ – Weil zum Beispiel Arijan sich dann doch getraut: „ So kolte Menschen hab’ ich noch nie gesehen.“ Und am Schlusse geht’s uns allen etwas besser, etwas aufgetauter. Der Schlusssatz des Films:„Zusammen wachsen dauert einfach. – Und jetzt seid ihr dran.“ Nichts beizufügen.

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