Kolumne

Immer nur Statist

Den einzigen Satz den ich je auf einer Theaterbühne aussprechen durfte, war als Statist im Theater Chur: „Geh du linkswärts, lass mich rechtswärts gehen“, in Schillers Räuber. Damals als Kantischüler noch nicht wissend, dass viele Kollegen links blinkten um später rechts abzubiegen.

Wenn ich sie jetzt damit auf der Kulturseite etwas verwirrt habe, so nennen sie das einfach Dekonstruktion. Politik ist ja meist auch nur massenmedial animierte Dekonstruktion der anderen.

Bei den Skis bin ich immer etwas unsicher: welcher ist jetzt der Rechte oder der Linke? Manchmal tricky. Politisch doch auch…Egal, irgendwann hat man eh mehr begriffen oder in Indien vom Elefanten-Gott Ganesh dazugelernt. Damals wusste ich noch nicht, dass dieser nur dann als freundlich und glücksbringend gilt, wenn sein Rüssel nach links zeigt. – Mit der Zeit lernt man viel…Der Zeitablauf ist für uns Westler von links nach rechts, weil wir von links nach rechts schreiben, hebräisch oder arabisch ist’s ja umgekehrt. Gut, rechts ist also die Zukunft, das suggerieren uns auch die sogenannten Bürgerlichen, Baumeister und Kleingewerbler, die schliesslich auch die schweizerische Planwirtschaft erfunden hatten: in der Landwirtschaft, in der Stromwirtschaft und bei öffentlichen Bauaufträgen. Naja, umgekehrt fuhr auch der linke Lenin bekanntlich einen rächten Rolls.

Aber das tönt jetzt auch etwas billig wie im Blondinenwitz; da sagte ja das linke Bein zum rechten auch: „ wenn nichts dazwischen kommt, geh’n wir ins Kino.“ Das Leben ist halt flexibler als die Politik. Meine Frau sieht mich wegen meiner zwei linken Hände auch als Linken. Die SP-ler hielten mich zwar immer für einen Rechten. Aber auch die Rechts-Mehrheit im Churer Gemeinderat tickt etwas linkisch. Nach dem Gusto dieser Herren tönt das jetzt aber einfach subversiv, ist also bestenfalls Kunst. Hat nichts zu tun mit der Kunst Gewinne zu privatisieren und Verluste zu verstaatlichen, wie unsere Banker-Abzocker oder Stromgiganten. In solchen Fällen wird man fast etwas linker, also so Rinklechtser, so mittelechzend, aber doch mit einem entschlossenen Jein zur sozialen Marxwirtschaft – sozusagen ein politischer Flexitarier. – Wenn ich sie jetzt damit auf der Kulturseite etwas verwirrt habe, so nennen sie das einfach Dekonstruktion. Politik ist ja meist auch nur massenmedial animierte Dekonstruktion der anderen.

Da wir 70-Prozent-Nicht-SVPler alles Linke sind, muss man auch mit dem Schreibstil etwas subversiv umgehen. Schliesslich muss man auch die Massenimmigration von Leuten verhindern, die von rechts nach links schreiben. Für die Leute aus dem nahen Osten ist die Zukunft halt im Westen, also links auf dem Blatt. Im Osten gibt’s ja die noch nicht vollständig ausgebildeten Demokratien wie Oesterreich oder Afghanistan, die brauchen da halt noch etwas Nachhilfe im Schreibunterricht. Aber dieses Links-Rechts-Gefasel ist ja eh nur ein Schaukampf. Schauen sie mal in den Spiegel – schauen sie was bei ihnen links ist, ist dort rechts – leicht zu verwechseln. Deshalb hat’s mir wohl 50 Jahre nach der Kanti im anforderungsreichen Polit-Theater nicht mehr zum subalternen Statisten gereicht.

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