Kolumne

In schwindliger Höhe

Die folgende Geschichte handelt davon, welch erfolgreiche Bindung die Reagenzien Geld- Akkumulation und freudsche Kompensation mit Volksbelustigung eingehen können – es geht also um Vals. Jedermann fragt sich ob die uns einfach zum Narren halten? Beruhigend: den 1.April haben wir überstanden und bekanntlich gäbe es ohne Falschmünzer auch keine Wasserzeichen auf Banknoten.

„Allah ist gross, meiner ist grösser.“ Das ergibt dann so einen XXL- Architekturständer. – Gut, die architektonische Form des Penisvergleichs ist ja international anerkannt bis in den mittleren Osten.

In Stein gehauener Grössenwahn gibt’s nun überall auf der Welt. Unser Valser-Stein schlägt alles, vom Bundesplatz bis nach New York. Ja, der Valser-Quarzit macht Kohle. Damit will man jetzt einfach höher raus…: „Allah ist gross, meiner ist grösser.“ Das ergibt dann so einen XXL- Architekturständer. – Gut, die architektonische Form des Penisvergleichs ist ja international anerkannt bis in den mittleren Osten. Die unermesslich angeschwollenen Menschenkenntnisse will man jetzt auch punkto Gästeansprache nutzen. Man will ja mit dem Geschmack und den Grössenvorlieben anderer Weltreligion gut vertraut sein. Und der Rest der Bündner Touristiker und Kafferahmdeckeli-Sammler wird sich halt plötzlich etwas körperlich benachteilligt vorkommen.

Wohlmeinend kann man da Karl Kraus unterstellen, er meinte das wohl auch auf Türme bezogen: es käme ja nicht auf das Aeussere einer Frau an, sondern auch auf das Dessous. Normerigierende Normalos bringen’s ja auch nicht mehr. Schliesslich will man auch urbane Kulturbegeisterte herholen und euphorisieren. Die Kunst ist ja seit Camus „ ein Mittel um das Heilige zur erreichen“, dazu hat man doch schon mal einige Fotos von Giacometti gekauft… Intellektuelle spricht das schon an, und ich sage bewusst Intellektuelle, auch wenn Herr Truffer dabei war.

Bumm: Zur Erzielung eines furchtbaren interessanten Effektes soll das Café Crème in Vals dem internationalen Negativzins-Preisniveau angepasst werden – so um die 20 Franken. Dafür sind die örtlichen Bau-Kubikmeter-Preise auf unterirdischer Tiefe. Aus schwindliger Turm-Höhe kann man auch den letzten Walser-Mohikanern zuschauen, die in der Dorfdüsternis des Reservats rumstoffeln. Und sieht erst noch das neu einfliegende Geld. Als Osterei bekommt Vals dazu noch eine billige Mehrzweckhalle, so als Ghetto-Grenze. Aber das wird dann ein bisschen so sein, wie wenn Mamma zum Nachtessen ruft, und niemand hat Hunger weil er schon zweimal Zvieri hatte. Die haben eben viel stille Reserven.

Standard

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.