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jaaah

„Jaaah, die Bündner Wasserkraft…“ , sagte sein Votum abschliessend der sendungsbewusste Grossrat, der eigentlich keine Ahnung vom Strommarkt hatte, und bisher auch alles glaubte, was die Stromlobby ihm einflüsterte, was ihm auserwählte Churer Anwaltshirni so jahrzehntelang vorschwafelten. „… darum ein Nein zur Atominitiative!“ – Ja, die DamenHerren Grossräte essen ja wahrscheinlich mit den Stromlobbyisten in gutbürgerlichen Restaurants, wo’s die alten Teller mit grossem Tellerrand gibt. Da kann man dann nicht mehr so gut darüber hinaussehen.

Und wenn ich die bemühten Bündner sehe, die im Komitee gegen die Atominitiative sich breit der Öffentlichkeit stellen, denke ich, das hat sowas von surrealem, postfaktischem Hintergrund. Das ist wie bei Trump.  Die die am wenigsten profitieren, unterstützten ihn am Lautesten. Dieses Verbalgeblubber aus 40 Jahren parteiideologisch nachgelabbertem Atomsprech, wo’s ja eigentlich nur um Status- und Macht geht. Die einen meinen zwar,  es gehe um mehr…aber GR hat keine Atommühlen, und braucht sie auch nicht unbedingt.  Das kommt mir so vor, wie wenn ich als Metzger gerne Vegi-Würschtli verkaufen würde. (Obwohl natürlich Gemüse-Essen bekömmlicher ist als verstrahlt zu werden.)

Gut, die hoffen halt, dass die Dummen nicht schlauer werden, wenn sie die Schlauen dümmer machen.

 

Und das mit der Stromlücke und mit dem Kohlestrom aus D ist auch so ein Rohrkrepierer, das haben wir jetzt ja in allen Leserbriefen aus allen Rohren mitgekriegt….damit verschone ich Sie. – Gell, ihr Bündner, an dem Strick an dem sie uns aufgehängt haben, sollen wir jetzt gemeinsam ziehen. Wir wollen ja alle die Wasserkraft retten. Wieso erst jetzt, nachdem Repower in Übermut-Projekten in Italien, Rumänien und Norddeutschland mit CO2-Schleudern den Cashflow verschleuderte; danach bei der Axpo noch für X Millionen viel zu hohem Kaufpreis eigene Aktien kauften? Dies nur zum Dank, dass die AxpoundCo den ahnungslosen Bündner Verwaltungsräten jahrelang einflüsterten, was zu tun sei. Der Aktien-Wert sank inzwischen um das sechsfache, das ist mehr als die Finanzkrise versaute…

Gut, diese nettlächelnden Regierungs- und Altregierungsräte verführen immer wieder zu glauben: die haben’s doch im Griff–  sogar die ächzenden Altlasten.„Die Bündner Regierung hat in den letzen 10 Jahren ein umsichtiges Strommanagement mit der REpower initiert…„ lesen wir da in deren PR-Text. Gut, die hoffen halt, dass die Dummen nicht schlauer werden, wenn sie die Schlauen dümmer machen. „ Wo ist all die Kohle hin, wo ist sie geblieben?“ sing ich da mit Marlene. – In die Kohle natürlich. Und die ist keineswegs natürlich oder gar landschaftsschonend wie’s die Naturmetropole Graubünden gerne hätte.

Es geht ja auch nicht um die Atomkraft, die alten Meiler sind eh am Ende. Und die Schweizer Atomloby auch. Interessant ist nur, wie sich die Bündner Gewerbler ( zum Glück nicht alle, viele innovative Bündner Clean Tech-Betriebe sind Befürworter der Atominitative) mit heiligem Eifer für etwa einsetzen, das ihnen eigentlich gar nichts nützt. Die Energiewende will eigentlich nur eines: mehr Schweizer Unabhängigkeit, weniger fossile, umweltschädigende Brennstoffe, mehr Sicherheit, mehr Umwelt…Verständlich, in der Zwischenzeit wollen die Energiekonzerne einfach ihre Altlasten noch etwas verzuckern. Wir aber möchten doch einfach vorwärts machen mit der E-wende, darum geht’s, weil die Zeit tickt. Je schneller wir Öl, Gas, Kohle durch Erneuerbare ersetzen, desto weniger brauchen wir  dieses Hochrisiko durch Radioaktive. – Klar, auch die Wasserkraft braucht die  600 Mio. Subventionen. Die hat man uns versprochen, wenn wir nichts gegen die Atomkraft haben. Haben wir aber.

“Der Mann ist blind und nicht bestochen.“

Im Ausland werden fossile Energieträger künstlich verbilligt, die Beteiligungen der Schweizer Stromkonzerne rentieren auch nicht mehr…die Abschreiber wollen sie jetzt auch noch uns aufhalsen. Die Stromer werden halt immer mehr zu Bauern, man schreit nach Souverän und kassiert vom Staat, der schrumpfen soll. Darum hockt die Bauernpartei auch zuvorderst in dieser Farce. – Sie merken’s nicht, die Strom-Profiteure wurden zu mächtig, die staatliche Planung auch und die Politiker-Verwaltungsräte wollen ja auch nicht auf ihre Pfründen verzichten. Das können wir jetzt korrigieren, mit einem Ja zur Atominitiative. Die ist nämlich ein Beschleuniger.

Joooh, die wollen auch nichts Schlechtes, sind nicht bösartig, das ist einfach oft nur Hohlraumversiegelung. Und wenn Regierungsrat Cavigelli uns weiszumachen versucht, dass die Wurstelei der letzten 10 Jahre  keine war, ja da möchte ich ein für allemal mit Brecht sagen.“Der Mann ist blind und nicht bestochen.“ Also halb so schlimm.

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