Kolumne

Kultur und Wirtschaft: 1 + 1 = 3

Ihr Sinn für Kultur durchfeuchtet selten einen Theater-Sitz. Sie hat ja auch andere Interessen. Eigentlich hat sie’s auch lieber, wenn der Verkehr störungsfrei abläuft und die Schneeräumung durch ein klares Regelwerke gelenkt ist. Wenn man sie fragt, was sie so an der Kultur liebt, sagt sie: „Wir waren doch grad in einem Musical in Hamburg.“ …und denkt : „Wer Kultur will, soll sie doch selber zahlen.“ Kultur geht an ihren sämtlichen Körperteilen vorbei…

Kultur in Graubünden, das ist wie Agrardebatten: nur mit weniger Geld und noch mehr Polit-Getöse.

 

Das sagt man aber nicht so. Auch nicht im Grossen Rat…und die vermeintlichen Kultur-Politiker, die man fast nie (oder höchstens zu PR-Zwecken) an einer Kultur-Veranstaltung sieht, sind auch noch eine Minderheit. – Und jetzt kommt da das neue Kulturförderungsgesetz: auch das geht an Einigen vorbei. Alle können zwar wieder mitreden, über ein Gesetzli schwadronieren oder einfach über Geld. – Kultur in Graubünden, das ist wie Agrardebatten: nur mit weniger Geld und noch mehr Polit-Getöse. Die Einen jammern, das Leitbild fehle (das Märchen für alles), die Andern jammern, dass das Geld fehlt (obwohl man zur Zeit argumentiert, wie wenig so 25 Millionen doch seien.) – Wunderbar , dass sich jetzt eine breite Kulturlobby breit macht. Und sie haben im Grossrats-Saal Chur mit einem Fest bewiesen wieviel Gemeinsames da brillieren kann. Laienchörli, Trachtentanz- und Theatergruppen und auch das Holzbläser Ferienlager brauchen Unterstützung, aber auch die Profi- Musiker, Schauspieler, Künstler.

Man will das wenige Geld durch ein klares Regelwerk geregelt haben – kulturell herrscht zwar eher eine gewisse Obdachlosigkeit. Ein Beobachter vom Mars dürfte folgern: „Der paranoide Ordnungsfimmel um Kulturordnung ist das Ergebnis einer auf Machtdominanz zielenden Politik bei den einen und einer subtil unterschwelligen Gleichgültigkeit beim Rest…“. Zum Mitklatschen ist das nicht. – Gut, ein Grossrat aus dem Avers hat leider einfach weniger davon.

Früher war Kulturschaffen ja eine Spielart der Klugen gegen die Dummen. Heute ist es für alle eher ein prostituierendes Anschaffen. Es fehlen jährlich ca. vier Mio. zusätzliche Kulturgelder in Graubünden. Einige unserer Kulturevents vom Aroser Humorfestival, St.Moritzer Festival da Jazz bis Origen (und viele andere) befruchten unsere Volkswirtschaft. Und die sollte man mehr unterstützen.

Ein Vorschlag für eine mittelmässige Zufriedenheit: Nicht das Budget für Kulturförderung erhöhen. Dafür zusätzlich Wirtschaftsförderung-Gelder bereitstellen, die nach Wertschöpfungskriterien verteilt werden. Ja, das Amt für Wirtschaft und Tourismus könnte feststellen, wieviel so ein Event einer Region zusätzlich bringt. Und das Geld aus diesem Extratopf verteilt dann eine neue Extra-Wirtschafts–Kulturkommission. Einfach zusammenspannen, zuviel verlangt – zu aifach? Da hab’ ich’s dann mit den Monti Pythons: „ Always look at the bright side of life“. Kultur-Wirtschaftsförderung würde doch einige zusätzliche feuchtwarme Theatersitze und warme Logiernächte bescheren.

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