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Martullo kann nicht mehr duschen…

Er ist kein Zweifelturm, auf dem Barhocker, rechter Ellbogen auf Tresen gestützt, linke Hand streicht durchs etwas geältelte Haar,  plaudert wie wir Bündner täglich die Welt verändern. Schnee sei die einzige Veränderung der Welt, die bekanntlich innerhalb weniger Minuten möglich sei , meint er, …“Darum haben wir ja Schneekanonen. Die sind schon das Gelbe vom High für unsere Zukunft. Das machen wir mit eigener Wasserkraft…“ die sei eh unser Erdöl. Nix Energie für Schnee (oder fast nix), und auch das Öl für die Pistenfahrzeuge könnten wir importieren, sei billig.  Das sei wie unsere Ernährungssouveränität, eben clever unsere Energiesouveränität . Etwas von weither ranfugen, aber dann vereinheimischen. Wie das Bündnerfleisch aus Argentinien.

Unser höchstes gemeinsames in dieser Gesellschaft sei ja eh der Ausstoss von Stickoxyden…

Er kann sich noch an die Zeiten erinnern, als Reagan sagte, Bäume verursachten Kohlestoff-Emissionen…Darum sei er jetzt zeitgemäss und trumpgemäss gegen die veraltete Energiestrategie. Auch die AKWs seien ja erneuerbar. Die Strombosse hätten ja wieder mal alles vorausgesehen, es gebe zu wenig Strom und der werde immer teurer. Unser höchstes gemeinsames in dieser Gesellschaft sei ja eh der Ausstoss von Stickoxyden…brauche man um abends ins Lichtenstein zu fahren.

Er wechselt die Beinstellung, bestellt noch einen Mojito, sieht klar: Es sei eh Zeit, dass sich die Anhänger der starken Land- und Lüüt-Unterschichtsbasis mit den Milliardären paaren, also die bäurische SVP mit den  Öl-Oligarchen und der Kohlestrom-Mafia. Da begreife er Martullo. Es heisse ja auch Energiewende. Aus Angst man könne nicht mehr duschen und tvgucken, müsse man sich für die Ost-Oligarchen einsetzen. (Es sei dann sonst nur noch 17 Grad in der Wohnung!) Auch die SVP-Bauern sind schliesslich für Erdöl-Importe. Und der Präsident Rösti sei ja auch der Präsident der Swissoil, der ausländischen Ölkonzerne. Alles mal kehren, wie beim Zetten.

Wir täten ja jetzt schon genug: unsere Häuser zu isolieren…A+++++++++-Kühlschränke kaufen undso. „Wir recyceln jetzt doch schon seit 20 Jahren, als noch niemand von Klimawandel gesprochen hat.“ Unser Energie bräuchten wir eben jetzt für Neues wie die alten AKWs. Mit einem „Nein“ werde uns allen etwas wärmer werden..und die holländischen und deutschen Gäste kämen auch wieder eher. Die müssten eh ihre Rembrandts rechtzeitig etwas höher lagern. – Das freche Abwandern unserer Gäste hätte eh nichts mit dem Wetter zu tun. „Schnee bekommt man nicht mehr gratis vom Himmel, weisst du… Im Dezember bekommt man billigen Kohlestrom aus Deutschland zum Schneeemachen.“ Und wegen der Speicherung? Könnte Parmelin ja Strom-Plichtlager einführen. Etwas müssten sie dann schon noch tun unsere Powermanager mit den Powerlöhnen.

Die Barmaid aus Minsk in gutgebrochenem Deutsch schiebt den Drink rüber: „Kännst du  AUTOTUNE , ain digitales Korrekturprogramm, das falsch gesungene Tönä wiedär gut machht? Sänger müssän niicht alläs immär wiedercholen bis gut ist, ainfach Compiuter korrigiert alläs…wär’ doch was für dich und die Schweitz?“

Und ich freue mich auf dem Barhocker: „Schön, da wird’s einem wärmer ums Herz – wie Frau Martullo – wie beim Klimawandel.“

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