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NaJa, No Billag

Alle die ich mag, haben so ein NO-Bildli gepostet. NO zur No-Billag. Richtig. Ich mag euch ja. Und die SRG auch. Ich habe auch aufgehört mich zu fragen, was ich falsch gemacht haben könnte, dass ich kein NO-Bildli postete.

(Und so als Vorwort zum Weiterlesen: als Blog-Leser sollten Sie wissen, dass Sie sich trotz meiner Aussagen nicht bedroht fühlen sollten. Ich bin Ihrer Meinung: NO.)

Und alle schreien: „ This’ll be the day that I die.“….Die No-Billag-Debatte erinnert mich an Auseinandersetzungen wie bei „Olympia Gaubünden“. Die eigentliche Güterabwägung diskutiert da niemand, es wird bloss gehässig darüber gestritten, wer eins auf den Deckel bekommen soll. Zum Beispiel die SRG. Das ist die eine Seite. Die andere meint, die SRG sei kein Medienunternehmen sondern der Hort der Schweizer Demokratie. – Mediales Bullshit-Bingo, in den digitalen Wutbürgerkanälen auf Hochtouren. (Vielleicht gibt’s ja bald eine neue Facebook-Avatar-Software, die imstande ist, Erröten zu simulieren…)


Und alle schreien: „ This’ll be the day that I die.“….

Die Wellen gehen hoch. Bloss streiten wir uns nicht über hierzulande kaum relevante Existenzfragen, was rechts (heisst neuerdings libertär) oder links ist, sondern über eine wirklich relevante Institution. Die No-Billag-Debatte ist trotzdem von einer sachlichen Auseinandersetzung zu einem politischen Glaubenskrieg verkommen…

Klar sind dieser megapfostige Bigler und dieser blindlibertäre Kessler grenzwertig. Das alles dreht sich bis zum nächsten Wochenende nun im Kreise wie Wäsche in der Waschmaschine. Und nach dem regional-ethischen Graubünden-Thermometer sind wir alle mit den Herzen so auf 40 Grad. Die innerinterbündnerische Media-Nervosität steigt. (Da kann man Jane Austen – „Stolz und Vorurteil“ zitieren.) „Es gibt einen solchen Auftrieb, regt den Witz und Geist an, wenn man eine Abneigung mal gefasst hat.“

Ich hab’ auch grossen Respekt vor den Leuten, die sich da einsetzen, diesen Märtyrern und auch dieser genialen Verbreitungslogistik, die uns wahrscheinlich rettet. So wie Ladina Heimgartner, Frauen die neuerdings wie immer ans Steuer dürfen, wenn die Männer (wie Walpen mal) den Karren an die Wand gefahren…

Alles wurde jetzt so zum Mac Guffin. Die Lächerlichkeit der Politik, auch der Kunst, dass man hinter diesem Mac Guffin herhetzt, als könnte es einem ein für alle Mal erlösen…

Was jetzt aber abgeht, ist augenscheinlich…Sie homogenisieren uns….eine TV Anstalt ist ein Heiligtum, und diese Abstimmung eine Devotionalien-Schändung – Alles ist zu schützen…einfach an der gestrichelten Linie entlang schneiden und schon haben sie die perfekte Antwort: die heilige Billag. Dass hier einfach eine politisch-wirtschaftlicher Unsinn (und das ist die Billag als Gebühren-Einsammlungsfirma) bestraft werden sollte, ist gut. Aber geht’s jetzt um die ganze Demokratie, gleich die ganze SRG?

Es gibt eine grosse Diskrepanz zwischen dem was die „Bieridee-Erfinder“ für böse halten, und dem was jetzt entstanden ist.– Verdreht. Und diese unheiligen Allianzen auch: weil Lebrument es für böse hält, dass seine sehr mittelmässigen Medien vielleicht keine 8.6 Mio Franken mehr pro Jahr vom Bund erhalten motzen sie jetzt unter dem Vorwand unsere drei Kantonssprachen zu schützen…so ist das eher schizo. Wenn also die Larven des Media-Betriebs ihr Wohlbefinden durch Subventionen aufpolstern können…Die gleichen, die sonst gleichzeitig das libertäre „Ich melke jedes Gewissen, solange ich die Staatskuh melken kann.“ rufen…

Diese unheiligen Allianzen auch: weil Lebrument es für böse hält, dass seine sehr mittelmässigen Medien vielleicht keine 8 Mio Franken mehr pro Jahr Subventionen erhalten…

Dass der SRG-Mitarbeiter motzt, weil er seinen Jobverlust erahnt ist nicht böse. Und die Romanen und Italienischsprechenden kämpfen gegen das was noch kommt, auch nicht. Oder wir, die wir einfach jetzt schon erleben, was es heisst wenn Frau Martullo sagt, was ein Medium zu kommunizieren hat. (Und wer nicht mehr schreiben darf: auch ich wurde rausgeworfen…)

Es gibt also böse Rechts-Konservative und libertäre Jungcelebrities, die aus bösen Beweggründen Böses tun. Staatsfeinde. Aber auch gute Sprachschützer die aus guten Beweggründen gutes Tun. Gute Zusammenhalts-Schützer die aus guten Beweggründen vieles Tun: vielleicht eine recht überdimensionierte Staats-Media-Firma schützen…? (die es bisher nicht für nötig fand darüber nachzudenken wo sie sparen könnte). Die Wahrheit ist ja, dass der vielbeschworene Markt wahrscheinlich etwa rund 200 Fr. pro Jahr an Gebühren vertragen würde (also für all das, was wir brauchen: gute Infos, Minderheitensprachen, Zusammenhalt ).

Fazit: Man könnte differenzierter Meinung sein, sollte aber einfach nicht Ja stimmen.

Ein Nein ist ein Schritt in die richtige Richtung: nur etwas mit den Hintern nach vorn. Wir sollten uns danach umdrehen, uns vorwärts erinnern, denken und dann vielleicht auch mit der SRG was Neues angehen. Das erfreuliche am Zusammenschluss der NEIN-Stimmer, den Effort nutzen für ein  progressives Kollektiv. Dann wär’s fast ein Heils-Akt. (Dieses Wort müssen ja auch die Rechten lieben.)

 

Sonst ist dann das alles so wie verpuffter Sex.

 

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