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piranas + malandros

Aufgewärmte Fotos. Erinnerung aus Brasilien (so etwa vor 5 Jahren)  vom Rio Negro Seitenarm. Das Land ist so riesig vielschichtig, kontrastreich und …gut für manche bizarre Geschichte. Zuvor habe ich einige Berichte gelesen – von 1889 als Brasilien eine Republik wurde, der Kautschuk Boom herrschte und allerhand Wissenschafter, Botaniker und Ornithologen den Amazonas bevölkerten. Emilie Snethalage veröffentlichte den ersten Katalog von Amazonas-Vögeln. Ausgerechnet sie wurde auf einer Expedition von einem Piranha in den Finger gebissen, den sie im Boot sitzend ins Wasser tauchte. Als sich die Wunde entzündete, schnitt sie laut Bericht kurzerhand den Finger ab.

Sieht halt aus wie die Abenteuer-Fotos auf FB dann aussehen. Die sind ja oft anders als die Wirklichkeit.  – Die hatten wir uns ja vorher erträumt.  Amazonien, nun waren wir da – im Norden von Brasilien. Manaus, Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas umgeben von Dschungel und wir machten uns auf 3 Std. mit dem Transporter ins Flussgebiet.

Eigentlich harmlos, Todesprickeln mit Life insurance. Unter den Teilnehmern entstand ein bizarrer Wettkampf, wer da noch ein Fischli rausholen konnte. Wie tödlich die Piranas sein können, ahnten wir nur. Später erfuhr ich vom Guide,  dass es hier 16 Arten von Piranhas gibt, einige von ihnen ernähren sich auch vegetarisch…

Das Leben ist eben wie die Piranas – es beisst nicht immer, aber ab und zu fatal. – Rückfahrt mit dem Motorboot zurück zu unserem Dschungel-Camp, der Guide hielt mitten auf einem Seitenarm des Rio Negro und fragte ganz scheinheilig, wer hier reinspringen wolle…Eigentlich war er ja meine Lebensversicherung war, konnte ja keine toten Touristen zurückbringen. Ich schaute ich ihn zur Sicherheit nochmals kurz an, er nickte und wir sprangen in die schwarzbraune Brühe. Kein einziger Fisch hat gebisssen, noch was gespürt noch gesehen… und dann  wurden auch die Engländer übermütig hinter uns, sie zogen nach und wir schwammen rund 500Meter bis zum Ufer. Das war für’s Tagebuch. Mein Vertrauen in den brasilianischen Malandro war gerechtfertigt. Malandros sind die brasilianischen Schlaumeier, Glücksritter und Schlitzohren, Die wissen schon was sie mit uns anfangen wollen. Sie  kleiden sich halt eher als Beamte und Politiker und holen ihre Provisionen im Umfeld aller ausländischen Firmen. – Damals waren die Geschichten von Petrobras und Odebrecht noch nicht aufgedeckt, die Staatspräsidentin noch eine Ikone…Der bodenlose Korruptismus aber erahnbar.  Und die Moral der Geschicht: Piranhas beissen nur wenn die Brasilianer wollen…

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