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Salz in den Augen

Heute mal eine aufgewärmte Geschichte. – Sommer 2013 in Uganda, mit einem Freund, der vor rund 35 Jahren hier 7 Jahre als Bauführer war fahren wir im Jeep nach Katwe – einem bilderbuchschönen Salzsee im Westen Ugandas, direkt am Äquator. Kollege und Autor, Felix Benesch, schreibt ein Memoirenbuch über Raini Köhler, Schweizer Pionier in Afrika, der die grösste Generalunternehmung ROKO Construction in Ostafrika aufbaute und einige Kriege überlebte. Die Memoiren handeln von mysteriösen Geschäften, von seinen Kontakten bis in höchste Regierungskreise, die teilweise auf skurrile Art zustande gekommen sind; vom schwierigen Balanceakt, die Nähe zu den Mächtigen zwar zu suchen, aber stets so viel Abstand zu halten, dass es nicht gefährlich wurde.

„Uffpassa, einfach keine Hand ins Wasser, gell“

Hier in dieser idyllischen Landschaft gewinnen die Einheimischen seit Generationen Salz in unzähligen Salt Gardens nach dem Verdunstungsprinzip. Auch heute noch wie vor 200 Jahren. Obwohl hier in Katwe  1977 für 80 Millionen Mark eine Salzgewinnungsanlage entstand, nach damals modernster Technologie an einem Kratersee gebaut. Mit Millionen der African Development Bank, rund 80 % der Gelder gingen zurück nach Deutschland an Grosskonzerne wie Thyssen und Co. 1979 wurde Idi Amin vertrieben, Musseveni der heutige korrupte Staatschef wollte nichts mehr vom Flop wissen. Die Anlage war nie in Betrieb und schaut aus wie eine Gespensterruine aus einer anderen Welt. Die Leute holen jetzt noch das Salz per Hand aus dem verseuchten Salzsee : „Uffpassa, einfach keine Hand ins Wasser, gell“ ruft mein Freund….der Verseuchungsgrad muss so hoch sein, dass sich unsere Zivilisationshaut augenblicklich infiziert. auch heute noch tauchen die schwarzen Ugander hier, auch im 2013 ohne Schutz, holen sich Salzbrocken raus und flössen sie zum Ufer. Wie eh und je. Ein Beispiel von Tausenden: der Verseuchungsgrad der wirtschaftlichen Entwicklung bleibt sich gleich. Mir ist klar, dass viel oberflächliche Modernisierung da ist, aber wenig politische und kulturelle Voraussetzungen für eine Entwicklung einer wachsenden postindustriellen Gesellschaft.

Innovation in der Entwicklungshilfe soll ja angeblich mit bescheidenen Mitteln grosse Wirkung erzeugen. Dachten wir, als wir in den 70er Jahren unsere Kollegen in der Entwicklungshilfe bewunderten. Uneigennützig und idealistisch schien das. – In Schwarzafrika leben ein Drittel der extremen Armen auf der ganzen Welt  – mit weniger als 1.25 Dollar pro Tag. Vor 30 Jahren waren es nur 11 Prozent. Nach Schätzungen gehen im subsaharischen Afrika 55 Milliarden jährlich durch Korruption und Intransparenz ins Ausland, all dies wird nicht auf dem Kontinent investiert. – Nach dem Abenteuer Salzsee musste ich mir etwas die Augen reiben: „ as biist“. Hat mir aber die Augen geöffnet.

 

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