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DAS ALTER–VERSTEHEN BEIM GASSI–GEHEN

Letze Woche wurde ich 69…Wenn so ein  Pro-Senectute-Progressiver mit einem Happy-Day-Samschtig-Jasser auf der Strasse chattet, dann reden wir schnell mal staatsstragend dreinschauend und schwerschnaufend von den Anderen. – Moi, immar in Gamba? Was machsch so…? Wir sind in der Darbietung klassischen Bündner Verhaltens unterwegs…mit Standard-Churerfest-Grinsen und Allegra-Zahnstellung…

Wia alt bisch jetzt aigantli? – Wenn ich dann so mit umflorter Stimme meinen Geburtsjahrgang genüsslich einfliessen lasse, und ahne, dass der Andere – etwas aus dem Leim gegangen – eh ebensoalt ist wie ich… Dann reden wir vom Reto,  diesem M-Fit-Turnschuh, der noch immer aufs Fürhörnli speedet und einer betagten-Grey-Wedding-Planerin nachsteigt. Sonst halt so ein Schneider-Ammann-Rhetoriker – aber dann doch mit seinem E-Bike die Welt  verändern wollen!– Jo nu, man könne aber auch nicht den ganzen Tag mit dem Velo rumfahren…sonst erhält man in der Neid-Wertung mehr Rotten Tomatoes als Likes.

Jo, gnau…ma isch so  jung wia ma noch tenggt.  Obwohl man ja wisse, dass der Reto eigentlich eher so ein platonischer Bei-Watcher sei, also nur noch von Maitli-Beinen träume, lieber nur noch zuschaue, bestenfalls zuhöre wie so ein Oberländer-Chorleiter, der seine Basis-Lebensgrundsätze von den Senioren-Ohrenbläsern des Bündner Tagblattes hat oder sogar immer noch bei Bischof Huonder finde. Kommt halt aus der Zeit, wo man schaute, wer die prächtigeren Kathedralen baute.

Undja, als runtegerockte-Bündner-Wirtschaftsforum-Experten hätte man ja auch nichts mehr zu lachen…

Durch den freudig rotierenden Fleischwolf der staatstragenden Bündner Medien aufgeschreckt und -geweckt, sind wir dann schnell beim überteuerten Churer-Stadtfest-Zigeuner. Nein, die Fleischigen, die kommen ja nicht aus Rumänien, oder von Ungarn. Seit die Mauer dort…. sei alles teurer, sogar die Roma-Bettler seien ja jetz indrschwiz so zu Bonus-Pünktlern mutiert.

Das alles ohne jedes moralisches Tremolo. Das khönnt ma schu säga…Überhaupt: Integration sei jetz das Zauberwort. Jeder Syrer und Eriträer habe wohl das Recht als Wirtschaftsflüchtling das volle Boot zu kentern. Obwohl man kein Alters-Schlimmfinder sei: die Behööörden hätten da abr zu lange zugeschaut.

 

Toleranz habe man halt beim Wirtschaften gelernt, wo man als Bitcoin-Fast-Investor fast reich geworden wäre, wenn nicht der FDP-Sohn, dieser Startup-Fehl-Starter den Furor zum Libor der Altersreform falsch verstanden hätte….eben. Undja, als runtegerockte-Bündner-Wirtschaftsforum-Experten hätte man ja auch nichts mehr zu lachen, diese Skilift-Reparier-Strategen und verspäteten Zweitwohnungsbauer-Gruftis ghören halt auch zu den bilanzgeschädigten Wasserkraft-Stau-Maurern, die jetzt mit den verbliebenen-Grossrats-Gläubigern…ja, die wollen auf 12O bleiben – also nicht der obere Blutdruck sei da gemeint, mehr der Wasserdruck auf die Gefässe, auf die 66+Sportler-Gesässe…Die Mumie kehrt halt zurück.

Joo, niemals hätte man soviel gelogen wie in unseren Tagen…Wir schimpfen dann noch etwas über die Ich-bin-impfall-nicht-gegen-die-Rentner-FDPler, die Laktose-Intoleranz gegenüber den Mist-Produzenten und die Gluten beim Männerriege-Grillabend. Die Agrar-Freihandels-Neurotiker vom Bauernverband seien halt auch nicht mehr so Top-of-the-World wie unser Jahrgänger Danuser, und die Sessellift-Vermehrer um Parolini auch nicht mehr die besten Jäger inpunkto Cash. Was jetzt gar nichts mit Regierungs-Kultur zu tun habe, schliesslich sei uns da Hinz was Kunz.

Und wie in den guten 70er Jahren könne man auch nicht zwischen himmelblauen Atem-Büchern und pastellfarbenen Achtsamkeitsübungen den Klimawandel einfach auf uns einströmen und die Dinge auf uns wirken lassen. Da bräuchte es dann einen James Bond für Bondo.

Ein Schwatzheini sei er nicht…Guat, Zinseszinsen gibts ja auch nicht beim chatten.…Auf die habe er noch Hoffnung, falls die dann wieder steigen wie der Murgang, dann hätte man ja noch eine gute Zeit in der Rentnerhotels. Die Commander Kirche sei ja jetzt auch schon Sechzig und seit sie gläubigerschonend benutzt wird, hat sie noch Chancen auf Abwrack-Prämien. Religion sei auch kein Business mehr wie zu Zeiten der Ablass-Prämien. Vertrauen versauen könne man halt auch wie diese Diesel-Verkäufer.

Und seit TV Rumantsch immer diese Senioren-Versteher-Filmli bringe, verstehe man alle Ü-75-Kolumnisten im Bündner Tagblatt doch etwas besser. Die Welt sei besser. Die Einflüsterin der Emser Werk oder deren Vater von der Goldküste hätten ja auch was Gutes…Erklären uns, dass wir, die wir auch im Sommer in der Winterbrache seien, doch besser nichts für den Klimaschutz…jetzt hebt er die Arme und lässt sie wieder fallen. Das wird jetzt nur noch so eine halblaute elyptische Diskussion.

Ja die Zeit, fast wie die Religion, fast so wie bifunktionales Klopapier, für alles brauchbar und doch behandelt man es wie wir die Politiker. Dabei hätten wir ja die beste aller Demokratien: soviel schöne Bergspitzen, Seeli und Bächli – hat der oberste Bündner auch gesagt. Doch kann dann Urs kaum den Namen des Kultur-Regierungsrates über die Lippen bringen, ohne ihm Geiferndes beizumischen oder zu unterstellen…Das schmeckt dann schnell so nach verbrannter Erde, oder mindestens so nach angedichteten Frauengeschichten…

Als die Post noch PTT hiess und keine Gewinne machen musste..hatten wir auch ein anständiges Gebüü am Postplatz…und jetzt nur noch Grosses-Kino im Westen. – Wenn ich dann die Schlichtheit des Belanglosen nicht mehr von der Einfachheit des Schönen unterscheiden kann, höre ich auf zuzuhören, schaue auf meine nicht vorhandene Protzarmbanduhr und denke, dass wir Senioren wohl oft mit etwas Wichtigtuerei unsere individuelle Altersreform etwas retardiert haben. Die Überlebensucht bleibt. Die anderen zahlen ja. Aber schu sicher: das Abendprogramm beim Jahrestreffen der Festungswächter-Witwen könnten wir noch alleweil bestreiten…altersgemässe Gruppenumarmungen inbegriffen.

 

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