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Torschluss Algos

Stark vereinfacht kann man sich Algorithmen als Kochrezepte vorstellen: „Man nehme, man nehme, man…“ . Hat auch Vico Torriani in seiner Kochshow gesungen…Die Zutaten sind hier Daten. Etwa der Name eines Nutzers, sein Standort, seine Gewohnheiten. Computeralgorithmen bestimmen, wann welche Berechnungen ausgeführt werden sollen, oder verwandeln Bilder, Videos und Nachrichtenartikel in Datenpakete. Algos  sind urteilende Maschinen, die anhand unseres Nutzerprofils empfehlen, was wir kaufen (Amazon), welche Richtung wir einschlagen (Google Maps), mit wem wir ausgehen (Tinder) und wie wir unsere Langeweile vertreiben sollen (Netflix). Mit jedem Mausklick, jedem App.

Du wirst mich befreien aus dem Netz, das sie dir heimlich legten.

Während ich am Schreiben bin, blinkt oben rechts „St.Petersburg. Topdeal 55 Euro“ auf – „ Inspiriert von ihren Suchtrends“ – So kann’s gehen beim Hotelbuchen: Der Algorithmus des einen Hotels,  das den Preis festsetzte, kann so programmiert sein, das der Preis immer einen Prozentsatz unter der  festgelegten Konkurrenz vor Ort sein  muss. Der Algorithmus des anderen Hotels kann so programmiert sein, dass er den Preis immer nahe an den Preis des ersten Verkäufers mit dem tieferen Preis heranführt. (..all die Preisroboter sind auch mit sich selbst beschäftigt und reagieren auf gegenseitige Aenderungen). Und so treiben die beiden Algos, vollautomatisiert den Preis dieser Hotelnacht in die Tiefe bis sie den Wert einer Zeltnacht unterbieten…das Horrorszenario für unsere Hoteliers.

Eigentlich geht es darum Betten in letzter Minute noch zum Deckungsbeitrag zu verkaufen…So wie bei 40 jährigen mit Torschluss-Panik, die auf den finalen Deckungsbeitrag im Bett oder eben auf den Torschuss warten. Bauer, ledig, sucht…Sparing-Partnerin. Auch bei der Partnersuche gilt: mit welcher Reduktion kann doch noch ein Markterfolg erzielt werden? Den unerfahrenen Hoteliers gehts gleich wie den monatlich rund 700’000 Partnersuchenden in der Schweiz; sie wissen auch nicht so recht und sie bezahlen einiges an Gebühren.

Und dann das Gefühl, jetzt hab’ ich ein Partner-Schnäppchen, bis man dann eben vergleichen kann… Inspiriert vom Testosteron-Druck bekommt man dann frei Haus den Traum-Blick auf eine tolle Partnerzukunft,  das rührende Preis-Geschehen wird vielleicht noch unterlegt mit der Lieblings-Musik, die der Algorithmus längst kennt, so wie booking.com oder expedia blitzschnell rausfindet welche bedürfnisaffinen Hotels ich auswählen würde…Kann man da froh sein, dass der eigene Algo – halt nur hormongesteuert – schon vor Jahren eine Partnerin fand? – Die Hoteliers können sich ja mit dem  Bibelspruch trösten: „Du wirst mich befreien aus dem Netz, das sie dir heimlich legten.“ Aber das meint vielleicht auch manche Ehefrau nach 30 Ehejahren.

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