Kolumne

Tourismus-Radschläge

Jetzt hocken wir am runden Tisch und hoffen, dass es nicht eck(l)iger wird. Dem Tourismus geht’s schlecht, ganz GR leidet an Konzentrationsstörungen. Früher meinten wir ja, dass jeder, der in freier Rede einen Dreisatz mit eine Relativsatz kombinieren könne, dürfe bei uns Volkswirtschaftsdirektor werden. Heute bemühen sich die Oberkrawatten noch schlau drein zu schauen, Schneider Ammann versucht uns aufzuheitern mit comedyreifen Nummern und einigen Blendraketen. Am erstaunlichsten sind die Berichte der Bündner Wirtschafts-Journalisten, die sich oft als wissende Oberkellner gebärden müssen – so wie man einem Spatz die Ornithologie erklären muss.

Wir wissen gar nicht mehr so recht wie, könnten uns auch von Andreas Thiel erklären lassen, dass der Koran schuld sei. Gut, der Bündner Tourismus ist nun mal der missglückte Versuch mit Imagewerbung das Mittelmass zu verdecken oder aus degenerierten Steinböcken scharmschäumende Österreicher zu machen. Dabei möchten wir doch gerne so freundlich sein, wie Tausende von Journalisten uns raten. Das schaffen wir schon: die Massen-Einwanderung von billigem Fleisch und willigen Kellnerinnen haben wir jetzt ja auch überwunden. Dazu kommt unser duales Bildungssystem in der Schweiz, das eben auch den Handwerkern Karrieren ermöglicht. Das wissen auch unsere Sanitärlehrlinge, die gerne mal bei einer WC–Reparatur solange mit der Scheisse diskutieren bis sie weg ist. Die Tourismus-Hochschulen haben dies erfolgreich übernommen.

Das nächste Thema am Wirtschaftsforum dürfte bestimmt heissen: „ Das Ende der Ueberakademisierung, am besonderen Beispiel der Wohlstands-Kompetenz- Orientierungskompetenz.“ Aufgelockert durch ein Weisswurstvertilgungs- und Biervernichtungs-Event haut das sicher hin.– Empfehlenswert ist aber auch abwartende Aufgeregtheit, die tiefgehende Ermüdung in unserem Kanton hätte jetzt halt auch die globale Börse beeinflussst und – wie so ein Flügelschlag der sogenannten Depressariidae, einer einheimischen Schmetterlingsart im Münstertal (nachschlagen, die gibt’s wirklich) – auf die Weltwirtschaft übergegriffen. Aber wir haben ja einen Tourismusrat der das Tourismusrad bestimmt neu erfinden wird. „Konnst net lernen, konnst net kaufen, konnst du nur hoben….“ sagte mir kürzlich ein Tirolerin. Ich dachte da an Innovationskraft, sie meinte eher Grips und Charme.

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