Kolumne

Unsere Leuchten

„Ausgehend von einer umfassenden Zustandsanalyse haben wir die Voraussetzungen geschaffen, um den bestehenden Ort zu veredeln und zu optimieren, dem Ort am Berg eine klare Positionierung zuzuweisen.“, steht da auf der Berater-website. Jo nümma nüt!

 Haha luschtig, und jetzt steht der nobilitierte Sauglattismus irgendwie im Weg.

Wenn ich über den Oberalp Pass fahre, muss ich jedesmal blödstaunen, wenn ich den Leuchtturm sehe. Vor 5 Jahren hatten einige Surselva-Touristiker mit Hilfe ebendieser Berater das grosse Leuchten. Die Gemeinde Sedrun wollte bekannter werden. Dabei sind die eigentlich recht bekannt, die wechselten ja ihre Verkehrsdirektoren wie Sion seine Trainer. Und wenn ich die aktuell verzweifelten Tafeln an der Strasse sehe: „Zimmer 30 Fr.“, denke ich, spricht sich das doch rum.

Unverwechselbar, nicht kopierbar sollte Sedrun werden. Weil die Gäste fehlten, merkte man, dass da eben ein Tupfer Rotterdam und eine Prise Meer-Sehnsucht fehlte –  so eine Bildikone wie z.B  der Hafenkran von Zürich. – Alles Hafechääs? Nein, der Effekt und die Symbolkraft des Leuchtturms am falschen Ort seien verblüffend, meinten die Macher.

War dieser Leuchtturm doch eher ein Leuchtwurm? Ein armes PR-Würmli mit wenig Wirkung? Müssen Tourismus -Strategien so kompliziert sein? Gut, das darf man jetzt nicht mehr hinterfragen. Der Turm hat nämlich soviel gekostet, dass man nicht mehr weiss wieviel. Ohne Kohl, auf eine mail-Anfrage erhielt ich diese Antwort: „Guten Morgen, Herr Schiesser, der höchstgelegene Leuchtturm der Welt kostet ein Vermögen, viel Fantasie plus drei, vier Verwegene und eine Prise Humor“… Haha luschtig, und jetzt steht der nobilitierte Sauglattismus irgendwie im Weg. Gut, alles wird dort jetzt wieder touristisch neu strukturiert und der Leuchtturm aus den Unterlagen gestrichen – ein Beispiel für unsere dynamisch sich anpassenden Touristiker und die neue Verschwiegenheit.

Als Zugabe und Höhepunkt entstand dazu ein Kinderbuch, das die Geschichte des Rheinquellchens „Mariuschla“ erzählt. Und die endet so: „Jetzt ist natürlich niemand mehr da, der das Wasser nachfüllen könnte. Der Rhein trocknet aus. Mariuschla sitzt inzwischen in Rotterdam und kommt nicht mehr heim.“ Märchen müssen so sein – und fern soll mir die Klage noch die Erwartung gründlicher Änderung sein. Aber vielleicht sollten einige Touristiker einfach wieder zu sich heimkommen bevor ihre Inspirationsquellen noch ganz austrocknen.

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