Kolumne

Viva la crisa

Alle neuen Ideen werden zunächst bekämpft. Als die RhB erfunden wurde, fanden die Leute das auch noch nicht so gut. Dann kam das Frauenstimmrecht, dann die Südostschweiz mit dem neuen Layout dann der Kreisel Chur-Süd. Das ist immer so in Graubünden: die Leute wissen zuerst nicht, was sie wollen, dann sagen wirs ihnen, und sie merken, dass sie es gewollt haben. Dann denken sie endlich, was sie denken sollen.

Und da alles bald digital wird, müssen die Gäste auch nicht mehr nach Graubünden kommen. Analog kann man bestenfalls noch Calanda trinken vor dem Bildschirm.

Darum kann man heut’ pathetisch in den Grossen Rat rufen: „Viva la crisa“. Da sie eh meist nicht hinhören, verstehen sie wahrscheinlich: „viva la grischa“. Das ist nicht zuletzt der Schlüssel um die Hirnis im Grossen Rat zu bewegen. Begrenzte Güter wie Hirn oder Subventionen müssen eben optimal eingeteilt werden, weiss die Oekonomie, die Wissenschaft von der Allokation knapper Ressourcen. – Zugegeben, Kolumnisten minderer Güte würden sich jetzt über eine gewisse Hirntaubheit des Parlamentes punkto Wirtschaftsfragen genüsslich auslassen. Oder Händeringen über „einfache“ olympische Spiele und das sich dem korrupten Olympischen Komitee ausliefern, und Weiternölen über die Tatsache, dass sich olympische Investitionen noch nie auf der Welt ausbezahlt haben… – Aber Kolumnisten minderer Güte gibts nicht in dieser Zeitung.

Zugegeben, meine meisten wirtschaftlichen Auf- und Anregungen waren für nix. Das ändert nun, Olympia mit „Zürich 2026“wird grosses Kino. Jetzt wo die Zürcher noch fast ungefragt gerne alles mitmachen. Also in 10 Jahren, wenn wir uns gerade überlegen werden, ob wir unsere Enkel von einem digitalselbstfahrenden Auto überfahren lassen sollen, ist’s soweit. Und dank dem Grossen Rat wird Wandern bis dann auch noch zur Bündner Parade-Disziplin. Mit den Zürchern wandern unsere Grossräte bestimmt einem tollen Sonnenaufgang entgegen…

Und da alles bald digital wird, müssen die Gäste auch nicht mehr nach Graubünden kommen. Analog kann man bestenfalls noch Calanda trinken vor dem Bildschirm. Das ist wie mit den Chinesen, Russen und Amerikanern, die können auch zu Hause bleiben: ist ja schon lange unsere Tourismus-Strategie. Fast wie bei Zeitungen, die auch bald keine Texte mehr brauchen, nur noch Bilder. Hat eben alles zwei Seiten, wie das Gesäss. Da muss man halt ab und zu eine Backe hinhalten. Darum ist das die letzte Bündner-Kolumne in der „Schweiz am Sonntag“ — die aber voller Vorfreude auf die Zukunft. – Tangga, es hat Spass gemacht.

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Ein Gedanke zu “Viva la crisa

  1. Göli schreibt:

    Hi Livio. Was gegen grosse Kreisel? Ein grosser Kreisel bedingt u.a. einen dickeren UVB (Umweltverträglichkeitsbericht) als ein kleiner Kreisel. Ein dickerer UVB ergibt ein grösseres Verfasserhonorar. Ein grösseres Honorar ermöglicht mehr Konsum. Mehr Konsum kurbelt die Wirtschaft mehr an. Mehr Wirtschaft schafft Arbeitsplätze etc. etc. etc. Alles Klar?

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