Kolumne

Wääh Torriani

„Ich heisse nicht Peter, ich heisse Peider, das ist rätoromanisch.“ sagt der Bündner Kameramann zur deutschen Regieassistentin im neuen Torriani-Musical. „Macht ja nix“ meint die. Grins, schön dass die Kultur-Grenzen sich erfreulich vermischen…

Ja, man kann auch Kulturschaffende entlang ihrer Einnahmen sortieren. – Aber es ist nicht so, dass Elite Elitengeschmack hat und Masse einfach Massengeschmack.

 

Theater ist ja da um Grenzen zu verwischen. Doch manchmal versteht man manchmal nicht so alles, was da geboten wird oder ob das jetzt gut ist. Sagt dann ein Herr Wichtig, dass das ganz toll und richtig, dann hilft das schon. – Heilige Kühe der Kunstwelt lassen sich meist einfach künstlich erschaffen. Zu Kultur-Marketing gehören eben auch einige professionelle Kunstschwätzer, die das dann schönreden oder schlauschreiben. So wie ich das jetzt mache: nächste Woche ist die Churer-Premiere von „Hotel Victoria“ – dem Vico Torriani Musical. Einfach ein Hingucker, zwei Torrianis in einer Screwball-Kommödie, klassische Stimmen, Chorus-Girls, wunderschöne Szenen. Eine mit dem 12 jährigen Vico als Liftpage, der glockenhell „Chara lingua“ singt bis die Silberfäden schmelzen.

Igitt Schlager! Da kann man sich natürlich fragen, ob so Schnulzenkultur wie „Schöön und kaffebraun“ jetzt gut oder schlecht ist ? Meine Güte schlecht ist’s nur, wenn man’s schlecht macht…90 Prozent des ganzen internationalen Kulturbetriebs ist doch Marketing. Wenn ich bedenke, wieviel Schrott zu Hochkultur hochgeschrieben wird…und umgekehrt viele Kulturschaffende nur eine Rand-Eck-sistenz in der Ferienecke haben– sie leben nämlich am Existenzminimum.

Kürzlich am Radio eine piepsende Jungmoderatorinnen-Stimme: ob es nicht so sei, wer Kultur machen wolle, solle die halt selber zahlen. Ja, man kann auch Kulturschaffende entlang ihrer Einnahmen sortieren. – Aber es ist nicht so, dass Elite Elitengeschmack hat und Masse einfach Massengeschmack, liebe Opernhausbesucherin, lieber Literaturclub-Zuschauer, das hat sich alles so vermischt wie beim Vico-Musical die Filetto-Sossen. Gute Kultur wird in ganz verschiedene Saucen getunkt. So vermischen sich heute auch immer mehr Hochkultur und Populärkultur: je jünger die Leute sind, desto häufiger. Das wollten die Macher: einen Hinseher, der dem Tourismus etwas Geld bringt, und der Bündner Kultur ein weiteres Gesicht gibt. Mit viel Herz und Harmonie. Wau nitt Wääh. – Bescheiden meint auch der Engadiner Peider zum Musical-Vico: “Mol, jo. Wenn miars nid übertriband, find i’s schu no luschtig.“

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