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wohin guggt der Bock?

Sie können mich jetzt als Theoriehäuptling bezeichnen, aber diese Frage muss geklärt werden… Wohin schaut der Bünder Steinbock oder der Churer Steinbock auf dem Wappen? Immer nach LINKS. Das haben die Nationalrats-Wähler dieses Jahr auch noch untermauert…

Der Calanda Bräu Steinbock schaut aber nach RECHTS und aufwärts. (Kopf nach hinten) Gehört sich auch, dass ein globalisierter Konzern auf Rechts macht. Neoliberal oder so. Irgendwie.

Ist das jetzt etwas etwas zuviel an formaler Betrachtung unseres Wappentiers?

Auch die modernen Visualgestalter der Heineken Bräu haben dies bei der Überarbeitung des Calanda-Logos wahrscheinlich bemerkt: „wir brauchen eine dynamischere Variante !“(die haben jetzt natürlich nicht an Sehr-Alt-Nationalrat Campell gedacht). Guat, wir lesen ja auch von links nach rechts. Da soll der Bock halt nach rechts gucken, das ist doch ein geerdetes Narrativ in Graubünden, in Zeit, Ort, Schichtzugehörigkeit und poltitischer Absicht.
Geradeausschauen haben wir etwas verlernt. Gut, ist in diesem Falle auch grafisch etwas schwierig.

Wir geben wir ja auch gerne Geld aus, für Steinböcke, für TV-Spots. Um Zürchern zu zeigen, dass sie schon immer an den richtigen Ferienort gehen. Aktuell sogar promoten wir gerne, dass wir vor allam läband und denn no schaffand, vielleicht auch nicht so gerne schaffand.– „Tengg an dini Laiv-Bälänts.“–„Mampfa vor am Krampfa.“. Das sind dann willkommene Zusatz-Effekte durch Crossover-Argumente. Höchst modern.

Den Koran lesen die wenigen calandatrinkenden Asylanten aus dem nahen Osten ja von rechts nach links.

Gesichter sind in der westlichen Portraitkunst häufiger nach links gewandt, noch häufiger auch bei Männer-Portraits, weil der Mann als „vorausschauend“ gilt (oder schreibt man galt?) Nebenbei: Adam ist in 62% der Fälle zu Evas Linken positioniert.

Bei Arabisch oder Hebräisch sprechenden Menschen verläuft das ja umgekehrt. Die sind aber nicht so wichtig bei uns, meint die SVP. Die Calanda-Gestalter dachten wohl, wir machen’s einfacher: besser wenn der Steinbock nicht links rausschaut. Ins Nichts. Wie die Flüchtlinge.

Vielleicht haben der Kanton und die Calanda-Bräu auch kompromissbereit abgemacht, dass der eine nach links der andere nach rechts schielen soll…eine einfache Polit-Dialektik.

Ob wir auch von Links nach Rechts denken, wie beim Lesen, ist dann aber eher Kaffeesatzlesen. Auf jeden Fall politisch nicht, wir haben jetzt ja ein neues Nationalratsteam. Gottseidank hat’s nicht bei allen diesen postmoderne SVP-Doppelcodierungen gewirkt: „Volch“ schreien, und „völkisch“ meinen…zum Beispiel. Vielleicht haben der Kanton und die Calanda-Bräu auch kompromissbereit abgemacht, dass der eine nach links der andere nach rechts schielen soll…eine einfache Polit-Dialektik.

Wenn wir uns unser Wappen anschauen, dann ist das wohl die Iconisierung des Bündner Verhaltens: halbrechts in die endlose Wiederholungsschleife des Vertrauten. Stimmt. Das ist so die Selbstverständigung der Polis. Wie die Böcke heute mit Carbon biken, und sogar die FDP die Carbonisierung leicht hinterfragt.

 

Der Calanda-Bock hat den Kopf so witternd in den Sturm gelegt. Macht ihn natürlich sexier, man spürt fast wie er den Arvengeruch in der Luft wahrnimmt. Die Gestalter müssen das natürlich in so erdanziehungsferne Dimensionen treiben. Werbung muss übertreiben. Sie haben ihm also diese obligatorische New-Look-Rasur verpasst. So wie es die CVP dem abgeranzten Lombardi wünschte. Normal in der heutigen Marketingwelt. Der Bier-Bock steht abenteuerlich im Wind. Nicht wie unsere gemächlichen Bündner Stammwähler. Eher so wie ein Zug Monarchen-Falter auf ihrer Wanderung durch die Bier-Kontinente.

Unser geheimes Erkennungszeichen ist ja nicht der Steinbock. Eher der Stolz so sein zu wollen wie der Bock.

Keine dicken Trennungsstrich zwischen Bier und Kanton also? Eher schon intergalaktisch interferierende falsche Gedankengänge meinerseits? Naja, mal steinbockig gedacht: „Manchmal denke ich, es wäre besser, wenn wir überhaupt ganz dumpf und stumpf dahinlebten, denn dann würden wir wahrscheinlich an all den Widersprüchen und Ungereimtheiten unseres Lebens nicht so leiden.“, schrieb mal Nietzsche in Graubünden. Der hat wahrscheinlich an die Martullo-Wähler gedacht.

Als Generalausteiler von rechten und linken Haken. (ich boxe zwar meist nur Schatten..) muss ich dem nachgehen. Unser geheimes Erkennungszeichen ist ja nicht der Steinbock. Eher der Stolz so sein zu wollen wie der Bock. Und im Wappen vertritt er halt unsere sprichwörtliche Ataraxia, also die Gemütsruhe der Bündner. Patschifig aifach. Darwins Survival of the Fittest wenden wir nur auf Eishockey und Jagd an. Alles andere ist eine neodarwinistische Auffassung von zweifelhaftem Wert. Der Steinbock soll ein Symbol sein für unsere Trägheit im Überleben.

Jetzt können Sie natürlich über meine mentalen Verrenkungen staunen oder sich ärgern. Auch zum Beispiel über die Habachtstellung der Bündner zu diesen biologischen Mustern von Kraft, Harmonie, Männlichkeit. Diese männlich-körperliche, etwas forcierte Selbst-Erdung –selbst durch ironische TV-Spots–  hat System. Das sind Bedeutsamkeits-Ressourcen mit semantischer Verdichtung. Die symbolischen Spuren unseres lebenden Bündner-Bewusstseins. Die Verkörperungstheorien unserer ersehnten Bildsprache.

Damit schliesst sich der Handlungsbogen. Geben sie zu, sie hätten’s gar nicht bemerkt. (Die Logo-Änderung der Heineken) Den Steinbock im Elementarzustand kennen Sie eh nur aus den TV Spots. Übrigens: es gibt auch weibliche Steinböcke..

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