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Wuala, der Wahlkommentar

„Man tritt nicht zweimal in denselben Dreck“, hat Beckett mal gedeutelt. Irgendwie haben wir aber geahnt, dass die Bündner das doch gerne tun. Sie haben nachgedoppelt. Die Wahl-Resultate von heute reissen uns kaum aus allen Kostümen. – Waren wir nicht einer genuin bündnerischen (Miss-?)Gestimmtheit verpflichtet?

In süsser Benommenheit, inspiriert vom Trälleri Bardill, haben wir uns vorgenommen diesmal nicht alle diese Weichspüler wieder zu wählen. Wir wurden regelrecht animiert von diesem Wahnsinns-Überflieger mit diesem Ui-bini-luschtig-Stil mit Alt-68-Opakäppli in Rosa-Weltformat. – (Guat, seine Guat-Nacht-Gschichtlis scheinen beliebt zu sein…über 12’000 Stimmen: das kleine, unterentwickelte GR-Sensorium für grosse Zusammenhänge hat doch guat gepunktet.)

Wir wollten die bisherigen Epochenschänder mit ihrer Pseudo-Fortschrittsideologie, mit ihrem Hang zur Plausibiltät der Inprofitabilität einfach abwählen…Doch die schreckliche Rache der bisher Beiseitegelassenen ist nicht gekommen.

Man hat uns zwar bestohlen, aber wir wissen eh nicht was uns fehlt…

Sie kennen doch die Story von diesem Menschen, der aufwacht und feststellt, dass er sich in einen Käfer verwandelt hat? Wollten wir uns nicht ein neues Polit-Geschäftsmodell herbeisehnen? – Jetzt können wir Käferli mit dem Wahlresultat doch gut weiterschlafen. Die politgestaltende Bricolage wegreden.…Vorbei over mit den parolinischen Bastelnachmittagen im Grauen Haus?

Die Ausschüttung der Baukartell-Informationen in die Fassungslosigkeit der staunenden und erschrockenen Bündner Seelen war halt doch nur sowas wie eine Fiebermeldung: 37.8 Grad. OK. Etwas Temperatur. Nicht weiter schlimm. Man hat uns zwar bestohlen, aber wir wissen eh nicht was uns fehlt…

Und nun: gewählt sind die Bisherigen ohne Biss, plus Caduff  und PPeyer- zwei Hoffnungen. Doch die Jawollskis haben wieder übernommen. (Diese Wahlen sind doch so etwas wie eine Bewertungen von Reisekutschen durch Tripadvisor. Einfach etwas retro.) – OK, der Mangel an Erschütterbarkeit ist uns Steinböcken doch gegeben, die Moral des Hinnehmens haben wir gelernt. Wir wussten ja, unter Politikern kommt es halt zu Tumorbildung, da muss es ab und zu Geschwüre geben.

Am Besten sagen wir halt nur, was man am besten so sagt, sagte sich die Regierung…das ist wohl die Vielzweckwaffe der Bündner Politiker…So ein Bündner Hüttenwart-Stoizismus. Nullsprech-Prosa gewohnt.

„Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ sagte ja Karl Valentin…

Unser Kümmernisse wurden wohl nur so  zum Lüften aufgehängt und die aufzuhängenden Politiker eher locker durchgewinkt. Wie immer. So etwas in der Kommunikation Durchgeschleiftes wirkt ja auch meist. Wir haben ja keine Änderungskultur, eher so eine Bewältigungskultur.

Nichts ändert sich. Die Bündner sind schon in post-panischer Zeit angekommen. Sie sind nicht einmal mehr erschreckbar…. also so gesehen weit voraus. Und die Wieder-Gewählten ? Wir wollten sie ja modern etwas nudgen, also schubsen. Aber wohin eigentlich ? –

Sie bräuchten sich uns gegenüber nicht zu schämen, sagen sie wohl beim nächsten Regierungs-Apéro. Dr Ha-nüt-gmerggt ist dominant. Und wir konstatieren wieder mal mit altersmilder Serenität: „Probleme sind nicht wie grosse Bordeaux-Weine. Sie werden nicht besser, indem man sie lange lagert.“

Zwischenruf aus den hinteren Rängen: “Lang lebe der auf verlorenem Posten.“ – Das ist der Vorteil der Berglangsamkeit, man bleibt auf der Kreuzung stehen und wartet, bis man über den Haufen gefahren wird.

Sie können jetzt natürlich mit einer therapeutischen Leseart an diesen Text gehen, oder auch faktisch urteilen: die wenigen Anwesenden haben wieder mal die vielen Abwesenden überstimmt…

So endet dann die Wahlfänger-Story. Wie bei Moby Dick. Genauso sick. (Aber doch demokratisch) „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ sagte ja Karl Valentin…

 

 

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Ein Gedanke zu “Wuala, der Wahlkommentar

  1. Michael Balzer schreibt:

    Hammer, lieber Hansruedi, auch wenn du mit Bardill gar hart ins Gericht gehst;-) Er hätte, das steht für mich fest, die eigene Überzeugung soweit möglich „regiert“, was die bisherigen Parteisoldaten nicht dürfen. Die Ausnahme ist für mich Rathgeb mit einer primär guten Gesundheitspolitik und natürlich der neue Peter Peyer

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