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Zwiebeln im Bauch

„Aber Herr Doktor, wenn einem die Natur kommt“, fragte schon der Woyzeck…Nix zu machen. Ich schreibe, also bin ich. Meine ich. Als ich heute aufwachte, fühlte ich mich wie der erste Satz in einer meiner Kurzgeschichten. Was steht heute an? Soll ich jetzt so einen Baulärm-Blog (die rattern ja schon wieder…) oder mal was Positives finden an der Personalpoltitik im Kanton GR – von Kunstmuseum bis ATW? Nein, denen muss ich gar nicht mehr an die Wäsche! Ist mir zu dreckig, zu dumpfsinnigstumpfsinnig…

Wieso schreibe ich? Aus Ego. Wie andere Golf spielen, oder Regierungsrat werden. Manchmal packt mich einfach auch die Wut…weil halt nicht alles so wie…

Ich schlage ein Bein über das andere, um den Druck zu erhöhen, auf meine nicht mehr vorhandene Prostata, alles gequetscht, und von oben drückte die Blase, und die war ja auch noch nicht entleert….also zuerst mal pissen, dann dissen.

“ Der Schiesser mit seinen Schiessübungen und Querschlägern..“ Auch gut.

Gut, alle schreiben Bücher, während die Bücher gleichzeitig verschwinden. Bevor die Bücher verschwinden, will jeder noch mal eins gemacht haben. Vielleicht häng ich da mit drin, in dem Schwarm. In meinem Alter ist das Schwarmrenitenz, oder Schwarmimpertinenz oder so. Man nennt’s auf jeden Fall eine Form von Tendenz…ein Journi schrieb kürzlich:“ Der Schiesser mit seinen Schiessübungen und Querschlägern..“ Auch gut. Wenn Tagebücher oder Blogs nur nicht so einen unangenehmen Inkontinenz-Geruch hätten (kenn’ ich, weil schon die Prostata krebste).“  Das ist doch was für Windelnässer.“,  sagt man da schnell: „die können nichts für sich behalten.“

Es sind nicht nur Blödgekiffte, Dummgesoffene und Kaputtgespritzte die schreiben. Beim Schreiben überflutet einem das Oxytocin regelrecht. Der Flow – wie beim biken oder joggen. So reflektorische Erektionen sind das. Da strickt man an seinen Gedanken bis zum synaptischen Feuerwerk, das echt als geil erlebt wird. Alles so in Spektralfarben. Die Aufputschung ist in allem. Da kommt man wie im Kino in diesen schwebenden, manchmal auch gerührten Zustand unmittelbar nach der Vorführung….“damit der Film frei wie in einem Resonanzkörper in mir nachschwingen kann“ (Von Delphine de Vigan. Sonst denken sie, wo hat der das nun wieder abgeschrieben…?)…wenn die Lichter gerade wieder angegangen sind und der Abspann läuft.

Ich gehöre zwar zum Schreibprekariat, aber ich weiss, wenn du es nicht schreibst, wird dein verborgenes Buch dich einholen. Du trägst es mit dir rum. Auch wenn es nur Gutenacht-Geschichten sind. Ich bin so ein winziger Macho à la lettre. Fühlt sich gross und stark mit schreiben…;-). Ein Stromstoss von Glück geht durch meinen angefressenen Bauchpneu, meinen Rettungsring, meine  sorgsam gepufferten Lebenslügen, meine Isolationsschicht. Oder vielleicht sind es doch nur die Zwiebeln, die in meinem Bauch rumoren. „Vergesst die Ewigkeit, schreib für den Tag.“, hab’ ich irgendwo gelesen. Mach’ ich heute. Ich schreib‘ dann später über das Kunstmuseum.

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