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aufwachen–inszeniert

Chur hat ein Theater. Ab und zu sogar ein gutes. Das Theater ist der Versuch der vielschichtigen Stadt gerecht zu werden. Die gutvernetze und vielseitige Direktorin hat nur ihre liebe Mühe damit. Was machen?

Es allen recht zu machen, ist in Zeiten der Pluralisierung der Gesellschaft schwierig. Dass einige denken, dass die Gesellschaft so bleiben kann, wie sie ist…ist nicht unbedingt nur churerisch, aber trügerisch. Und auch eine Programmfrage. Der Typus des „Churers“ hat sich verändert; und sogar die Veränderung hat sich verändert…zu vielfältig, zu divers..

 

Chur… so eine Schweizer Normcore-Stadt. Macht vieles wie man’s halt macht. Hat sogar bald einen avantgardistischen Werbe-Turm von Bane. Auch der Milo Rau war schon hier…der der sogar Zürich als Welthauptstadt des postmodernen Kleinbürgers, als globalen Hauptort der Lebensfeindlichkeit bezeichnete.

„Sogar die Veränderung hat sich verändert…zu vielfältig, zu divers.“.

Ursina Lardi, Churs Starschauspielerin, heute in Berlin, hat ihn wohl bei ihrer grandiosen Aufführung von „Die Geschichte des Maschinengewehrs“ über ihre Heimatstadt aufgeklärt. Er, der meinte die Ideologie der Peinlichkeit, wie sie den Schweizer Geist beherrscht, sei dominant. Den Schweizern sei alles peinlich, was nur im Ansatz physisch oder sozial ist, im Endeffekt sei ihnen das Leben peinlich. Denn die grösste Angst der Schweizer sei natürlich, dass ihre Angst vor der Peinlichkeit selbst entdeckt werden könnte. Ursina Lardi musste in der grandiosen Darstellung einer Kongo-Geschichte dann auch noch ganz kontextuell begründet auf die Bühne pissen…irgendwie symbolisch. – (..Geht jetzt aber zu weit, dazu müssten Sie den intertextuellen und intergestischen Stücke-Kontext verstehen….sonst ist das jetzt nur destruktiv!)

In Chur will man vor allem Ruhe. Letzten Samstag war ich in einer sehrsehrmodernen Antigone-Interpretation der furiosen Performerin Ann Liv Young. Mit radikal die Grenzen von körperlicher, geschmacklicher und psychischer Strapazierfähigkeit austestenden Performance-Abenden hat sich die New Yorkerin inzwischen einen Namen gemacht. Als die am Ende ihrer Entladung ziemlich aggressiv die Zuschauer provozierte…war das vor allem das Zeichen zum abhauen. Die „kleine Tür“ zu finden, wie es bei Brecht heisst, durch die man in letzter Minute entkommt, war dann doch für die Mehrheit der Zuschauer angesagt.

Sie sind es gewohnt Nichts zu sagen.

Gut, die würdestarrenden Mitglieder einer grossbürgerlichen Kleinstadt-Society, die Damen in kulturschwarz oder sogar mal in altmädchenweiss, die Ganzaufgeschlossenen in Cashmere-Pullovern…Die  mit Konfirmandenkrawatte oder mit fetten Klunkern  behängten Oldies irren auch noch sporadisch umher; auch die letzten Liegeradfahrer und Staatskundelehrer im Jeansjäggli sind dabei, spontanisieren und sympathisieren auch noch ab und …es müssen aber  konventionelle Vorstellungen sein.

 

Sie sind es gewohnt Nichts zu sagen. Es ist als hätten diese Bürger sich damit abgefunden, dass ihr Leben den Rhein hinabtreibt, ohne dass sie selbst das Ruder in die Hand nehmen müssen. Eine gewisse Souveränität im Elegischen-Anpasserischen und eine Verlangsamung der Spielgeschwindigkeit ist ihnen inne. Sie konsumieren gerne, es muss dann aber nichts Aufregendes sein…

 

Lieber würden sie dort eh über die Form des Pinot-Glases reden. Aber die Churer-Theater-Beiz ist nun auch mal kein Vorzeigemöbel…Man sieht sich lieber an Weltcuprennen, Higa oder bei Nostalgie-Geschichten in Riom. – Das Einstweh ist unser Basiskrankheit…und unsere angeschlagene Tageszeitung beschäftigt sich vor allem mit Verfalls-Credo und bringt historisierenden Wichtigkeits-Ramsch. Gerne gegen die Scheibe der Zeit. So wählt man dann auch.

„Harmlose, akute Horizonterweiterungsallergie ist churerisch.“

In Chur muss man nicht Brecht spielen, wie man ihn heute interpretieren könnte, es genügt vorzuführen wie Brecht 1948 die „Antigone“ spielen wollte (das tat dann auch korrektbildungsbürgerjustiert das Ensemble aus Wiesbaden). Standing Ovations gab’s zur Spieleröffnung letzte Woche.

Chur hat lange vor Adorno beschlossen, dass es im falschen Leben kein richtiges gibt..Oblomow, der Mensch im Schlafrock, nicht gemacht fürs Vorwärts, könnte Churer  sein. Und solche Oblomowereien lieben wir eher, führen lieber Gespräche unter unseresgleichen. Harmlose, akute Horizont-Erweiterungsallergie ist unserem Ab-und-zu-Programm-Theater-Publikum gemeinsam.

Die Direktion bemüht sich das Dornröschen nach ihrem hundert Jahre währenden Schlaf etwas zu schütteln. Das Programm implodiert förmlich (man nimmts dann nicht mehr wahr), und manchmal explodiert es…wie im Falle unserer Berserker-Antigone, Ann Liv Young. Aber dann kommen nur 30 Leute. Der Folgeabend fiel sogar aus. Die Unbesuchtheit ist wohl auch eine Unbesuchtheit des wachen Geistes…

Eher schlussfordernd als schlussfolgernd sag ich da: Naja, irgendwann gewöhnt man sich gegen alles.

 

 

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Wuala, der Wahlkommentar

„Man tritt nicht zweimal in denselben Dreck“, hat Beckett mal gedeutelt. Irgendwie haben wir aber geahnt, dass die Bündner das doch gerne tun. Sie haben nachgedoppelt. Die Wahl-Resultate von heute reissen uns kaum aus allen Kostümen. – Waren wir nicht einer genuin bündnerischen (Miss-?)Gestimmtheit verpflichtet?

In süsser Benommenheit, inspiriert vom Trälleri Bardill, haben wir uns vorgenommen diesmal nicht alle diese Weichspüler wieder zu wählen. Wir wurden regelrecht animiert von diesem Wahnsinns-Überflieger mit diesem Ui-bini-luschtig-Stil mit Alt-68-Opakäppli in Rosa-Weltformat. – (Guat, seine Guat-Nacht-Gschichtlis scheinen beliebt zu sein…über 12’000 Stimmen: das kleine, unterentwickelte GR-Sensorium für grosse Zusammenhänge hat doch guat gepunktet.)

Wir wollten die bisherigen Epochenschänder mit ihrer Pseudo-Fortschrittsideologie, mit ihrem Hang zur Plausibiltät der Inprofitabilität einfach abwählen…Doch die schreckliche Rache der bisher Beiseitegelassenen ist nicht gekommen.

Man hat uns zwar bestohlen, aber wir wissen eh nicht was uns fehlt…

Sie kennen doch die Story von diesem Menschen, der aufwacht und feststellt, dass er sich in einen Käfer verwandelt hat? Wollten wir uns nicht ein neues Polit-Geschäftsmodell herbeisehnen? – Jetzt können wir Käferli mit dem Wahlresultat doch gut weiterschlafen. Die politgestaltende Bricolage wegreden.…Vorbei over mit den parolinischen Bastelnachmittagen im Grauen Haus?

Die Ausschüttung der Baukartell-Informationen in die Fassungslosigkeit der staunenden und erschrockenen Bündner Seelen war halt doch nur sowas wie eine Fiebermeldung: 37.8 Grad. OK. Etwas Temperatur. Nicht weiter schlimm. Man hat uns zwar bestohlen, aber wir wissen eh nicht was uns fehlt…

Und nun: gewählt sind die Bisherigen ohne Biss, plus Caduff  und PPeyer- zwei Hoffnungen. Doch die Jawollskis haben wieder übernommen. (Diese Wahlen sind doch so etwas wie eine Bewertungen von Reisekutschen durch Tripadvisor. Einfach etwas retro.) – OK, der Mangel an Erschütterbarkeit ist uns Steinböcken doch gegeben, die Moral des Hinnehmens haben wir gelernt. Wir wussten ja, unter Politikern kommt es halt zu Tumorbildung, da muss es ab und zu Geschwüre geben.

Am Besten sagen wir halt nur, was man am besten so sagt, sagte sich die Regierung…das ist wohl die Vielzweckwaffe der Bündner Politiker…So ein Bündner Hüttenwart-Stoizismus. Nullsprech-Prosa gewohnt.

„Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ sagte ja Karl Valentin…

Unser Kümmernisse wurden wohl nur so  zum Lüften aufgehängt und die aufzuhängenden Politiker eher locker durchgewinkt. Wie immer. So etwas in der Kommunikation Durchgeschleiftes wirkt ja auch meist. Wir haben ja keine Änderungskultur, eher so eine Bewältigungskultur.

Nichts ändert sich. Die Bündner sind schon in post-panischer Zeit angekommen. Sie sind nicht einmal mehr erschreckbar…. also so gesehen weit voraus. Und die Wieder-Gewählten ? Wir wollten sie ja modern etwas nudgen, also schubsen. Aber wohin eigentlich ? –

Sie bräuchten sich uns gegenüber nicht zu schämen, sagen sie wohl beim nächsten Regierungs-Apéro. Dr Ha-nüt-gmerggt ist dominant. Und wir konstatieren wieder mal mit altersmilder Serenität: „Probleme sind nicht wie grosse Bordeaux-Weine. Sie werden nicht besser, indem man sie lange lagert.“

Zwischenruf aus den hinteren Rängen: “Lang lebe der auf verlorenem Posten.“ – Das ist der Vorteil der Berglangsamkeit, man bleibt auf der Kreuzung stehen und wartet, bis man über den Haufen gefahren wird.

Sie können jetzt natürlich mit einer therapeutischen Leseart an diesen Text gehen, oder auch faktisch urteilen: die wenigen Anwesenden haben wieder mal die vielen Abwesenden überstimmt…

So endet dann die Wahlfänger-Story. Wie bei Moby Dick. Genauso sick. (Aber doch demokratisch) „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ sagte ja Karl Valentin…

 

 

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Castorfs Benebelung

Vorbei ist das Theatertreffen in Berlin 2018. Wir waren wieder dabei, haben 8 Aufführungen gesehen. Viel Neues, Anderes, Highlights…einiges auch diskutabel.

Ein Wau, der 7stündige Faust (bingewatchen im Kulturmiliö: Toilletten-, Arsch- und für einige auch Rauch-Weh). Versaute uns sogar die nächtliche Rückkehr mit ÖV nach Brandenburg…Diese Woche stand im NZZ Feuilleton, das was man nicht überall sagen darf, schon gar nicht in Berlin: „..überdies wird in weiten Teilen Deutschlands um Castorf eine Art Kult betrieben, der irrationale Züge trägt…“

Stimmt – war mir schon dieses Jahr im Schauspielhaus Zürich aufgefallen bei der Vaudeville-artigen Inszenierung einer Dostojewski-Erzählung: „Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett“, wo wir dann zu Dritt in der Pause ausklinkten…Joh, ein älterer Herr ist dieser Castorf also geworden, so ein übersexter Altersheim-Rocker, den wir so faszinierend fanden in den 90er Jahren, als wir noch an die Volksbühne pilgerten (ich war schon zu DDR- Zeiten 2 mal dort).

Er provozierte doch jahrelang so schön die konservativen Gemüter im Publikum…joh, passt für staunende und erschrockene Seelen, so prosecco-bedeutungsvoll. Aber heute kommt’s mir vor, als ob diese Bühnen-Klamauk-Lärm-Oppulenz (Der beleidigte Castorf kostete der Stadt Berlin allein für den Theatertreff rund eine halbe Million Euro Drehbühnenumbau weil er nicht mehr an der Volksbühne inszenieren wollte..) einfach ekstatisch durchbolzt. Der Osterspaziergang für rezidive Theatersesselfurzer, die jetzt auch noch Trash entdecken… Irgendwie ist das nur noch für alte Bildungsbürger gemacht…Man muss doch jetzt auch noch dabei gewesen sein. Das Genie ist aber weder altersweise noch altersmilde, einfach etwas altersblöde – tunggtsmi. Beeindruckungstheater mit Konformitätsdruck.

Gut, seine grossen Figuren wie Martin Wuttke, Sophie Rois, Alexander Scheer, Leute wie Fritsch und Pollesch aus seinem Ensemble sind heute unbestritten das Non-Plus-Ultra in der deutschen Theaterszene….und allein wegen Wuttke und Rois war’s wert (oder Valery Tscheplanowa, die für ihren Auftritt zur Schauspielerin des Jahres gekürt wurde: sie könnten auch den Wasserstand vorlesen, man hängt an ihren Lippen.)

Deshalb sollte man diesen Faust gesehen haben. Aber das ginge in 2 bis 3 Stunden. Der alte Berserker musste dann in den Zwischenstunden noch eine telenovela-artige Story aus Zolas „Nana“ im Algerienkrieg als Fremdtext-Einlagerung einbauen. (seine vielzitierten historischen Schichtungen?) Hat er jetzt auch noch von NarcosundCo, den Gewalt- und Netflix-Drehbuchschreibern abgeguckt? Auf jeden Fall ist seine Brüll-Sex-Material-Schock-Inszenierung altersheimreif…mit arg Abgegriffenem.

Ja, geblieben ist eine ganz eloquente Schaubühnen-Inszenierungen („Die Rückkehr nach Reims“/ Eribon) mit Nina Hoss…Dazu einen 1.Akt des Brecht Stücks „Trommeln in der Nacht“, der Original-1922 bühnensprachlich und kulissen-technisch umgesetzt wurde. (Der zweite Akt dann aktualisiert inszeniert) Unglaublich hat man damals so gesprochen, inszeniert? – Es mutet schon fast ironisch an? – Das sagt man wohl auch bald über Castorf…Ist das jetzt so ein Castorf -Jetlag den die haben?

Ja,Theater müsste eigentlich eine Reflexions-Umwälzanlage sein…ist es nicht mehr immer.

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geldopolitik

Dass Feldis zu Geldis wird, und Hinterrhii zu Hinterrüx und Lavin zu Schlawin ist nicht gerecht. Nicht alle Kleinen sind bei den Schweinen. Guat. Maienfeld zu Maiengeld (ja der Alt-Regierungsrat hockt ja dort), oder Chur zu Churleone (der Baumeisterverband und fast alle Anwälte), Celerina zu Zählerina dann schon eher…Ruedi Widmers Karrikatur „Willkommen in Baubünden“ im Tagesanzeiger von heute ist wunderbar.

Die „Republik“ bringt die Geschichte vom Engadiner Bauskandal. Jetzt tauts auch bis nach Oberhalbwelt. Nachdem sich bisher niemand so richtig aufregte zwischen Bonastutz und Chlütters.
Grossartig erzählt, gut recherchiert u.a. von Anja Conzett, Gion-Mathias Durband – mit menschlichen Emotionshappen, aber auch mit vorsichtig abwägenden Voten zum „Aufdecker“ des Skandals. (Auch der ist ja nicht gefeit gegen allfällige Verdachte.)

Alles Tradition: wasasliwas hat Parolinis Vorgänger Trachsel in seinen politischen Flegeljahren in Zählerina anderes gemacht als Immobilien- und Baustreiche…nennen sie’s so. Das hat Methode. So wie nach der jämmerlichen Mediakonferenz des Baumeisterverbandes in Churleone der Trost bleibt: „Vorhang zu und alle Lügen offfen…“

„Nai, glaubinit?“ war ja bisher so die Antwort der Bündner Normalos.

Insider schockiert da nichts. Bei Hotel- und Touristikbauten hab’ ich’s erlebt. Conrad (ja der von Foffa-Conrad aus dem Münzental, der 5 Mio. Busse von 7.5 Mio kassiert), den hab’ ich mal an einer Offert-Besprechung auf dem Offertenpass erlebt; es ging um einen recht kleinen Umbau. Als ich ziemlich direkt diesen tollen Tüüpp, bierzelttauglich und jägervereinaffin und mit allen fraternisierend, darauf aufmerksam machte, dass man wohl kaum mehr so baue, ausser zur Bauunternehmer-Gewinnmaximierung…hat der Beeindruckungspolitiker ziemlich zurückgepisst…

Das heisst in GR landet man dann auf eine Liste, auf der nichtgedruckten Gewerbe-Blacklist. Die geht dann von Ohr zu Ohr bis nach Chur…Und in Davos, also dort nicht nur in Klauenkirch gibts Baunetze, die linken ziemlich viele, oder sie machen Architektur-Wettbewerbe für Hotels oder Golfresorts (war selbst mal in einer Jury mit Peter Zumthor…) und bauen dann mit dem Bauzeichner, den man schon immer kannte…

Und meist läufts auch so ab: meistens haben sie einen Anwalt entspannt in der Ecke stehen, befreundet durch Wirtschaftsverbände, der genau weiss. „ mit irgendeinem formalen Quatsch oder verpasster Anmeldefrist lassen wir das Ding einfach an die Wand laufen….“ Die sind nicht bösartig, meistens wollen sie nur Ruhe im Karton.

„Nai, glaubinit?“ ist ja dann so die Antwort der Bündner Normalos. Sie reden dann lieber über Berlusconis- oder Glencores-Korruptheit. Klar sind unsere nicht korrupt: „Das hämmer schu immar so gmacht, jetz sin aifach die huara Submissionsvorschrifta kho…“

Festangestellte, auf ihrem Angstdrehstuhl getackerte Journalistenheinis wollten das ja bisher auch nicht wissen. Letzte Woche gab’s aber doch Nicht-SO-Journis, die an der Mediakonferenz nur noch von „Bschiss“ sprachen. Guat. Früher wollten bei der SO mehrere Infos meinerseits zu solchen Fakten gar nicht wahrgenommen werden in der Redaktion. Gion-Mattias Durband wurde u.a. gekündigt , einige mürbe gemacht… Die volle Lebrument-Dröhnung hab’ auch ich erfahren..Schliesslich wollte Parolini mit Lebrument ja gemeinsam mit olympischen Winterspielen ein Medienzentrum finanzieren. ( Jo Bauvolumen! Und erst die Zweitwohnungsabstimmung …)

Diese Zusammenhänge werden ungern gesehen. Das ist alles so schön abwaschbar, und zur Überbrückung gibts die Agro oder die Higa wo man dann für das Volch die Wirtschaftzusammenhänge mit Steinbock-Stofftier im Arm auf Bünder-Woche-Verständlichkeit trimmt…Nur so ist das leider dem gemeinen Volk zu vermitteln.

Soviel Geografie-Kenntnisse hab’ ich jetzt aber nicht: ob der Piz Cartel nur die Spitze des Eisbergs ist, oder in der Nähe des Lügenpasses??

Im Grunde genommen sind wir ja nur alle Probanden eines regionalen Experiments zur Self-Gewinnmaximierung – und das auch politisch. Die beteiligten Politiker Parolini, Conrad und Felix – oder auch Engler und Cavigelli – habens bestimmt nur gut gemeint. Sie sind einfach das subkutane Gegenmodell zu dieser Biedermann-Attitüde, diesen rundum wohlversorgten Wohlstandsbürgern, die dann auch solche wählen. Wir reagieren ja erst, wann die Weko (oder diesmal die Republik… ?) oder wann die Selbstkontrolle unserer ach so glaubhaften Provinzpolitiker verloren zu gehen scheint. Diese Hauptagonisten, von denen es nicht nur in der Nähe von St.Palermoritz einige gibt, gelten ja immer noch als Referenzsystem für die grau-blühende Gesellschaftsfähigkeit.

Lang lebe doch die Gewaltenteilung. Uns bleiben dafür noch zuverlässige Journalisten-Darsteller für die Kritik zum Haldensteiner Dorftheater…undja, die Republik: tangga. (und gut, gibts auch noch die SRG)

Jetzt kann man in Chur glauben, dass sich dort oben ein paar Provinz- Machos die Taschen voll gemacht haben, aber das wird dann schon wieder…Ein integrativer Kinderchor wird  in allen romanischen Idiomen „my way“ dazu singen … toll, wir haben ja so eine schollenideologiegesättigte Fertigkeit in jeder gefragten und geprägten Sprach-Nuancierung.

Soviel Geografie-Kenntnisse hab’ ich jetzt aber nicht: ob der Piz Cartel nur die Spitze des Eisbergs ist, oder in der Nähe des Lügenpasses?? Parolinis Füsse sind aber mindesten etwas im Sumpfgebiet.

 

 

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Raff-eisenkasse

Es gibt Leute, die beim Besitzanhäufen altern, andere raffen beim reifen und wiederum andere raffen’s einfach nie ….und andere wieder werden einfach reif. Wie die Raiffeisenkasse. Die sich dann aufrafft mal über die Unschuldsvermutung nachzudenken…

Da mieszürnen und bösepetern wir dann über den Raiffeisen-VINCENZ:: „ Ja genau, hab ich mir schon immer gedacht.“

Jetzt brausen und safarien, firefoxen und mausen alle herum…Ich les’ dann auf FB von einem Samir Forster: „Ich finde es sehr schade, dass nur immer die schlechten Sachen ausgeschlachtet werden. Wir sind doch alle so negativ-geil!“ Ja, nach der Verdrängung folgt meist die Hyperaktivität…wissen wir. Aber in diesem Falle ist’s ja wohl umgekehrt…

Ich seh’ das frei nach Faust so: „Erst haben wir ihn reichgemacht. Jetzt soll er uns amüsieren.“ Der meinte den Kaiser. Vielleicht hört der glückliche Pierin ja im Zürcher Untersuchungsgefängnis auch Bach – etwa wie beim Sechsilütte:„ Ich bin vergnügt mit meinem Glück..“

Wir Schweizer-Superdemokraten, wir vom Landadel der Gläubigen, der Dienstbeflissenen schauen  ja bestenfalls ab und zu dem Geldadel in der SI oder der Bilanz zu… und jetzt amüsiert uns zu Ostern bei Tische die Frage was der Pierin wohl dort zu knabbern kriegt… Wir Fadenscheinigen, Erbmarquisen von miststockadeligen Randerscheinungen schadenfreuen uns dann am Zwischenruf: “ Lang lebe der auf verlorenem Posten.“

 „Erst haben wir ihn reichgemacht. Jetzt soll er uns amüsieren.“

Doch jetzt soll die Bünder-Version gelten– immer die Vermutung der Unschuld:, „jo jezt, isch doch nit so schlimm…dä häts nu guat gmeint.“ So auch die therapeutische TV-Reportage von SF aus der Surselva. Der Pur Suveran betont, dass der Vater schon Subventionen und Skilifte… und der Ex-Graubünden-Ferien-Präsident, sieht im Freund nur freundliches. (Gut, auch der Freud glaubte schon, dass wir unsere kulturelle Vergangenheit in unserer Seele der Gegenwart ausleben…)

Im erwartetem Marketingspeach würde der Fryberg vielleicht sagen müssen, dass ungetreue Geschäftsführung  nicht das Alleinstellungsmerkmal sei…Sagt er aber nicht. Da fällt mir ein, dass Bakterien immer in einer Nährlösung leben müssen. Da muss man einfach mitschwimmen. Der geriet jetzt einfach in die Zone der verwischten, dysfunktionalen Kausalitäten. Das schien auch dem SF- Reporter passiert zu sein, der unbegründet Hausi Leutenegger dazu interviewte. Der redete dann von Golf und nicht von Geld… verwechselte wohl feinmotorisch mit grobnotorisch–prollig.

 

 

Vielleicht ist er ja jetzt rausgekommen. – Könnte ja auch so rauskommen wie die Geschichte vom Hecht und dem Kalb. Die Begründung beim Rechtsstreit: „Der Hecht hat Recht, aber das Kalb ist mehr als der Hecht, folglich hat das Kalb Recht.“ (Hab ich auch mal beim Bezirksgericht Dielsdorf erlebt: das Kalb war der Manager des Jahres; und ich fühlte mich kurz als Hecht) – AINAWÄG und tröstlich: Es gibt auch im Bankgeschäft wie bei den Elektrodingern so eingebaute Schwächen, die garantieren, dass das Ding nach einer gewollten Frist irreparabel verreckt.

War vielleicht auch bei Pech-Pierin so! Ein Einblick in die geldpolitische Erbarmungslosigkeit kann ja nicht schaden. Und gross und breit wie aus dem Calanda gehauen wird man ja nur wenn man so martullohaft weiterlebt: die Nerv-mich-nicht-mit-Peanuts-Haltung hat sich bewährt, und der Verarschungsdetektor ist in der Schweiz angesichts des ausgebauten Nachrichtendienstes etwas schwach…

„Der Hecht hat Recht, aber das Kalb ist mehr als der Hecht, folglich hat das Kalb Recht.“

Da wird mir jetzt klar aus welchem Stoff die Polsterung meines fehlgeleiteten Neids und meiner Ignoranz besteht…aus diesem prolligen, geschmacklosen Anpassungs-Konsensmüll, den wir immer meinen zu leben müssen. Aber so löst man Probleme eben nicht. Probleme muss man vincenzisch lösen: mit extraterrestrischen Due-Diligence-Checks, mit Gutachten für die Recyclingtonne…Gehe mit Yoda: „Mutig du gehen sollst wo noch kein Mann war zuvor.“ Erinnert mich an die Art zu denken, wie wir es in den Besinnungsaufsätzen im Deutschunterricht der Quader-Seki pflegten.

Und wir Sittsamkeitsmullahs und Recht-Ajatollas denken dann endlich so wie es die katholische Kirche komorbid schon immer in der Surselva verbreitete: „ Ihr seid noch nicht reif für die ganz erhabenen Themen“. Deshalb gibts die Raiffeisenkasse. Da kann man dann endlich Ordnung in der Handtasche fordern, liebe Damen…

Dazu gehört jetzt sicher noch ein letzter, neoliberaler Aufruf zur Begeisterung: „Fahrt das Ding gegen die Wand. Hauptsache ihr macht das mit Überzeugung.“ – (Zwar vom Regisseur Schlingensief, der war mindestens nicht kulturlos…)

Auf jeden Fall freue ich mich über ihren moralischen Reflexe…Die Regisseure der Geschäftswelt haben auf jeden Fall den Hunger der ausgelaugten Kleinbürger nach etwas Sühne stillen können. – Und Pater Benedetg würde sagen: “ Das Glück und das Unglück liegen halt manchmal so dicht beeinander wie Anus und Vagina. Tür an Tür.“

 

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knietief

„ Das ist doch jetzt Mode…“ meinte meine Nachbarin aus dem Mercedes lachend, sie wollte mich mit in die Stadt nehmen, da ich so mitleidheischend an Krücken kam…Ich zeigte ihr seufzend mein neustes Ding aus dem Ersatzteil-Lager: ein Knie.

Es ist immer so…irgendwann geht man schneesporteln, und dann hat man Kinder miteinander, dann sind die weg und man hat nur noch gemeinsam kaputte Knie.

Als postfüdlibürgerlicher Luxusbergler hatte ich jetzt auch so eines. Wir Senioren, die durch unsere hässliche Gegenwart turnen müssen und vor lauter Sachzwang keine Kniebeuge mehr machen können, sind dann gefordert. Der Distinktionswert in unseren Alterskategorien steigt. Wie beim konsumieren seltener Güter. Es gibt eben Strategien um die eigene „Seltenheit“ oder Besonderheit herzustellen oder zu erhalten. Ist das jetzt auch mit Prothesen so? Ja, man gewinnt gesellschaftlichen Wert wie mit einem Porsche oder einer Rolex. Wobei die neuen Knies offenbar ein höheres Ranking erreichen als „nur“ Hüften.

 

Und so ist es, kaum trägst du Krücken für 6 Wochen hörst du an jedem Ecken.: „Ich hab dann auch neue…“ – Ein seltsamer Gendefekt lässt uns Alte ja zu Hauf den Sonnenuntergang nur noch mit Arthrose-Knirscher am Knie erleben…Auch bei mir war’s so: Schluss mit Schuss auch beim Carven und Skaten. Dazu gehören neuerdings nicht nur Altsportler, auch ungeimpfte Bergmuttis mit dem Bewusstsein für regionales und Bio… Also irgendwie doch nicht so selten.

 

Und da die aussterbliche Spezies der schweizerischen Komfortbürger weiss, dass das Altwerden das bisher einzige Mittel ist, um lange zu leben…macht man da alles. Wenn man so ein frühstücksflockenpackungsmässiges Bild von sich hat, muss man dabei sein. Die Vereinnahmungstendenzen der Mehrheitsgesellschaft sind da unerbittlich. Wenn wir 70jährigen einen 80jährigen ansehen, dann subsumieren wir schnell mal :“ Der hat doch eh schon gewonnen…“

„ Jedes Knie ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man (an sich) hinabsieht.“

Mit der neuen Reparatur-Intelligenz des Menschen haben wir ja ungeheurlich viel gewonnen. Wenn ich so beobachte, was in der Klinik Gut in Fläsch alles durch den Service-Check wieder flottgemacht wurde, komme ich gutgelaunt zum Schluss, dass die Suche nach Anerkennung und Glück wohl über die Hüfte oder das Knie läuft. – So wie das Abgas zum Klima kommt, kommen wir eben zum Knie. Zur Selbstbestimmung der Silvergeneration gehört eben auch die Kniebestimmung, die Wahl des Remakes durch die Knie-Industrie…Und wenn das in einer tollen Klinik passiert, kann man nur sagen: „ Hier kommt ein neuer Glücks-Botenstoff für Euch…“ Irgendwie geht es darum, dass man all die Jahre immer nur mit demselben alten Ich gelebt hat– aber irgendwann reichts. Das Knie muss her.

„Wo man hinkt, da lass dich ruhig nieder. Krücken-Menschen sind meist miese Krieger.“

Schon Sokrates sagte gute Wörter seien solche, deren Klang und deren Bedeutung zusammen passen. Eben Kn Wörter kleine runde Dinge Knoblauch, Knolle, Knoten, Knospe – und KNIE… alles so richtige Aufsteller. Der medizinische Fortschritt und die Schönheit-Soziologie (und ein bisschen auch der Horror) umarmen sich in diesem Moment.

Thisse, ein altersgemässer Leidensgenosse hat dann – nicht ganz fehlerfrei – Woyzeck zitiert: „ Jedes Knie ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man (an sich) hinabsieht.“ Und wenn ich an all die Prothesen denke, die nach der Kremation noch zu Himmel steigen müssen…Also fast Science Fiction: Was uns nicht umbringt, das bringt uns wohl später um. Oder mindestens um die Himmelfahrt, weil wir mit soviel Metall zu schwer sein dürften.

Damit Sie jetzt aber nicht denken, „welche Medi haben sie dem gegeben?“ – Ich gestehe, als Direktbetroffener gelingt es mir beim besten Willen nicht, mich über Vorkommnisse wie diese zu amüsieren… Mein Besserungsfuror litt schon mal in den ersten 10 Tagen gewaltig unter dem Gesellschaftsdruck: „wieviel schneller bin ich dann wieder auf dem Bike?“ Und die Tipps der „Ich-hab-schon-zwei-Jahre-eins“-KollegInnen entfalten sich dann wie eine Folie des Grauens. Da brauchst du eine robuste Psyche…..und man stellt sich vielleicht die Frage: „ Da können sie auch die Bremsen ausbauen mit der Begründung sie könnten versagen…“–  Aber nicht verzagen.

Genug Schmerz ertragen, kommst du dann auf so Gedanken wie das 71. Wunder von Lourdes: „Stehe auf, hebe dein Bett auf und gehe heim! (Matthäus 9.6) Und danach bekommt dann das alles so eine metaphysische Glasur: „Wo man hinkt, da lass dich ruhig nieder. Krücken-Menschen sind meist miese Krieger.“

 

 

 

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NaJa, No Billag

Alle die ich mag, haben so ein NO-Bildli gepostet. NO zur No-Billag. Richtig. Ich mag euch ja. Und die SRG auch. Ich habe auch aufgehört mich zu fragen, was ich falsch gemacht haben könnte, dass ich kein NO-Bildli postete.

(Und so als Vorwort zum Weiterlesen: als Blog-Leser sollten Sie wissen, dass Sie sich trotz meiner Aussagen nicht bedroht fühlen sollten. Ich bin Ihrer Meinung: NO.)

Und alle schreien: „ This’ll be the day that I die.“….Die No-Billag-Debatte erinnert mich an Auseinandersetzungen wie bei „Olympia Gaubünden“. Die eigentliche Güterabwägung diskutiert da niemand, es wird bloss gehässig darüber gestritten, wer eins auf den Deckel bekommen soll. Zum Beispiel die SRG. Das ist die eine Seite. Die andere meint, die SRG sei kein Medienunternehmen sondern der Hort der Schweizer Demokratie. – Mediales Bullshit-Bingo, in den digitalen Wutbürgerkanälen auf Hochtouren. (Vielleicht gibt’s ja bald eine neue Facebook-Avatar-Software, die imstande ist, Erröten zu simulieren…)


Und alle schreien: „ This’ll be the day that I die.“….

Die Wellen gehen hoch. Bloss streiten wir uns nicht über hierzulande kaum relevante Existenzfragen, was rechts (heisst neuerdings libertär) oder links ist, sondern über eine wirklich relevante Institution. Die No-Billag-Debatte ist trotzdem von einer sachlichen Auseinandersetzung zu einem politischen Glaubenskrieg verkommen…

Klar sind dieser megapfostige Bigler und dieser blindlibertäre Kessler grenzwertig. Das alles dreht sich bis zum nächsten Wochenende nun im Kreise wie Wäsche in der Waschmaschine. Und nach dem regional-ethischen Graubünden-Thermometer sind wir alle mit den Herzen so auf 40 Grad. Die innerinterbündnerische Media-Nervosität steigt. (Da kann man Jane Austen – „Stolz und Vorurteil“ zitieren.) „Es gibt einen solchen Auftrieb, regt den Witz und Geist an, wenn man eine Abneigung mal gefasst hat.“

Ich hab’ auch grossen Respekt vor den Leuten, die sich da einsetzen, diesen Märtyrern und auch dieser genialen Verbreitungslogistik, die uns wahrscheinlich rettet. So wie Ladina Heimgartner, Frauen die neuerdings wie immer ans Steuer dürfen, wenn die Männer (wie Walpen mal) den Karren an die Wand gefahren…

Alles wurde jetzt so zum Mac Guffin. Die Lächerlichkeit der Politik, auch der Kunst, dass man hinter diesem Mac Guffin herhetzt, als könnte es einem ein für alle Mal erlösen…

Was jetzt aber abgeht, ist augenscheinlich…Sie homogenisieren uns….eine TV Anstalt ist ein Heiligtum, und diese Abstimmung eine Devotionalien-Schändung – Alles ist zu schützen…einfach an der gestrichelten Linie entlang schneiden und schon haben sie die perfekte Antwort: die heilige Billag. Dass hier einfach eine politisch-wirtschaftlicher Unsinn (und das ist die Billag als Gebühren-Einsammlungsfirma) bestraft werden sollte, ist gut. Aber geht’s jetzt um die ganze Demokratie, gleich die ganze SRG?

Es gibt eine grosse Diskrepanz zwischen dem was die „Bieridee-Erfinder“ für böse halten, und dem was jetzt entstanden ist.– Verdreht. Und diese unheiligen Allianzen auch: weil Lebrument es für böse hält, dass seine sehr mittelmässigen Medien vielleicht keine 8.6 Mio Franken mehr pro Jahr vom Bund erhalten motzen sie jetzt unter dem Vorwand unsere drei Kantonssprachen zu schützen…so ist das eher schizo. Wenn also die Larven des Media-Betriebs ihr Wohlbefinden durch Subventionen aufpolstern können…Die gleichen, die sonst gleichzeitig das libertäre „Ich melke jedes Gewissen, solange ich die Staatskuh melken kann.“ rufen…

Diese unheiligen Allianzen auch: weil Lebrument es für böse hält, dass seine sehr mittelmässigen Medien vielleicht keine 8 Mio Franken mehr pro Jahr Subventionen erhalten…

Dass der SRG-Mitarbeiter motzt, weil er seinen Jobverlust erahnt ist nicht böse. Und die Romanen und Italienischsprechenden kämpfen gegen das was noch kommt, auch nicht. Oder wir, die wir einfach jetzt schon erleben, was es heisst wenn Frau Martullo sagt, was ein Medium zu kommunizieren hat. (Und wer nicht mehr schreiben darf: auch ich wurde rausgeworfen…)

Es gibt also böse Rechts-Konservative und libertäre Jungcelebrities, die aus bösen Beweggründen Böses tun. Staatsfeinde. Aber auch gute Sprachschützer die aus guten Beweggründen gutes Tun. Gute Zusammenhalts-Schützer die aus guten Beweggründen vieles Tun: vielleicht eine recht überdimensionierte Staats-Media-Firma schützen…? (die es bisher nicht für nötig fand darüber nachzudenken wo sie sparen könnte). Die Wahrheit ist ja, dass der vielbeschworene Markt wahrscheinlich etwa rund 200 Fr. pro Jahr an Gebühren vertragen würde (also für all das, was wir brauchen: gute Infos, Minderheitensprachen, Zusammenhalt ).

Fazit: Man könnte differenzierter Meinung sein, sollte aber einfach nicht Ja stimmen.

Ein Nein ist ein Schritt in die richtige Richtung: nur etwas mit den Hintern nach vorn. Wir sollten uns danach umdrehen, uns vorwärts erinnern, denken und dann vielleicht auch mit der SRG was Neues angehen. Das erfreuliche am Zusammenschluss der NEIN-Stimmer, den Effort nutzen für ein  progressives Kollektiv. Dann wär’s fast ein Heils-Akt. (Dieses Wort müssen ja auch die Rechten lieben.)

 

Sonst ist dann das alles so wie verpuffter Sex.

 

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Im Juni, im Juni …do gits a neuia Muni

Seht sie Euch an. Letzte Woche sind sie sogar mit Skihelm angetreten. Jetzt treten sie wieder an zu politischen Ernst-Sportarten. Man spürt die Grundnervosität einiger Partei-Bündner: Regierungsratswahlen stehen an. Wir müssen die schwarzen Löcher hier oben füllen.

Die Wahlkampf-Strategen hypen sogar Leisegänger als laute Erektion unter den zur Verfügung stehenden Bündnern. (Bündnerinnen gibt’s nicht. Die schauen sich die Politik – wie ich – lieber mal von der Couch aus an.)

Da gehts dann zu und her wie beim Wettbewerb um den schönsten Geranientopf im Dorf. Die Wahlmanager stellen sich die Weltfrage: wie packt man diese Wähler am Schwanz, wo sich doch frei herumlaufen? (Ja, ich darf so böse reden, weil ich  auch schon mitfuhrwerkelte…)

Gut, bei den Tieren sagt man dann, sie hätten keine natürlichen Feinde mehr, bei der Regierungsratsauswahl ist das wohl auch so…

Jetzt entstehen wieder diese fein nuancierten und differenzierten Botschaften. – Gut, die meisten sind ein Remake, vielleicht mit  Wind-of-Change-Variationen.. So Regierungs-Konserven. Cavigelli und Rathgeb aus der Mengiardi-Anwaltsküche, Parolini aus der BDP-Baumschule für Pfeifen-Handschnitzer. Vier neue Blockbusters werden hochgezurrt: Peyer, Schlegel, Felix und Caduff .

Und wie macht man das? Meist genügt ja Rumantsch-Content und möglichst harmlose Selbstdarstellung. „Wie muss ein Bündner RR aussehen?“: Etwas Eklektizismus, Northface-Hemd oder Anzugtyp? Seriöswirkende Grimassenkomik und hüftabwärts simulierter Jägergang?

Lassen Sie mich subjektiv mal feststellen: Die Heisenbergsche Unschärfe-Relation auf das Parteiangebot bezogen – könnte man frei so formulieren: „Man man merkt zwar schnell, warum einer schlecht ist, aber nur viel schwerer warum er gut ist.“

Was sollen wir jetzt machen? Wir haben jetzt alles auf der Menükarte, etwas gutes Cholesterin und etwas böses Cholesterin…und können’s eh kaum mehr unterscheiden…Da wird dann wohl wieder reflektiert, wer jetzt mehr retro-romanisch oder räto-romantisch sei? Für die Surselva gilt immer noch, wer mehr KK sei, also gatholisch …und für die Prättigauer, wer mehr für Olympia war…und den Arosern kann man eh jeden Bären aufbinden.

Für alle Kandidaten gilt bevorzugt: altersbereinigtdurchschnittlich, weissmännlichhetero, füdlibürgeraffin, abnützungserscheinungsresilient, urbanländlichsimulierend. Und da die meisten Wähler diese Wort nicht ganz zu deuten verstehen, kommt’s eigentlich nur auf das Plakat an. Und das muss dann im Prättigau wirken wie in Chur West. Also so auswechselbare Kulisse, damit die Natur auch so wirkt, wie wir sie behandeln, wie ein denaturiertes, pflegeleichtes Bedeckungsgrün… Und seit bei der RHB jede Zugansage die Fahrgäste mit sprachabsurden Sprechakten bei Laune hält, darf da auch etwas Werbekomik mitspielen.

 

Ich bin zwar nicht gerade in der SVP assozialisiert worden, aber den Schlegel finde ich mal sympathisch. So eine moderne Polizist-Wäckerli-Variation. Wenn die Frau Martullo ihn mit dezidiertem Hau  vorstellt, da erschaudere ich vor Ehrfurcht. Der hat sicher ein mit Zirkel und Lineal konstruiertes Leben vor sich. Das ist der Führer, den wir schon lange suchen. Heute haben wirs ja eh besser, früher musste man noch für den Führer fallen, heute muss man in GR ja nur der Martullo gefallen…und jetzt alle mal den rechten Arm möglichst gerade hoch heben bitte, wer einverstanden ist. Kann uns mit rechtwinkligen Sätzen die Welt erklären. Auch gut für ein künftiges Regierungsmitglied.

 

Bei Cavigelli ist’s der Operettentherapie-Positivismus, der mir gfallt. Wie im Fledermaus-Chor: „glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist..“ So ein REpower-Remake halt.  Hat vielleicht sogar Big Business und Big Government begriffen, was ihm auch das Bündner Tagblatt attestiert. Aber dessen Bussiness-Kenntnisse sind ja auch ausbaufähig. Man sagt auch, dass bei Regierungsräten kein tieferes Fachwissen gefordert sei…man muss einfach über Geröll laufen können.

Meine Generation ist landwirtschaftlich schollenbezogen mit der Animal Farm von Georg Orwell aufgewachsen: Also :„all pigs are equal“ und das leben sie uns auch vor. Rathgeb ist ein sympathischer Demokrat, milchxund und apfelrund. Der schaut für uns ….sogar mit einem Gesundheitsprogramm für gebrechliche Leute wie uns. Leute, die übergewichtig unter ihrer luxuriösen Last fast zusammenbrechen. Und das mit der FDP kann man ihm nicht anhängen: die FDP Schweiz traktiert uns mit Neoliberalem bis keiner mehr draus kommt. Den kleinen Schweinen erzählt man, dass sie zu den Grossen gehören. Mit Steuerreduktionen für Konzerne undso. Und der Metzgermeister von Riein glaubt dann, dass er auch… Bei Orwell bekommen die grossen Schweine so die Milch und die Äpfel. Auch bei uns stimmen  dann die Kleingewerbler für Nestlé und Roche. Und das ist ja eigentlich das Pech der Bündner FDP: die haben ja gar keine skinnyfette, also halbfeiste Investmentbanker und Industriebarone in ihren Reihen, höchstens existenzringende Gewerbler…die müssen wir xund erhalten.

 

„Wo gehts denn hier nach Panama? fragte der kleine Bär. „ Nach links“, sagte die Kuh bei Janosch. Da will vielleicht auch Peyer hin. Kann nicht schaden. Obwohl rechts und links wohl kein Kriterium mehr sein sollte. Er kritisiert nicht kapitalistische Daseinsformen, er schaut höchstens mal für den Ausgleich zwischen den Tierarten. Eben, damit nicht gar einige Schweine – nach Orwell–  doch etwas allzugleicher werden… Das hat er schon im Kindergarten begriffen. Wird ihm jetzt vorgeworfen. Also gar nicht so meganega. Der passt doch gut auf diesen Spielplatz. Und bei the way: Lieber ein nichtüberforderter Kindergärtner als ein überforderter Förster….

Bei Cavigelli gilt der Operettentherapie-Positivismus. Wie im Fledermaus-Chor: „glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist..“

Diese Helden brauchen uns auch nicht langfristig. Höchstens mal kurz im Juni. Und wir brauchen auch keine Helden. Dafür ist unsere Demokratie nicht da. Sie sollen unsere trotz Gletscherschwund doch immer noch regierenden Wanderdünen bleiben. Mal so, mal so mäandernd. So als sozialverträgliche Gerstensuppe, etwas mit viel Wasser gestreckt…Gut, das wird auch nicht einfacher, nachdem RR Jäger mit Schwerbeschädigtenausweis und Frau Janom als letzte Amazonen-Terminatorin erfolgreich abgehen.

 

Und jetzt langsam mal zu Parolini. Selbst in bei uns handesüblicher, gemächlicher Geschwindigkeit betrachtet, wird er eher tempoarm überbewertet…Auch wenn der SO-Kommentator seine Windfrische so gerne sähe. Sein Motto „Tote Gäule reiten, ist die hohe Schule der Reitkunst“ stimmt auch durchaus  im Val S-charl…Auch für ihn gilt halt Goethes Wort: Altwerden sei ein Geschäft wie andere auch, man brauche Zeit um es zu lernen. Die wollen wir ihm doch gewähren…

Nun zum amüsanteren Teil: Der mischelnd Agilste ist wohl Felix, auftragsschiebend und baumeisterverbandsgeschult im Blindsehen. Auch er hat recht, mit seiner bannerschwingenden Hauptsache-Bau-Arbeitsplätze-Mentalität…nahe dran wie der Gewerbeverband bei No-Billag, könnte ja auch zum Schimmel-Flügel der FDP gehören. Deshalb durchaus wählbar. (siehe oben)

Alle könnten vielleicht mehr aus sich machen, aber alle sind interessant. Gut, wir haben ja noch Zeit bis Juni, und die provinziellen Sturm-im-Wasserglas-Geschichten werden ja noch folgen. Eigentlich könnte man alle Kandidaten in einen grossen Kessel werfen und umrühren…es kommt dann die gleiche Suppe raus – aber mit grundsolidem Gesichtsausdruck. Genau das bewundere ich und liebe ich an unserer Demokratie. – Diese Woche nehmen wir ja sowieso frei vom kritischen Wutbürger und schauen Olympia…Dort gibt’s auch Pfeifen – aber nur Schiedsrichter.

Und am Schlusse gilt für Wähler wie für Gewählte: überforderte Politiker gewählt von überforderten Wählern sind das Erfolgsgeheimnis unserer Megademokratie. Wir sollten zwar aus dem detailgenauen Wissen genug Anschauungsmaterial einer mittelmässigen Gesellschaft haben, um zu wissen wie eine gute aussähe. Aber genau dies würde uns überfordern…

Da kann man nur noch aus Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch zitieren: „Ich schwöre Ihnen, meine Herrschaften, dass ich kein einziges, aber auch wirklich kein einziges Wörtchen von all dem hier Zusammengeschriebenen glaube.“ Also den Parteiparolen nicht und auch mir nicht.

Am Ende ist’s dann wie bei Moby Dick – alle erledigt, nur der weisse Wal kurvt weiter im Ozean.

 

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Frag Arno…

Heute sollte ich am Bündner Tagblatt-Stammtisch sein. Eingeladen zum Talk über das neue Weissbuch zu Graubündens Tourismus. Ich hatte fast zugesagt. Als „Tourismuskritiker.“ Vielleicht so als Tatort-Reiniger oder Aufräum-Coach? Oder einfach als Beta-Blogger?

Vorweg das Unlustige: Das Weissbuch ist gut, vieles richtig analysiert…die richtigen Fragen werden gestellt: „100 Hotels erzielen konstant rund 50% der Übernachtungen. Was machen die anderen 630?“ Die Experten sind also mit dem grossen Besteck ran. – Und mit einer Schärfe von nahezu unergründlicher Klarheit kommen da all die Argumente aus dem Recycling-Werkhof.

Das Grundproblem der Bündner ist diese Mitmach-Blockade, ein lethargischer Mindset herrscht. – Aber wir wollen uns ja nicht die Laune verhageln lassen. (Man kann auch die Ohren zuhalten wie ein kleines Kind über die immergleichen Argumentationsmuster und Zudeck-Vokabulare.) Doch, Schmunzliges hat’s dann doch. Nur schon das Vorwort von Schneider-Ammann: da ist nichts falsch, er ist einfach der Falsche…Dieses ungelenke Bundes-Spast-Wort hätte es nicht gebraucht. Schliesslich wollt ihr uns doch endlich anturnen? Der Berner betont auch noch selbst, dass er früher Bergsteiger war, heute Wanderer. Genau wie Graubünden. Klingt fast wie so eine bitterböse Parabel.

Nun haben wir also so etwas wie einen mundgeblasenen Feldstecher für die Nahsicht ins Tourismus-Nirwana.

Und wollen Veränderung. – Gut, mit Thesen zum miesen Mindset in GRs Tourismus könnte man Wände tapezieren. Und das, was da drin steht, sagen einige seit der Jahrtausendwende. (Ich war mal kurz Vizepräsident von GR Ferien. Nur kurz, weil ich sah, was so eine managementbeflissene Skiclub-Attitüde alles anrichtete –das ist heute besser)

Das Problem ist erkannt. Das Problem ist ja, das sich niemand getraut diese kleinländlichen, kleinlädigen, verbeamteten Läden auszumisten…die Grossräte maulen zwar etwa mal, aber niemand hat so recht ein spektroskospisches Interesse an den Verdauungsprozessen der kantonalen Gelder. Und es liegt ja auch nicht am Kanton. Im Weissbuch ist kein Weissraum übrig geblieben für die Personen-Situations-Analyse, dieses Mischelmaschel an Mittelmässigem. Kurz: Die Berater sind nicht schuld, sucht endlich die Umsetzer…

Gut, AWT-Bashing kann inzwischen jetzt ja jeder. (Es sind wirklich nicht nur DIE.) Hoteliers, Bergbähnler und Fewo-Besitzer nehmt euch an der Nase. Jetzt weiss man nicht, ob man die dumme oder die gierig-schlaue Sorte (zum Beispiel die Valser-Türmebauer) schlimmer finden soll. Der Aufstand der Schlaueren, der Terror der Besseren, ein personelles Grossreinemachen wäre fällig. (Wir haben Hoteliers in diesen Gremien, die zwar über 70% Auslastung hinkriegen, also top sind, nur im internationalen Rating kaum bestehen würden.)

GR wird ja von oben politisch von einigen Churer Partei-Anwalt-Zampanos und ihrer Entourage geführt. Die haben kein Interesse am Tourismus. Höchstens mal an einem Verwaltungsratsmandat. So sind wir denn oft in der Lage auch im Zustand grösstmöglicher Saturierheit mitzuschlafen oder die wenigen Cracks noch zu beneiden. Und haben damit einen Grad von Verblendung erreicht, um den man uns schon fast wieder beneiden kann…

Jetzt weiss man nicht, ob man die dumme oder die gierig-schlaue Sorte schlimmer finden soll.

Und von unten? Der Bodensatz aus schlecht gelaunten Dorfbeizern, schmaler tretenden Gewerblern und Land-und-Lüüt- Zuschauern generiert auch nicht unbedingt einen neuen wertschöpfenden Geist. – Wir sind ja alle verlorene Dienstleister in einem umgekippten Markt. Und ein Übel lässt sich selten mit dem Gegenteil kurieren: alles umkippen? Also mit einer Aktion, die bottom-up (und gierfrei) uns wieder zu mehr gemeinsamer kommunitarer Aktion verführt. GRhome versucht das jetzt.

Wir sind ein mittlerer Anbieter auf dem Weltmarkt, mittelwichtig, mittelgewichtig, mit middle-of-the-road-Allüren. Gelebter Land-Durchschnitt. Das heisst wir machen immer etwas im Markt, wenn es andere auch schon gemacht haben (selbst die Walliser)…so funktioniert auch unser System. Jetzt sitzen wir da und sprudeln und zischen wie ein absitzender Autokühler.

Viel zu lernen du noch hast kleiner Yedi. – Vielleicht letzter Yedi.

Der BT-Stammtisch wird wahrscheinlich auch so eine Postauto-Konversation. Und tut das was alle Gehirne der Welt ständig tun: es sucht eine Erklärung. Geistige Sprengsstoff-Westen werden wohl kaum gebastelt. Gemach: In der Lokalpresse abgefeierte Sympathieträger wie Martullo werden uns dann bald wieder aufklären. Kennt sich ja immer aus, wohnt in Lenzerheide und plädiert auch für den abstiegsorientierten Asozialstaat. Gut, Vollrohr-Milliardäre brauchen kein Weissbuch…(sie hätte vielleicht eher ein Grünbuch nötig, aber das lassen wir…wir haben nun wenigstens eine neue, ganz gute Strategie: NATURMETROPOLE GR, aber die passt nicht ganz zu ihr.)

Aber zur Zeit sind das alles so Anstrengungen zum Vermeiden von Fehlern (aufgemacht in dieser Thesen-Putzigkeit), nicht sinnvoller als ein Hockeyspiel ohne Puck.

Einen Coach hätten wir nötig. Einer mit dem Zeugs zum Transition-Game , so einer wie Arno del Curt. Der kann perfekt umsetzen in diesem Chaos: wahnsinnig schnell umsetzen von Defense auf Offense….Im Tourismus sind’s zur Zeit alles so Anstrengungen zum Vermeiden von Fehlern (aufgemacht in dieser Thesen-Putzigkeit), nicht sinnvoller als ein Hockeyspiel ohne Puck.

No offense. Auch Leute wie ich tragen Schuld an den Zuständen, nicht die Langweiler in all den Organisationen, oder genau jene Anhänger in genau jener erwähnten notorischen Nörgler-Partei, die seit Jahren mit ihrer Missgunst und Kleinkarriertheit an den Fundamenten einer Vorwärts-Strategie graben. Bündner, die wählen, wählen Tranquillizer, die anderen wählen wohl nicht mehr. Einige Denkende haben längst aufgegeben. Wir wollen auch nicht immer nur als Kratzbürste und Beleidigungs-Nudeln dastehen. Da gerät man unweigerlich mit ins Schleppnetz der Verachtung. Das Resultat ist dieser langsamere Atem der Dinge. Early Adopter sein wollen und alle kritischen Leute abwürgen, passt eben nicht ganz.

Die Server sind halt etwas out of order, vor allem beim Service.

Wir sind so schwach, weil Tourismus so personenabhängig ist. Und der Hans macht immer was der Heiri. Da müsste man Leute auswechseln, wie es Arno jeden Dienstag, Freitag oder Samstag tun muss. – Die Hälfte der Gastgewerbler würden outgesourcet, nicht die Portugiesen und Sachsen, wohl eher die Bündner-Muffel meiner Führungs-Generation…Das wäre vielleicht die beste empathische Anschubfinanzierung. Die Server sind halt etwas out of order, vor allem beim Service. („Er hat die pampigen Capuns mürrisch auf den Tisch geknallt…“ steht dann in den Leserbriefen…)

Sortiert euch mal, liebe Touristiker. Aber nicht mit den Immergleichen…Freude macht eigentlich immer mehr die ganz junge Generation von aufgestellten Muntermachern denen man immer mehr begegnet, im Service, auf Bergbahnen. Sie sind vielleicht das neue Effizienzpacket.

Die Zeit ist reif für eine Veränderung – wissen alle. Und wie soll der Sturm der Erneuerung soll durchs Land fegen? Nehmen wir mal die Marke GR, wunderbar….mit dem ganzen Schmus drumrum. Die war auch mal notwendig als sich vor 15 Jahren dieses Corporate-Design-Getute  notwendig machte…Heute schaffen die Gäste die Hälfte des Branding – auch das negative. (Und der Steinbock hat mindestens schon ein Horn ab.) Val Müstair wollte eine neue Marke, das Engadin hat wieder zwei Neue, Davos-Klosters will wieder eine Neue. Das Cerebellum birst gerade vor Hyperaktivität. Und GR versuchts mit  festangestellten Markenmanagern, die immer wieder versuchen der leeren Flasche so ein Champagner Ejakulat zu entlocken.

Nehmen wir mal Dynamic Pricing/ Yield Marketing – das haben wir in den 90er Jahren in Kursen bei Airlines gelernt…bei den Bergbahnen will man’s jetzt bald einführen…“wenn ihrs nicht erfühlt, ihr werdet’s nicht erjagen“. Reichlich zu spät wie Goethe heutzutage. Aber immerhin kann man neuerdings 4 Stunden-Karten lösen auf den Bergbahnen. Einfach alls etwas  retardiert.

Der Steinbock hat mindestens schon ein Horn ab.

Nehmen wir mal die Kommunikation und Werbung: Graubünden hat da ein gutes Händchen. Man nimmt einfach immer eine der teuersten Schweizer Agenturen (die sich für viel Geld prämieren lassen) und kann dann auch belegen, dass man bei den Besten. (Glauben Sie mir, ich war auch dabei…funktioniert immer noch). Nur: wie wichtig ist das noch im heutigen Medienmix auf internationalen Märkten?

Nehmen wir Kultur: wie kann man einen tollen Turm auf dem Julier finanzieren, in dem nur EINE Kunst stattfindet: die von Giovanni? Darum geht’s: Jeder macht was er will, keiner was er soll. Aber alle sollen mitmachen beim Umsetzen des Weissbuches.

In diesem Buch sitzt jedes Wort zwar genau wo es hingehört. Wir haben jetzt die besseren Argumente um die Hände in den Schoss zu legen. Wir haben’s ja schwarz auf weiss (was die andern alles tun sollten). Da bleibt dann kein Weissraum übrig um mehr über Personen zu reden. Über die Veränderung in uns. Gönnt den jetzigen Gremien vielleicht mal eine Auszeit…Vielleicht könnt ihr, liebe Experten, auf der Spielerbank euch selber den Vertrag künden…Oder einfach Arno fragen…

 

 

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Hängearsch-Existenzen..

Graubünden mache einiges falsch, vieles richtig, aber das meiste zu langsam, schreibt heute Reto Furter. – Wir Bündner sind ja alle in irgendeiner Form Altersheim-Betreuer. Wir betreuen aussterbende Gäste-Segmente, niedergehende Skigebiete, untergehende Sprachen, zusammenfallende Maiensässe…und bauen uns daran noch irgendwie auf. Und wie sagte doch Thomas Mann im Davoser Zauberberg: dass wir….“sympathetischen Anteil daran nahmen und sich dem Taumel innerlich ebenfalls überließen.”

Das Kapitel heißt übrigens bei Mann: “Die große Gereiztheit”. Gereizt sind wir aber nicht. Ich habe aufgehört mich zu fragen, was ich falsch gemacht haben könnte. Ruhend wie Lincoln auf seinem Denkmalsthron im Vorspann von „House of Cards“ seh ich dem Ende entgegen. Das wird gut.

Ich rede da von meiner Generation. So ist’s gut dem Ende entgegenzusehen. Aber wieso sind die nächsten zwei auch so? Wir haben eigentlich alles im Überfluss. – Kann man natürlich sehen wie in der chinesischen Medizin: zu wenig Yin. Oder Yang? Eins von beiden.

Gut, man kanns auch stoisch nehmen: Stoiker denken nicht daran, was man alles noch nicht besitzt. Es sei besser, sich zu überlegen, wie stark man die Dinge, die man besitzt, vermissen würde, wenn man sie noch nicht besässe..

Wir werden zu so etwas wie einer abgegriffenen Reclam Ausgabe von Jürg Jenatsch. Nur der Himmel ist selten schlaff und eintönig. Oft siehts bei uns aus wie das, was ein Film-Location-Scout als zu kitschig abgelehnt hätte: Eine Landschaft zum Weinen schön. Zum Abklatschen Wir haben ein Bürgerrecht im Reich der schönsten Kalender-Aufnahmen…Instagram-Land at its Best. Ergänzt man das Ganze mit einem bisschen Wandergewimmel sowie etwas Arvenwälder sind wir ein Traumland für Absterbende.

Ein Steinbock geht eben nicht abends ins Theater um sein Leben reflektieren zu können.

Inmitten dieser obszön überteuerten Umgebung fühlen wir uns wohl. Und eigentlich kann ich mich an diesem absurden Bild gar nicht sattamüsieren. Wir, die Titelverteidiger dieses lauten alten Glücks als wir noch 30% mehr Logiernächte hatten.

Im Theater hab ich mal gelernt, dass tote Seelen unspannend seien – das glauben wir aber nicht. Denn selbst unser Kultur-Regierungsrat sieht immer so aus, als müsse man ihn aufbügeln. Wir machen da Vieles. Wir bauen allerorts Türme. Wir haben auch Readymades wie von Duchamps: Origin ist da unser Vorzeige-Werk. Allein weil es als Kunstwerk behauptet, und in einem Raum einer Umgebung gezeigt wird, die diesen Anspruch fordert, wird es zum Kunstwerk. Jesu Warnung der Maria Magdalena vor einem Tabubruch wird hier ernst genommen: Noli me tangere – rühr mich nicht an. Vor allem rühren wir hier nur Bibelthemen an. So im Stile: lassen wir es beim Alten. Ein Steinbock geht eben nicht abends ins Theater um sein Leben reflektieren zu können.

 

Der Verzicht auf das Alte ist zwar der Grundgestus der Moderne. Das sehen wir nicht so. Mit Moderne meinen wir das Traumland der Übergänge, Mehrsprachigkeiten, Ambiguitäten und des Ausgefranselten. Die Munggen und die Alpenrosen kommen und gehen. Wir bleiben. Wir haben so Plumps-WC-Seelen, die vertragen alles, was auf sie runter fällt.

Schon gut, wir kommen klar…das ist es ja! ….Schrieb mir doch kürzlich ein Berater-Kollege eine mail: „ Weisst du diese dummen Teilzeit-Pöschteli, wo sie wieder jemand sind und mit ihren mediokren Ideen und ihrem Maluns-Horizont jedes Projekt auf den Boden bringen. Oder unter den Boden.“ Da werden Naturparks, Velowege und IT-Verkabelungen  mit tantenhafter Überbetreuung entwickelt: wir bleiben stoisch. Haben uns ja an die onkelhaften Romanen auch gewöhnt, ihren Stil adaptiert: wir lassen uns das Aussterben bezahlen. So eine Art fröhliche Hängearsch-Existenz.

Da muss man nicht so speeden und rumfurzen.

So wie Darmwinde, die bekanntermassen Kettenreaktionen auslösen, also in hoher Frequenz auftreten können…entwickeln wir uns eigentlich nicht. Wir wissen, dass Erfolg und Misserfolg manchmal so dicht beeinander wie Anus und Vagina liegen. Tür an Tür. Da muss man nicht so speeden und rumfurzen…Wir haben Immobilien Heinis angezogen, wie Fliegen, wie gierige Dotcommer, neben denen unsere fresswütigen Bauunternehmer aussehen wie asketisch fastende Sonntagsschüler.

So gibts bei uns keinerlei Spur jener prätentiösen Allegorik, die einige unserer Züri-Freunde an den Tag legen. „Pacific“ dem Sonnenuntergang entgegen. Unser Baujahr ist ja älter. Die ganzen beschädigten und versauten Stadt-Leute sind ja froh haben sie uns. Die Zweitwohnungsbesitzer lieben uns:“ Sie brauchen sich uns gegenüber nicht zu schämen“, enthusiasmieren sie beim Holunderssorbet bei Caminada in Schauenstein.

Wir haben zwar  viel weniger Geld als die Leute mit denen wir zu tun haben, aber auch viel mehr Zeit als viele Leute, mit denen wir zu tun haben. Und manchmal …manchmal genügt uns die Wahl einer Emser Nationalrätin zum sofortigen Müdewerden. Sie richtet’s ja. Da muss man mal ein Auge zuklappen. Unsere Gemütsruhe hat die monumentale Stabilität des Fontana-Denkmals. Da kann man unbeirrbar und geschickt stehen bleiben, abwarten.

Und wenn wir, also die Rotte eingefleischter Graubündner-Grauköpfchen, einmal im Jahr das PS-Buffet der GKB stürmen, ist das meist keine Oktober-Revolution. Jo nu, an die Stelle der sogenannten gehobenen Gesellschaft ist bei uns ein bizarres Gemisch von Miststock-Politikern, Skifahrern, Radio-Moderatoren und Immobilien-Neureichen getreten. Auch hier ein Klassen-Ausgleich. Arbeiten ist ja auch eine sehr altmodische Art der Vermögensbildung.

Jetzt reden ja alle von schubsen, „Nudging“ – aber wohin? Ein Bündner lässt sich nicht schubsen…bestenfalls mal verschubsen aus Ems…Wir machen Innovationsseminare, deren Flipchards nach Jahren der Agonie meist als Schredderfötzeli noch im Staubsaugerbeutel enden. In dem Gewusel von perduegegang’nen Konzepten sind wir eben wie eine Festung, deren Kanonen in alle Richtungen zeigen, von wo sie meinen, dass der Feind kommt, und die eigentlich weiss, dass der Feind meist durch die Hintertüre kommt…das lässt uns kalt wie ein Hirsch-Kotelett aus dem Kühlraum. Da arbeitete der Verstand im Achtsamkeitsmodus.

 

„There is no such thing as no movement.“ meinte ja schon Robert Wilson. Erhaben, so wie ein Adler seine Ellipsen zieht im Nachmittagshimmel. The End.

 

 

 

 

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