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Wortfindungsstörungen

Ich liebe es flowig daherzuschreiben. Mit reden ist das schon etwas anders. Guat, oft hab’ ich ja so einen Quasselstrom der mich treibt, aber handkehrum fehlt mir redend plötzlich ein Wort. Anderen in meinem Alter ja auch.

Dieser fehlende Wörterlavastrom, der aprupt abbricht…so ein coitus verbalis. Kürzlich machte Jürg mitten im Reden seine „ÄÄH…MHMHMs“ – „ also waisch, der….“ und dann kann er den Namen oder das Wort nicht mehr sagen. – Geht mir auch so: „Jo waisch, i han au öppa so Müah…mit Erinnara.“ Plötzlich fehlt einfach ein Name oder ein Wort.

Und das nicht nur an Tagen an denen man sich mau und morsch fühlt.
Wortfindungsstörungen nehmen zu. Einzelne möchten es verdecken, andere lassen es einfach zu.

Da hat man subito etwas mehr Windmühlen im Kopf als Jos Gasser

– eine heftig verstörende Wirkung. Da kann man auch wegschauen, die Sonne so heiliggeistmässig studieren, den Himmel über der Signina bestaunen, die so erleuchtend leuchtet. Automatisch kommt man dann in die weiten Hallen des Gedächtnisses…(so frei nach Augustinus).

OK, Wenn ich Hunger kriege, weiss ich nicht immer gleich worauf..aber irgendwann kommt das schnell mit der „bistecca fiorentina“ und dem „Erdbeertörtli“ wieder. Wortfindungsgedanken haben meist länger, bruzeln meist länger vor sich hin. Und dann, und dann schau’ ich dann wie ein Ochs, dem man die Heisenberg’sche Unschärferelation zu erklären versuchte, aus der Wäsche.

Das Ohne-Worte-sein kann ja auch peinlich werden…wenn die Worte mit der Sanftheit eines Überschallknalls ins Weltall krachen und nie mehr zurückkommen wollen. Kann ja mit dem Alters- und Veränderungsschmerz einhergehen…Ich komme mir dann so vor, wie ein verballerter Altsportler mit Senioren-Nostalgie-Krampf. Wie so in vielem: möchte so gerne, aber kann nicht mehr…

Jetzt könnte ich doch so meine eigne „Best of Verschüttet-Liste“ machen? Namen und Begriffe langsam aufschreiben, alle was mir immer wieder so entfällt? – Früher hatte ich doch über den Regierungsrat geschmunzelt, dessen Gattin vor dem Smalltalk die Namen und Vornamen der Auftauchenden flüstern musste. Und heute gehts mir gleich: wie heisst sie schon wieder? Martha, Anna…oder so? Dabei kenn’ ich sie seit 40 Jahren.

Diese Anstrengungs-Beseitigungsanssprüche kommen dann wieder hoch.

Deine Wörter sind fliegende Fische, sind nicht mehr da, sind verloren. Fort. Denk ich paralysiert. Ich bin vergesslich geworden, aber ich vergesse nicht, dass ich vergesse..peinlich. Und jetzt mit all diesen Covid Mutationen muss man sich doch unendlich viel mehr merken…die brasilianische Version P1 oder die englische B.1.1.7 ?

Okay, so häufig geschieht mir das nun auch wieder nicht… Und zwischen Wortverlust und stummem Einvernehmen gibt es ja noch so eine woke Toleranzschwelle. Es heisst, dass die Stille, die auf Mozart folgt, immer noch Mozart ist…nur bei Schiesser ist es halt immer noch Scheisse. Funkstille.

Bei den Laufmetern von Alleserklär­büchern im Stil von «Warum Italienerinnen besser italienisch sprechen und trotzdem gut kochen…“ gibt es vielleicht auch bald einen neuen Bestseller „ Das Wie-heisst-sie-schon wieder-Syndrom? Lebensentwürfe für Wortwürfe…“ – mit dem Epilog des erfolgreichen 78jährigen Joe Biden „und er gewönne mit Worten wieder eine Welt.“

Gut, auch ohne Pro Senectute weiss ich, dass sich mit der Verlangsamung der Hirnleistung auch die Fähigkeit, Verdrängtes zurückzuhalten verlöre. Kann ja auch gut sein, all den Lebens-Shit mal abzuwaschen…

Das ist das Lemma-Dilemma. Die Lemma Ebene (von griechisch: das Angenommene) ist diese Formebene im Hirn, die das Schriftbild und die klangliche Gestalt jedes Worts repräsentiert. Auf einer anderen wiederum sind seine Bedeutung sowie die Kombinierbarkeit mit anderen Wörtern gespeichert. – Bei mir sind es sowieso auffällig viele Bilder die ich abrufen kann. Ist auch sehr angenehm, ein gutes visuelles Gedächtnis zu haben. Man geht auch ohne phone und GPS in keiner Stadt verloren.

Zur Beruhigung erfahr’ ich dann, dass es das Wortfindungsphänomen in allen Sprachen der Welt gibt. Schätzungen zufolge geraten wir im Schnitt einmal die Woche derart ins Stocken; unsereiner, also Ältere etwas häufiger als Junge. – Die Japaner und die Schweizer müssten demnach mehr Wortfindungsstörungen haben…

Sieht man ja auch, wenn Röschti oder andere Super-Schweizer die auswendiggelernten Argumentationsformeln gegen das CO2-Gesetz aufsagen. Die haben vielleicht auch schon nach den ersten Hitzewallungen, den ersten Arthritissymptomen sowieso die Symptome der Vergesslichkeit. – Die russischen oder saudiarabischen Schriften der Erdöl-und Gaslobby sind wahrscheinlich auch etwas komplizierter oder aufwändiger zu lesen. Die Schriftstellerin Jamaica Kincaid sagt ja:

«Alles, was es wert ist, gelesen zu werden, ist schwierig zu lesen.»

Sie meinte zwar belletristisches, nicht fossil-antinationalistisches.

Wenn ich dann die Chiesas und Wobmanns mit ihren abgrundtief deprimierenden Wortschätzen aus mir hinausdenke., ist mir wieder vögeliwohl, da überkommen mich fast wieder Wortbindungseuphorien. So Momente des Einvernehmens mit meinem Hirni. Wie so ein Capuns-Rahmsössli mit Erdbeertorte und Güpf beflügelt mich meine Wortwelt aufs Neue. Und eine wundersame Selbstzufriedenheit wie bei den Corona-Rebellen in Rapperswil überkommt mich.

Wörter zu finden war ja schon immer mein Lebenszweck. Dieses schlendernde Lebenserfüllung, das Einssein mit den Worten bezeichne ich gerne als meine schönsten Erlebnisse. – Da kommt ja die Sina, oder ist es der Reto? Gut, entschuldigt, ich sehe ja auch nicht mehr so gut.

 

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Füdlibürgerburgunder

1981 schickte meine noch jungfräulich unschuldige Firma unseren Kunden und Freunden einen „Füdlibürgerburgunder“ zu Weihnachten.
Ich glaube, schon damals erkannten wir als Kommunikationsagentur dass alles FAKE gut ankommt. Der Burgunder war nämlich ein (doch gut süffiger) italienischer Tischwein. Also nichts zum kotzen.

Das ging mir diese Woche wieder durch den Kopf als ich die NZZ las – zum xten Male irgendwelches Freisinnig-Liberales-Eigenverantwortungs-Gestammel. Die Headline: „ Liebe Freisinnige, tut um Gottes willen etwas Tapferes.“ Das ist  dann eher wieder zum kotzen. Und das erst noch im beschwörenden „Interesse der Schweiz“. Mit Freiheits-Zitaten aus den Kriegsjahren um 1941 wird FDP als „Genom dieses freiheitlichen Bundesstaates“ gefeiert.

Als Glatzenträger weiss ich ja, was alternativlos unheilbar ist. Wusste ich schon mit krausem Vollhaar vor 50 Jahren. Da war mein geschätzter und wirklich geliebter Bruder Fritz, Metzgermeister, bereits in der FDP. Im Gegensatz zu ihm, hielt ich mich raus aus dem einseitigen Parteien-Gelärme. Vieles tönte doch krass dogmatisch, ideologisch und parteibüfflig; gut, ich bin parteilos, aber Probleme hat doch jede(r).

 

Das FDP-Doppelspiel: so tun als wäre man für einen bürgerlichen Mittelstand sich aber ereifern für die 1 Prozent Reichen.

 

Das ging mir auf den Sack. Vorgeschobene Haltung ist wohl das Stichwort…Guat, Fritz und ich (Hansli) verstanden das eben verschieden. Ich argumentierte: Die FDP nähme ganz sicher nicht die Interessen von Bäckern, Metzgern und Beizern wahr. Und im Hotel Stern zu Chur sässen doch die alten Rechts- und Rechthaber, mit dem Linken-Hass, dem asozialen Steuerverhalten, dem Fry-Rätien-Wahn, dem habitualisierten Wegsehen, Staatssparer. In Chur waren das eher harmlose Mittelständler, Einfamilienhaus-„Akademiker, Juristen, Ingenieure…Veterinäre und Treuhänder, die eher zu den 99 Prozent gehörten.

Da korrespondierte die gefakte Welthaftigkeit der FDP auf das Entzückendste mit den Insignien kleinstädtischen Dünkels. Und wir wussten, dass das  wie bei den Zimmerpflanzen in der Geschirrkammer des Hotels Sterns war.  Die konnten draussen kaum überleben. Die wackeren Freisinnigen kämpften noch gegen die roten Mammuts, nicht gegen nachlassende Gäste-Bindung. Guat, heute ist ihr Wirtschaftsbarock nur etwas moderner benamst, heisst jetzt Blackrock, Goldmann Sachs oder Economie-Suisse… der neoliberale Täusch-Mist  hat sich verstärkt. Der Hallraum ist aber etwas enger.

Der frühere Hansli hätte das als „verdrehter provinzieller Molekular-Kapitalismus“ betitelt. „Bei den meisten sozialisationsbedingten manifest Unterprivilegierten ist da wohl nichts zu machen…“ meinte ich dann oft zu Fritz. Ironie verstand er. Als Wokismus-Jünger hätte er mich zwar nicht betitelt. Das Feindbild kannte man damals noch nicht.

Nun haben’s selbst die aus den Engadiner-Schattenwirtschaftszonen (sprich Baukartell) gecheckt: „Immer nur gier, macht stier.“ Die NZZ  warnt zwar jetzt, „der Manager mit dem freisinnigen Genom sei weg.“ Wie auch immer. Vielleicht sind die etwas moderneren Manager einfach etwas woker oder weniger blöd als die FDP. So langzeitverzögerte und  überpushte Kartell-Geschichtli sind höchstens Symptome.

Nichtsdestotrotz schreibt die FDP ähnlichen Unsinn in ihre Medien­mitteilung zur Pandemie, der Bundesrat spiele «fahrlässig mit der Glaubwürdigkeit aller involvierten Institutionen». Daran haben wir uns ja gewöhnt: die FDP gibts nur noch als pdf. Und der Hansli – 55 Jahre NZZ Leser– sagt heute zur NZZ: „nous sommes perdue, aber nicht per Du“. Abbestellen.

Hansli erträgt vielleicht den moralischen Gestank der Junggeldgierigen nicht mehr, die ins Gesicht verkleidete Markwalder-Bangigkeit, die martialische Forschheit des FDP Fraktionsvorsitzenden Walti mit seiner Stahlmantelmimik und Cassis mit seiner Internationaliät fast ostasiatisch in seinem Bemühen Ungangenehmes zu vermeiden, ist doch der Beste Fake-Verhandler. Und erst die Liberalismus-Verbalaktivisten der NZZ-Corona. Auch die halt eine Seuche.

So sind wohl nur noch die letzten auf Mittelstand geschminkten Wohlstandsverwahrlosten  in der FDP.

Die Metzger und Beizer in der SVP. Um zusammen mit der FDP den Benzin- und Heizölpreis der Saudis und Russen zu schützen. Alle diese Bäcker und Gipser möchten mit dem polierten Mercedes auch mal in die Bahnhofstrasse Züri einbiegen – verstehe ich. Nur sind da die Grünen mit  CO2-Vorgaben und mobility pricing im Wege.

Und Fritz würde wahrscheinlich zum Hansli sagen: „ Am Anfang sind wir jung und blöd, am Ende alt und blöder.“– Hansli: „Die meisten sind nicht blöd. Sie haben einfach nur Pech beim Denken.“

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Zahltag

 

Gut, es war so eine Lappaliensituation. Ich wollte im Coop Quader mit GKB-Twint covidgerecht und elektronisch an der Kasse zahlen. Mein iPhone funktioniert aber mit Gesichtserkennung, konnte als so dank Wintermütze, FFP2-Maske und angelaufener Brille meine Fratze nicht erkennen. „hua**…Sh…**, fu…**“ undso, ein scharfer Schmerz in meinem Frontallappen kam auf.

Ich hab’ ja keinen Kühlungsmodus wie so ein Grosscomputer. Im Gegenteil die Langlauf-Mütze machte noch heisser. Verändert Pupille und Atmung. Kein Wunder erkennt mich mein Phon nicht, erweiterte Pupille wie ein addict; schweratmend mit ewigwährendem Seufzen wie die Covid-Verleugner.

Schieben die mich jetzt ab in einen Pro-Senectute-Handy-Kurs? Oder gar in die neue Seniorenklappe beim Kantonsspital – das Pendant zur Babyklappe?

– Eine Alterserkenntnis: Wenn dein Handelswert gegen Null tendiert, bist du am Arsch. Das ist wie bei der Rabatt-Wühlecken im Coop, die überlagerten Rindsblätzli sind plötzlich nicht mehr so viel wert.

Guat, mit Corona haben schon einige das Gesicht verloren. Als Entschädigung hat man ja als Backup das Vermögenskonto bei der GKB, so als Brennkammer permanenter Seligkeit bis in die Ewigkeit. Dass ist dann etwa so ein Anker wie die dicken Socken vom Hitsch, die ich mittlerweile vor dem Zubettgehen altersbedingt anziehe. Die nützen aber wenig, schwitzend vor der Coop-Kasse.

Man bemüht sich doch sich als Abgänger noch ins rechte Licht zu rücken. Und das jetzt mit fast dreiundsiebzig. Das Leben ist halt nicht immer ein endloser Carving-Tag mit wölklilosem Himmel und wohltemperierten 5 Grad. Als Oldie ist man da schon etwas reduziert wie heute der Aktions-Appenzeller-Käse.

Die unterbezahlten Coop-Kassiererinnen sind aber perfekte Altenversteher. Die wissen, dass sie uns überleben werden. Und da ich eh bald in der ewigen Cloud logiere, verlangsamen die automatisch die Spielgeschwindigkeit, fragen bedächtig einfühlend: „Haben Sie eine Supercard?“ Ein vielfach konditionierter Reflex: klar, habe ich die. Aber die da ist ja eine Cumulus, ist wohl für den falschen Laden?

Wiedermal alles falsch. Die unterversorgte Blutzufuhr trägt jetzt auch noch zur Panik bei. Es war einer jener Augenblicke, die einem in der Nacht aufwachen lassen, die man anhalten möchte, umkehren möchte…
Wie die 250’000 Paniker, die unterschrieben haben, das man die Beizen öffnet.

Sind das krampfhafte Panik-Entleerungen unverdauter Deppen-Vibes?

Den Mund in einer abwärts weisenden Parabel weiden sie sich am milden Rausch andauernder Unzufriedenheit. Sie wollen Planungssicherheit über das Leben, wohl der wichtigste Lebensaspekt seit dem Urknall.

Mein Jahr USA hat mich doch in den 70er Jahren so optimistisch gestimmt…Aber heute mehrschichtig optimistisch orangegebräunt wie es Usus ist unter uns Frührentnern, kann man sich solche Abknicker nicht leisten. Hani immer noch genug positive Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin? Erst später hab ich gemerkt, dass die US-Menschen sich sogar selber betrügen mit ihrem falschen orangeblonden Optimismus. So eine eigelbe Tolle ist höchstens das tolle am Verwesungsgeschmack.

Und da kommt er wieder, der moralische Reflex den wir wir alle beim Alters-Talk haben müssten: mehr Selbstbewusstsein! Mein Alterskollege Trump hat wohl diese Angst vor der Alterslächerlichkeit nicht. Spieglein, Spieglein an der Wand, wie wirke ich denn? Auch so machoalt, obszönalt, frühfossiliert, unverbesserlichalt, feigalt, formatalt, aufplusterndalt, dümmlichalt…?

Seelische Kargheit wittert man immer. Vielleicht bräuchten wir zusätzlich zur Contact Tracing App jetzt auch noch so eine Idiotenapp, die zuverlässig aufzeigt, ob sich in meiner unmittelbaren Nähe einer dieser Öffnungsidioten aufhält. Gibt vielleicht mehr Urvertrauen.

Gut, gibts noch Shakespare. Der King Lear. Mit den erschütterndsten Alterseinsichten: „Und von Stund zu Stund reifen wir, und von Stund zu Stund faulen wir!… Quält einen Geist nicht! Lass ihn ziehen!“ – Das machte ich dann auch und zahlte mit Maestro…The End: zurück zum Optimismus (und Knausgard)…“selbst die schlimmsten Erinnerungen haben früher oder später etwas Gutes.“

 

 

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