Stromprollitik

„Haben sie Allergien?“ Fragt man immer öfter an allen unmöglichen Orten. Ja, hab’ ich, aber nur ab und zu mal eine Polit-Allergie. Zur Zeit ist es die Stromallergie.

Der Strom ist jetzt auch schon in den SVP-Hosen. Die Russen sind nicht mehr so glaubwürdig. Und die Putinfreundlichkeit mit Fossil-Liebe hat nicht so recht geklappt.

Den Strom-General wollen sie jetzt auch nicht mehr so recht, nachdem soviele russische abgeschossen wurden. Guat, es gibt halt so etwas wie ein Gehör für Sätze und Worte, das sie nicht haben. Klar, die SVP-Themen schiessen sich immer wieder selber ab, sind ja immer wieder selbstreinigend. Kommen aber immer wieder mit hirnloser Beharrlichkeit.

Wie eine Horde durchgegangener Oldworld-Nashörner überbieten sie sich im Schweiz-Rettenwollen – und merken nicht, dass sie dabei  das Welt-Überleben tottrampen.

 

Die Apokalypse-Bewirtschaftung lohnt sich bei dieser Klientel ( ablenken vom Klimaschutz – schliesslich will man an fossilen Brennstoffen weiter verdienen..)

Wie Putzervögel auf dem Rücken eines Nilpferdes picken sie mit ihren Vorstössen zwischen den Speckfalten der Wohlstandschweiz herum, um sie sauber zu halten. Zum Beispiel auch gegen die Klimaschützer.

Welche Dinosaurierart war es, die interessiert verfolgt hat, wie sich eine andere Dinosaurierart in ein Bein weit unten verbeisst – bis irgendwann in ihrem Hirn die Nachricht angekommen ist, dass es ihr eigenes Bein ist, das da gerade gefressen wird?

Jahrelang den Umbau zu erneuerbaren Strom mit allem verhindern, und dann wegen der Stromlücke motzen. Das ist SVP.

Klar, weder die Fossil-Gruftis noch ich möchten unser gutes Schweizer-Leben aufgeben. Das schlichte Verneinen (Ich will das nicht, dass es wahr ist!) das All-you-can-eat Buffet der Schweiz…unseren Wohlstands-Bonbonladen versauen; kommt nicht in die Tüte.

Aber eigentlich brauchen wir alle Energieformen – vielleicht nur nicht die russischen Weltfresser aus Öl und Gas. Jeden Mix. Aber die SVPler wollen vielleicht immer noch nicht wissen, dass Fossile so wie wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck sind, auf Dauer lebensgefährlich.

Ich kann das natürlich als sinnfreies Kommunikat wahrnehmen. Ja mit so einem Strom-General, so guisanmässig ist das wohl zu lösen… mit so einer Rekruten-Pädagogik à la russe…

Solange man an den Fossilen mitverdient, will man noch nicht geistig diversifizieren.

Die hochbezahlen PRler, Furrer–Hugi und Konsorten , werden das für viel Geld unter die Leute bringen. Atomisiert werden sie da kommunizieren. Man weiss ja nie, ob es in 25 Jahren tatsächlich sichere A-Werke geben könnte. Konjunktiv.

 

Ist OK, für Leute, die soviel Vermögen haben, aber nicht das Vermögen etwas differenzierter in die Vergangenheit zu schauen oder gar in sich hineinzuschauen. Ist halt ihr kümmerlicher Möglichkeitssinn..kombiniert mit ihren Empörungsgesichtern mit Schnappatmung, gell Frau Bircher und Herr Imark,.

Mit kaschierter Verdruckstheit manipulieren sie ihre Trollbasis (oder sagt man Prollbasis?)

Ihre Brüllphilosophen werden das dann schon unter die Leute bringen.
Sie sind aber erfolgeich, so als Tubbelmagneten. Und schleichen sich so an. Zwielichtig, putinig, pseudo-volkig eben.

Auch in Graubünden. Man bringt einen Regierungsratskandidaten, Hug, der  ist so harmlos: gell, einer von uns, Steinbock, Architekt sogar, und ein guter Gemeindepräsident.

Und Martullo, die Superreiche, zwar wirtschaftlich kompetent aber moralisch fragwürdig – wieder mal so tut als ob sie dem Prekariat das Portemonnaie schützt (und auch noch Putins Ruf). Soziale Gerechtigkeit als Vorwand…es kann nicht sein, dass die Armen im Berggebiet noch mehr fürs Benzin zahlen…Verdecktes Scheibenschiessen auf die Erneuerbaren. Weil sie ja nichts erneuern wollen.

Typen wie sie sorgen dafür, dass die Welt bleibt, wie sie ist.

Sie legen sich wohl gerne am Samstag auf den Diesel-Kühler um hingebungsvoll die Frontscheibe mit dem Sünnali wieder zu polieren. Machen dazu ein leuchtendes Gesicht, als hätte man die Glühbirne erfunden.

Und wenn dann tatsächlich in 3 Jahren der Strom ausgeht für 3 Tage…?

Jesses, wär ja schlimm mal in der Daunenjacke ohne Cordon-bleu den Samschtigsjass zu lugen. Da kommt wohl dieses Titanic-Gefühl auf, der Untergang ihres Luxusdampfers, der nicht versteht Eisberge zu meiden?

Luxusdampferprobleme habt ihr schon. Und Kapitäne, die sich überschätzen sowieso.

Sie bauen auf den Bystander Effekt. Zuerst beunruhigen und dann ausrufen: …die Ruhe der anderen wiegt uns in falscher Sicherheit. Die FDP-Gewerbler glauben auch noch an diese Geschichtlis. (Jahrelang hat das American Petrol Institute: jährlich 10 Mio Dollar in Werbung für  sogennant „saubere“ fossile Brennstoffe ausgegeben.) Das wirkt dann bis zu den Harvard-Absolventen in der Schweiz. OK, die verstehen wenigsten den Satz von Upton Sinclair. „It’s difficult to get a man to understand something when its salary depends upon his not understandig it.“

Sie gehören eigentlich auf die Strafbank…bei all diesen Tscheggs von hinten…

Es ist einfacher die Leute zu täuschen, als sie davon zu überzeugen, dass sie getäuscht wurden, sagte doch auch schon der alte Mark Twain.

 

 

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Osterlüftchen

Wenn ich mal genug Ukraine-Horror oder Screen-Trance habe, also gelangweilt vor dem Bildschirm hocke, alles stummschalte, mal app-schalte, mache ich mich gerne auf einen Bonda-Quartierspaziergang. Wenn man viele Stufen übersprungen hat, endet man in Chur hier oben, kann fast nicht mehr weiter.

Als Füdlibürger-Churer vom Bonda-Quartier, sehe ich mich natürlich nicht als solchen. Meine routinierte pseudo-intellektuelle Geringschätzigkeit dieser Umstände erleichtert dann auch einen deep dive in diese Zielgruppe mittlerer provinzieller Bürgerlicher, die sich für klüger hält, als sie ist. Also wie ich.

Ich kann ja, als alter B-Boomer, nicht in diesem ambitioniert frechen werblichnervenden Influencerinnen-Ton über mein Quartier reden.

Das selbstgefällige Zen, dass sich im Herumkarriolen im Diesel-SUV, Eigenverantwortungs-Golfen und blau-gelben Nails äussert, kann ich nicht ganz nachmachen, aber doch verstehen. Ist ja auch nicht durchs Band so: Im Bondaquartier redet man eher über Weingüter, Prostata-OP und Saron-Zinsen.

Mein reflexhafter Sarkasmus ist hier eh nicht angebracht. Lässt höchstens oberflächliches Verstehen für meine Denke ahnen.

Wir wissen ja, dass die Summe aller sich selbst verwirklichenden Individuen glückliche Gesellschaften ergibt.

„Schatz, ich bin glücklich.“ schreien ja schon die üblichen zwei- bis dreistelligen GR-Autonummern.

Diese Leute in ihrer kleinen Alltäglichkeit und Anhänglichkeit, in ihrer geduldigen Bedeutungslosigkeit, haben eben Regeln.

Mit geblähten Sehnsuchtssegeln erfüllt von einer grossen Ruhe,  spaziere ich durch mein Traumquartier. Hier scheinen die Leute nicht einmal zu ahnen, dass man auch nicht glücklich sein kann…

 

Guat, alles hat schon irgendwie den Look des pensionierten Regierungsrates, der mit grosser Selbstverständlichkeit das Recht auf seine Anwesenheit wahrnimmt. Ist doch alles gepflegt, maniküriert, justiert, ordentlich nett und putzig blumig. Samschtigsjass-Graduierte, FDP-SVP-Leserbrief-Pleps oder auch diversifizierter: Dinkel-Dünkel-Bündner mit Vollkornsandalen..Aber auch Corona-Gegner soll es hier geben. Nur: gegen eine Krankheit sein, nützt ja auch nicht viel.

 

Und wenn am Horizont der Surselva-Himmel dann so unendlich und weit die Nachmittage lang sind, komme ich keineswegs ins Grübeln. Eine grosse Weite breitet sich in mir aus,

…ein wortloses Gefühl des Erhöhtseins, immerhin 150 Meter über dem Churer-Normlevel.

 

Die Rehe, die immer wieder in unserem Garten fressen, sind da eher ein Symbol. Glücklich und schweigend gemeinsam. Wie zwei Menschen, die es gewohnt sind, viel Zeit miteinander zu verbringen, sehen wir uns – wenn sie mich nicht wittern – durch die Mehrfach-Glasung an. Ich twittere dann beiläufig das Gefühl, es begrüsse mich mit der herzlichen Beiläufigkeit, die eben ehemalige Regierungsräte im Quartier auszeichnet.

Wobei das Reh, wie mir scheint, mit etwas weniger aufgeblähten Bedeutungssegeln grast. Es hat wohl auch schon das moderne, bescheidene Schweizer Mittelschichts-Verhalten angenommen. Und leidet auch nicht unter dem Segel einiger schärferer Missinterpretationen – manchmal hör’ ich da raus: Afghanen? ja, als Hunde. Ukrainer? ja, zur Imagekorrektur. Velofahrer? OK, solange Tempo 50 bleibt. (OK, Das war jetzt die Stelle mit der billigen Polemik.)

 

Guat, haben wir beim Toleranz-Yogi gelernt; ich will auch nicht im Quartierleben herumnasen. Auch wenn einige vielleicht Vollpfosten sein mögen, sie haben ein Recht Bremspfosten zu sein…(wie die Fossilien-Partei, die SVP, die nur noch Fossile unterstützt. Schliesslich laufen die russischen Panzer nicht mit Erneuerbaren.)

 

Heute ist eh Osterweekend. Osterspaziergang. Schon bei Dante kam man in den Höllenkreis im Erdinnern durch acht terrassierte konzentrische Kreise hinab. Fast wie so vom Kliiwaldegg zum Kantonsspital. – Oder umgekehrt von unten nach oben 4 Tage und 3 Nächte immer weiter der Höhe zustrebend ins Purgatorium (der Reinigung). Eben sozialer Aufstieg. Der Flug durchs himmlische Gefild.

Weiss nicht, ob all die Putzfrauen, die hier täglich raufkommen, das auch so sehen…

 

(Vielleicht schreib ich auch aus Notwehr solche Anbiederungssätze.)

Das gute alte Gretchen, die Putzfrauen-Figur der Literatur.
hat’s auf jeden Fall irgendwie gecheckt. – Ich hör’ schon den Oster-Faust spazierelen: „Ich höre schon des Dorfs Getümmel. Hier ist des Volkes wahrer Himmel. Zufrieden jauchzet gross und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!“

Und alle Oster-Oberstufen-Kolumnisten meiner Güte würden da agitato beifügen: Osterlüftchen. Wir sind unseren Grossvätern dankbar für die AHV, die wir ihnen jetzt abklemmen, lassen ihnen auf den Fussgängerstreifen keinen Vorrang, sind aber doch pazifistisch und jetzt auch für einen Nato-Beitritt.

Füdlibürger sind nicht immer Fortschrittswürger.

Wir sind ja im Ruhestand. Und gerade aus dem Stillstand soll neues Leben entstehen. Das zeigt  sich ja in der Korrelation des Verschwindens von Krawatten und dem steigende Anteil von Frauenkandidaturen bei den Grossratswahlen. Da kommt doch so ein mau-laues Frühlingsmütchen auf…

 

 

 

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Die Senioren-Klappe

Da sich die Welt gerade ändert, schau’ ich einiges genauer an. Kürzlich ein aktuelles Foto der „Early Seventies“ der HSG. (also meine Alters-und Berufs-Gruppe, mein sozialer Marker). Irgendwie edgy. – Guat, die soziale Diät durch Corona hat mein soziales Sensorium vielleicht verfeinert, vielleicht auch verbiestert..

Zur Foto (oben) passend, sinnieren sie im dazu passenden Artikel von, „ wir müssen keine Karriere mehr machen.“ Guatso. – aber nichtsdestotrotz „sich in den Ruhestand begeben, das möchte ich nicht“ sagt der Präsi. Auch okay, so sehen sie aus.

Ich schau mir das Alumi-Heft an – war vor kurzem noch im Warteraum der Strahlentherapie im Kantonsspital an. OK, anderes Setting. Und sinniere nun auch mit Napoleon:“ „Was für ein Roman ist doch mein Leben!“ Nur hat’s der nicht ironisch gemeint. Er lag ja auch falsch, er hatte seine Biografie,“ Le Mémorial“ auf der Insel Sainte-Hélène geschrieben.

Die war dann genauso langweilig wie etwa eine Cassis-Bio rauskommen dürfte.– Eben: Alte-Männer-Biografie.

Schau sie an auf dem Foto. Sie haben ihren HSG-Filter auf die Welt gelegt, glauben offenbar an das Grundrecht, dass man an der Welt nicht allzuviel ändern sollte. Nungut, wenn die Frauen schwerer werden, wird das Leben leichter.

Sie sind alle noch busper, in ihren Augen glitzert noch das Vergangene, es schimmert noch auf der Hornhaut und vielleicht auch in den Neuronen…so meint man’s mindestens zu erkennen…Diese gestrickte Wiedererkennbarkeit. Dieses Gepose mit der sabbernden Erinnerung. (Zur dieser meiner Zeit: es gab noch kein AIDS, Vietnam am Anlaufen, Homosexuelle outeten sich noch spärlich…und der Ogi konnte damals nur gut skifahren..)

Ich war ja mit einigen von Ihnen in den frühen 70er oft an der HSG-Caffibar. Später wurden einige von ihnen so Buy-Low-Sell-High-Existenzen, die immer auf Achse waren. Mehrheitsfähig haben sie doch in der breiten Öffentlichkeit den Status einer universellen Anerkennungsinstanz erlangt und verdient. OK, ihre von mir jetzt vorprogrammierte Entwertung soll doch nicht zu einem gewaltsamen und traurigen Ende führen!

Sie haben wahrscheinlich die Schwall-Sunk Problematik des Lebens längst begriffen: zuerst ein Schwall von Überforderung und dann der Sunk ins Nichts.

Und sie wissen: Mit unserer Osteoporose haben wir eh nicht mehr so viel Knochen für die Sauce. Und vielleicht wissen sie sogar: im Alter nützt auch Torheit nichts. Die meisten von uns haben gelernt, sich in Restaurants im Allgemeinen für das Tagesmenu zu entscheiden. Würde sich ja nicht lohnen, darüber leidenschaftliche Diskussionen zu führen.

Sie sind Elitewillige (oder mindestens so Denkende), die sich jedes Jahr, der (mindestens angedachten) Hegemonie ihrer Organisation versichern müssen. Die Macht dieser Konnektivität strahlt doch so eine Solidarität innerhalb der eigenen Identitätsgemeinschaft aus.

Dunkler Anzug, helles Hemd…so eine toxische Positivität. Wie alle Genormten aus der neoliberalen Ecke, die jetzt bedauern, keine Kravatte mehr tragen zu können. Meine ich – sie aber nicht. Sie haben doch einen guten Kern, der sich einfach nach vor lauter NZZ in die falsche Richtung bewegte…Ich hoffe, ich weiß, dass sie glücklich werden.

Der Club der fast toten Manager. Mit Zugehörigkeitsbeweis.
Wer sich mit der HSG ins Bett legt, wacht mit einem dicken Portemonnaie auf. Man begehrt, was andere begehren, und zwar durch Nachahmung.

Ich weiss auch, es gibt furchtbar dumme Menschen, die an der HSG grandios abschneiden…aber auch umgekehrt.

Es ist wohl normal, dass sich ältere Menschen für Geschichte interessieren. Wie ich höre, lesen sie offenbar so gerne historische Biografien……vom Schicksal berühmter und manchmal mächtiger Menschen, die letztlich auch nur zu Staub geworden sind.

Eine üble Performance, aber sehr üblich.

 

Das relativiert doch unser Dahinscheiden. Das sind so Bemächtigungsversuche der Zeit. Wie ein leises Summen höre ich aus dem Foto schon das Betriebsgeräusch des ewigen Gleichweitermachens im vertraulichen Gemütlichkeitsecken.

 

Gedacht: Ob der Tod jetzt rumantsch grischun redet oder ein anderes Idiom, oder ob wir erst in der Nachjagd freigegeben werden, ob man uns mit einer Stromlücke Angst macht oder der Wolf uns frisst, ist wohl egal.

 

Und da kommt einem unwillkürlich der (wiederholte) Satz von Houllebecq in den Sinn: „Zum Schluss schüttet man ein bisschen Erde auf uns, und alles ist auf immer beendet.“ Die Beendigungsrituale und die Beerdigungsrituale sind es doch, die wir hinterfragen sollten. (also abfackeln kann man mich natürlich auch) Nach einer Gesellschaftskarriere mit Stress, Gepose und und einer hundsgewöhnlichen Aussichtlosigkeit hat man doch das Recht auf‘s standesgemässe Abgeschobenwerden, auf eine Abfertigungstonart für die vorauseilende Leere.

 

Jetzt wo die Babyklappe hinterfragt wird, fragt man sich ob eine Seniorenklappe nicht angemessener wäre.

Denn die soll im Grunde genommen verhindern, dass weiterhin unsere Generation – also die über 70 jährigen – als Zeremoniermeister noch weiterwursteln auf irgendwelchen Politsitzen oder Verwaltungsräten oder sich als lebensrettende Lebenskomiker sehen.

Beschafft uns einfach die Seniorenklappe und zwar subito. Deponiert uns in der Klappe .Wir wollen unsere Klappe und halten dann die Klappe.

 

 

 

 

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