noo blööder isch noo tüürer

„WAAAs, du findest Klimakleber guat? Und Staus wohl auch noch?“ Fragte mich kürzlich ein lieber Kollege…Und dass die Schweiz einen enormen geistigen Klimastau hat, musste ich ihm dann auch noch erklären.

„Gedeihstörung“ nennen das wahrscheinlich die Kinderärzte. Das ist’s, was so ein Wohlstandsland wie die Schweiz heute durchmacht. Vielleicht würden sie auch diagnostizieren, dass der Durchschnitt unserer Wohlstandsnation  halt sehr wenig Verständnisverhalten hat….

Lieber alles beim Alten. Immer um 17 Uhr die Masanserstrasse raus fahren, und dann über die Staus motzen.

Guat, ich hole da – wie immer – etwas aus. Etwas mehr über kognitive Dissonanz gefällig? Ooh soory, das schmeckt jetzt nach Seminaren und Bibliothek.

Auguat, in einigen Bäuchen wölbt sich bereits das Abendessen. In der Tagesschau liegen tote Israelis und tote Palästinenser herum, und ich komme gerade vom Fitnessclub. Die NZZ verschmiert seitenlang ihre verzweifelten Seiten mit angesagter Kunst. Ein Kollege schiggt mir immer fast täglich noch so saudumme Tik-Tok Witzchen.

Ja, wir verlieren uns in verdummenden Ablenkungen. So wie die Ozeane mit Plastikmüll, und die Atmosphäre mit Kohlendioxid gefüllt werden, werden wir mit Blabla gefüllt…

 

Placebo kennt ihr ja. Einfach dran glauben, dann kann man alles schlucken. (Und ich schwoöre eher auf Nocebo. Das ist übrigens dann, wenn man daran glaubt, dass es nicht mehr funktioniert…)

 

Wir sind wie Schafe im Schlachthaus. Schauen uns interessiert die Überschwemmungen in D an und die Bergstürze im Engadin.

Sie haben noch Ölheizungen und fahren Verbrenner und fliegen auch mal gerne…

Das geht in schwindelerregendem Zeitraffer. Heute müssten pro emiritierter Tonne CO2 100 Euro an Kosten für Klimaschäden veranschlagt werden…bis zur zweiten Hälfte des 21.Jahrhunderts werden sich diese sozialen Kosten bereits bei 800 Euro pro Tonne bewegen, also nahezu verzehnfacht…

Sag das mal den Zweitwohnungsbesitzern, die im Wallis Elektroöfeli einbauen. Und den Deutschen, die sich brüsten, das Heizungsgesetz gebodigt zu haben. Guat, ab heute kann ich die Walliser SVPer und die Tessiner Lega wohlgemut fragen, wie sie denn beim CO2 Gesetz abgestimmt hätten?

Die Benzin- und Heizölpreise könnten doch steigen.

Man kann auch sein Sattsein beim Fast-Ersaufen feiern.

Und bis jetzt sind es ja nur 5 Tote im Tessin.

Gegen Heizungsgesetze haben (nicht nur in D) viele Wohlhabende was…Und diesem Klischee-Typus des AfD-SVP-nahen Zahnarztes, Juristen  oder Ökonomen begegnet man allzu häufig, um ihn noch als blosses Klischee abtun zu können. Dass Besserverdiener nach ganz weit rechts gegen den Klimaschutz tendieren können, ist zudem durch Studien belegt.

Musst du jetzt wieder damit anfangen, denke ich mir schon? Oder: Wie lange halten die es aus, diesen Scheiss zu ignorieren…?

Das ist ja so wie ein schrecklich in die Überlänge gepeitschtes Theaterstück. Um weiterzuleben, dürfen wir nicht an die schlechten Dinge denken, hat irgendwer im Golfclub oder in der Economie Suisse gesagt. Und überhaupt, das erzeugt einfach schlechte Schwingungen – beim Hauseigentümerverband, beim Schweizer Ständerat.

Der will sich doch auch nicht von den Klima-Seniorinnen sagen lassen, dass man zuwenig für das Klima macht.

Sie kommen mir vor wie ein im Kreis aufgestelltes Erschiessungskommando. Für sie ist das offenbar Freiheit +Leben. Das was Leben abmurkst.

Das ist wahrscheinlich bei den Verbrenner-Käufern auch so. Jedes Treffen mit Gleichgesinnten bewirkt eine Verminderung der kognitiven Dissonanz…(Dazu was von meinem Lehrer: Um ein eventuell aufkommendes Unbehagen zu reduzieren, passen Menschen entweder ihre Überzeugungen an, suchen nach Fake-Informationen, die ihre Handlungen rechtfertigen…)

Die anderen haben ja auch einen Diesel-Mercedes.

Wie geil ist das denn? Aigantli aifach, ihr Liebhaber von Kalendersprüchen. Du musst nicht dein Leben ändern, du musst dein Ändern leben…oder vielleicht einfach deine Heizungs-Technologie und dein Mobilitäts-Verhalten.

 

Iweiss, das weiss auch der Ständerat. In seiner grandiosen vollendeten Unvollkommenheit. Auch wenn sie von jetzt an bis zum Wärmetod des Universums anderes behaupten mit juristischen Schutzbehauptungen.

Sie lösten ihre Probleme nicht, sie gewöhnten sich an sie.

Und Katastrophen-Filme aus der Schweiz – Maggiatal Brücke und Misoxer A13- haben es doch schon in die ARD-TAGESTHEMEN geschafft. Me proud als Bündnr.

 

„Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten“ heisst  ein Buchtitel in diesem Jahr.

 

 

 

 

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as isch halt divers

 

Kürzlich waren wir im Schauspielhaus Zürich. Im „Blutstück“, die Umsetzung des Erfolgs-Buches „Blutbuche“ von Kim de l’Horizon. Also etwas nonbinäres – nemoartig. Kims Texte sind ja supr. Dazu spielt er auf der Bühne mit  und zwar sauguat. Jetzt hatte ich das Pech, das er mich Alten-Weissen-Glatzni auslas zu einem Sponti-Interview. Er kletterte über mehrere Sitzreihen bis zu meiner Reihe 6. Die Aufwärm- und Smalltalkfragen…lasse ich weg.

Ich hätte in den Boden versinken wollen…Was man ja im Pfauen nicht kann. Dort gibts auch einen Keller..und Bündner Zuschauer.

Und dann erzählte er, wie er mehrfach schon öffentlich zusammengeschlagen wurde, weil eben nonbinär.

Die Angriffe auf Nonbinäre haben statistisch tatsächlich enorm zugenommen.

(Und ich ertappe mich, wie ich ebenso reaktionär wie binär in der männlichen Form schreibe. Es hiesse also…“es spielt auf der Bühne…“. – Si*er schreibt zwischen den Gattungen)

OK, die zweite nach der Du-Frage war also: „ Würdest Du mich raushauen in einem solchen Falle…?“ Als queere Person denen keine eigene Stimme eingeräumt wird. tabuisiert und kriminalisiert..

Ich sagte vorsichtig sowas wie ÄÄH-ÄHM-Ich-hätte-wohl-Angst-aber-vielleicht schon…

Das Eis war gebrochen, wir smalltalkten dann im Takt, ziemlich übereinstimmend mit freundlichen 
Vibes weiter. Dann viel Applaus. Zu meiner Überraschung kamen nach dem Schlussapplaus spontan einige (wohl) Normalos, die meisten grauhaarigen Auch-SeniorenInnen, die anerkennend bestätigten, dass ich ihnen aus dem Herzen gesprochen hätte..

Man könne doch vieles verstehen, ändern, reflektieren…es müsse ja nicht alles sein wie in den 50er Jahren..Es wird ja heute viel, sehr viel, beschrieben, aber vermutlich ist es das, was noch nicht beschrieben wurde, tüpft.

Mit der amoniakalen Hirn-Fäulnis meiner über 75 Jahre kann ich das natürlich als menschlich-sensitiv-einfühlend-zuhörend-achtsam abbuchen. Hochjubeln. (Ein Blitzen momentanlang aus den hintersten Augenhöhlen, ein wie spitzbübisches Wohlsein kam schon auf.)

Aber doch: es machte mich nachdenklich. Eher Peinlich-Berührtsein wäre angebracht. Ein Knorz mit dem dritten Geschlecht haben wir schon.

Weil unter unsereiner niemand so ganz ernsthaft das Problem bewegend findet. Und ja eine gewisse Onkelhaftigkeit hab’ ich da schon. (es ist ja auch leicht, wenn es einem nicht so betrifft…)

Wie betäubt oder sediert nimmt unsere Alterskohorte noch dies wahr? Ist ja auch leicht den guten Onkel auszustrahlen (betrifft ja einen nicht so stark…) Ist schon stark sich  selbst locker-liberal zu sehen.
Auf Schiffskreuzfahrten begegnet man dem  ja weniger. Und aus meinen eigenen Umfeld weiss ich: Ranzige Witze über Geschlechter sind immer noch bingo.

Der Weltalltag wird auch immer etwas unübersichtlicher, diverser.

Guat, man weiss  auch, dass ein Perpetuieren des jugendlichen Ichs einen zum Esel werden lassen würde. Also so Heyho-ich-bin-doch-jung

Unsere Alterskategorie scheint sich aber nicht unbedingt mit nonbinär zu befrieden.

Ist ja auch nicht leicht, etwas das man nicht so kennt, einfach zu akzeptieren.

Da werden die einen grantig , die anderen aggressiv wie Gaga-Glarner.

Wie ranzig denken wir eigentlich? Man kommt schnell ins Altmännerhafte. Guat, man sagt, ein Mann der mehr als einen schlüpfrigen Witz pro Monat erzählt, ist senil…Peinlichpeinlich.Aber mitten in Zürich  einfach so zusammengeschlagen zu werden? Weil man anders ist.

Szenenwechsel: In der Garderobe meines Fitnessclubs in Chur war kürzlich ein junger Chinese, gut gebaut, eher androgyn, sich sehr feminin bewegend: Und der zog sich einfach um für eine Cycling-Stunde.

Eine gewisse Beklommenheit kam auf. Die Männer (zwischen 5o und 80 im Schnittt) wussten nicht so recht…

 

Wo gehört der/die hin? Die Raumgeräusche sanken um einige Dezibel. Alles etwas benommen. Und einer, der sonst seine Witze locker los wird, reagierte mit komischen Blick zu mir. Raunte dann: „ Was ist mit dem los?“ Da wurde es auch mir etwas peinlich.

Der mittelalterliche Kantonspolizist, der immer ruhig sein Training macht, ihn offenbar kannte, packte es dann: „ Jo, dä isch aifach schwul.“ – Sonst noch was? Macht doch nicht so einen Aufwand.

Trösten kann man sich (kann man doch stolz sein) diese Inkommensurabilität die prinzipielle Unvergleichbarkeit grundlegend unterschiedlicher Existenzweisen zu registrieren, sagt der Soziologe.

Nobinär: Das ist wahrscheinlich wie so ein Rohrschachtest. Man sieht sich die an. Und versucht zu verstehen. Versteht dann nicht alles. Aber doch immer etwas mehr..

Heute vielleicht noch der vielleicht scheiternde Versuch etwas verstehen zu wollen.

Ein anderes Theater: Gewohnt, wenn ich Freunde am Stamm treffe, (alles Männer) die ich nun etwa 60 Jahre lang kenne, wundere ich mich nicht über alle Formen von Bass-Schmettern, Schallen, Glucksen, Blöd-aus-der-Wäsche-schauen, oder gar inneres Schenkelklopfen bei manchen sexistischen Sprüchen…Von Aussenseitern wird diese Testosteron-Zusammenballung wohl als eine unausgelastete Fröhlichkeit von Senioren wahrgenommen. Nicht schlimm.

 

Am Stammtisch kann man leicht erkennen, wer  Thomas Mann kennt. Oder mindestens Dürrenmat. Oder gar Foster Wallace. Aber vor allem wer bei Gurt-Krimis stehengeblieben. Nicht so in dieser Situation. Man kann nicht einordnen. Auch nicht schlimm.

In der Literatur hört man: Schwul reicht sowieso nicht, weil cis-normativ, Trans ist gut, irgendetwas Neues, was die Leute nicht checken so nonbinär agender fluid, sowas brauchts. Für mich eine Art Realwerdung endzeitlicher Szenarien des Buch-Marketings (also nicht die erotische Orientierung, eher die TikTokisierung.)

Schlimmer aber, wenn man einfach so authentisch vom Gegenüber hört, dass er deshalb (also ES-halb)zusammengeschlagen…und wie.

Genug: eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich mit dem ER/SIE/ES noch nicht so ganz zu Gange komme. Es wird vielleicht besser . Und meinen Stammtisch kann ich ja nicht unbedingt als geriatrisches Veränderungs-Labor missbrauchen. Krachendes Lachen erzeugt das nicht. Eher Peinlich-Berührtsein, weil sich niemand auf die Schenkel klopft. Weil wohl so gestandene Schweizer Senioren wie ich –wie Pittbulls– die eigene Angst riechen.

Solange sie dann nicht beissen, isch scho guat.

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Die Sünnali-Analüse

Ich fürchte immer mehr, dass ich in Wahrheit zu dumm bin, um zu merken, dass ich gar keine Probleme habe…wie ist das dann erst mit den SVP-Sünnalianbetern?

Wir sind ja eine Nation, die sich in ihrer Kleinheit gemütlich macht. Guatso. Mit Fondue, Neutralität, Souveranität und Röschti (also nicht dem Bundesrat, aber auch…) kann man doch gut dahinvegetieren.

Lieber diese beschissene Gemütlichkeit. Genug zu futtern, warme Stube, Ruhe.

Konservative Vollpfosten, die jede Veränderung ablehnen sind ja auch sonst im Kommen. Die Höckes, die Trumps, die Orbans und einige SVPler.

 

Wenn wir nur recht rechts-schweizerisch an die erfundene Vergangenheit denken, geht sie uns nicht verloren.. gell, Bingo. Oder Martullo.

 

Ich frage mich immer mehr, ob es vielleicht einen Bereich gibt, in dem Bodenhaftung in Verblödung kippt. Aber Kipppunkte sehen die sowieso nicht. Was soll den Klimaschutz, wenn man selber genug zu fressen hat…Was sollen den fremde Gerichte, fremde Vögte, wenn man doch weiss, dass man immer recht hat…(Den Schweizer Seniorinnen sei dank, dass man auch darüber nachdenken kann.)

 

Damit es uns gut geht, muss es anderen schlecht gehen.

Neu haben sie etwas gegen das Impfen (jaa, pickt jaaa). Oder die 10 Millionen Schweiz als Alternativlosigkeit…Das haben die echten Schweizer erfunden wie Ricola.

Mit den Millionen gehen sie auch um, wie in der Lotto-Werbung. Der Ex-Finanzminister der meist „kei Luscht“ hatte, verwechselte fast wollüstig in Abstimmungsvorlagen einige Finanzzahlen…irrtümlich.

 

Dabei forcieren sie das Backup-Territorium für irgendwelche Fluchtgelder, Fluchthäuser, für Fluchtpsychopathen mit viel Geld…Damit sie durch ihre Sicherschweiz kurven können wie in einem Goldfischglas..

 

Sie wurschteln mit diesem pseudopopulären Querulantismus gemacht von Schlauen für Dumme. Gute Verkehrungen als Propaganda und Machttechnik. So entsteht eine Kultur,  in der alles immer gleichzeitig beides sein kann. Gleichzeitig wahr und falsch. Wie die Lügen-Kampagne gegen das Stromgesetz.

 

Sie fliegen halt auf das Märchen der Schönpolierten, der Glitzer-Schweiz. Als Schand-Fleck im landschaftlichen Dekor sehen sie eigentlich nur das linksgrünversiffte Zürich, vielleicht auch noch das pharmaweissparanoide Basel.

Ihre Kliffhänger sind im wörtlichen Sinne die Selbsternährungsstrategie  (also die der internationalen Konzerne), die Remigration (also die der Ausländer, die raus sollen) und die nichtkontrollierbare Woke-Küche. (Also nicht die asiatische.)

Aha, das Problem sind doch nicht wir. Die Zuger und Genfer Rohstoffhändler sind doch Normalos. So wie … die Normalität, mit der wir den Kongo u.a. ausbeuten…

Und wie Kinder, die etwas nachäffen, das sie nicht begreifen, begreifen sie dann auch den Nicht-Klimaschutz.

(Der Matter ist doch Top-Oekonom-Banker, also hat er recht. “ Einer von uns muss schliesslich Geld verdienen.“ Die anderen beziehen ja nur Landwirtschafts-Subventionen.)

 

Guat, weiss man ja, seit Bourdieux: Je geringer die Unterschiede innerhalb einer Gruppe, desto tiefer werden sie empfunden. Die Schweiz tief demokratisch, hat demokratielogischerweise nur kleine Differenzen. Die werden dann manipuliert.

Sie haben die angeborene Dörfler-Furcht in ein solides neokapitalistisches Stadt-Format gebracht. Jede Mehrdeutigkeit macht die ja nervös, so wie bei Nemo (woke und nichtbinär). Kompatible Neurosen wie die oder alternative Bedeutungsuniversen sind gefährlich.

Ja, weil, wenn man nie Zug fährt, hat man am Zugerberg Angst vor dem Dichtestress.

 

Sie können wohl nicht mehr Komplexität aushalten. Sie lösen unsere Probleme nicht, sie wollen uns an sie gewöhnen. Ihre Bauernstrategien sind schlau. Irgendetwas machen und dann schauen ob’s wächst. Diese Bauernschlauheit der Enthirnten, ein Relikt der Vergangenheit? Kaum.

Nicht unbedingt: Die wissen ja sehr gut, ein Stück Schweizer Land müsste man sein, ist immer mehr wert. Weil man  damit sehr viel Geld allein durchs blosse Existieren verdienen kann, man könnte das Atmen darauf in Rechnung stellen. Und sie verstehen es gut, sich so darzustellen als ob sie nie als Schmetterling gelebt hätten, immer nur als Raupe.

 

Motto: Immer mal wieder „LIEBER DAGEGEN“. Das Oszillieren zwischen Morgarten und Brüssel. Lieber dagegen. Die EU ist die Teufelsbrücke für ihre umfassende Weltwahrnehmung. Die Schwyzer wissen ja vom Steuervermeiden: die haben gute Buchhalter und gute Märchen zum Erzählen, schummeln gehört dazu.

Meine Güte. Bitte verzeihen Sie die Abschweifung, die Unterbrechung.
Da sieht man augenfällig was 200 Jahre fossil-neogierige Wirtschafts-Überflusssteigerung alles hinterlassen hat.

Sie widmen sich eher den Symbolen der Habgier als der Traditionsgemeinschaft. (War aber wohl nicht immerso im Muotathal.)

 

Sie wollen die Schweiz ja nicht mit einer Kugel töten, eher peu a peu mit dem Traktor in hauchdünne Furchen schneiden. Um am Schlusse alles zu ernten. Zusammen mit Putin, dem geliebten Führer Köppels. Der weiss ja immer die falschen Sätze auswendig, wie die AFD-Weibel: „Die SVP Schweiz ist unser programmatisches Vorbild“.

Wie in der Muppetschow: Der Aeschi mit seinem Sure-Schtei, immer nur Mundwinkel unten. Das Gesicht leer wie eine ausgeplünderte Registrierkasse.

Mit im Bunde: Der (profitierende) weisse Ritter mit seiner unendlichen Zweckkette des Armen-Bauer-Narrativs. Dies mit hochweinerlicher Patientenstimme und Selbstbestätigungsgeilheit und einer jeden Widerspruch unterbindenden Bure-Biederkeit. Das bringts wahrscheinlich schon auf dem Lande: Keine fremden Vögte.

Eben heimalig und warme Stube, und gnuag z’ässa.

Eben: sicher in der Komfortzone bleiben. Und Landfrauenküche und Ländler. Darum darf man doch Nitrat und Pestizide in den ausgelaugten Boden einbringen, und dann merken, dass man auch noch umkippende Gewässer zu reinigen hat.

 

Das Blocher-Gen ist zwar aktuell eh irgendwie alt und flüchtig wie Kohlensäure. Trotz seiner beachtenswerten Lebensüberlänge. Ihm folgen ein Heer von abgewrackten Möchteimmernochgerns. Momol, Nachwuchs haben sie immer noch genug. Viele Junge wollen mitfuttern an dieser Steigerungslogik. Alle mit denselben Hallunzinationsproblemen.

Man spürt doch noch des alten Blochers Vibes in den Ruinen. Und erst seine Tochter. Was ist in so einem wulstigen, aufgeblasenen Doppelkinn wohl drin? Genügt wohl um Cheftyp, Chefgebaren, Chefgesicht mit Chef-Suit zu faken. Ab und zu höchstens etwas enttäuschte Hängebacken. Aber der BMI korreliert mit den Milliardenkontis.

Kurzum: eine feine Frau, die mit dem Besteck der autoritären Überzeugungskraft für Bündner Dorfmunis absolut attraktiv daherkommt.

GR wählt sie auch. (Alles irgendwie überhaupt noch nicht Next Level.)

Die Emserin hats zwar eher mit den Chinesen, händelet gerne mit ihnen. Einmal um den Reis schleimen- einmal um den Pudding ist wie einmal um die Welt. (Einfach – ohne Menschenrechte).

Sie wirken  geistig so wie ein zernagtes, muffiges, durchfeuchtet wirkendes Altgebäude mit Renovierungsstau. OK, das Romantische, sprich Verfallene, Kaputte, Vermoderte wird einfach mit peinlich-lustigen Heimatschlagern übertont. Seelenfängerhymnen. Ein schwer säuerlicher-ranziger Geruch bleibt in der Luft. Heimatgefühl wie eine künstliche Aufback-Pizza. (Jetz hämar d’Anal-üsa!)

 

Gross proleten genügt. Alles haarklein lügen, Kleinklein-Denken, andere kitzeklein machen–genügt. Und dann reden sie noch immer grossspurig in der bei ihnen beliebtesten Zeitfom:

Dem Stussquamperfekt.

 

 

 

 

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Gefragt: ein Neuaus-MISTER

Manche Populisten meinen, Politiker seien stark überschätzt. Unsere nicht.  In vorauseilender Zusammenarbeit mit den Behörden widme ich deshalb diesen Blog den Churer-Wahlen vom Juni 24.

Nüt für unguat, dieser Wahl-Porn turnt mich schon an. In meiner Heimatstadt Chur ist Behördenwahl. Und zwar die wichtigste: Exekutive, Stadtpräsident und zwei Stadträte.

 

OK. Befindlichkeit. Das Vorwort.

Mir kommts vor, als befände sich die Stadt in einer gläsernen Schneekugel, in der ab und zu etwas aufwirbelt, aber sonst nichts nennenswertes geschieht…

…(die neue Brambrüeschbahn kommt eh erst in etwa vier Jahren– und die Stadtarchitektin würden wir ja eh nicht brauchen?).

Eigentlich ist es ja so, wie wenn man in der Migros-Vitrine zwischen abgelaufenem Mohrenkopf und abgelaufenem Erdbeertörtli  wählen kann.

 

Das ist die Nuance, die über diesen Wahl-Porn entscheidet. Von dieser Patisserie wird man ja auch nicht wirklich satt. – Diese durchaus erregungsfreie Choice im präelektoralen Schwebe-Zustand ist vergleichbar mit dem Fruchtwasserfrieden vor unser Geburt. Also alles in Tiefenentspannung.

Erheiternde weitere Deutungsvorschläge stehen  Dir da absolut offen.
Und Vulgärdiskurse wie an meinem Seniorenstamm sind dann doch meist etwas einseitig.

Normalerweise präsentiert die FDP den Big-Manatschment-Blender. Das sind wir gewohnt vom  bisherigen Stapi. Weiss nicht ob auch der Nachfolger, Meuli ? (Ich mag ihn, aber kommt bei der FDP je etwas guates.?)

Marti, hat es ja mit seinen Journalisten-Freunden, der chronischen Südostschweiz-Begleitstaffel geschafft, dass niemand bemerkt hat, dass er eigentlich nur der etwas unbeholfene Hüsli-Dealer mit Buchhalter-Image ist, Mindestens nicht-bluff-affine Gruppen habens längst bemerkt. Eben, er mischalt halt dies und das.( Nur der Journi Durband spuckt ihm ab und zu in den Brei…)

Und am Ende wars ein Politiker-Leben. Mit einer Aura wie angelaufenes Altgold.

„So sad“ würde Trump sagen. Und Hemingway würde nach dem Abgang des Stapis schreiben: „Nichts geschah. Der Fisch schwamm einfach davon und der alte Mann bewegte ihn keinen Zoll nach oben.“ – Das ist  alles so natürlich wie der Lauf der Plessur, die ja unten in Chur auch stark begradigt wurde.

Manchmal kommts mir so vor, als würden wir darüber abstimmen, das schwächste Schaf die Herde hüten zu lassen. (Immer noch besser als wenn der Wolf das tut.)

 

Damit wären wir bei der Volchspartei- Guat, ich lebe ja nach dem Prinzip: Lebe so, dass die SVP was dagegen hättte. Die von dieser Partei Vorgeschlagenen zähle ich immer seeehr subjektiv zu den abgeschlagenen. Also nicht erwähnenswert, mindestens deren Assets.

 

 

Die jetzigen Amtsinhaber mit ihrer bleiernen Biederkeit, Ausführlichkeit  und ihren schamlosen Wiederholungen scheinen gesetzt. Der Ambitus der Töne lässt sich auf einer Skala zwischen überhöhtem Seufzen und Anmache-Brüllen anordnen.

Der geheime Wunsch: Unsere Leader müssten aussehen wie ein bisschen Clooney mit einem Schuss Andrea Zogg…oder wie Cate Blanchett mit einem Schuss Heidi. (Guat, wir wären ja jede(r) Einzelne besser geeignet als Bundesrat?)

 

In der Skala der Harmlosigkeit liegt er ganz vorn: Patrick Degiacomi. Eine SP-Aufheiterung in rot, ist aber auch nicht das gelbe vom Ei. Er trabt wieder an, so wie er dem Stapi nachgetrabt ist. Hat wohl in dessen  Fahrwasser recht überkomplexe Abläufe mit unterkomplexen Problemlösungen bevorteilt.

Oft geht das so wie die typische Lüge unsere Zeit: im Fall eines Druckverlustes würden Sauerstoffmasken von der Kabinendecke fallen. Das proleten sie auch meist. Merkt ja niemand, oder erst wenn’s zu spät- wir Schweizer sind ja auch eine Schlaf- und Beruhigungsmittel-Nation.

 

Und dann haben wir (endlich) auch eine Frau. Maissen  aus der Mitte. Stapi-Nachfolgerin? Die bewegt sich leider auch wie ihre Vor-Männer, bei Personalentscheiden, bei Quartierplanungsmischleten. Solange sich Leute finden, die bereit sind das Nichtmanagment als Management zu bewundern, ist für den Fortgang des Spiels gesorgt.

Weil es den Menschen irgendwann zu blöd ist, in Schafsdärmen nach Anzeichen für den Verlauf der Zukunft zu wühlen…hat man jetzt so Planungsmodule wie die Open-Quartier-Zukunfts-Workshops. Chur West. So als Demokratie-Mäntali, die dann dazu dienen den undurchsichtigen Immobilienspekulanten eine Grundlage für ihre Deals mit der Stadt zu liefern.

Diese Kassen-Mentalität bruucht ja auch immer ein Mäntali.

 

Guat, es braucht ja auch eine politische Nahrungskette. Und die hoffen sie nun am Leben zu erhalten.

 

Wir Normalos blicken dann oft auf zum Unbegreiflichen. Man macht sich hinreichend klar, wie schnell Menschen bereit sind, das Wirken höherer Mächte anzuerkennen, sobald wir etwas nicht tschecken.

 

Wie in der Kulturpolitik Churs. Dort wurstelt am obersten Zipfel der Nahrungsverteilung seit Jahren ein verhinderter Jurist mit Autospenglerbetrieb. Und so wie bei den Spenglern kommts dann auch raus. Vieles wird geradegebogen.

Meist kommt dann so seltene Dummheiten raus, so wie man seltene Erden sagt, oder „Big Air“, oder ein Pseudo-Wettbewerb für den Arcas, wo dann seltene Nichtentscheide (oder heisst das Nicht-Ernstscheide?) entscheiden.

Resultat: Gernegrosse, zurechtgequetschte Kultur-Schmalspur für Chur.

 

(Höre ich jetz die Bildungsbürgr schon die Nase rümpfen?)

Triviale Unanständigkeit (nehmen wir mal an, diese Immo-Deals)  oder gewöhnliche Dummheit (wie die sogenannte Wirtschaftsförderung des sogenannten Wirtschaftsförderers) erkennt jeder doch auf der Stelle. Man fällt sein Urteil dementsprechend. Doch wenn sich die Dummheit, die Sauerei,  im Rahmen eines Systems der Bedeutsamkeit als Beitrag zur Fortsetzung der Governance präsentieren, liegt Resignation in der Luft. Oder einfach Gleichgültigkeit.

 

 

Guat, es ist März. Die akkurat choreographierte Zudringlichkeit der vorgeschlagenen Adoranten geht ihrem Höhepunkt entgegen.

 

Ein Akt der kollektiven, kognitiven Notwehr drängt sich auf: Simon Gredig.

 

Weil wir selber merken, dass alle den gleichen Stuss reklamieren, (aber etwas anderes meinen) könnten wir ihn doch wählen.

Gradlinig, offen, guter Typ, jung genug um diesen Schmäh nicht mitzumachen.

 

Anstand und feste Schuhe heisst es bei uns in GR… In seinem Falle sind es Bike Schuhe. Passt zu Chur. Und dass er nachhaltig denkt, hat er bewiesen.

 

Wir könnten ihn zum Neuaufmischler, Neuaus-MISTER

befördern…

 

Mindestens die Glaskugel etwas schütteln könnten wir schon, es muss ja dann nicht unbedingt im Juni schneien. Für’s Big Air im November wären wir dann schon froh.

 

 

 

 

 

 

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Singsation

Wenn man am Montag noch so ein Chorlied vor sich hinsummt, im Streaming die Songs nochmals sucht, die Namen der neuen Chöre im Netz googelt. – Dann ist das Schweizer Chorwettbewerb. Anfangs Februar in Chur. Viele begeisterte Sängerinnen und Zuschauer. Nur in Chur hat’s niemand so richtig bemerkt…obwohl doch auf allen Plakaten und Panels „Singstadt Chur“ stand. (Die SO Media hat’s auch sehr bewusst unter der Nebelgrenze gehalten, schliesslich war RTR der Mediensponsor)

Als Nichtsänger hab’ ich den ersten Schweizer Chorwettbewerb intensiv miterlebt, so um die 20 Chöre gehört. (Ich singe immer noch wie eine Nachtigall mit Zahnschmerzen.– Hätte vielleicht rechtzeitig Gesangsuntericht nehmen sollen…)

Feinsinnigkeiten gibts ja in Chur meist eher im Theater. FeinSINGigkeiten diesmal at it’s best.

In den Kirchen, in der Postremise und ja auch im Theater Chur.

Miterlebt wie einige Hundert Schweizer zusammen „la sera sper il lag„ sangen. Freude, Flow, Flavio. Bundi heisst er, der RTR Chefredaktor, der total gekonnt und locker einen souveränen Finalnachmittag moderierte. Multilingual und zehnmal entspannter als meine verkrampfte Boomer-Generation in komischen Kravatten: OK-Präsident, Kulturregierungsrat, und Kulturstadtrat auch auf der Bühne am Schluss – (Das gute Lied vom Fremdschämen gibts’ glaubi nit.) Dieses Alt-Backen-Trallala. Nix fröhlich schwingender Sopran. Gesichter wie bei einem inneren Rammsteinkonzert.

Das hatte ja fast etwas Religiöses, was die Stadt Chur da zelebrierte, veranstaltete, verunstaltete. Zuerst war die Vertreibung und dann haben sie das Paradies erfunden. Zuerst wollte Stapi Marti nichts wissen von so einem nichtwertschöpfenden Konzept „Singstadt-was?: „ Bringt nichts“, so sein vor Jahren offensichtliches Abknallen. Man vertrieb die Chöre samt ihr Chorcenter vom Arcas. „Das Konzept“ sagte er mir persönlich vor etwa drei Jahren, das sei so „eine selfulfilling prophecy, wishful thinking“. (…wahrscheinlich ein Begriff aus der Immo-Dealer Branche?)

Da hätte man am Liebsten rechtzeitig Abgesangsunterricht genommen.

Sie sagen zwar, dass man auf der Jagd immer gegen den Wind arbeitet. Sie sind dann ja alle Jäger, wenn sie gewählt werden wollen. Aber manchmal muss man gegen den Wind singen, den Wind nicht mehr im Rücken haben. Das sagten sich auch die Churer Chöre mit Christian Klucker, Heinz Girschweiler, Gian Reto Trepp …….sie würgten sich einige Jahre gegen den Wind. Und dann kam der so typisch politische Beflissenheits- und Rechtfertigungswettbewerb der Stadtbehörde „ miar sind doch alle Sänger..“ Als wollten sie die Partituren bekehren…

 

Und im Februar 2024. Beieindruckend auf welch hohem Niveau. Heidiheidahalloaahwiaguat. Bunischem. Guat, mit Liedern kann man vielleicht auch die Puderschicht von der Realitätsoberfläche der Churer Kulturpolitikblase blasen. Chur-Chor. Ein groooooser Chor?

 

„Reverse snobbery“ nennt man das – Man kann sich natürlich auch wie das Bildungsbürger-Establishment Distinktion erkaufen durch die Origen-Zuckerbäcker-Religion. – Oder wie  an diesem Weekend, eben umgekehrt snobistisch, auch einfach hören was so kommt, kreuz und quer Chanzuns, Canzoni, Chansons und lauter schöne Lieder hören…triviales bis erhabenes.

 Laudate bis Guggisberglied. Bach bis le vieux chalet. Ein Erweckungserlebnis, man war singing high.

 

Bei mir eine Vorkehrung gegen den Altersstarrsinn.. (der kann ja auch bei Chören…)

 

Ich bin ja so ein Turnveteran- war also in meiner Jugend an X Turnfesten, wir sind am „Schweizerischen“ im Handstand hinter den Trams gelaufen und haben an mancher gut besoffenen Ansammlung von studierten Reckturnern mitgegrölt. So war die Stimmung auch in Chur. Nur ohne Handstand und ohne Alkohol. Aifach Tschent.

(Aufgeräumt haben die Bündner eh. Incantanti, Consonus, Ligia Grischa….gratulesch. Und unsere Tochter, beim HeartKhor Zürich, auch ein Bündner Destillat, die haben sogar unerwartet abgeräumt. Kat A1 mischedads, 1.Rang – me proud, superbgia)

 

 

Wenn ich jetzt Churer Normalos frage, was dann so churereignisreich gewesen anfangs Februar: Nur Zögern. Man weiss nicht. Ich sag dann, ihr habt was verpasst.

Oder wie singt doch Patent Ochsner: „warum söttemir öppis vermisse, wo mer nie hei khaa.“

 

 

 

 

 

 

 

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die neue Romana

Es gibt dank Sloterdijk eine lebenswerte Illusion: Solange dir die Sprache nicht abhanden kommt, bleibst du am Leben.

Davon handelt irgendwie auch die neue RTR-Serie „l’ultim rumantsch“. Gut gemacht. Bunischem. Regie, Cast, Bild und Cut sehr guat und zeitgemäss. Skript: nicht einfach zu puzzlen, Deutschschweizer und Romanen-Publikum . Es muss den Spagat zwischen Neander-Rätier-Landfrauen-Küche-ZuschauerIn und einigermassen urbanen Media-Konsumierenden schaffen, Nichtfisch und Nichtvogel, Nicht-Romane, Nicht-Bündner und Züzis. (Übrigens: das ist keine Filmkritik…)

Die Jugend verliert ja zunehmend die Sprache, sie filmen sich lieber..sagt man. In diesem Falle gelungen.

Da gibts alles. Bündner Media-Bisiness, Enttäuschungserfahrung, Grenzsituationen, kleine Liebesgeschichte, Durchbruchsphantasien, so wie die Sprache das selbst erlebt…

Als Antagonist, Gegenpart, Metafigur spielen mit: die GR-Slow-Politik, Gewerbler, Stillsteh-Lobbys und Redaktionsstuben –  der Hafen der glänzenden Mittelmässigkeit,

Dieser Film ist für mich auch ein kleiner Übergangshelfer zu neuem Sprach-Mitgefühl. Hoffentlich. (Als Churerdeutschsprechender Bündner, eher so in der Wolke des Nichtdazugehörens, der mit Ach und Krach mal etwas „puter“ lernte, habe ich vieles dazu gelernt..) Zum Beispiel, dass es eine neue Generation von Romanen gibt, die sich in der Welt bewegen können. Auch in der Filmwelt.

(Vor 10 Jahren hatte ich noch mit guten Drehbuch-Autoren Skripts für SRG-Filme mitgeschrieben…mit dem losen Abgangsgefühl dass sich auch in Züri nicht so schnell was ändert…damals…}

Die Post-CVP-Hohlräume in der Surselva haben sich ja auch gemausert, und sind u.a. angedeutet.

Nebst den GR-Medien ist der vordergründige Plot eine Münstertaler-Tourismus-Immobilie – im Spannungsfeld Tourismus, Investitionen und Umweltverlust.

 

Guat, im Film sind alle Monde voll, sagt man sprichwörtlich. Auch in der Serie musste man zwecks Besser-„capito“ einige Stereotypien und Klischees unterbringen. – Aber sie sind Mehrfach-Botschaften: Zuzulassen, dass man sich selbst immer wieder mal abhanden kommt..umherzuirren, verschwinden wie die Sprache.

Die Kauderromanisch parfümierten Dialoge – konsequent multilingual wie im richtigen Leben – sind überraschend nicht so Schweizer-Film-holprig und meist gerade noch erträglich.

Der Münstertaler-Jauer-Heuduft ruft Ferienstimmung auf, was man auch schätzen darf. Sogar die RHb mit ihrem Zugfenster-Programm macht eine positive Falle.

Und als Bündner mit der Langsamkeit des Fortschritts vertraut, staunt man über den Cast. Die agile Jungschauspielerin (Annina Hunziker)…

…als ManaderIN (sagt man das so?) der „Posta“ verändert sich während den Folgen eloquent, auch im Look + Outfit. „Simplaimaing briglianta“ meint die richtige „Posta Ladina“/Engadiner Post– …stimmt.

 

Die Geschichte ist auch nicht ohne. Keine One-Trick-Ponys, alles ist im Fluss. Wie die Zungen. Die mischeln in allen Idiomen wie auch die angedeuteten GR-Mischlokraten aus Baumeisterverband, ranziger Politik und Bisines ihr Fett weg kriegen…und siehe da auch die “Dormabains“, die kleingeistig, nichtinformierten Leser der „Bündner Zeitung“.

Die Story zwar fiktiv die Themen sehr real. Der Plot macht eine erstaunliche Gratwanderung zwischen Media-Realität und Fiktion. (..doch immerhin filmt die RTR bei der SO–. Ein Zeichen gemeinsamer Werte? )

 

Der FDP-Liberalismus im Churer-Modus kommt auch zum Zuge. Dezent: Die Unterleibskühle der Schachmatt-Verlegerfamilie. (Fast zu stereotyp…Dass die nicht direkt benannt werden, ist fast zu dezent. ) Die SO (Dort ,wo man von der Businessclass träumt und am Bodenpersonal spaaaart) verliert schliesslich nicht fiktiv ihr Schlechtinformationsmonopol.

Das neu-provinzielle-industriekubistische Dekor im Medienhaus in der Sommeraustrasse in Chur stimmt, und trägt auch einiges zur guten Flow-Stimmung bei.

 

Als weiterer Gegenpart treten die Innenräume der fiktiven Posta“(der ranzigen romanischen Gazette) mit Geweih (ich sag extra nicht A-Geweih), von der Fäulnis eingeholt, mit dem leicht brackigen Geruch der alten Kasernenstrasse-Location und der alten Print-Redaktion.

Und vieles ist erstaunlich so wie im richtigen Lebrument-Narrativ. Und doch nicht, man schwenkt plötzlich die Geschichte.

…Der (fiktive) Dominator im Hintergrund ist Sursilvan und Sprachverfechter, und nicht Appenzeller.– Und bald tot; schon am Anfang. Nicht aber die Sprachkämpfe.

Und dass diese Generation viele Hufeisen für tote Pferde geschmiedet hat, wird so langsam ersichtlich..

Brecht meinte mit der Brecht-Schläue, die von ihm gerne Angesprochenen Nachgeborenen sollten eines Tages etwas zum Auswendiglernen haben…Hier gibts nicht mehr allzu neue Romanisch-Stereotypien auswendig zu lernen. Hier kann man neu mitleben.

Die Seelen-Kurven im Plot sind Aufsteller. Ebenso die Konvivialität von Menschen und Sprachen.

Und das Romanische hat plötzlich keine Aufmerksamkeitsstörungen mehr. Das Finale feelgood, „The End“ ist eine filmische Verheissung für die vierte Landessprache.

Die Realwerdung endzeitlicher Sprachszenarien ist mindesten verschoben…Ich habe den Eindruck so etwas wie ein Knistern in meinem Kopf wahrzunehmen…die bleiben am Leben.

 

 

 

 

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Die schneeweisse Ordnung

In einer Zeit, in der man von den Dingen schon längst oder gar nicht mehr erwartet, dass sie unbedingt richtig sind oder ordentlich überdacht, ist Ordnung wichtig…

Das Leben ruckelt ja sonst schon wie eine hektische Computermaus umher. Also muss Ordnung her.

Ordnung halten ist systemrelevant. Wenn die Welt nicht in Ordnung wird, dann muss die Ordnung Welt werden. Mindestens in meinem Quartier. Dem Lürlibad in Chur.Es gibt wichtigere Dinge als immer nur Klima. Dort  zum Beispiel Schneeräumen.

Und das mit hochtourigen Topverbrennern: Diesel-Baumaschinen…und Hunderte von Churern schaufeln Schnee… aber wieviele kümmern sich ums Klima? Eben.

(Glückliches Land, aus dem es momentan nichts Schlimmeres als die Schneeschaufler-Verhunzung zu beschreiben gibt, kannst du jetzt sagen…) Joo, wir haben uns ja auf die Nichtlösung scheinbar dringender Probleme wie den Klimaschutz geeinigt.

So ein Hauch von Glücksgefühl mindestens in niedriger Dosierung erlebt man jedesmal nach einem Schneefall in meinem Quartier. Wenn es nicht so kalt wäre, stiege so ein Geruch von Ordnung in den Himmel. Sie schaufeln sich als Selbstbegeisterer die ganze Unbill der Welt aus den Herzen. Und das mit grenzenloser Selbstzufriedenheit. Sie wollen sich nicht damit abfinden müssen, im Unvollkommenen zu leben und im Nichts zu vergehen.

Ähnlich der geistlosen Glücklichkeit der Passagier auf Kreuzfahrtschiffen schippert man am Morgen den Schnee weg – eine perfekt durchgetaktetes Ideal.

Sie wollen schliesslich nicht plötzlich in so einem Schmalspur-Strössli wohnen und ihre Nicht-Stehengebliebenheit auch sofort mit dem SUV-Einsatz wieder beweisen können. Und man weiss: ja jedes Gefühl von Ohnmacht, Handlungs- und Kontrollverlust führt zu Aggression.

Die Lürlibader, die gesamtmehrheitlich pekuniärer etwas obenaufschwingen, wie die Fettaugen im Potaufeu sind gute Schnee-Entsorger. Das Leben ist eben hart dort oben – in der Egosphäre.

Eine Schnee-Schaufel kann man halten, wie ein Ross oder einen Porsche. (Für mich wär’s zwar manchmal besser den Mund zu halten). Aber so ein Gemeinschaftswerk aller Beteiligten nobilitiert auch unser Trauma. Und die fleischschweren Wolken aus denen sich der Segen über dem Selig-Schaufler entlädt, rechtfertigen dies.

Ordentliche Quartiere sind auf ihre eigene Art ordentlich, alle unordentlichen Quartiere gleichen einander. Das hätte auch ein russischer Romanklassiker so beschrieben.

Es sind keine böswillige Kontroll-Freaks wie die Königin der Macht in der „Zauberflöte“. Ganz normale Ordos. Und sie stehen wahrscheinlich für die akzeptierte Mehrheit. Also gegen die amtierenden Lethargokraten.

In „Animal Farm“ bekommen die Schweine die Milch und die Äpfel, im „Report der Magd“ bekommt die Elite die fruchtbaren Frauen und wir bekommen die passenden Häuser und Wege zum schneeschippen.

Schneeschleuder. So eine Maschine ist ja ein Garant wie ein Airbag, als Image-Garant für Erworbenes, Vernunft und Weitblick. Dokumentiert den beschleunigten sozialen Aufstieg..

Geht der Schnee weg? Eigentlich sowieso, wenn man lange genug wartet. Schneeräumen in Chur funktioniert, glaubs, so wie ein Putzroboter, der immer und immer wieder gegen dasselbe Stuhlbein fährt…eine Symbolik für unsere ausgeglichene Demokratie.

Doch tagesaktuell ist es dann wie immer demokratisch: den einen zu wenig, den anderen zu viel.

Bei den einen steigt der Blutdruck, weil jetzt no a biz Iiis auf der Strasse, iiii, bei den anderen weil sie endlich auch noch mit ihren teuren Baumaschinen im Winter etwas verdienen können.…ich will damit aber nicht die Vergeblichkeit allen Strebens symbolisieren – bewahre.

Also Ordnung ist, wenn wirklich jedes Objekt am genau dem einen Platz ist, der sein Platz ist. Das heisst der Makrozustand Ordnung braucht genau den Mikrozustand „schneefrei“…sonst befindet sich das ganze Quartier im Makrozustand Unordnung… und das ist nicht nur bei Schneewehen, Unkrautpflänzchen oder Hunden, Kindern und Velofahrern so.

Das Geheimnis ist Nicht-Hinschauen, Augen zu und durch, dann geht das schon. Da ist sowieso Achtsamkeit, Meditation, Grenzsituation und Enttäuschungserfahrung – bei dieser Kälte – und Verbindung mit der Natur mit inbegriffen….das wird alles sympathisch wahrgenommen.

Um es sich in der Illusion von Ordnung gemütlich zu machen. Also gemütlich, wie man es sich in Illusionen eben machen kann…(darum haben wir in Chur auch so ein ordentlich organisiertes Big-Air-Schnee-Event..schon im Oktober)

Es gibt keine Zustandsänderung, deren einziges Ergebnis die Übertragung von Wärme von einem Körper niederer auf einen Körper höherer Temperatur ist. Das ist Entropie oder auch soziale Thermodynamik. So ist in meinem Quartier, mit den Bewohnern von höherer Geldtemperatur auch nicht eine soziale Übertragung auf das Schneeprekariat im unteren Stadtteil zu erwarten. Wir haben mehr vom beidem. Soviel ist klar. Geld und Schnee.

Auch der fortwährende Vergleichsdruck kann so natürlich egalisierend abgebaut werden. Wer vergleicht schon das Schnee-Schaufelmodell in diesen Kreisen.

Für Menschen höherer Ordnung gibt es nämlich Makrozustände und Mikrozustände. Makro-Management und Mikromanagement. Die einen tendieren dann dazu ih Mikromanagement (also überall etwas reinfucken- oder sagt man reinfunken?) für Makromanagement zu halten (also wirklich die grossen Dinge zu beherrschen). Die werden dann Politiker. Und sind dann auch für’s demokratischausgeglichene Schneeräumen ganzstädtisch verantwortlich.

Die Lösung ist nämlich die: Wenn die Welt nicht in Ordnung wird, dann muss der Schnee geordnet beseitigt werden. Wichtig ist: Die La-vita-e-bella- Kontrolllampe sollte halt immer auf Grün stehen. Auch wenn’s schneeweiss schneit.

 

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Spinner

Ich bin ja so ein Komma-Spinner. Siehe oben. Also einer der in Gym-Hallen zu Musik tramplet. Und noch Spass dazu hat. Bis fast zum Komma.

Was für ein Liebreiz? – Könnten Wölfe lachen (das können sie jetzt aber nicht mehr so viel bei uns), würden sie sich in die Krallen kichern. Soviel unnatürliches, so weit weg von der Natur, soviel künstliches. Da kann man doch auch im Fürstenwald spazieren. Das meinen auch meine Kollegen.

Das meinen  meine Spinner-Kollegen nicht. Spinnerinnen und Spinner. Cycling nennt man das Ding etwas modischer.   Wenn wir im Takt auf dem Rad bouncen und rhythmen, wippen und schaukeln, sind wir eins. Ob die 20 jährige Churer-Audabi-Influenza (ohne SVP Sünnali über dem Arschgeweih) oder der 65 jährige, teigige Silberrücken (Tatto-los). Das ist unsere gemeinsame Art zu altern ohne zu altern. Sogar der Tinitus schreit dann manchmal zufrieden ob des harmonisch-akkordreichen, lauten Sound-Getümels…

Das trifft dann zu für recycelte Politiker, für Zu-Alt-Manager ohne Gravitationsfeld, auch für Wechseljahrschwabbelnde..

Mit neuem Elan, zerflederte Ichs, die wieder strahlen…Die einen mit fleckiger und pergamenter Haut, plastinierten Alt-Glatzen und andere mit mehr oder weniger nur noch moralischem Stützapparat. Die anderen knackig-jung oder einfach Teens, die auch mal die Sau rauslassen wollen. Aber alle machen diesen ochsnersporthaften Veitstanz, mal a-rhythmisch, und teilweise spastisch mit. Wir Alten, sportverkleidete Jugendliche, mit der jungtravoltahaften Gestik des alten Durchschnittsboomers dürfen dabei sein. – Ja, man muss auch gönnen können.

Wenn Leute ihr rühriges Zusammensein performen…geht das dann halt fast bis zur Ballermann-Blödigkeit. Wenn dann 30 Nichtsänger mitgrölen: „ Hu de fock is ÄLIS¿“- so frei flottierender Schwachsinn ist ja lockernd. Die Welt ist eh nicht von allein kohärent. Es braucht schon Massen-Akkorde ala Tina Turner,  Stones oder Bligg um uns Generationen zu verbinden…

Es riecht nach Turnhalle, Covid, Wädlischmieri und Eau de Schport..

Und wenn die Alten lange genug über Schlankheitskuren, neue Knies und E-Bikes geredet hatten, clicken sie sich dann in die Clicks, hocken sie dann auf den Sattel.

Solche Dinge geben dem Leben eben einen Halt. – Heute  ziehe ich eh meine Bein-Kraft aus den Dissonanzen der Menschen um mich. Wir zelebrieren so das balsamische Lebensgefühl der Helene Fischers oder der Stubete Gäng, natürlich meist atemlos am Schlusse. So arbeitet die Zeit wie ein gut funktionierendes Elektromotörli mit dem nötigen Drehmoment.

 

Und was natürlich das Geheimnis dieses Sportes ist: man MUSS NICHT  performen. Niemand weiss wieviel Widerstand du eingestellt hast….
cardiocrashiges, bewegungsreiches Vollversagen inklusive.

Auch die sonstigen übelsten Ranglistenfüller, Säcke, auch die allerschwächsten, die totalen Blindgänger sind am Schlusse genau gleich weit. Eine Lebenserfahrung, die wohl am  meisten wir Alten schätzen. Dieses dumme Gefühl ein ganzes Leben verschwendet zu haben, geht da in einer Stunde verloren…

 

Da wird man dann ein anderer Mensch- basierend auf demselben seelischen Chassis. Wobei das reale Chassis natürlich bei den meisten gewinnt. Ich habe Damen beobachtet, die dank dieser Aussicht und der verlorenen Kilos wieder Aussicht auf einen späteren Geliebten haben wollten.

Während der Nackenspeck meiner testosteronen Alterskategorie oft immerhin etwas sportlicher wird. Hartnäckiger Bauchschwabbel schwabbelt wenigstens im Takt…ja sie sehen dann so glücklich aus wie die Golfer, die lebenslang einen  Diesel gefahren sind, und jetzt im Tesla die Knöpfe für den Aschenbecher suchen.

Wohin nur könnte ich hinab-hinaus-voranflüchten? Fragte sich auch schon Odyseus. Wahrscheinlich auch  Napoleon (wieder aktuell )  auf dem Rückzug aus Russland. Dort entstand das Schweizer-Beresinalied. „Jeder hat auf seine Weise etwas, das ihm Kummer macht. “ Mindesten der Kummerspeck.

Darum weiss ichs. Spinnen muss man. Und wie schon Bob Marley selig am Schlusse sagte:

„Manche Leute spüren den Schweiss. Andere werden nur nass.“

Oderso. Das macht den Unterschied.

Die Radleropas, meine Szene, schauen sich dann die Omasgegenrechts mal  richtig an, nicht nur politisch…das Links-Rechts-Schema outet sich ja kaum im Outfits. Eher in Bike-Marken, von Scott bis Cube… Jede Form von Marken-Eskapismus ist erlaubt. (In Klammer: in der Schweiz gibt’s eh bald mehr Hochleistungstraktoren als Bauern. Wieso sollen wir uns nicht als menschliche Hochleistungstraktoren positionieren und traktieren?)

 

Und man kann erst noch dauernd in die Luft gucken. Guat, für Alt-ADHSler. Keine Unfallgefahr. Wir kurbeln dann 60 Minuten wie Bienen, produzieren aber keinen Honig. Und ich schwöre Euch, man fühlt sich anschliessend wie früher die Mammuts, Wollnashörner, Säbelzahntiger und Riesengürteltiere. Nur dass wir nicht aussterben.

Das grosse Nirgendwo – ein geräuschloses Vakuum der Nullität, der Orkus des Nichts? …Nai, eher ein berauschter Flow in der inneren Wiese. Das carpe momentum– wir geniessen die Flow-Minuten mit unseren Cycling- Coaches Ursina, Chrigis, Kuck und Gemma.–  Und keine gähnende Leere wie im Altersheim:

 

Aber wie sagte schon Seethaler: „Man sollte sich lieber dem Schwachsinn nähern, als der Verbitterung.“ Verknorzter werden wir auf jeden Fall nicht.

 

Bis jetzt sind die Hochs auf jeden Fall höher als die Tiefs tief sind. Und das mach’ ich seit 25 Jahren.

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hot air

Das Leben ist vergänglich wie die Kopfhaare (habe ich mal als Glatzenträger gelernt). Ist doch tröstlich. Irgendwo zwischen Altersmilde, Abwenden und Ballflachhalten…habe ich mir angewöhnt nicht alles ernst zu nehmen. Ich bin bloss nicht gut darin. So ist das auch mit den Churer Big Air. Grosse Luft. Viel warme Luft.

Arme Luft. Wenn man im Oktober bei über über 24 Grad Celsius Schnee macht…oder machen muss. Da werden umweltteure Vergemütlichungen zu tollen Wir- sind-auch-modern-Events hochgejazzt. Diese Spassversilberer mit Steuergeldern denken gottseidank halt auch an die Kompensation von Deklassierungsgefühlen der Churer.

Guat, Nichts gegen das professionelle Line-up der vielen guten Musiker. Diesen Anlass brauchts in Chur. Das Glücklichsein der Churer mit Kunstschneee zu befreien und im vorderen Hirnbereich zu installieren war das Ziel. Eine Meisterleistung.

Nur könnte man das zwischen Mai und sogar Oktober mit weniger als 300 Tonnen Stahl und viel weniger Energieauwand…vor allem wenn ohne Schnee-Event.

Einen World-Cup im Tiefseetauchen macht man ja auch nicht auf dem Anapurna.

Guat, man muss sich halt an der Endzeit orientieren. Wissen wir doch von Ski-Abfahrts-Reportagen. In einem Geist von Endspiel-Ökonomie wurde das wohl von einer verzweifelten Stadtregierung als toll-tolle Brot-und-Ablenkungs-Spielen an einer Volksabstimmung verkauft. Und so wie Leute grinsen, die nicht wissen, was sie tun sollen, haben die Churer JA gestimmt.

Wir sind doch sportlich und grosszügig. Und eigentlich möchte man nur  von tollen Sportevents erzählen mit strahlend guter Laune und einer Menge, die rockt…

Ja, Ragettli mag ich auch. Aber die grosse Schanze mit Schnee im Oktober bei 24 Grad? Kann man im Januar in Laax mit bedeutend weniger Umweltversauung. Auch die geltenden Massstäbe für ertragsversprechende Veranstaltungen muss man ja nicht mit hochdefizitären Anlässen schreddern. Das ganze kostet ja ca. eine halbe Million Defizit. Und diesen Anlass gab’s schon (von einem Churer organisiert vor Jahren in Zürich). Bis es dort Defizite gab. Die hat man dann nach Chur transferiert (mit neuen Gläubigern).

„Überstülpung“ heisst das (Lieblingswort von Linard Bardill. Abr guat, der trällert Kinderlieder). Aber ein Stadtrat, der wie so ein entwicklungsverzögertes Lama so ein Event sucht, der unsere mikrigen 500 Betten auslasten soll…der kommt dann auf solche stupende Glückskonzepte, die einzelne auch als Fortschritt verkaufen, und andere als Glücksversuche sehen.

Das grosse teure Nichts. Für sie ist das Nonplusultra. Mit drängendem Weddingplaner-Lächeln wurde uns das verkauft.

Und viele sehen das bodypositiv. Wenn sie nach dem Schanzenkoloss blicken, und sich, vermute ich, kolossal finden.

Ein glitzender, schanzenhochhäusiger, schneeillusionierender , summender, leuchtender Kosmos. Was für einen Äther aus keimfreiem Positivismus sorgt, den wir inhalieren dürfen…

Auch die Wertschöpfungsprofessoren, eine Ansammlung von fpd-geprüften Kaffesatzlesern bestätigen den enormen Wertschöpfungseffekt in der Churer Wirtschaft. Der Unbedenklichkeitsvermerk der städtischen Gemeinderates zum Schutz des städtisch angerosteten Images wurde auch eingeholt. Und das Nachhaltigkeitskonzept gibt’s auch, einfach ohne greenwashing alert.

Unser Stapi, eher ein Mann mit Aufklebersprüchen, hat sich da tüchtig aufgeklebt.

Vor lauter Drang etwas anderes zu sein, hat er seine Self-Therapie gleich der Stadt verschrieben.

Und wen kümmert’s, meine Sehrverehrten, kostet uns ja nichts direkt. Die Eintrittspreise sind normal. Und, meine sehrverehrten Steuerzahler, so eine halbe Kiste ist bei uns ja nichts…

„Aber Herr Doktor, wenn einem die Natur kommt…“, sagt Büchners Woyzeck. Die Natur kommt ja bei uns sonst nicht zu kurz. Die Klimaschutz-Vergegenwärtigung können wir mal beiseite lassen. In Chur muss  man vieles nicht richtig machen.

Und niemand merkt’s. Semiheil genügt, und ein paar tolle Songs dazu erst recht. Das Weltbild ist da wohl irgendwie Welt-Abziehbild.

Und schu, Herr Dokter, stimmt, vom Cabriofahren bekommen Sie Bindehautentzündung, vom velofahren Hodenhochstand…vom Big-Air bestenfalls Ohrenweh, und etwas Budgetnotstand. Obwohl auch Schuppenflechte und Knieweh viel Platz einnehmen in den Gedanken meiner Alters-Mitbürger.

Das sollten wir doch den Jungchurern gönnen.Auch wenn wir uns danach wie eine kolossale Giraffe mit kolossalem Halsweh fühlen.

Dabei wollten sie uns zu aufgekratzteren Zeiten führen.

 

Und wie ein junger Churer einem geschenkten Gaul ins Füttli schaunen? Eruptive Gefühlsbehauptungen mit etwas Wortgeklingel erzielen josowieso mehr Aufmerksamkeit als Komplexität, weiss der Stadtrat. Der gilt eh als zuverlässiger Lieferant solch kultureller Plattitüden.

Irgendwann muss man sich als Stadt entscheiden: Steinbock oder Kuh? Kühe denken, dass die Steinböcke (unser Wappentier) schon ein gutes Image haben, immer so gute Rollen im TV bekommen. Und Kühe können eh nur wiederkäuen. Mit diesen Fantastillionen-Projekten kann man doch gut unsere Defizite regenerieren. Oder wiedergekäut: Ist doch wohl nicht schwierig, das um eine halbe Kiste runterzudimmen..

Und überhaupt: man kann das differenzierter sehen. Des einen Glücksgefühl ist des anderen Ohrenweh.

Das ist wie wenn man bei Übergewicht von Untergrösse redet.

Immer eine Frage der Sicht. Und von der hohen Schanze aus sieht’s vielleicht so aus wie wie ein Hund, der auf den Hinterbeinen läuft. Er schafft’s immerhin. Es gelingt nicht gut, aber man wundert sich es überhaupt zu sehen. Da kann man sich dann schon an der Glatze kratzen.

 

 

 

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Buab odar Maitli?

Ich muss ja jetzt nicht unbedingt dreissig sein, oder Städter, oder queer…ich bin alt, nicht so ländlich und ein Macho. Binäres Denken wurde mir beigebracht; zuerst in der Nicolai-Schule in Chur, wo der Herr Lehrer Fontana in den 50er Jahren manchmal mit lockerer Hand uns die Herrschaftsverhältnisse reinohrfeigte. Poppa hatte ich keine zum spielen. OK. Und im Sekschulhaus Quader waren die Mädchen schliesslich auch im anderen Block versorgt.

Will sagen mit so eine verzerrten Wahrnehmung haben wir gelernt umzugehen. – Mein etwas einfältiger Gebirgsinfanterie-Mayor Palmy, im Engadin, der mein Assessment in den 70er Jahren vornehmlich nach meinem inkorrekten Bergschuh-Bändel  vornahm, hat mir im 2022 (zufällig an einem Energievortrag hinter mir sitzend) ziemlich wüascht eingeflüstertgetrichtert, dass es ja eigentlich nur die Atomkraft gäbe zu unserer Rettung. Also dann nach der Wasserkraft, der kann eben binär denken.

 

Inzwischen haben wir gelernt, wie vieles sich doch vielschichtig erklären lässt. Techno verkam von der soundtechnischen sperrig-widerständigen Subkultur zum global vermarktbaren Ufftata. Und vieles mehr…

Und viele ideologischen Ideale haben sich vermixt. Auch Trump spekulierte auf „Moskau einfach“.

 

Auch wenn ich in diesen Tagen in der NZZ lese, dass die bisherige Intendanz des Schauspielhauses…“ die dem Schauspielhaus eine strikte Woke-Kur verschrieb…am breiten Publikum vorbei intendierte..“ Der hat sein Wissen wahrscheinlich von den SVP-FDP-Stadtparlamentariern. Jo, heutzutage muss man auch nicht unbedingt mal als Journalist im Pfauen gewesen sein. – das darf man natürlich schon schreiben in der NZZ, die vor allem den monokapitalistischen Reibach als Einzigphilosophie breitschlägt.

 

Wer schreibt den sowas? Jemand der Welt in Gegensätze einteilt, Rechts und Links, Frau und Mann, Fossil und Erneuerbar, Mensch und Natur – und vor allem Geld und Keingeld. Von einem Journalisten erwarte ich eigentlich das er einen grösseren Background hat. Guat, das Unterkomplexe liegt nahe und verschafft Übersicht. Vor allem für diese Klientel.

Arme Denke, wenn Du soviel Ordnung brauchst, wie sie mein Herr Major so dringend brauchte, um seine Herrschaftsverhältnisse klarzustellen: Gegensatzpaare festschreiben, Rot und Blau, Männli und Frauali. Ordnig begründet und trägt das Patriarchat, gell ihr Sünnali.

Daher die wütende Angst vor dem Nonbinären.

Es sind nicht nur die, auch das, was sich dem Entweder-oder entzieht oder einen Raum zwischen entweder und oder in Anspruch nimmt. Das Konzept des Nonbinären ließe sich aber auch für andere Bereiche der gesellschaftlichen Debatte und der politischen Praxis nutzbar machen. Es kann Auswege eröffnen aus der Sackgasse des Boss-Denkens. Zum Beispiel im Klimaschutz. Ja, das wechselt, wir sind leider nicht die Scheffes unserer Natur.

Nicht nur in den Geschlechterverhältnissen also gibts da ein emanzipatorisches Potenzial: „Stünde, im Umgang mit der Erderhitzung der Erhalt der (Bio-)Diversität im Fokus, statt dass ‚unsere Lebensweise‘ in einem zerstörerischen Gegensatz zur Bewahrung unserer Lebensgrundlagen verharrt, wäre die Klimakatastrophe noch gut abzuwenden.“ (Ebmeyer)

 

Die Angst der grillenden Männer, dass sie gegrillt werden ist eben hoch.

 

Jetzt projiziert man diese Angst auf diese Zeichelchen…Gendersternli undso (die zwar von feministischer Seite völlig überkandidelt gefordert werden). Damit da Ordnung in der Sprache ist. So neue Pünktchen…so –Innen. Und dann dieser Wirrwarr ob Er-Sie-Es.

Guat, ich kann mich und Ueli Maurer mit Oscar Wilde trösten. Die einfachen Dinge sind der letzte Trost komplizierter Menschen. Ueli Maurer will kein „ES“.

Und ihr solltet wissen, dass das Normale nur ein klitzekleines Loch in der Realität ist, in der nur wenige von uns überstehen.

Das Normale ist nämlich nie so konzipiert, dass es einfach oder einladend ist wie eine Coop-Grillade.

 

Darum fürchten die sich auch, wenn 10 Schweizer Soldaten gen Mekka beten. Habt Acht, ich bete für eure Verwirrung, dass ihr nicht auf den Boden liegen müsst, wenn Euer Herrschafts-Prinzip mit der Geschlechter-Binarität am Boden liegen müsste.

Dabei könntet ihr doch die Helden einer Netflix-Serie sein, die friedlich ein neutrales Pot-au-feu in der Gamelle kochen, während eure ausgedienten Panzer im Rest des Films mit ukrainischen Freiheitskämpfern Europa rettet.

Da die Russkis aber noch nicht über den Burggraben und auch noch nicht im äussersten Verteidigungsring von Bern sind (dafür haben wir ja Köppel), solltet ihr euer fettes Siedfleisch weiter köcheln lassen. Das hält den filmischen Spannungsbogen aufrecht. – Auch die Sowjetunion ging an zu viel Ordnung unter…

Dazu müssten wir aber die Beklemmung in euren Angstgesichtern mit einer Gesichtsbehandlung wegretouchieren, gell Herr Cassis. Männer wie er, sind zu bestaunende Unglücksfälle. Manche Menschen machen keinen Slapstick. Sie sind Slapstick.

 

Angstmissbrauch wurde doch ein akzeptables Politikerhobby seit Trump. Solltet ihr doch beherrschen. – Guat, ihr müsst ja nicht Wolf sein. Die Entschlossenheitssignale könntet ihr eher dem Rotkäppchen abgucken.

Diesen Drangsalierunterton den wir noch in den 70er Jahren im Schweizer Militärdienst geniessen konnten, diese heute zackige SVP- Intonation…genügt ja immer noch (ja, ihr seid zu viele, und die falschen).

Die Schweiz braucht halt einen Twist wie man heute sagt.

(also ähm, jetzt nicht der Twist, der Tanz aus den 60ern, ihr Oldies). Oder vielleicht braucht euer Hirn einfach mal einen Entrümpelungsplan.

 

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z Tanti

Am Ende der Geschichte ist nichts mehr richtig, aber alles wahr, schreibt die Schriftstellerin Judith Hermann in ihren Erinnerungen und Poetikvorlesungen. (Hab‘ ich aus der NZZ.)

Meine alte Tante, sie weiss noch viel. Einerseits präzise wirtschaftliche Informationen, immer noch ausgezeichnete Kultur- und Feuilleton-Artikel (die etwas regressiv). Aber Aunti ist schon etwas wirre, behauptend und obsessiv, zwar noch beweglich aber schon recht tattrig… Andererseits eben das rechtsabgegriffene überkommene Bashing-Vokabular einiger talentloser, klischeeverhafter liberal-pseudoelitistischer SchreiberlInnen.

All das wird immer wieder aufs Neue variierend nachjustiert. Headlines wie „Grüner Kommunismus“ prangen 24 Punkt fett. Der fatale Ständeratsrückzug bei der SVP-FDP Flüchtlingspolitik nennt sich „Fehlstart bei Baume-Schneider“. Und die Krankenkassenprämienverbilligung soll für Kinder aus reichem Haus sein, für die auch die Kulturangebote finanziert werden, meint der NZZ-Ultra-Kolumnist Gerhard Schwarz.

Ich lese die Zeitung seit der HSG-Zeit, schon über 50 Jahren. Sehe mich seit einigen Jahren als steigernd dauermanipuliertes Verärgerungsgsopfer. Eine seltsame Verpeiltheit im Umgang mit Wende-Situationen, mit Unwägbarkeiten…kommt mir oft vor wie die etwas verstaubten Boomer-Manager-Swiss Style. Guat, das ist deren Markenkern.

OK, kann man so machen…nur die „Umkleidung des Immergleichen“ (laut Adorno) nervt immer mehr. Das geht vielleicht marketingmässig knapp auf. Man kämpft als Verlag, man braucht auch mehr Abos in Deutschland – bei CSU, FDP- und AFD (ein Alice Weidel-Pressebild, NZZ lesend ging kürzlich um…).

Kommerz ist auch Dialog, lieber Herr Guyer. Eure formelhaften Phrasen für die absteigenden Economie-Suisse Granden, die absteigenden CH-Banker, die Aufsätzli des Altbundesrates Villiger, Eure Sätzchen aus dem Wörterbuch der liberalen Gemeinplätze aus den 30ern, die Umwelt- und Atomstrom-Kolumnen sind immer nur etwas einseitig gelähmt.

Eure unverdaute Welt der Goldküsten-SUV gegen die Bellevue-Velorowdies erlebt eine Überkonzentration von sehr viel bereits verdautem. Das lässt sich wahrscheinlich auch von Hauseigentümer- und Gewerbeverbändlern und Zünftern widerstandslos…schönlesen. Das geht vielleicht rein wie eine cremig-sanftes Sprüngli Praline. Über die tumben Gutwetter-Sozialisten lästern ist doch Position.Auch das Bedürfnis solche Lesenden zu bedienen, die, wenn sie schon überhaupt eine Zeitung lesen, dann auch das Gefühl haben wollen, an Wirtschafts-Hochkultur teilzunehmen. OK.

 

Weil man sich als Leserin sowohl über die begriffsstutzige, nichtgewinnorientierte Normalwelt erheben als auch sich über die linke Verschrobenheit und Weltfremdheit amüsieren könnte? Doppelcodierung ist zwar in heutzutage in, nur hat das nichts mehr mit Objektivität, mehr mit anbiedernder Abgeschmacktheit zu tun.

Das hat doch so eine hochbrisante Wertigkeit für so dick-tolle Bürger und Bildungsbürger. Die mit dem Querflötenunterricht in der Pubertät.

Ein gutes Relevanzangebot für die klassischen Luxus-Boomer Haltung

Ü 70 wie ich?

Guat, eure Bürger-bedeutungsschwangere Verschlingbarkeit basiert auf Reizwörtern wie liberal, bürgerlich

und endet mit längst totgerittenen neo-nzzigen Bedeutsamkeitsritualen – EIGENVERANTWORTUNG!

Das Dümmste darin ist, das hypen der „unsichtbaren Hand“. Wonach der Einzelne, indem er auf dem Markte seine egoistischen Ziele verfolgt, automatisch auch das Gemeinwohl steigert. Wie  der deutsche Finanzminister (Nichtökonom), rumposaunt, auch punkto Fossil-Beschränkungen und Klimaschutz..

Über soviel Ideologie-Scheisse würde auch der berühmte Joseph Schumpeter (Ökonom) frozeln „ da habe eine Zeitung die Grenze selbst des Fassungsvermögen der dümmsten Leser überschritten.“ (Siehe, den alten Spruch habe ich wenigstens auch aus der NZZ…) Aber darum geht es ja nicht, es geht um Gewinnerhaltung bei Kohleförderung, Atomkraftwerke und Rohstoff-Händler.

 

Dazu die negative Wendung in das Sentenziöse: das ist Sozialismus, das ist staatsverbreitend, auch wenn es nur um AHV-Beiträge geht. Tönt ab und zu wie Tschechows Gewehr:

Wenn am Anfang ein (bürgerliches) Gewehr an der Wand hängt, so die Regel, muss es am Ende auch abgefeuert werden.

Immer und immer wieder. Regulierungsflut und Steuerentlastung.

Kommt gut an bei Eurem besorgten Immobilien-und-Autobahn-Publikum… Anders als in im Auto-Hochpreis-Segment wo hohe Preise durch eine etwas tiefere Zahl kaufkräftiger Zahler erzielt werden können, bedeutet Erfolg im Verlagsbusiness hohe Abo-Zahl. Die muss man erst mal erreichen.

„Tangga, ich scanne nicht, ich will ihren Arbeitsplatz erhalten“, sagte ich gestern zu der Kassiererin, Prättigauerdialekt, an der COOP-Kasse. – „Sammeln Sie Extra-Superpunkte?“ war die etwas gutgemeinte Antwort. So ist das wahrscheinlich bei der NZZ; etwas verzweifelt sammeln sie, verstehe ich.

Heute kann man Identitäten verhandeln. (Wir-sind-doch-liberal-nicht-rechts.)

Das weiss der Guyer, weissdergeier, wahrscheinlich nur zu guat.

(Der musste in seiner Jugend ja auch ohne Diversität auskommen). Heute kann man auch viele Switch-Artikel platzieren. Heute mal fürs Velo, morgen für die AFD. Morgen mal für den deutschen FDP-Technologiefrei-Scheiss, heute doch wieder gegen die Velofahrer am Bellevue.

So wie bei Brechts Ballade „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration, in der ein Zöllner dafür sorgt, dass die Lehre des Laotse der Nachwelt überliefert wird, Da sorgt unser alte Tante immer noch, dass die Märchen-Lehre des schottischen Moralphilosophen Adam Smith altliberalengerecht, aber grundfalsch klischeegerecht (und vor allem FDP-tauglich) vorgelesen werden.

Apropos gelähmt: Die glauben wohl bei dieser Zeitung, dass das wie bei der neuesten Forschung zu Querschnittsgelähmten sei.(Das ist ja auch einem medizinischen Schweizer Forschungsteam unter Henri Lorach gelungen.) Aber kann man das jetzt auf eine Zeitung extrapolieren?

Die Hauptfrage: Wird das Gehirn mittels solcher Implantate zur Kommandozentrale, deren Befehle der Körper unabhängig von seiner sinnlichen Empfindungsfähigkeit befolgt?

Bei der NZZ, glaube ich, schon. Immer mehr glauben diesem auf deep gemachten Bedeutungspol. Es geht um liberale Gefälligkeitsartikel und vor allem um Negativfolien gegen alles, das die Gierigen stoppen könnte.

Guat, das Beste daran ist, dass sie uns immer mehr lernen, dass unsere Tante mit den symbolischen Hoheitssymbolen etwas Übriggebliebenes hat.

Liberalensprech als Krankheitssymbol.

Die Luft ist halt schon dünner geworden. Punkto Umwelt, punkto Wirtschaft.

Man kann ja auch die Luft anhalten im Cabrio am Bellevue bis man dann endlich an der Goldküste wieder tief atmen kann.

 

Kann man aber nicht ewig…Dreipünktchen Verunsicherung. Vielleicht nur auf dem Weg zum Hospiz.

 

 

 

 

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As langt für Khur

Kürzlich waren wir an einer Vernissage einer Freundin in der Churer Stadtgalerie. Dolores Rupa präsentierte „Shelter– eine Begegnung“, Fotokunst der besonderen Art: sehr sehenswert. (Nai, Kunst ist diesmal nicht das Thema)

Endlich wurde ich mal öffentlich in einem Speech zitiert, die Fotografin quotete einen meiner Dauersprüche seit 30 Jahren…“AS LANGT FÜR CHUR.“ Am Anfang war das Wort, nicht bös gemeint, ich war der Meinung, dass man wohl manches in meiner Heimatstadt besser nicht allzu perfekt mache, besser etwas subperfekt oder unterkomplex. Damit’s die Churer auch verstehen. Alles meist leichter verständlich und hat so gar keinen Anspruch auf mehr zu wollen.

Stimmt natürlich nicht immer. Stolz war ich doch auch auf unser Khur diese Woche. An der Eishockey WM wurde der zweite Sturm der Schweizer Hockey-Nationalmannschaft vorgestellt: der Bündner Sturm….mit Niederreiter, Corvi, Ambühl, dazu Goalie Mayer…auch Khurer. (Buehli zwar Davoser)

Und doch gibt’s da schon ein Paradoxon Chur. Im Sport sind wir ja teilweise Weltklasse, von Schurter bis Niederreiter. In anderen Dingen wie Kultur und Politik fühlt man sich und tut dann auch so. Das kann man auch kulinarisch meinen, oder einfach auf khurarisch mitlachen…schliesslich nehmen sich nicht ganz alle in unserer Stadt auch so ernst.

Die Grauzone aus dem seldwyligen einen und dem megalomanischen,

dem mit paradiesischem Tremolo vorgetragenen Marketing-Bullshit. –Diese Sphäre ist ja so grossartig in unserer grossartigen Stadt.

Chur hat ja sowieso kraft gewisser Verhandlungen, mit vielleicht einer höheren Macht, sowie der Historie und der Natur eine ganz besondere Genehmigung bezüglich seiner Vorzüge und seiner Freizeit-Assets erhalten…vielleicht unter der Voraussetzung, dass es sich dann punkto Stadtpolitik auch immer etwas über den Verhältnissen lebend, so grosskotzed gebärde…(das zeigt sich dann auch wieder umgekehrt proportional zu den Logiernächten…)

Wenn man gar nichts mehr weiss, fängt man an zu glauben. Das gehört sich sicher bei einer Bischofsstadt. Das kennen wir aus der Religion. So gesehen sind die Churer Wähler sehr religiös.

Guat, wahrscheinlich hat Gott am achten Tag nach der Schöpfung

beim Anblick von Chur, sich auch gesagt: “…das langt jetzt einige Milliarden Jahre“,

und bei den IT-Entwicklern unseres Bus-Abos muss das auch so gewesen sein…

Jo guat, jeder von uns erreicht einen gewissen Grad seiner Möglichkeiten um sich dann nicht mehr weiter zu entwickeln. Wie unsere Stadt und unser Stapi. Dieser hat so ein persönliches Credo „AU DABI“. Meist macht er das alles mit Grossbuchstaben. Dem scheint sich auch das neue Churer-Sportabo unterzuordnen. Das heisst nämlich auch so. Man ist jetzt dabei bei einem völlig überteuerten Abo, das niemand will.

Seinem höchstpersönlichen Auftrittswahn unterordnet unser Stapi alles, jede Event-Verlochata, von Churer-Torte bis Khultur-Häuser. Ja und eben, das erwähnte Abi entpuppte sich dann auch auch als Audabi-Rohrkrepierer.

OK, vielleicht ist das AUDABI-ABO nicht so schlecht wie die Churer-Bus-Abis, aber man beliebt dann schnell zu sagen: AS LANGT FÜR CHUR.

(nebenbei: so werden wohl auch unsere Politiker wieder gewählt…)

Hier haben ja sehr viele Sportler (mit erwähnten Ausnahmen eben), sehr sehr viel Holzwolle in den Gliedern, einige auch im Kopf als Neuronenersatz.

Die Last der Versalien schwillt ja meist im Selbstvergrösserungsversuch mancher öffentlicher Personen. Wobei allen klar zu machen, dass man ein Macher….ist schliesslich eine allgemeine Volkskrankheit. Man kann dann mit vermeintlich rationalistischem Managergetue das borniert-vernagelte Doof-Umsetzen erklären.

Jo, hemmer au – die in Chur vorhandenen – Manager-Simulanten, die mit dem importierten HSG-ismus und dem Fachhochschul-Cult. Wenn mit ernsthaftigkeitsumflorten Macher-Blick, Blendvokabeln und in einer Unfug-Power-Point-Schrottschleuse

wiederverwertete Hirnfick-Rückfälle als Innovation präsentiert werden.

 

Und meist ist dann die Beschreibung des zugehörigen Gesichtausdrucks „stadttragend-staatstragend“ noch untertrieben.

 

 

„Knapp denäbe isch au verbii– s’hät halt nit sölle sii..“ singt ja auch die nicht ganz ernstzunehmend Stubete Gäng, die züritütsch sehr erfolgreich die Zelt-Hitparaden füllt – (die Churer Hassler Buaba sind audabi und ihre Väter- audabi, gsesch…)

Und Fernando Pessoa, Ebennicht-Nobelpreisträger, dem es auch nicht für den Churer Literaturpreis reichte, fand schon vor Jahren: „ So lautet das Gesetz, demnach alle nicht erklärbaren Dinge dem Vergessen anheimfallen müssen.“ – Obwohl es Pessoa wahrscheinlich FÜR CHUR GELANGT hätte.

Guat, nicht nur Chur leidet unter akutem Musk.

In unseren behaglichen, traditionellen Stadtstuben sieht man den Punkt, wo man allas sait, was man denkt, bis zu dem anderen, wo man plötzlich nicht mehr sagt, was man denkt, nicht sehr weit ist. (das Sätzli: „AS LANGT FÜR CHUR“ ist bei mir vor 30 Jahren entstanden….heute würde ich das nie mehr sagen)

Persönlich würde ich immer wieder gerne manchen manchmal eine langen.

Alle haben ja nicht nicht die Absicht etwas schlecht zu machen…es langt aifach nit…mein Mut langt jetzt einfach nicht mehr als Pensionär denen mal eine zu langen.

„Nai, üs isch nüt uffgfalla“ sagen dann die Wähler, deren Gesichtsfurchen nicht aus Verzweiflung entstanden sind. Sondern wegen der outdoor-Qualität unserer Stadt und der Erkenntnis,

dass der zu sehende Churer Himmelsausschnitt halt klein ist, aber der Himmel, den man nicht sieht, SEHR GROSS ist. Und das langt doch bekanntlich.

Und jetzt schauten gestern die Schweizer Hockeyanern wieder mal zu im Final …knapp drnäbe isch au verbii – au dämoll hat’s nit söllen siii. Guat, as langt jetzt…mit diesen perfiden Mindficks meinerseits.

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kreiseln

 

Manchmal flirrt es mir vor den Augen, nach einem Hinbeugen, einem Irren durch Bahnhofshallen, einem Treppensteigen…ist das nur mein Boomer-Kreislauf? Oder laufen wir im Kreis?

Mein Denken kommt schon immer mehr ins Rutschen-Stolpern. Vor Dreizehnkommairgendwasmilliardenjahren ist das Universum aus dem Nichts aufgepoppt, und jetzt rudern wir wieder ins Nichts. (Nicht nur im Klimaschutz. Das lassen wir heute) Die einen zwar mit kryptonationalistischem Generositätsgestus…“wir sind neutral“ die anderen eher mit schweizerisch-nichtssagender Nullbotschaft wie Cassis bei der UNO.

Wenn nichts mehr stimmt, weil zuviel stimmt, dann ist das Schweiz.

Sie kommt mir vor so wie ein nasser Rucksack voller Selbstmitleid, voller Neidbakterien und diffusen Botschaften und Gerüchen – den Kopf immer so vage zwischen den Händen, wie bei der Bankenrettung.

Etwa so wie ein Hund, der vor lauter Apportierstöckchen nicht weiss, in welche Richtung er laufen soll. Aber vielleicht hilft da der Glauben an eine PUK: Gott ist aller Dinge mächtig und alles ist aufgezeichnet in seinem Kassabuch. Bei der CS hatte er zwar den Überblick etwas verloren.

Guat, als man Einstein fragte, wo er sterben will, meinte er:“ In der Schweiz…weil dort alles zwanzig Jahre später passiert.“ Da bleibt noch Hoffnung nach dem angesagten Klima-Crash. Auch guat: Unsere Politik läuft wie so ein modernes Flugzeug, die Tragflügel extrem auf Biegsamkeit getestet.

 

Als Bündner bin ich zwar stolz auf die Bündner Berge, wo man gerne alles hinter dem Berg hält…aber meinen Beobachtungsmuskel trainiere ich in letzter Zeit wieder etwas besser. Die Jelinek, die’s besser kann, meinte zwar:

„Die sitzen in der Schweiz nicht auf ihrem Geld, sie sitzen auf ihren Händen, damit sie nicht selbst applaudieren können, anderen aber auch nicht.“

Sie sind in eine Art Neutralitätsrausch geraten, so:“ lasst uns in Ruhe…Guat, ein Land in der Abenddämmerung alles schön, alles gut, alles rot-weiss, alles neutral…Die Aerosole sind schon da und warten eh darauf uns umzubringen…“Und die Ukrainer brauchen auch keine Waffen“. So kann man die Oldtimer Panzer behalten und bleibt neutral.

Das geschieht wechselwendend, mal mit zackiger SVP-Intonation, mal mit alllerweltsbeherrschender FDP-Eleganz. Die natürlich, selbstsicher wie ein geschasster Banker, deklamieren Eigenverantwortung– und wenn es nur für die Krawattenfarbe ist.

Am liebsten hätten sie sowieso eine Katzenklappe im Bundeshaus…damit man einfach abhauen kann,

wenn man will, aber die Türe muss offen gelassen werden…..

Wer einen Tiger reitet, kann nicht absteigen. Sagen die Chinesen. Aber sag das mal Ueli Maurer und dem chinesischen Botschafter. Der Alt Bundesrat kann nicht mehr absteigen. Hoffentlich passiert ihm das nie in einem Bordell. Ob der wusste, dass Bundesrat sein, so etwas ist, wie ein Pianist in einem Puff? (Er kann noch so hervorragend spielen, es kommt trotzdem niemand wegen der Musik.)

 

Eben – „Mind your step“, liest man in den USA vor jeder unerwarteter Stufe. das ist auch ein allgemeiner Geisteszustand. Auch in  der Schweiz.

Sie spielen Leadership. Stromfressergesetz oder sowas, poltern sie. Das rechtsverfressene Kinn (oder schreibt man recht verfressene Kinn?) von Chiesa schiebt sich gerne nach vorn, und die politischen Backenmuskeln simulieren Bizepsdimensionen. Sein Spatzen-Müli hat (hoffentlich) nicht auch noch ein Spatzen-Hirnli über sich?

Wiedermal die gleiche Kamera-Einstellung. Der Lamenti-Ritter mit der Kopfstimme zappelt auf dem Biohof. (Suventions-Ritter agiert neben Traktor wie ein Kind im Zuckerschock.) Go for the flow. So männliche, ländliche, agr-arische oder Agro-Dominanz zieht halt wieder bei den einen. Die sind Clockwork-Orange-like, wenn es darum geht, in Gruppen anzugreifen.

 

Die Macht der Mickriganten, Wütiganten, Pickiganten
Zickiganten wird nicht grösser– nur lauter.

Die Sennenhemdlis bringen es fertig sogar in einem leeren Zimmer einen Streit anzufangen. Sie gehen mit den Trychlern auch gerne im Kreis.

 

Und umgekehrt mutieren die Schweizer zu Kopfeinziehern…0.2 % der Mieten werden angefochten. Und der Hauseigentümerverband will die Mietanfechtung bekämpfen…alle im Kreisel, Beckett lässt grüssen

Das CH-Politisieren im 21.Jahrhundert funktioniert wie die Erzeugung von Gänsestopfleber – man zwingt den minderwertigen Mais rein und hält sie in überteuerten Wohnungs-Käfigen gefrässig und gefügig.

Die Kollision innerstädtischer Milieus ist ja schon lange im Gange, die NZZ holt sich täglich einen runter gegen die rotgrünen Velofahrer in Zürich. Jetzt kommen noch die innerländlichen Graben hinzu. Die schollenschweren Schwyzer SUV-Panzer-Fahrerinnen, die so tun als seien sie Hardcore-Bäuerinnen.

Guat, die SVP ist sowieso auf dem intellektuellen Level einer Ackerfurche.

Und die Landfrauenküche wird oberschichtig.

Und beim Aeschi der immer mehr wirkt wie eine halbe Portion Öpfelmuas, die dann wie ein Himbeersoufflé zusammensackt…springen die Notstromaggregate im Hirn an. Dafür macht der Albert Rösti jetzt mit: das brav-brav-Braver-Hund-Beruhigungsritual im Strombisiness wirkt.

Genauso die bestürzende Harmlosigkeit im Umgang mit dem EU-Rahmenabkommen. Der Abgang von Frau Leu diese Woche. Massgeschneidertes schweizerisches Herumirren. Fast ostasiatisch im Bemühen, Unangenehmes zu vermeiden, wurde Livia Leu vom Bundesrat mit seiner Behördenhaftigkeit hinausgeekelt.

Mit den Händen an der geistigen Hosennaht steht die abgrundtief deprimierende Kleinkäsigkeit jetzt vor der eigenen Beinstellkultur.

 

Guat, ein Lichtblicke ist der Köppel, der hat jetzt ein paar Umdrehungen zuviel im Kommandoturm. Weiss nicht mehr so recht, was oben und was unten ist, seit er irgendwie im Kreml bei den Vollhonks notgelandet ist.

Da hab ich’s dann mit den toten Hosen: „Wir werden niemals einer Meinung sein, auch wenn es nur ums Wetter geht…“ – „ abr schön isch es gsi..“ singt (leicht ironisch) die Stubete Gäng. – okay-okay, meinem Kreislauf geht’s singend merklich besser.

Ihr habt jetzt wohl nicht gehofft, dass ich im Verbund mit anderen Schwachmaten dieses Tutti-frutti-Think-Thank-Durcheinander in einer noch komplett wahnhafteren Schweizer-Weltenformel löse?

 

 

 

 

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Happyender

Ich bin ja meist ein Happyender…khunnt schu guat.

Guat, ich gehöre zur letzten Generation, der man weissmachen konnte, dass man durch harte Arbeit sozial aufsteigen kann…das sieht man dann wieder etwas anders mit silbergrauer Erfahrung und nach drei Bankenkrisen.

Im Schweizer-Parlament ist diese Woche ein Buzz zu spüren…Bankenrettung. Hoppla, ein Fehler in der Banken-Matrix vielleicht eine ungünstige Versuchsanordnung?– Ich weiss nicht so genau nach diesen Ostern, das Paradies haben wir doch noch nicht erreicht. Alle trampeln irgendwie einander auf Zehenspitzen rum. Süferli die Bankenkrise in Ordnung hämmern. Eiertütschen ist angesagt.

Intuitiv sagt mir Master Yoda: „Lernen noch viel sie müssen, alter Mann“.

Das kommunikative Banken-Cash-Grundrauschen ermüdet uns…vor allem die Banaliät des Wiedergekäuten. Die vereinigten Wannabes müssen haben Druck auf der Sprechblase. Nachösterliche Wahl-Positionierung von Boniverbot =LINKS,  bis nachhaltige Swiss-UBS = GRÜN. Und ja die SVP ist „to big to fail“…=GANZ RECHTS…

Alles eine Kakofonie, ein Polit-Schauspiel. Die Urner Ständerätin mit mundgefakter Trauermiene. (Das Bundeshaus ist immer gut für eine Tragik-Komödie, aber man müsste schon ernsthaft gut schauspielern können). Und die Finanzministerin:«Es war keine Zwangsheirat, es war eine Vernunftehe» hahaha (sda). Da kommt dann die Frau Wichtig und macht die Sache wieder richtig. Es ist ja Notrecht, (und zur Not…hat sie ja recht)

Das darf man aber als Politiker nicht zugeben. Sie möchten Christi Dornenkrone tragen ohne die Stirne zu zerkratzen. Sie möchten so dringlichst in ihre alte Komfortzone zurückkehren. „Ich weiss ja auch nicht was ihr habt, aber wir waren bis vor Ostern doch glücklich“ Die brauchen jetzt alle eine Gesichtsbehandlung oder mindestens eine Komfortmaske.

Manchmal passieren halt widerlichen Menschen widerliche Dinge. Aber ihr seid ja nicht (alle) tschuld, liebe Räte.

 

Klar, etwas schambesetzt die ganze Geschichte. Unser Parlament ist ja eine heilige Allianz zwischen Dorfvorsitzenden, Apparatschiks, einem mächtigem Lobbykartell, vornehmlich aus der Agrarwirtschaft und nationalen Politikern mit trauten Beziehungen zu halbbankrotten internationalen Banken. Sie wollen ja nichts anderes sein als gutgutgute Politiker…(und ehrlich gesagt haben wir trotzdem die beste Demokratie der Welt.)

„Auf Räuberleitern höher steigen wir“, singt der Grönemeyer.

 

Guat, die meisten ….verstehen von Wirtschaft nicht mehr als Vögel von der Ornithologie.

 

(ist von Reich Ranicki). Ist ja auch schwierig.

So gut kann man einen Kopf nicht schütteln der bis zum Hals im Arsch der internationalen Finanzwelt steckt. Und davon auch profitiert.Sie sehen sich in jenem mentalen Zustand von Karate-Typen bevor sie Ziegelsteine zertrümmern. Nur haben sie dieselbe Krankheit wie der Oberst Wrangel in Schillers „Räuber“: er hat ein Amt und keine Meinung.

Sie sehen sich wie Helden in einer Netflix-Serie. Einer der friedlich sein Neutralitäts-Fondue kocht, bevor er den Rest des Films mit ukranischen Freiheitskämpfern Europa rettet…

 

Auch okay, die finanzwissenschaftliche Grobmotorik der meisten Parlamentarier genügt halt nicht mehr. Und das Russen-Bonmot: „ a book a day keeps reality away.“ genügt da auch nicht. Shit.

 

Und wenn die Schafe Lebensregeln für Schafe neu niederschreiben, kommt meist nicht viel raus…

 

Niemand hat uns gesagt, dass diese Bankengurus eine eingebaute Haltbarkeitsbegrenzung haben…wie Ostereier. Normal warte ich da eben aufs erwartbare Happy End. Aber nix machen ist oft besser als nix erreichen.

Da taucht auch noch der für uns ganz normale Soziopath Blocher auf. Der meint, weil er viel Geld verdient hat, verstehe er etwas von Banking. Welchen Abreisskalender hast du da wohl studiert?, denkt man sich.

Seine aktuelle Erleuchtung ist wohl in einem Fernsehtestbild erschienen…in den 80er Jahren…guat, wir Schweizer Demokraten haben wenigstens eine hohe Toleranzschwelle für seine Alters-Absurditäten. Und wir und er wissen basisdemokratisch wenigstens, dass jede normale Beziehung auf Transaktionsverhältnissen basiert. Bei den Banken ist das so, und auch bei den Parlamentarier-Beziehungen zu den Medien.

 

„Niemals dürft ihr so tief sinken und den Kakao durch den man euch zieht, auch noch trinken.“

(oderso…das ist jetzt zu billig.Kästner kann man allerdings fast zu allem zitieren.)

Guat, „ein Nein ist ein Nein“ haben sie uns bei der metoo-Debatte gelehrt, und jetzt meinen sie ein Nein zu dieser Bankenrettungs-Vorlage hätte verheerende Auswirkungen. – Weiss auch nicht. Aber eben zur Not genügt Notrecht.

 

Das einzige das ich nicht offen sage, ist meine Meinung. Weil ich ja auch nicht weiss, wie man das löst…

 

Niemand hat uns gesagt, dass diese Banken-Gierus (oder sagt man Gurus?) gottseidank eine eingebaute Haltbarkeitsbegrenzung haben…wie Ostereier.

Die faulen nun mal. Nur ein Trost: eine etwas neuere CH-Grossbank hat bestimmt wieder genug Geldgierige, die sich mindestens bis nächste Ostern krisenresistent und politresilient wieder die Eier frisch färben können.

 

Wir haben die Debatte gesehen, sagen die einen, und fühlen uns ganz blöd. Wir haben die Debatte gesehen, und fühlen uns wieder ganz gut, meinen die anderen.

Also doch ein HappyEnd. Binidofroh….

 

 

 

 

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Pissonanz

Die Geschichte begann mit dem Befeuern der Welt mit tweets. UIUIUI…CS-Skandal. Und wenn man dabei etwas falsch macht, und sich einredet es sei nicht so falsch, dann nennt man das kognitive Dissonanz.

Als Kommunikations-Azubi in den 70er Jahren habe ich mir „Kognitive Dissonanz“ so eingeprägt: Mercedes Käufer schauen sich 1 bis 2 Monate nach dem Kauf ihrer Luxuslimousine (war es damals) vermehrt und sehr intensiv die Mercedes-Inserate in der NZZ an. Das wurde getestet. Die wollten also sicher sein, dass sie nichts falsch machten…

Die Selbsttäuschung beherrscht der Mensch noch sicherer als die Lüge.

Das wusste schon Dostojewski.Und jetzt haben wir diese Crédit Suisse. Bis vor kurzem sprachen die deutschen Nachrichtensprecher in ARD und ZDF noch von Kredi-T Suisse. Also das T deutsch ausgesprochen. Soviel kam die CS ja auch nicht vor in den Tagesschauen. Obwohl sie ja bereits soviele Frauds weltweit begangen hatte.

Die Selbsttäuschung beherrschen wir Schweizer schon– zwar mit ausgelaugtem Gehabe. Und wir können uns jahrelang einreden die Banker seien doch rechtschaffene Leute. Klar, gibt es die. Die Kantonalbank-Beamten aus Chur, die mit uns trainieren, gehören sicher dazu…

Nun bei uns weiss jetzt jeder etwas dazu.

Der Grundtenor „allas Kriminelli…“. Guat, Kollektivpsyche.

Auch meine. Schliesslich gehören die meisten in meinem Umfeld ja nicht zu den 0,001% die mehr wissen. – Je nach Parteizugehörigkeit und Lebenshaltung kann man dann Nuancen heraushören. Von SP-Nahtoderfahrung, SVP-FDP-Eigenverantwortungs-Beschönigungs-Gelabbere bis restmoralischem Mitte-Scheitel. Eine PUK muss her.

Die Rohner-Mühlemann-Kielholz-Dougan-undund-Mafia haben sie immer bewundert, und die Auslands-Gier-Banker immer als wilde, fremde Partygesellschaft ohne schweizerische Armeesocken angesehen. Unsere haben doch in ihrem Leben nichts weiter gewollt, als nichts weiter zu wollen als etwas mehr Cash zu bekommen. Die leben jetzt in der Stille der gutisolierten Züriberg-Villa…diese klüngelnden Reichos und giermapfenden Assis.

 

..und soeben lese ich auf meinen breaking-news „the walking death geht weiter…“

 

Als Teil einer untergehenden Welt sind sich die Schweizer aber demokratisch einig, dass die Rettung der CS wohl wieder falsch angegangen worden ist. Jetzt faltet sich der Horizont zusammen. Man sehe sich nur mal diese Keller-Sutter an, diese juristische Aufziehpuppe und der Herr Jordan mit dem (nichtverdienten, meine ich)

…eben, mit dem Image der steifen Arschgeige und diesem Geordnet-und-Gerettet-Getue.

Und diesen Biedermann-und-Brandstifter Lehmann, der mit seiner kognitiven Dissonanz (auch er hat sich eingeredet, dass sei nicht so falsch) auffiel. Aber sie wussten schon, was sie tun, diese kielholzverstrahlten Schweiz-Manager. Nur Ueli Maurers Denk-Luscht-Faulheit….

Und dann die Zahlen, die sie noch nie verstanden haben: Rettungssumme durch den Staat, 259 Millionen, und täglich kommen noch mehr dazu…das ist ja 4 mal das BIP! Staatspleite in Aussicht. Die Hosentaschen des Lebens können bodenlos sein. : Sind die von Marx besungenen „eiskalten Wasser des Kapitalismus“ auch noch ein Retro-Hit?

Ja, manchmal denkt man, es geht einem gut, und doch der Kurs der CS Aktie beweist einem das Gegenteil. Und selbst wenn man nur UBS-Aktien hat (hoho, ein Schnäppchen), also profunde Wirtschafts-Halbbildung,

…sind die Mittelstands-Wehwehchen doch schon zu Pandemie-Ängsten ausgewachsen.

Das Leben hat also doch eine Fick-dich-Version?

Jetzt verlieren die Dummen das Gefühl dumm zu sein, die Planlosen glauben einen Plan zu haben. Und die Parteien schiessen sich in Stellung wie die Himars an der Ukraine Front. Und alle sehen aus als spielten sie Statistenrollen in einem Film über die grosse Depression in den späten 20er Jahren.

 

Sie hätten gerne das Gefühl, wie wenn man grad aus dem Kino kommt, und meint der Film würde weiterlaufen, und alles würde sich um einen herum abspielen wie bisher. Der Normalitätschwund ist steigend und die Gefälligkeitsökonomie würde man gerne mit kognitiver Dissonanz als nicht so gravierend abtun.

Mein Verachtungspeicher ist fast aufgebraucht. Jetzt brauche ich dringend  meine Lesebrille beim Denken dieses Satzes.

Gleich kommen die Geigen. Wie in einem amerikanischen Film beim aufgeplusterten Rohnerschen Zürcher Filmfestival. Sogar die Champagner-Flaschen sahen damals viel zuversichtlicher aus.
Minimalkonsens: Aber es sind ja eh nur alles Flaschen.

Ein Pisco sour (schreibt man eigentlich PissCo?) und „Je ne regrette rien“ wird das beheben.

 

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Ab zur Chur

Es gibt klangliche Sehnsuchtsorte: Honolulu, Wladiwostock, Ouagadougou, Timbuktu, Prada…Chur kann es nicht sein.

Wir sind nicht lernfern oder bildungsfern, höchstens ab und zu intelligenzfern. Der ganze Nachwuchs geht doch in die Fachhochschule. Wenn ich bei Playmobil Neue-Toy-Entwickler wäre, würde ich eine Graubünden-Fachhochschule in der Schachtel anbieten: drei Labber-Professoren, eine Unmenge an kleine austauschbaren Schülerfiguren – dazu natürlich eine ausbaubare Schulschachtel mit Visions-Extension. Da kann man denn mit dem Stapi so House of Cards (so eine Landversion wo alle um sich selbst kreisen) spielen.

Eigentlich wollte ich einen Blog schreiben über

die Liebe des Churers zum Durchschnittlichen, zum Langweiligen, zur Schnitzel-Pommesfrites- Kultur, zu On-Schuhen, zum Skoda, zum Essen im Stern, zum Rötelitrinken , zum Maiensässhocken…

 

…lass es; ich muss da nicht unbedingt meine Wörterhorde in Gang bringen.

Guat, Bündner meinen, das Gehirn funktioniere in der Höhe anders als im Tal. (Funktioniert zwar am besten immer noch im Kopf, aber sag’ das mal einem Khurar.)

 

Zwinkersmiley.

Wenn wir die trivialsten und repetitivsten Aspekte dieses Lebens mit Bedeutsamkeit pflegen, wie es in unserer Monopolpresse üblich ist. Üblich bei den Churer Journalisten mit dem confirmation bias – die einfach bestehende Einschätzungen gerne bestätigen und immer die gleichen drei ranzigen, schlecht gewarteten Politiker anfragen…

 

So wie wenn im Stadttheater Verdi gespielt werden muss, also solche Musik, bei der man immer weiss, was als nächstes kommt, wenn man sozusagen im Voraus zuhören kann.

Darüber später. Denken wir doch alle.

Die Standartlethargie macht in dieser gemütlichen Ferienstadt mit tollem Umfeld auch Sinn. Jeder denkt hier eben, dass er ganz allein auf die Idee gekommen sei, einfach das Leben zu lieben. Wir sind eben nicht in so einer tektonischen Dehnungszone, schon gar nicht Deutungszone, wo alles wieder mal durchdacht, durchgerüttelt und gesiebt wird. Wir haben da jeder und jede so ein Gravitationszentrum. Mit so einem natürlichen Emotionspanzer.

Nullpermeable.

Wir merken auch nicht alles… das ist dann wie in der Truman-Show, der einzige Liri, der nicht kapiert, dass da ein grosses Ding gedreht wird. Das merken wir dann auch nach Olympia-Träumen, Big Air, Eventzentrum…Unser Flow kommt vom Mangel an Hirnflow.

 

Die Churer Mediokrität ist ein Alleinstellungsmerkmal höchster Güte. Ist doch was. Wir wählen Männer mit etwas zu grossen Egos und zu kleinem Tschoppen vorne an der Bauchwölbung. Sie mögen die im grossen Bild eher arschige Landversionen von Politikern sein, Partei-Avatare halt.

Meist etwas ranzig denkend, etwas zerzaust führend, geistig tradiert und vernachlässigt. Aber wir fühlen uns da nicht abgehängt vom Rudel, vom Schweizer Randrudel. Schliesslich kommen die Wölfe ja von unserem Calanda.

Unsere Demokratie-Manager sind vielleicht so von Durchschnitts-Coolness etwas gelähmte, mit etwas klebriger Menschelei behaftete… aber eigentlich entschuldbar: nicht nur ihre Syntax. Sie sind einfach vielleicht dreisprachig aufgewachsen.

Und nichts sieht mehr aus wie Graubünden in den Achtziger -oder Neunzigerjahren. Visuell haben wir aufgeholt. Bahnhof, Poststrasse, der Holy-Spirit der Olympia-Förderer hat uns im grossen Umfeld Biathlon-Zentren, neue Giganto-Seil-Bahnen und erst noch tolle Künstler wie Sachs beschert. Fühlt sich fucking guat an.

Man muss eben nicht mit der Faust auf den Tisch schlagen, wenn man irgendwie seine Finger überall irgendwo drin hat.

 

Ta daaah, singt einer. Mit dem tiefen Bass der Verfallsdiagnostik.

Kein no and buts, kein wenn und aber. Wir können uns – mit Ausnahmen – mit unserer Bedeutungslosigkeit, dem Maiensässlied und
diesem Stapi abfinden. Die Polit-Avatare, werden uns schon den Weg weisen. Mit Hinweisen auf die Blase ihres homogenisierten Milieus: FDP oder Linke, Clubhütte oder Golftrophy, Bürgerverein oder BikeTeam…

Die Frauen werden fülliger, die Autos werden fülliger, die Churer Kriminalromane werden dicker

und selbst die Mantras werden etwas überladenlastig: „Do bini dahei“ etwas melodramatisch, aber doch herzig. Wir geniessen eben das dahermalunsern und dahercapunsern.

Der Verlust „des sinnstiftenden Ursprungs als grundlegendes Problem der heutigen Gesellschaft“? Der fehlt uns gar nicht.

Bei dem Kriegsporn, den wir uns jeden Abend ansehen müssen, lernen wir ja auch, dass es doch vorteilhafter ist, das Churer Glück dem Elendsporn in Aleppo oder Ougadogou vorzuziehen.

Und, wenn Sie ein ironisches Lachen hören, dann ist es meins.

 

 

 

 

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Brülltheater

Letzte Woche waren wir wieder einmal im TAK- dem Theater am Kirchplatz in Schaan. Da viel Geld im Ländle kaufen die gerne grossartige Stücke ein. Diesmal ein kritikbejubelter „Volksfeind“ von Ibsen – inszeniert vom Top-Regisseur Kimming, Hannover, früher ein mehrfach prämierter Regisseur.

„Volksfeind“ ist die Geschichte eines Kur- und Heilbades, dass stark mit Giftstoffen belastet ist. Die Kurärztin, Schwester des Bürgermeisters, versucht die Öffentlichkeit für sich (und für eine Schliessung plus Neubau) zu gewinnen. Und kommt unter die Räder. Was ist jetzt die Wahrheit, Menschenleben gegen Wirtschafteinbussen? Viel Ruhestörung mit Personen-Clash.

Erinnert nicht zufällig an viele Gegebenheiten, von Deutschland bis Graubünden. An Woke-Bashing, Monopol-Medien oder überdemokratischen Zerschlissenheits-Sinn.

Das Zwickmühlegegrübel über unseren Planeten inbegriffen.

„Brandaktuell ist dieser 140 Jahre alte Stoff. Umwerfend.“ schrieben die deutschen Medien. Und das ist er auch.

Die Schauspieler und Anja Herden als Ärztin insbesondere spielten überzeugend kämpferisch, voller Lust und List, Klarheit und Überzeugungskraft und dann wieder mit Verzweiflung und äußerster Wut.

Also heftiger Applaus. – Bei mir kommt so ein déjavu-Grummeln.

Da brüllen und kreischen sich tolle Schauspieler die Seele aus dem Leib: Weltuntergang…

…macht endlich was gegen die Klimaerwärmung….und die gut aufgestimmten Lichtensteiner-Mittelschüler fanden das auch gut…(wir natürlich auch rein polit-ideologisch).

Die Cuteness des Ganzen jetzt abzugurgeln genügt nicht. Klar, die Welt rast im Schnellvorlauf in die Scheisse. Wer noch keine Partei hat, kauft sich eine.

Und, na ja, die NZZ lässt den stockkonservativen Martin Grichting diese Woche gegen die Klimajugend wettern: „Die Klimaschützer wollen, dass wir in Panik geraten. Damit bereiten sie den Boden für Zwang und Gewalt.“ Ziemliches Geschwurbel. (Nebenbei: Man kann sich auch seine letzten Leser noch bei den Rechtskatholischen kaufen.)

Und zum Schauspielhaus meint der Literaturkritiker derselben Zeitung:, er vermisse nicht „den ideologisch verengten, politisch eindimensionalen Diskurs“ und „das am woken Zeitgeist orientierte Erziehungsprogramm, das dem Publikum verordnet wurde…“– Das ist nicht nur zeitgeistfern sondern auch intelligenzfern.

 

Der Ausgangspunkt des Erkennens des „Volksfeindes „war bei mir aber keine wohlerwogene Meinung über den Inhalt, sondern über Theater-Regie im Jahre 2023.

War da nicht etwas eingerastet, etwas hängengeblieben, wie ein Kratzer in der Schallplatte,

der das Weiterwandern des Tonabnehmers behindert? Kimming inszeniert wie die Castorps und Peymanns der 90er Jahre: Brülltheater augenfällig…(Natürlich war ich damals ein Fan dieser Inszenierungen. So eine Art dröhnender Protestrausch.)

Als 68er, sehr alt, rege ich mich auch auf, wenn ein Teil der Menschen (vor lauter Geld) einen anderen Teil (südlicher) kaum mehr leben lässt.

Wie meine Altersgenossen vom Zürcher Geldadel, die jetzt auch die Schauspielhaus Intendanten endgültig weggebläkt haben. Auch das ist Brülltheater.

Dass der Umweltgedanke 40 Jahre so erfolgreich die Karriereleiter hinabgeklettert, abwärts gesunken ist – mit Hilfe einiger „bürgerlicher“ Untergangsschreier gegen die erneuerbaren Energien. Blödianer ! Das Projekt „Rückschritt“ war denen immer ein Anliegen.

„Der Moment des Scheiterns ist der Moment, indem man mit der Realität in Kontakt kommt.“ (ist vom Philosophen Thomas Metzinger) Das ist wohl der Moment als Putin sowas wie „Krieg“ gebrüllt hatte und bei uns die Wohnungen auf 18 Grad gedreht wurden.

Die Welt hat sich geändert. Die Welt der spielbaren Weltenrettung hat sich geändert. Auch im Theater. Europa und die USA beschlossen am gleichen Tag als wir im TAK waren, Kampfpanzer in die Ukraine zu liefern. Klar, zupfen an unseren Mitleidsseiten ist angebracht.

Guat, bei fortschreitendem Alter ist gleiche Leistung eine Steigerung kann man vielleicht auch für Regisseure behaupten.

Da kann man auch ein Stück mit viel Energieaufwand schlaff machen.

 

Wie das so ist mit unserer Generation, die meisten sind sich (sabbernd) erinnernde Theatergänger: Ja, der Besuch der alten Dame, gell, das war noch…Ich bin aber eher ein Gegenwartsnarr…finde die Diskussion um die Qualität des Schauspielhauses Zürich so obsolet, wie heute noch über Blochers Anti-Europa-Exzess im 1992 zu reden. Neoliberale Züriberg-Pädagogik genügt da nicht. Wer sich mit Buchhaltern ins Bett legt, erntet halt nur Zahlen. Die Jahresrechnung genügt nicht fürs Verstehen.

Vielleicht sollte man auch über Alterslimite und das Pensionierungsalter der grauen Zürcher Bildungsbürger (also die, die die nicht mehr ins Schauspielhaus gehen wollen) reden…Man weiss ja, es gibt furchtbar gebildete Menschen, die grandios dumm abschneiden.

 

Eine heutige grandiose Inszenierung wie das neue Stück von Elfriede Jelinek „Sonne, los jetzt“

(auch im Schauspielhaus), hat zwar dieselbe Klima-Skandal-Basisaussage, ist aber sowas von weiter als diese Kimming-Nummer mit dem Pseudo-Friday-for-Future Geschreie und zeitgemässer Anbiederung an die Jugend.

Aber in Schaan haben sie tüchtig geklatscht (neben mir ein HSG-Professor.) Die neoliberale Verdrängungs- und Verwirtschaftlichungs-Institutionen polarisieren zwar in unseren ländlichen Kreisen noch nicht, schleichen sich aber auch schon ins Theater.

Sie wollen halt auch wie die Economie Suisse die Wirtschaftsstrategie „vorhersehbar und planbar“ machen. – Als gewöhnliche Unterhosenträger und NZZ-Leser haben wir eben immer mehr dieses vage Gefühl: „was ist , wenn ich ihn nicht hochbekomme?“ Da nützt bekanntlich aber brüllen nicht viel.

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Robitexte: wie Robidogs?

Heute meine Wortklaubereien zu Wortklauereien.

„ ChatGPT DREI, SAG MAL, SIND POLITIKER-KOLUMNEN  ALLES ROBI-TEXTE?“

Keine vernünftige Antwort. Aber meine Antwort heisst NEIN. Die werden zwar schon von fremden Schreibern geschrieben und sind  auch alles stereotype Texte. Hohlwangig und dumpfbackig gleichzeitig.

Heute reden wir aber von ChatGPT 3 – der Hype Maschine. Diese künstlichen intelligenten Systeme sollen teilweise exzellente Prosa schreiben.

Die einen überschlagen sich vor Ehrfurcht. Die anderen sind skeptisch.

Dieses Programm ist wie eine Suchmaschine im Dialogstil, auch bekannt als Chatbot. Der Bot wurde mit öffentlich zugänglichen Daten gefüttert, datiert bis 2021, und antwortet als Nachricht. Von Liedertexten und Rezepten bis hin zu journalistischen Genres und Blogbeiträgen kann der Bot so ziemlich alles schreiben.

Und wenn er eine 500 Wort-Story im Sinne von Hemingway brünzeln muss, kommt da Verblüffendes hervor.
Die Fans sind berührt, wie so ein Ding aus einer hinreichend grossen Datenmenge vortrainierter Algorithmen eine Wörterfolge „sinnvoll“ extrapolieren kann.

Das kann dann auch funny wirken, wenn diese Programme
…mit grossem Selbstbewusstsein falsche, ausufernde Dinge von sich geben. Aber da sind wir ja nicht nur von Politikern trainiert worden.

Ich kenne ChatGPT nicht so grossartig. Aber die Zeit der großen Deutungsversuche mach ich gerne mal mit. Die Kritiker schreiben, dass der Roboter nicht schreibt, eher schwafelt. Er ist ja eine statistische Maschine, keine semantische.

Guat, da kann ich nun mitreden. (Vielleicht nicht so in Sekundenschnelle wie unser Robi.)

Von Roland Barthes haben wir (1968 schon) gelernt, dass „ der Tod des Autors“ vorhersehbar sei.

Der Output des Einen ist der Input des Nächsten…eine Vielzahl von Ghostwritern sei an so einem Text beteiligt.

Guat, Barthes hat schon bemerkt,

…dass das Gegenteil von gut schreiben sei heute nicht schlecht schreiben, sondern einfach schreiben.
Der hat die neue Journalisten-Baisse vielleicht schon erahnt.

Ja klar, sobald wir mit einer grossen Menge an Daten und Informationen zu tun haben, kann die Arbeit auch von einer künstlichen Intelligenz unterstützt werden. Im Bereich der Finanzen oder des Marketings kann KI schneller auswerten und analysieren als ein Mensch.

Flashback eines alten Sürmels: Meine erste Stelle als Wirtschaftsberater hatte ich in den 70 er Jahren, Entwicklung von Entwicklungskonzepten in Berggebieten. Gekündigt hatte ich nach gut einem Jahr, als ich feststellte,

…dass in besagtem „Büro für Wirtschaftstudien“ unsere ersten Textmodule einfach bei allen Regionalstudien kopiert wurden.

Man hat einfach die Zahlen ausgewechselt. Manchmal wurde sogar vergessen, die Regionalnamen auszuwechseln. (Das passiert den Robis nicht) So stand dann halt in der Toggenburger Studie auch mal „Schanfigg“ oder „Prättigau“. Und das zu Zeiten von IBM-Kugelkopfschreibmaschinen.

 

Und dann im Marketing: in den 90er Jahren waren es die Unternehmensleitbilder. (Da hab’ ich einige mitgestaltet.) Resultat: Nach 10 Jahren eine Fülle von Textbausteinen, die man dann abschreibt. Wenn man die aber nur abschreibt, kommen da noch keine Erfolgsgeschichten raus.

Das sind ja nur Simulationen; auch der Robi funktioniert so, er kann nicht schreiben oder räsonieren – er tut nur so.

(nur soll es heute sehr schwer sein, zu beurteilen ob so…) Bei vielen dieser Leitbilder in den 90ern war’s stereotype Abschreibe. So als Management-Simulations-Bestätigungs-Gschichtli für Politiker-Ohren.

 

Mein Kunde, die RE Power wollte, zu Beginn der 2000er Jahre unbedingt auch so ein Leitbild. Dem Verwaltungsrat, meist ausgediente Regierungsräte (immer zwei Schritte zu spät, würde der Arno sagen…), habe ich beizubringen versucht, dass diese Leitbilder einigermassen „out of time“ seien.

Aber wenn sie zur Beruhigung es so möchten, könnte ich Ihnen sowas formulieren (ich kannte ja aus den workshops ihre Prioriäten, Ziele und Wünsche..) – und das alles für Fr. 1000. Gesagt, getan. Der CEO beglückwünschte mich zu meinem Textentwurf: „Das ist ja zu 90 Prozent perfekt… nicht so eine billige Leitbildkopie ohne Referenzialität.“

Aber der Herr Verwaltungsratspräsident, ein ehemaliger SVP-Regierungsrat und ehemaliger Ems-Chemie Direktor, wollte das schon properer. Er engagierte für über Fr. 50’000 dann eine HSG-Crew, die ihm nach einem halben Jahr standesgemäss ein Schubladen-Leitbild ablieferte.

Gemäss späteren Leidtragenden war ja auch das Leidbild nicht so wichtig.

Man kann sich auch sauteuer und pompös dafür mit steifer Gekonntheit von jeder Authentizität verabschieden.

 

Nur, fehlt dann eben das Quentchen Empathie, Souplesse, Textcharisma, Tonalität…die Kraft dieses Unsichtbaren.

So wie einzelne Musiker zwar die richtigen Noten tüpfen, aber, ohne Rhythmusgefühl. Wie ein mechanisches Klavier.

Aber das passt vielleicht zu unserer Zeit. Worte schälen sich oft von Fakten…

Plötzlich angenehme Wortbefindlichkeiten kann man nicht konstruieren. Guat, irgendwelchen spontane, sprachästhetische Flow-Zustände kann man von den wenigsten erwarten…bei dem, was sie lesen.

Zum Beispiel das Thomas-Mann-Tagebuch erlebt gerade ein Revival. Der Literaturwissenschafter Felix Lindner postet auf Twitter jeden Tag ein Notat des Meisters. 29’000 Follower. Thomas Mann daily. „ Den ganzen Tag angewidert“, eine dieser Kurzfutter-Notiz brachte es doch auf 107’000 Clicks. Strange.

Empfindungshochstapeleien sind doch schwierig. So etwa, wie wenn die Bündner-Woche-Praktikantin „Kontemplative Waldeinsamkeit“ zu beschreiben versucht. Tönt dann eben auch wie die BüWo-Lehrtochter.

Guat, bei all den 100’000 Schrott-Büchern die jährlich auf den Markt geworfen werden… kann man natürlich sagen: „Jedem das Seine“.

 

(Meine Kollegen am Seniorenstamm sind auch beleidigt, wenn ich bemerke, dass wer diese schlechten Bestseller-Gurt-Krimis lese, doch viel über sich aussage…)

Erstaunlich was in diesen Pathopornografie-Verkaufsgeilomaten alles zu einer Sales-Renner-Geschichte gewringt werden muss.

Rezept: die trivialsten und repetitivsten Aspekte dieses Lebens erscheinen mit Bedeutsamkeit.

 

Intersubjektives Verständnis ist der Schlüssel zu einem fragmentierten Marketing. Für jeden was zum Mitschunkeln. „Hodiodioooodiooodie Hodiodioooodiooodie Hodiodioooodiooodie“ heisst der Schlager-Hit von Gabalier. Da schmelzen wir doch vor unkopierbarer Dahingerissenheit..

Um es mit Adorno zu formulieren: Die Leute benehmen sich wie Kinder, die immer wieder nach der einen Speise verlangen, die man ihnen einmal vorgesetzt hat.

Es ist das Schnitzel-Pommesfrites-Prinzip der Populärkultur, wenn man so will.

Oder für jeden ein Häppli genügt auch…

 

Das ist dann so wie wenn ABBA (nix gegen die) gespielt wird. Musik also, bei der man immer weiss, welcher Akkord als Nächster kommt, und der man sozusagen im Voraus zuhören kann.

 

Über all die Bücher, die ich in den letzten fünf Jahren gelesen. (Ich durchlese so meine drei bis vier Bücher pro Woche) führe ich seit 10 Jahren ein jährliches BOB – mein Buch der Bücher (book of books). Da sind meine Notizen, Wertungen, besondere Formulierungen herausgestrichen. Das sind so meist so 150’000 Zeichen pro Jahr. Also schon bald 2 Millionen Zeichen-Fundus…meine Datensammlung! Kombiniert mit guter Schreibe könnte das wohl den Robi schlagen!

Bei uns lesen immerhin 95 % nix, keine Bücher. Und von den 5 Prozent, die lesen, lesen achtzig Prozent Bestseller. (Nebenbei: da bleibt also noch etwa 1 Prozent, die nicht irgendwie marketinggedrechselt sind..)

Zur Beruhigung : New York City hat ChatGPT in den Schulen bereits verboten, weil Lehrpersonen nicht mehr unterscheiden können, ob eine Arbeit vom Schüler oder von der KI geschrieben worden ist. Ob Hausaufsatz oder Maturaarbeit, Schulen befürchten, dass die Schüler künftig zurücklehnen und die KI für sich arbeiten lassen.

 

Aber vielleicht genügt Michael Köhlmeiers Buch „Lenobel“…:
Um Paroli zu bieten, müsse man

„…nur ein bisschen gebildet erscheinen, mehr sei nicht nötig, und erscheinen genüge völlig.“

Das haben die Robis wahrscheinlich auch mitgekriegt. Die Robi-Texte sind  auf jeden Fall nicht wie Robidogs. Sie entsorgen nicht nur Shit.

 

 

 

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fuul isch cuul

 

Ende Jahr sollte man Bilanz ziehen, mein liebes Tagebuch, meine Sehrverehrten. (Guat, ohne Kohl, ich hab’ jetzt fast 4 Wochen im Bett hinter mir in Infektions-Multivariationen. Schon etwas Zeit zum oberfaulen Nachdenken.)

Unser Sohn gab zum Jahresende einen Hinweis auf Insta: ein Faultier aus Panama…Ausgerechnet er, der auch auf workation war, und sonst eher bisi, war mal auf Entspannung…

 

Wir Bündner sind ja Steinböcke. Unser aller Wappentier.

Etwas faul, der etwas plumpe Oblomow der Alpen, wie man sagt.

Das ist der, der den ganzen Tag auf dem Sofa lag, und es trotzdem zu literarischem Ruhm brachte. Siehe da. Beruhigt doch.

Einen wie mich, mit knapp 75, fragt man noch oft: „ Was machst du so?“ Mit gutem Gewissen faul sein zu dürfen, wär die Antwort. Jenseits des Alters in dem man sich nichts mehr beweisen muss, kann man da schon radikalsozial inkompatibel werden…

Das sagt man aber nicht gleich jeder oder jedem. – Oho, Verdacht auf Wertezerfall!

Wenn das Leben nur Teig ist, mach Capuns daraus…sagen die Bündner….

…wenigstens munden die gut, die Capuns, meine ich jetzt. Die aus dem bündnerischen Politteig zum Erwerb von Honoraren und Immobilien-Versilberungen verstehen das aber etwas anders.

Was ist die zweithöchste Todesursache nach Krebs? Langeweile. Und die hab’ ich schon längst besiegt. Vita activa und vita contemplativa? Im antiken Denken eine zentrale Frage. – No more. Das haben sowieso die klassischen Denker erfunden, die die anderen schuften liessen.

Und da kommt jetzt die (wohl altübertragene) Weisheit der jungen Yogalehrerin ins Spiel (das war früher ein Rabi): Sie sah einen auf der Strasse hetzen (wahrscheinlich ein Jurist), ohne rechts und links zu schauen. „Warum rennst du so?“, fragte sie ihn. – „Ich gehe meinem Erwerb nach“, antwortete der Spast „ Und woher weisst du“, fuhr sie fort zu fragen, „dein Erwerb laufe vor dir her, dass du ihm nachjagen musst? Vielleicht ist er dir im Rücken, und du brauchst nur innezuhalten, um ihm zu begegnen, du aber fliehst vor ihm.“

Ja, die Schwäche des vernünftigen, linearen nach vorn gerichteten Zeitbegriffs kommt da mal ins Spiel.

 

Wir rudern alle auf derselben Galeere, hat Camus gesagt.

In seiner müdheissen Sonne von Algier gab’s ja noch keine Spinningbikes. Bien, ich pedale gerne auf Spinning-Maschinen – auch nirgendwohin. Um dann mit Blei in den Füssen auch irgendwie müde zu werden.

Guat, einige meiner Senioren-Kollegen eiern noch rum wie in einer schlecht eingestellten Salatschleuder. Hauptsache sie dreht sich. Meist sind das sozial retardierte Zurückgebliebene aus der Krankhaft-Akzeptanz-Szene. Eigentlich haben die bestenfalls eine Stromsparlampe in ihrem Oberstübchen, so ein Gedankensparprogramm.

Sie gehen aber immer noch stolz in ihr Büroli. Das ist eben für ihre corporations ohne identitiy, verstehe ich. – Eiereiereier.

„Hängt davon ab, welche Welt man für die echte hält.“, sagte der Personal Trainer im Hamsterrad.

Ich meine, „faul sein, kann das Klima retten.“ Aber das verstehen noch nicht alle. Zum Beispiel nicht ans WEF gehen, vor allem nicht mit dem Privatjet. Faule Kredite erzeugen auch kein Wirtschaftswachstum. Aber davon gibts unendlich viele. Erklär das mal einem HSGler. Auch die können sich verschätzt haben, wie bei der CS oder bei Winwin-cenz.

Man sagt den Leuten ja auch immer zu spät, dass sie zuviel trinken.

„Ihr aber solltet euch Gedanken machen, was ihr mit den Gütern anstellt…“ steht in einem arabischen Gedicht (und nicht in der SP Erbrecht-Kampagne.)

Die Ungläubigen werden im Koran zu „koffâr“, es bedeutet die Undankbaren. Das ist wohl auch für die, die meinen, ich kokettiere mit meinem ökonomischen Unverstand.

Und siehe da: bereits gibts eine Bewegung unter Gutausgebildeten in China. Sie heisst Tangping. Flachliegen (nicht behördengeneriert wegen Corona). Ich tanpinge ganz gerne, ausgenommen bei Grippe.

Guat, this is not Lebensberatungs-Literatur.

Steigen Sie einfach in Fahrtrichtung links (oder auch rechts)  aus. Eine Prämie fürs faul sein, wird ja bald als Petition eingereicht, oder zumindest eine fürs Nichtautofahren…

Und wenn das so weitergeht, merken einige doch noch das Wirtschaftswachstum nicht unbedingt DIE Idee ist. Also nicht faul sein, heben Sie mal ihre Fingerli auf die Tasten und motzen sie gegen jede Arbeitsmoves oder die Aussicht auf strebsame Veränderung. Das erzeugt Begeisterung.…und steht in diamentralen Verhältnis zur Fülle der pekuniären Aussichten.

Das Pack hasst alles neue, hat glaubi, Luther gesagt.

Der meinte wahrscheinlich nicht die SVP und ihr Dieselglaube.

Oh super, das ist wieder mal ein gefälliger, ganzer Satz. Man wird schon etwas dichter in der Sprache, wenn mal faul sein will. Aber man muss ja nicht wollen, dass jeder Satz ein Klimax ist, wenn man eh zu faul dazu ist. Dafür nützt’s dem Klima.

Aber mir einfach mal nichts zu essen machen, kann ich noch nicht.
Guat, den Hunger der Welt muss man nicht unbedingt bekämpfen, indem man hungert.

Ich hab’ mir dann – wegen Krankseins einfach etwas zu spät- einfach mal fürs 2023 keine Vorsätze gemacht. Heute mach’ ich mir nur Gedanken über Gott und die Welt….

 

…hoffentlich macht das auch Gott. Aber der hätte in letzter Zeit sicher was Besseres zu tun.

Guat, aufwärts kann ich ja immer noch mal im Frühling.
Bye bye also dann auf dem Fuulhorn.

Ein Gupf ganz in unserer Nähe.

 

 

 

 

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Top of the worst

 

 

Auf den Bündner Bergen, wo man gerne alles hinter dem Berg hält, macht man jetzt auf grün. Der Tagi berichtete schon vom Greenwashing der Bergbahnen in St.Moritz. CO-neutral skifahren. Toll. Ich fahr’ ja  auch gerne Ski in St.Moritz.

Guat, sowas kann man ja nur begrenzt unter Verschluss halten… die 36 Pistenfahrzeuge und die 65 Dienstfahrzeuge fahren mit Gas to Liquids (GTL). Das nennen die CO2 neutral. Also 91.5 % Umweltverschmutzung bleiben. Und die Häuser werden mit ebenso FCK…* Heizöl (GTL Fuel Heating) befeuert. Machen die jetzt SAC-Hütten aus ihren Ölplattformen?

Ob das auch von den Kataris kommt? Sind die Alpen nun arabisch? P-al-ü. Al Pen.

Bain, guat, ich dachte als Sekretär des Oberengadiner Tourismusvereins schon im 1977, die hätten etwas viel fehlerhafte Ignoranz in der Kommunikation und defizitäre Interaktionsmuster. Die notorische Inszenierung der eigenen Top -Individualität war immer Teil des Marketings. Auch meine Kollegen, wie Danuser, haben da mitgeholfen.

Und wenn dann rhetorisch dazu die unvergleichliche Aufladung mit Bedeutung kommt, wirkt das für mich wie umweltpolitische Rammdösigkeit. Die waschen sich im Schongang grün.

 

In Zeiten wo die NZZ die Klimajugend mit der RAF der 70er Jahre verwechselt, kann man das ja mindestens probieren. Die Welt ist ganz schön verspannt und augenfällig anfällig auf alle möglichen Bullshit-News. Hauptsache gernegrossgeil. Habenwollen und Nichtsein.

Guat, auf eine gewisse Grösse kommt es unbedingt an, sagen sie immer die Betriebswirtschafter, die Deutschen und auch die St.Moritzer…mit starkem gesellschaftlichem Instinkt,

Haben die das im Abreisskalender von BP oder Shell gelesen?
Passende Wir-retten-die-Welt-Pirouetten mit GTL Fuel Alpin, synthetische Kraftstoffe von Shell aus Katar? Plus etwas CO2-Kompensationen. Die haben wohl Druck auf der PR-Blase.

Dieses Make-up hat aber eher ein Leichenbestatter gemacht. Die brauchen vielleicht Frischmacher-Kits von Ferragamo. Ist auch schwierig immer vor vermeintlicher Gesundheit zu strotzen und dauernd damit beschäftigt scheinen, sich selber zuzulächeln.

 

Bain, wir Bündner und wir Kinder neigen ja dazu blosse Harmlosigkeit in den Status einer Höchstleistung zu erheben.

Vielleicht auch den selbstherrlichen St. Moritzer-Bergbähnler aus der Besenkammer für überkommenes Klima-Greenwashing.

„Zwei Spuren im Schnee“ liebe ich ja auch ausserordentlich, kommt auch vom St.Moritzer Vico Torriani. Also der Song ist ok und auch alt. Aber ich meine,  im Oberengadin skifahren, ist immer noch ein Higlight- Kracher.

Aber vielleicht sind die einfach neben der Spur. Sie können halt immer wieder gut die Puderschicht von der Realitätsoberfläche blasen. Man erschöpft sich schnell unter dem Druck interessant zu erscheinen.

 

Für diese fossilen Denk-Fossilien sind das vielleicht aber neue Existenzdimensionen. Und der klimapolitische Feldstecher ist vielleicht anders eingestellt als unsereiner…

Oh du plumpe Publikumsdompteuse

Die Reichen zu beschenken, damit sie noch reicher werden, war immer ein Leitbild-Ziel dieser Rolex-Destination. Diesmal ist’s für die Kataris. Zur Vermeidung von Unlust derselbigen. Und die kommen ja immer noch wie Hühner zum Futter. Wenn nichts Seiendes ist von der Seinsart des Daseins dann greift man zu solchen Massnahmen.

Status-Zwirbeleien mit übertriebenen Ansprüche an das Wohlfühlglück,

waren immer Sache der St.Moritz-Top-Masche. Diesmal das Ich-bin-doch-klimaneutral-Face. Entschuldigen Sie, aber ein anderer Schmäh ist mir angesichts dieser Rosstäuscher-Massnahme nicht eingefallen.

Bain, die hatten schon immer Umfärbemaschinen. Ein Erfolgsmodell. Da wird in den Orts-Immobilien schwarzes und graues Kapital grün eingefärbt. Das ist dort eine Erwerbsbasis. Und das schwarze Geld sieht man ja nicht im Dunkeln- bei der Mondscheinfahrt von der Diavolezza..

 

Guat, in einer Fünftelsekunde kannst du eine Botschaft rund um die Welt schicken: Aber es kann ja Jahre dauern bis sie von der Aussenseite eines Engadinerschädels nach innen dringt. Soviel euphemistischer schöngesoffener Blödsinn kann nur aus solchen Hirnis kommen.

Bain, Bernina, Margna, Chapütschin und die Seen hatten ja nie vor als schöngeredete Naturschönheiten anzutreten. Die sind einfach da und atemberaubend. Wie will man da versuchen mit eruptiven Lügen und Behauptungen mehr Frequenzen zu erzeugen? Bestenfalls Aufmerksamkeit…

 

Wenn die dann einmal keinen fossilen Kraftstoff mehr verbrauchen und nur die Kraft brauchen, die die Umwelt schützt, dann sind wir gerettet…

 

Ohne jede Spur von Scheu und Schamgefühl prangt die Sonne weiter am brutalblauen Engadiner-Himmel…heutzutage kann man auch nicht mehr so viel dunkle Geschäfte machen dort …kann ja nix passieren.

Wie sagt man im Engadin: „ Tsche wosch far, cunter il vent non posch pissar.“ Gegen den Wind pinkeln ist bei denen schon schwierig. Das ist am Engadiner-Bündner Justizsystem schon erprobt worden.

 

 

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Splendid Zeit

Es ist wieder Spendenzeit. EMails und Briefe zu Hauf, von Campax, Helvetas, Ukraine-Rettern…die machen das gut. Ich will denen nichts unterstellen, hab’ selbst ein schlechtes Gewissen.

Alles auf einmal: Rapid Response – Rette deine Enkelkinder – wenn es uns gelingt den Klimawandel aufzuhalten, indem wir die Grossbanken zum Umdenken bewegen…Plötzlich hab’ ich das Gefühl in einem Katastrophenfilm zu sein…und meist haben sie ja recht.

Jajaja. Während ich schreibe, verschwindet alle sieben Minuten eine Art von der Erde (und einige Menschen im Donbass…)

Der Singsang ist vertraut, die Tonalität bekannt. Klar, spende ich dann. Aber nicht immer. Und da kommt schon wieder das schlechte Gewissen.

Mein Mitleidsspeicher ist wohl etwas aufgebraucht.

Oder unser Spendenbudget. Die Ostafrikaner sind ja auch noch am verhungern. Irgendwie werden wir da immer abgeschmirgelter.

 

So kennen mich die meisten. Der rechte Mundwinkel zeigt bei mir nach oben, als würde ich lächeln, der linke hängt nach unten (nach einer Zeckeninfektion mit Gesichtslähmung vor über 30 Jahren). Das kann ich jetzt natürlich als kunstvolle Doppeldeutigkeit verkaufen.

…macht mich aber eher ratlos. Nein, nicht der schiefe Mund, die Welt.

Cringe. Das lässt einem erschaudern. Sind wir etwa alle durchgeknallt? Mit Blaulicht und Folgehornton gehts wohl nur noch knapp bis Weihnacht…Beim Ausmass dieser Katastrophen wird uns wohl mal kognitive Blindheit strafen. Oder irgendein Gott?

Eigentlich herrscht bei uns ja Naphta. Gott des Öls. Darum ist die Fussball-WM auch in Katar sein.

Darum wird Naphtas Stellvertreter für die Schweiz – der Röschti – jetzt auch noch Bundesrat.

Darum werden Olheizungen in der Schweiz nicht eingeschränkt, wir haben ja nur Strommangellage…

Nur geht mir das alles etwas zu schnell. Was da alles in unseren Köpfen rumeiert. Rapid Chaos. Oft hab’ ich beim Einschlafen nur noch so ein Nachglimmen all dieser Sammel-Werbung auf der Netzhaut.

 

Oikos, Geborgenheit, dafür ist jetzt Zeit. Adventsstimmung, die Sammler machen aus dem Bedürfnis nach Schutz ein Business. Nicht falsch. Einige sind zwar sus. Verdächtig. Man könnte sie mindestens unter die üblichen Verdächtigen einteilen.

Wegen 30-Minuten-Klimaschtau in Züri jammern unsere Verlustangst-Zombies über ihren Wohlstandsärger. Allergattungs-Beifall von der Goldküste. Wohl etwas sozial retardierte Speckgürtel-Tröten…mit glänzenden Autofahrer-SUV-Pausbacken, gefüttert auf „Kultur“-Kreufahrtreisen mit All-inclusive-Buffet.

Und die NZZ möchte die Jugendlichen auch noch bestrafen mit hohen Bussen. –

Simp. Klima-Einfaltspinsel. Denen fehlt wohl das Einfühlungsvermögen, um zu bemerken, dass ihnen das Natur-Einfühlungsvermögen fehlt.

Vielleicht sammeln wir nächste Weihnacht auch noch für Menschen, die den Unterschied zwischen grossen und kleinen Sorgen nicht mehr verstehen…? Wie sagt Elfriede Jelinek? „Der Klimawandel, der ist überall gleich, nur manchmal gleicher, wenn die Menschen vor lauter Geld nicht mehr atmen können.“

 

So ein Spenden-Mix gequirlt mit Gewissensbissen…aufgelöst in einer leckergemixten Algorithmen-Sosse aus Tagesschau, Guatnachtgschichtli und (reduzierter) Weihnachtsbeleuchtung kann dann schon unsere pekuniäre Zurückhaltung mindern – dann geben wir alles.

„ Wir glauben wir zahlen, wir glauben, wir zählen, und dann haben wir Ruhe.“

 

(Aus ganz anderem Zusammenhang, aber auch von Jelinek)

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Inflationääääär

Es ist das Mantra unsere Tage. IN -Einatmen, FLA -Ausatmen, TI- Einatmen, ON-Ausatmen. Inflation…Inflation. In-flaaaa-tion. Um dieses Wort auszusprechen, muss ich tief einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Das ist wie Ballon aufblasen.

Je grösser der Ballon wird, desto kleiner werde ich.

Auf eine gewisse Art ist die Inflation ein Grundprinzip des Lebens.

So auch bei der Kunst. Und da noch viel mehr. Kunst ist bei uns inflatiiiionär. Die Kunst-Preise, Buchpreise, Vermarktungsplattformen schiessen aus dem Boden. Schliesslich muss ja alles zum Kunden.

Diese Ich-bin-auch-ein-Künstler-Kakofonie wird grösser.

Guat, bildende Kunst, schwierige Texte, Literatur überhaupt, sind eine Art Überlebenstraining und eine elementare Lebenschule im Nichtverstehen. – Soviel hab’ ich mal in meinem doch schon langen Leben gelernt, auch mühsam dazu gelernt, bei vielen Berliner Theatertreff-Wochen, Zürcher Theaterspektakel Abenden, Churer Avantgarde Theater mit fünf Zuschauern….

Wer behauptet, etwas durchaus verstanden zu haben, hat noch gar nichts verstanden. Denn alle Erkenntnisse ist vorläufig. Ich steh auf meines Deutschlehrers Peterlis Schultern, dieser wieder auf Goethes Schultern, und der wieder Shakespeares Schultern und dieser wiederum wohl auf jenen Petrarcas…. mit diesem Wissen aus zweiter Hand habe ich das Nichtverstehen geübt.

Und (vielleicht) auch verstanden: Soziale Distinktion ist es, die Kunst schafft… Wenn uns also die Churer Kulturkomission glaubhaft macht, das etwas Kunst ist, so glauben wir das. Doch ist etwas, das auch noch die Churer Kulturkommision knapp fast versteht, das leicht zugänglich ist für alle, bereits Kunst? Da gibt’s Fr. 10’000 als Literaturpreis der Stadt Chur für eine Schreibe, die man nach 10 Minuten weglegt…naja. Vielleicht bin ich ja nur neidisch?

Guat, nur 5 Prozent der Autorinnen und Autoren können von ihren Büchern leben. Sie leben oft in prekären Verhältnissen. Worst case: Man spricht von einem durchschnittlichen Monatseinkommen von Fr. 900.-. Ich rede aber von (den sich häufenden) Autor*innen, die nach Schema-F-Romane und Krimis verlässliche Einkommen generieren…Man kann so die alltäglichste Erfahrung, dass wir etwas nicht verstehen, etwas umgehen. In der Kunst üben wir den Umgang mit dem, was sich der unvermittelten Deutung entzieht.

„Man muss lernen, dass man ein Dummkopf ist.“ (Montaigne).

Das bewahrt einem vor mancher Dummheit, einschliesslich jener, nicht begreifen zu wollen, dass das Verstehen dort beginnt, wo wir etwas nicht verstehen.

Das Verstehen ist nicht ein Zustand, der das Nicht-Verstehen ablöst. Es ist ein unabschliessbarer Prozess, stets öffnen sich neue Deutungshorizonte, wenn man etwas nur lange genug von verschiedenen Seiten her anschaut..

“Ich möchte, dass die Dinge weniger vage sind.“, hat Joan Baez mal gesagt.

Jedesmal wenn ich die SO lese, könnt ich kotzen. Je künstlerischmittelmässiger man ist, desto mehr punktet man…je verpeilter unwissend die Journalisten werden…desto guater. Das genügt wohl Kantinengeplauder in der Cafeteria – und die Spiegel-Bestseller-Liste genügt um Trouvaillen zu orten.

Kannst du auch so sehen wie Milos Formans Larry Flint: „Opinions are like assholes, everybody’s got one.“

 

Kultur wird wie im im Karussellständer für preiswerte Fleecejacken angeboten Und viele machen sich halt daran, sich neu zu erfinden…“ich mach’ am liebsten etwas mit Kunst..“ und dazu braucht man jemanden, der beweist, dass es ihnen gelungen ist. Feen existieren nur, wenn Kinder in die Hände klatschen, habe ich mal bei Salman Rushdie gelernt. Wenn eine ganze Gesellschaft kreischt, muss man brüllen um gehört zu werden.

Ein ausgelebtes Kunst-Charisma wie das einer Öl-Zentralheizung genügt doch. Das Mittelmass ist dabei der verbindliche Standard.

So fühlt es sich bei mir an. Ab und zu ein Nicken, sogar ein verhaltener Stolz auf eine out-of-time Inszenierung des Churer Stadttheaters – Kontroverse Klassiker Interpretationen wie aus dem Fundus des Theatertreffs Berlin in den 90er Jahren. All das verursacht eher Kopfschüttteln, alles so im aktuellen Polit-Stil: „“Wir brauchen keine Heizung, wir kriegen auch so alles geregelt.“

Da mein Blog wie eine Zimmerpflanze behandelt wird, steht irgendwo herum, wird aber nicht weiter beachtet, kann ich ja alles sagen. Auch über die nicht vorhandenen Kulturmassstäbe und die unzulängliche Kultur-Begrifflichkeit.

Ich mag ja den Churer Autor Gurt (Bestseller-Champ), auch wenn er so schreibt wie ein ins Heidi verliebter, zurückgebliebener 50er Jahre-Kantonspolizist mit etwas eingeschliffenen Ausdrucksmitteln.Trivial halt. Aber schon wieder Beststeller. Wer sowas liest, sagt viel über sich selbst. Und wer das manierierte Bündnersein mit dem Capuns-Maluns-Humor von Arno Camenisch (auch den mag ich wegen seiner spoken word-performances) noch nicht durchschaut hat, geht bei mir unter Züzi. Und überall hett’s Schtaiböck druff.

Es müssen ja nicht immer diese intellektuellen Oberkellner sein.

Aber Bücher; vollkommen ohne jede Ausstrahlung so blutlos neutral wie ein Skiständer werden als unterhaltsam hochgepowert. Was den meisten gar nicht auffällt.

Was Daniel Kehlmann sagt, gilt schon: „ Die Menschen wollten Ruhe. Sie wollten essen und schlafen, und sie wollten dass man nett zu ihnen war. Denken wollten sie nicht.“

 

Darum vermarktet man lieber Nettigkeiten. Mit Schreibquatsch und leerem Getöse, und einer positivschöngeistigen Schwäche um den Mund – genügt oft.
Sie bedienen einen bestenfalls herkömmlichen Bildungsbürger- Voyeurismus und funktionieren als Projektionsfläche für das „das varstömmar wenigschtans“. – Soll doch jeder mitmachen können beim Kunstquiz.

Guat, chemisch sind die Kultis und die Nichtleser ja vollkommen identisch. Auch die Bildungsbürger…

Muss ja nicht sein wie bei Madame Bovary„Ganz wie ich“, fiel Léon ein.“ Gibt es den etwas Schöneres, als abends mit einem Buch am Kamin zu sitzen, während der Wind an den Läden rüttelt und die Lampe brennt.“

Wenn auch diesen Winter mit einem Pulli mehr…Bleiben wir doch noch ein wenig dort, wo es warm ist…möglichst ohne zweitklassige Lokalkrimis und pilcherpuderzuckergüssige Romane.

„Alles hat zwei Seiten, eine schlechte und eine noch schlechtere.“ (Ist von Georg Kreisler.)

 

 

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Mehrheizfähig

Meine Geschichte heute handelt von Michelangelos Marmordavid: DEM DAVID aus dem Museum – viel zu gross geraten, zu männlich (und erst noch viel zu weiss) – Clässig, also ein klassischer Klassiker. Eben: es geht um Grössenververgrösserungskunst, gell Goethe, gell Penisverlängerung, gell Boris, gell Putin.

Kant hat das schon Vergrösserungssucht genannt. Das ist dann, wenn sie einfach noch nicht genug haben (ja, es sind meist Herren).

Wie die Postfinanz, die ständig noch nach Grösserem schielt, halt mal im Ausland noch eine Bude kauft, dem eigenen Ego etwas die Grenzen erweitert…kennen wir auch von der früheren Swissair. Oder der GKB, die unbedingt (mit Volksvermögen) eine Ebner-Bude kaufen muss.

Wenn du mal begriffen hast, das keiner mehr nach dir sucht, dass dein langweiliges Leben halt so war, dann sprichst du von Zukunft gestalten, Neues erobern…und so. Markt-Extension und so. Angst-Extension einiger Unternehmensführer.

Grösser werden um zu überleben. Guat, man kann das betriebswirtschaftlich auch als notwendigen Skalen-Effekt bezeichnen. Das ist meist aber zu Beginn vage, sie nennen’s dann „Vision“ oder „Innovation“, siehe Bergbahnen in Andermatt oder anderswo.

EX….PAN..SION geht ja oft peinlich bis an die Schmerzgrenze.Auch im Persönlichen.

Guat eine Rolex zu kaufen, macht grundsätzlich mal grösser…mindestens das Handgelenk-Ego.

In unserer Tiefgarage hat ein honorabler Mitbewohner bereits den dritten Porsche. – Ist ja auch harmlos, diese Luxus-Schönbrummer tun sicher niemandem etwas an. Ausser der Umwelt. – Die wollen einfach in der Stadt mit ihrem Maschienchen gesehen werden.

Auch unsere Smartphones helfen unsere Hirne zu erweitern. In einer Zeit wie heute, wo wir alle Geräte in der Hosentasche haben, die früher nur ein riesiges Rechenzentrum zustande brachte…kann mann nicht mehr mit der Hosenausbuchtung bluffen… da brauchts dann schon
mindestens eine Testosteron Kutsche mit getönten Scheiben um sich in der Kohorte richtig einsortieren zu können. (Guat, vielleicht wollen alle diese Car-Poser auch nur demonstrieren, dass ihr Aufstieg womöglich nicht ihrer Begabung zu verdanken war…)

 

Auf Gross macht auch der Churer Stapi. Er und sein Gemeinderat

…holen ein in Zürich bisher unrentables Event– Big Air – mit viel Steuergeld nach Chur.

 

Politik als tolle Zuckerbrot-Spiele oder Pseudo-Wertschöpfung.

Das wird dann untermauert mit bezahltem, gestricktem Gefälligkeits-Gutachten über Wertschöpfung (und das mit dem Strom und den Schneekanonen ist ja wohl zu vernachlässigen)…„Superdupergrösse gibt keine Blösse“. – Alles ist möglich, mit dieser provinzpositiven Alles-ist-möglich-Haltung.

Das kann dann so eine gegenseitige Selbstbesteuerung sein,

Wie sie oft aus einer Kindergehirn-Empfindung entsteht: ich will den grösseren Sändeli-Kessel.

Oder später das das grössere Skigebiet. Passt zu so einer wohltemperierten Fortschritts-Harmonie von Wachstum…dieses All-u-can-eat Gefühl, dieses Grosskotz-a-discretion.

Im Kosmos der Bündner Kultur gibts auch Kultstätten, bei dem sich alle Elitewilligen versammeln können um einander diese Hegemonie zu versichern. Beim Nachbeten ihrer Kultur-Hausgötter. Aber da mag ich jetzt nicht wieder mit Namedropping punkten. u name it. Sie stürmen nach neuen Türmen, eh und immer wieder.

Dieses Pimp-Gepose gibts auch bei Frauen. Schmuckbeladen sein, ist ja beim Luxus der Langeweile nur eine leichte Form der Vergrösserungssucht. So eine Zweihundertcarätige zu sein, ist ja auch besser als eine Nichtzweihundertcarätige.

Auch bei der persönlichen Vergrösserung (also ich meine jetzt nicht die Penisgeschichte) gibts heute subtilere Wege als einfach kiloweise Drauflossfressen. Diese unangenehmen antropologischen Wölbung, das spezielle Stück Bauchhaut, das sich über der Gürtelschnalle wölbt, verbunden mit der Enlargement-Sehnsucht sind halt dann doch wieder nicht unbedingt angenehm.

Ein Ranzen ist ja nicht unbedingt mehr ein Statussymbol, ausser bei Schwingfesten.

Und der Exit aus dem Speck (nennt man Speckzit) kann man durch Dr. Meier-Kuren auch demonstrieren. Semmeli-Kuren machen dich und das Portemonnaie schlank, sind aber kein Demonstrationskonsum. Der Besuch dieser Hotels will vielleicht einen Klassenaufstieg signalisieren. Kann man aber nicht so gut zeigen wie die goldene Rolex.

Darum heute auch diese Entwicklung vom Nakensteak zum Pastinakensteak. Mindestens eine modernere individuelle Sichtbarkeit der Gehirn-Vergrösserung braucht’s schon. – Nachhaltig essen. Momoll, schlanker sein, ist mehrheitsfähig.

Guat, die Angst vor dem Umfallen lässt uns Biker ja auch oft schneller trampeln. Sobald wir uns so auf  Trails treffen, kommt ja das Gefühl der Erleichterung unter Verhaltensauffälligen aufgenommen zu sein. Guat dass wir mehr werden.

Auch wenn ich glaube zu vermerken, dass man immer mehr Vollschlanke auf diesen Vehikeln sieht,

…und die E-Biker neuerdings eher zur Renngruppe der Fat-Biker gehören.

Das waren früher, die mit den fetten Schläuchen, heute sind sie eher fette Schläuche.

(Das ist jetzt meine persönliche gewichtsbezogene Entsetzenskundgebung.)

Aber vielleicht ändert das ja bald diesen Winter.

Wenn dann nur noch mehrheitsfähig ist , was MEHRHEIZFÄHIG ist.

Dann zählt dann nur noch was einfach schlicht heizfähig (oder heissts dann schlichtheizfähig?) ist.

In der Seinsdichte unserer Gehirnvergrösserungen, den Smartphones mit den digitalen Kulissen aus Bits und Byts ist ja vieles einfach Heizmaterial. Da wird mir wieder warm ums Herz.

Wer auf Insta, FB oder Twitter ein Looser ist, weil er sich nicht per Optimierungsschnickschnack herausputzen will, kann im richtigen Leben also immer noch richtig liegen… oder mindestens angemessen warm haben.

Vielleicht wollen die Menschen betrogen werden, sicher nicht gelangweilt, meinte ja schon Ernst Bloch.

 

 

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Die Heiz-Schweiz

„Was? Schon 13 Jahre pensioniert?“ Oft beneiden oder bedauern mich die Leute. Je nach Gusto.

Zur Zeit dreht sich ja vieles um die Laufzeitverärgerung. Also nicht um meine, eher die der AKWs. Die Laufzeitverlängerung wird zur Laufzeit-Verärgerung. Die einen wollen strecken, die andern nix. Ist halt ein CH- Kompromiss. Die einen sehen Morgenröte, die anderen Morgengrauen.

Genauso die Laufzeit-Verärgerung  beim AHV-Alter der Damen. – Wir Vollkasko-Rocker wollen uns doch die Rente sichern, und da sollen halt die Frauen etwas länger schaffen. Wie sang doch der Esposito: „Grantigi elteri Herre chöi mit dr Ziit bösartig wärde..“

Guat, as isch immer khuul, wenn man den richtigen Leuten auf die Nerven geht…

.…und so richtig einheizen kann, vor allem vor der nächsten schwierigen Heizperiode.

Alle müssen jetzt Konzessionen machen: Wir wissen, alle Energiearten werden gebraucht. (Uns Grüngesinnten quillt zwar schon etwas die Soja im Hirn.) Und für viele Fossil-Fossilien ist die Kacke, die man selbst gebaut, halt selber am Dampfen. OK, CO2 verdampfen dürfen sie ja wieder .Sie haben die Energiewende erfolgreich kaputtlobbyiert. Zur Entschuldigung stossen sie nun die (SVP-)übliche Grunzkaskade aus.

Das mit dem Auf-die-Nerven-gehen geniessen wohl einige sehr (ich auch). Bene, „Ich-bin-wie-ich-bin“, sagte der Adenauer. „Die einen kennen mich, die anderen können mich.“

OK. Versuche jetzt ein Brikett weniger zwischen mir und meinen Affekten reinzuwerfen.

Versuche mich runterzuregeln wie wohl die Heizung im Dezember.

Ainawäg: Man merkt den alten Leuten an, dass sie, wie alle alten Leute in erster Linie ans eigene Mittagessen denken. Auch bei den Blochers. No offense. Guat, diese milliardenschweren Emser-Zürcher mit ihrem feisten Schwemmgut gehören einfach zu unserer Menagerie – Denen fehlt doch einfach der Adapter für die Restwelt. Vielleicht sind auch einfach die Brennstäbe kaputt und müssen mal ausgetauscht werden.

Oder sind sie – wie bei der Neutralität – verbraucht und müssen nun mal ein paar Jahrzehnte ins Abklingbecken…

Auch bene, alle Gifte und schlechten Säfte sickern aus dem Körper und werden von Kühlwasser gebunden.

Sind halt so stehengebliebene Overachiever, diese Goldküsten-Senis. Die funktionieren wie in einer Dressurschule für minderbemittelte Berggeissen. Und wenn die dann noch performen als ob sie auf einem Speed-Zücki ausgerutscht wären, dann rockts. Wie ein Senioren-Hitmix aus Linard Bardill und den Emser Tambouren.

 

Dass man wegen diesen Verärgerungen dann so einen Dauerlärm (wir waren schon immer für AKWs) verursachen muss, nur weil man dauergierig ist, ist dann eher Viertelvor-Hirntot. Weil das mit den AKWs ist ja ein Nebengefecht, das eher politisch einheizt, aber nur sehr viel Energie raubt.

 

Wärme ist so eine Gefühlssache. Ob heiss oder kalt, ist subjektiv. Wir wissen ja, wir brauchen keinen Stromgeneral, eher einen Wärmegeneral. Denn wir haben kein Stromproblem (wir haben genügend Kraftwerkskapazitäten, um Strom zu erzeugen.)

Wir haben ein Wärmeproblem: Zwei Drittel des Erdgases werden zur Wärmeerzeugung genutzt.

Eine Absurdität, die Beckett auch nicht toppen könnte. Sie machen mal – mit viel CO2 – aus Gas den Strom. Und danach brauchen sie diesen Strom um mit ihrem neuen Heizöfeli Wärme zu erzeugen.

Guat, man könnte auch seine Wohnung mit karmischer Energie heizen. Womit wir wieder bei Bardill wären. Aber das ist eine andere Geschichte. Seelische Aerosole wabern wohl nicht so wärmend herum wie bei den Impfgegnern und sonstigen Verschwörern.

Und so ein Wärmegeneral wäre dann, auch wenn erst mit 65 pensioniert, eher besser eine Generalin. Siehe, diese AHV-Laufzeitverärgerung könnte sich noch als gut erweisen (Achtung Kalauer: das wäre dann eine Genderalin.)– Mit Gemüseburgern und Velofahren kann man nun auch nicht alle Probleme lösen. Das ist dann so wie wenn man die Energie aus dem Marmorera-See mit Teelöffeln ausschöpfen wollte.

 

Verheizt werden wir ja alle. Mehr oder weniger.

Da können die Zuger Rohstoffhändler mit ihren Über-Gewinnen easy das Ficktory-Zeichen machen.

Die vögeln uns eh wie die russischen Kriegsheimkehrer der Wagner-Gruppe das so tun.

 

Apropos Altherrenseufzen. So oder so, im Herbst kommen wir wohl ins Fremdschwitzen, etwas uncool unschweizerisch. –

Ab 22 Uhr wird zurückgeheizt, jo, ääahm, aaah also nur impfall falls ihr Deutschen uns kein Gas liefert.

Aber jede Kälte-Drohung befeuert ja auch nicht unbedingt unsere Schweizer Neutralität.

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Füfer + Weggli

„Das kostet mit diesem Fähnchen 30 Rappen mehr..“, ruft mir ein Bekannter, pensionierter Arzt, im Coop zu. Er zeigt eine 1.August-Wegge, einladend backfrisch – macht mich an. Mitfühlend, 68er-ironisch (er kennt mich so) rufe ich über die 20 Meter zurück:„Du hast nun mal keine Ahnung von Distinktions-Marketing…;-)“. Grinsgesicht.

Ja, klar kostet dieses Fähnchen in einer ganzschweizerischen Coop-Menge eingekauft wahrscheinlich 2 bis 3 Rappen. Nicht 30. (So genau weiss ich das nicht). Nur hab’ ich mich persönlich gewundert, dass das einer aus meiner Generation, Mittelschicht, überhaupt merkt. Ich hätte es nicht gemerkt. Weiss nicht mal, wieviel eine Wegge überhaupt kostet. (und zu diesem Zeitpunkt wusste ich auch nicht, dass Coop eine Berghife-Aktion daraus machte…)

Aber er hat ja im Kern recht. Er wollte nur ein Wegge ohne Nationalstolz-Aufpreis.

Gehört die Wegge jetzt zur kooperativen Neutralität von Cassis? So im Sinne wir bezahlen jetzt lieber etwas mehr für unsere Schweizer- National-Weggen-Neutralität? Statt Völkerrechtsverletzung.

Aber mindestens ein Hinweis zum heutigen Marketing ist’s: auch klar, man kreiert schnell so eine vermeintliche Authentiziät. Die wird dann rassig zur gutverkaufenden, teureren glatten Marke. Wie diese Tulpenzwiebel-Päckli die wir vor Jahren noch kauften, mit mit dem schönen Tulpen-Fotos drauf, die so schöne Kelche versprachen…

Oder die Schweizer-On-Schuhe…schön, dass jetzt alle Ärzte sie tragen, auch die Pensionierten. – Nach der ersten drei Paaren, die ich vor Jahren, als firstmover trug, merkte ich dass da viel Distinktionsmarketing ist. Heisst: Teurer und bessser erscheinen lassen – und dann dazu diese Swissness!

Nicht so schweizerisch waren dann die Sohlenabbrüche nach wenigen Kilometern.

(Auch der arme Roger scheint darauf reingefallen zu sein. Bei ihm werden’s dann Kohlen-Abbrüche) Und erst die On-Verwaltungsratshonorare. Guat, das ist relativ. Wie bei der Ems Chemie.

 

Also diese nationale Prestigefixierung…auf alles ein Schweizer-Fähnchen. Unsere selbsternanten Heimatschützer finden das nicht schlecht…die Weggen gab’s ja schon lange vor dem Tell. Und wir haben ja gerne den Fünfer + z’Weggli. Vielleicht sind die jetzt auch noch Handlungsreisende in Sachen Fähnli? Verkaufen da ein paar Jung-SVPer auch noch überteuerte Nationalstölzli (nicht nur strunzdoffe Ballermann-Songs?) Wie bei den Masken. Halt immer etwas verkehrt rum: zuerst teuer verkaufen und dann dagegen motzen. Oder ist’s etwa so eine präfaschistoide Mangelwahrnehmung von Fahnen-Knappheit? Wer weiss.

Guat, sie haben grundsätzlich Arier lieber als Prekarier.

Obwohl ihre Zwangsstörung „Benzinpreis subventionieren“ vermeintlich für die Prekarier sein soll. Sind aber eher für die Erdöl-Firmen.

 

Die SVP lernt uns jetzt auch noch Energie-isch: Ein richtiger General soll her, auch für Gas, Dieselmotoren und AKWs. Die sollen nun auch noch ein Schweizer Fähnli bekommen. – Ich seh‘ das eh wie der Köppel.:“Ich bin ja tolerant….aber die Russen. Dabei sind die Russen ja nur die Vorhut der Chinesen. Gute Kunden der Ems Chemie.“

Nun gut, Die SVPis kennen ihre Polit-Role-Models: Josef Stalin, ein Vorbild aus gleicher geopolitischer Region riet einmal: «Wenn du einem Huhn alle Federn ausreisst, es trittst und ihm dann ein paar Körner hinstreust, wird es dir auf dem Fuss folgen.»

So gesehen ist das überteuerte Fähnli auf den Weggen eher eine Deko, so fürs Fussvolk eben. Und zum Trost könnte ich jetzt meinem Senioren-Kollegen den Mediziner-Witz rüberzwinkern: „Ach Herr Kollege, Menschen sind auch nur etwas Zusammengeficktes.“

 

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Aääh, das ist Äääh, sehr wichtig

Man hat eingeladen zu einer wichtigen Energie-Informationsveranstaltung. Eine seriöse Vereinigung. Organisation der Wirtschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz: aeesuisse graubünden. Schweizerisch verankert. Eine Dialog-und Netzwerk-Plattform seit 2014. – Hat bei mir hohe Affinität, hohe Akzeptanz wegen der Klimaschutzziele.

Der Präsident – ein langjähriger Freund – zappelt auf der Bühne herum. Ääahms alle 10 Sekunden. Rhytmisches Nicken, rudert sich schwingend mit den Armen in Fahrt so im Predigermodus. Die Körpersprache zeigt, dass etwas mit ihm…irgendwie slapstickig…hampelpolitisch…out of time…eher grotesk.

Ich habe am Morgen noch mit ihm telefoniert; eines unserer gemeinsamen Projekt läuft aus dem Ruder, weil sich zuviele Berater honorarsteigernd und portemonnaieorientiert verhalten. Jetzt hat er’s auch gemerkt. Sein Eigentrost: „ wir müssen das halt wieder positiv angehen…“ – Positiv thinking bis zum Klimatod nenn’ ich das.

Aääh, abschweifend noch und noch. äääh.

Für mich ist sein wirres Zappeln, Hin-und Her, chaotisches politisches Rumkurven – ein Sinnbild der schweizerischen Klimapolitik.

Bei ihm kann man kann das im Alter auch rheumatische Unbeweglichkeit nennen. ER war mal first mover, irgendwie bröckelts…jetzt nur noch in wirren Endlosschlaufen.

 

Er liest aus dem Tagi vor: die Oasen in Nordafrika, gell, „die Welt…dieser Ukraine-Weizen“, wir haben halt eine Herkulesaufgabe. Darum immer wieder dieses Wippen-Zuckeln, dieses bucklige Rumkurven auf der Bühne – meine (fiese) Frage:

Vielleicht hat das Grünsein auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum?

 

Originalton. „Aääh, die Wirtschaft muss ÄHHH (diesmal flachatmender) eingebunden sein.“

Guat, „ äääh, es ist ja grundsätzlich gratis, aber ich denke ääh Fr. 10. könnte man schon spenden…“ Guat, ist ja für den Apéro Riche, der ist bestimmt teurer. Hat, da jemand etwas nicht begriffen? Vielleicht die Reihenfolge? Bei Fundraising-Kampagnen bekommt man meist ja etwas Motivierendes vorgesetzt, ist dann überzeugt, dass das auch fürs Gemeinwohl…und spendet dann.

Der Apéro stösst schon auf.

Ich bekomme Sodbrennen vor soviel Wirtschaften mit heller ökologischem Zukunft. Vor soviel ÄHHS und WENNS und ABERS.

 

Highlight: Ein Referent mit hoher Kompetenz im Fachbereich Energiewirtschaft erläutert die schweizerische Strompreisentwicklung. Nur wegen ihm hat sich das Zuhören gelohnt…gute Schlussfolgerungen, gute Mathematik, gute Darstellung, gute Charts.

 

Seine Erkenntnis: wenn ihr Schweizer die 15 % Importstrom, die ihr im Winter braucht, auch selber mit Erneuerbaren erarbeiten würdet, wärt ihr nicht vom europäischen Strompreis abhängig– der notabene bis 10 mal höher als die schweizerischen Stromerstellungskosten. Der Referent (wahrscheinlich Nichtschweizer – er heisst: Dr. Adhurim Haxhimusa) und kann somit nicht stantepede die SVP-Souveränen mit ihrer persönlichen Ölbereicherungsstrategie mit Ölimport-Lobby und Zuger-Rohstoffhändlern angreifen. (Die Nebenerkenntnis war augenfällig im Diagramm sichtbar: europäische Ölpreise bestimmten auch den letzten (höchsten) Strompreis im ganzen 2022.)

 

Am Schluss der Vortrag eines jungen Wirtschaftsanwaltes. Guter Typ, intelligent und ehrgeizig, ich kenne ihn seit Geburt, früher ein Nachbarskind.“ we energize your taxes“…heisst sein Slogan laut chart. Dass man vielleicht nach der angekündigten Apokalypse mit angedrohten Bergstürzen und Überschwenmungen auch noch Steuern optimieren kann; ein Benefit, auch wenn der Apéro jetzt halt doch kostet….

Gleichentags stellt die Südostschweiz ja auch einen alternden Glücksexperten vor, der meint, Glück könne man lernen. Oder vielleicht mit einem neuen Ökolabel kaufen…

 

„Jetzt höre ich auf zu reden“, meint unser alternde Klima-Betriebssamkeitsritter,

 

weil es für ihn nichts mehr zu sagen gibt, obwohl es eigentlich viel zu sagen gäbe über das Nichtmitmachen.

 

Eine breite Wirtschaftselite macht da einfach lauwarm mit, beim CO2-Gesetz, oder beim Abschaffen von Ölheizungen.

Vielleicht hört er besser auf mit zappeln. Wir zappeln bald mal an viel Grööööööööserem…

Als 1972-Veteran, Club of Rome-Überlebender, surviver von x-Energietagungen frage ich mich nun, ob es das sei? Guat, vielleicht hab’ ich jetzt nicht mehr die Geduld mich fertig zu wundern. Wer haut das nun mediagerecht raus, lauter als die lauteren Rassisten, haut die Klimadrechsler und Verharmloser der Schweizer-Klima-Politik in die Pfanne?

Das macht man nicht. Darum wird man dann so zappelig.

Die Tagung war ein Erfolg. Viel mehr Zuhörer als erwartet, keine klimarelevanten Aussagen drangen an die Öffentlichkeit, und der Apéro (wahrscheinlich) guat (ich war ja nicht mehr dabei).

Man sah auch keinerlei Berichterstattung in den lokalen Medien.

Wenn das Klima ein Film wäre, würde man vor dem Hintergrund des grünleeren Bildschirms,während der Abspann läuft, einen Schuss hören. – Also: morgen beziehe ich meinen Kofpwehtag.

 

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Schwamm drübr

Schön, dass wir in GR nicht allzuviele Verschwörungstheoretiker haben. Mindestens augenfällige. Verschwammungs-Tendenzen haben wir aber viele.

Schwamm-Graubünden ist überall.

Wenn Skandale unterschwellig drohen, wird meist schwammig reagiert. Der Bündner Justiz-Apparat lässt grüssen. Meint auch, das sei alles nur Sensationsmache.

Angewandtes Schweigen ist in, eine gewisse Verdruckstheit spürbar. Ein Bündner will ständig besänftigt werden. Das ist fast kanonisch festgelegt. Geht meist mit einem Verstummungsfestival aller Beteiligten einher.

Die meisten sind an einer breiten Diskussion gar nicht interessiert…schon gar nicht die Leadmedien der Südostschweiz. Und im Rahmen unserer Kontaktstörungen wird dann auf TV Südostschweiz eine Talk-Show ausgestrahlt, die den Level einer Kita-Ringelreihe mit Media-Praktikanten hat.

Wir sind so eine Insel der Gemeinsamkeit. Der Engadiner Grossrat, der auch Bauunternehmer war, bevor er der Kartellgesetzbrecher-Bauunternehmer wurde, giftet mich an am Stammtisch (auf il Fuorn), wenn ich kartelliges verbreite.  Guat, er ist entschuldigt, wissen wir von Herakles, jeder wichtige Held muss mal kurz in die Unterwelt.

Vom Schellenursli haben wir ja gelernt, je grösser der Narr desto grösser die Schelle.

Darum kennt man vor allem Bündner wie den Unternehmer Stoffel oder den Raiffeisen Dunkel-Manager im Unterland. Sie gehen eben gerne in d’Schwämm. Ist ertragreich.

 

Umgekehrt, wenn ich in der Sportgarderobe in Chur einen Whistleblower in Schutz nehme, meint der neurechte Baulöwen-Anwalt beim Unterhosen-Hochziehen, das sei halt schwammig und mein Urteil wiedermal ebenso.

Sie gehen auch gerne auf die Jagd. Ist harmloser. Da Sie den grössten Teil ihres Lebens mit Steinbock-Witzen verbringen, sie sind ja zufrieden und halten sich für so kultiviert, wie es ihnen bei dem Kulturangebot überhaupt möglich ist.

Die meisten Bündner haben mittelmässige Jobs, sind glücklich, dass sie das nicht merken, und freuen sich auf die Jagd oder die Skisaison, wo sie dann Leberli essen (also nicht beim skifahren).

Aber es ist nie nur ein Leberfleck, sagt mir der investigative Journalist,

der leider zur „Republik“ musste, da seine Reports in GR meist nur mit „Schwamm drüber“ kommentiert wurden.

Ein lauwarmer Konsensstrom durchströmt uns. Nicht erst beim Baukartell-Skandal. – Schliesslich wollte man ja nicht alte schlechte Systeme durch neue schlechte Systeme austauschen…

 

Wir haben auch einen Kulturminister, der die Kartell-Debatte eher als Unkultur auffasste. Und immer wieder gewählt wird. Schliesslich wird er nobilitiert durch Bildungsbürger-Förderungs-Kultur wie Origen. Hauptsache sind  dort Themen, die nichts mit uns zu tun haben sollten. Wie biblische Geschichten und der Tanz ums goldene Kalb.

Und sogar das WEF kalbert neuerdings etwas schwammiger…

Dort haben wir eigentlich nichts zu sagen, bezahlen aber die Sicherheit. Das gab uns bisher immer so einen internationalen Pelzmantel-Groove. Dieses Bodyguard-Fragrance-Lüftli…Hier ist St.Moritz zwar der Tenor (der Gemeindepräsident ist sogar einer), die Abkassier-Arien singen aber die Davoser.

 

So ist das bei uns. Diesem ebenerwähnten Regierungsrat Parolini für die Wiederwahl zu gratulieren ist kein Kompliment, sondern eine Zweitmeinung. Das meinen wir dann schwammig wie er, schwenken schnell in seinen Vallader-Kirchenlehrerton. Er meint’s ja nur gut, und das erst noch in romanisch. Ex Oriente lux, ex Occidente frux. Aus dem Osten das Licht, aus dem Westen die Frucht, heisst’s doch so schön. Auch etwas schwammig, meine Anspielungen. (Parolini kommt aus dem Osten GRs…und ist nicht unbedingt ein Licht.)

Schwamm-Dummheit geniesst leider den Vorteil immer in der Mehrheit zu sein. Angewandte Schwarm-Intelligenz sehen wir dann eher in Grossanlässen wie Hockey-Matchs. Wir besitzen eine gewaltige Ausdauer und seelische Stumpfheit uns über Monate und Tage an Olympia-Wünschen und Weltcup-Events zu vergnügen…feiern dann so einen Redlichkeitsfestival. Fairness. Gibt inneren Frieden.

Meist wird unterreagiert, selten überreagiert.

Guat, im Sport ist’s etwas anders. Kampfsportler haben wir mehr als Denksportler. Meist zählt dann am Schluss die Skiclub-Hockey-Club-Monarchie. Das kenn’ ich aus meiner Zeit im Oberengadin, die Arbeitgeber geben dir Arbeit, und sagen was politisch statthaft ist. (aktuell: Als SP-Lehrerin solltest du also nicht irgendwelche eigenen Gedanken und dann noch zu einem Flugplatz haben..)

Unsere selbst definierte Zugehörigkeit zu einer Sprach-Minderheit erlaubte es uns auch Förderungsgelder für alles zu verlangen –

 

…so nach dem vom WEF gelernten Prinzip: lächeln, lügen, lachsfressen. (aber subventioniert)

 

Gegen alles nichtschwammige sind nonkommunikative Aktionen in der Tagesordnung. So sehe ich dann oft Leute, die wegen mir die Strassenseite wechseln in der Churer Altstadt. Nur in der Obergasse, wo ich aufgewachsen, ist das etwas schwierig. Halt eng. Da ist es sowieso schwieriger abzuschätzen, ob dir jetzt gute oder weniger gute Menschen begegnen. Die haben nunmal einfach ihre Welten im Kopf. Demokratisch ausweichend.

Und die Nicht-Debatten-Unkultur ist ja unsere Form von Demokratie. So sprengt man auch nicht den Freundeskreis wenn’s doch so eng ist. Und ja, Schlammschlachten gibt’s selten bei uns. Abtrainiert. Systemsprenger? Bestenfalls beim Jagdgesetz.

Sie haben halt ihre eigenen Reinheitsgebote wie der Raiffeisen CEO aus der Surselva oder der Churer Stadtpräsident. Der Erste war mal gegen das Grundeinkommen, sah für sich aber eher so ein bedingungsloses Grundeinkommen in atemberaubend schwammiger Höhe.

Der Zweite rettet die Welt mit seinen FDP-Eigenverantwortungssprüchen und etwas undefinierbaren Führungs-Gelabbere.

Überall etwas Filzität.

Man muss eben gehen können wie ein Kamel, von dem es heisst, es sei das einzige Tier, das beim Gehen noch einmal durchkaut. Kauen ist auch seine Devise, er braucht für alles einen teuren Berater.

Eng haben’s auch die Bergbahn-Manager, die am emsigen Mahlen der Kieferknochen erkennbar sind, neuerdings erkennt man sie eher an den Restless-Legs. Verzweifelt parkinsonisch rudernde Tourismus-Manager, die immer wieder Erfolg vorkauen müssen.

 

Zum Schluss: Wenn ich den Eindruck erweckt habe, ich würde da an Bekümmernis zu Grunde gehen…ist nicht so. Ich sehe das auch schwamm-ig, Schwämmeln heisst bei uns auch Pilze suchen. Einige davon sind einfach giftig, wie ich.

Ich habe einen Heidenspass an der Verschwammung, in guten wie in schlechten Tagen. Wir haben ja bald wieder gute. Und in einer guten Demokratie wird alles so zu einer Sosse. Mit einer guten Sosse ist fast alles immer geniessbar.

 

 

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Was Putin nicht gelesen…

Eine Verbesserung der Lebensumstände geht oft mit einer Verschlechterung der Lebensinhalte einher, meint Houellebecq in seinem neuesten Buch „Vernichten“. So im Sinne: Wirst du reicher, mächtiger, wirst du wohl eher blöder, einfältiger, vielleicht auch neurotischer.

 

Putin: So ein Menschen von dem es kaum vorstellbar ist, dass er sich selbst achtet, der aber ziemlich gut zu schlafen scheint, scheint ja wahrscheinlich auch keine Bücher zu lesen.

Bei uns lesen immerhin 95 % nix. Und von den 5 Prozent, die lesen, lesen achtzig Prozent Bestseller. (Nebenbei: bleibt also noch etwa 1 Prozent, die irgendeinen Lerneffekt haben.)

Putin will vielleicht zur Zeit auch nur seine Lebensumstände etwas verbessern, oder verhindern, dass sie sich verschlechtern. Guat, dazu könnte er auch einfach mehr lesen – wohl besser nicht die Strategie-Berichte seiner Geheimdienst-Analphabeten.

OK, vielleicht hat er wenigstens bei Tolstoi die napoleonischen Kriege mal durchgekaut?

Sieht aber nicht so aus. Oder er hätte beiläufig bei der Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk mitbekommen können, dass Menschen, die an einer Psychose leiden, fast vollständig ihre Lesefähigkeit verlieren. Hat er wahrscheinlich auch. Aber fast sicher bin ich, dass er sich kaum bei Thomas Mann von der Schwindsucht kurieren lassen konnte.

Guat, ihm als Deutschkenner, damals in Dresden stationiert, würden wir natürlich liebend gern den jungen Werther Goethes empfehlen. Der gab ja den Impuls für einen Selbstmord. Aber wahrscheinlich hat ihm Bussi-Freund Schröder da auch nicht aufgeklärt.

Alles Deutsche ist dann doch wieder nicht lesenswert. Aber er, als Petersburger, kennt er vielleicht noch die Hitlersche Direktive zu seiner Heimatstadt: „Der Führer hat beschlossen, die Stadt Petersburg vom Antlitz der Erde zu tilgen.“ Die Geschichte wiederholt sich gerne. Mariupol lässt grüssen.

Er liebt vielleicht lieber den Text über den Wolf, der sich als das Rotkäppchen ausgibt…Aber wahrscheinlich haben die ihm die Antidepressiva und die grossen Erektionshelferlein klein gemacht und unter seinen Borscht gemischt.

OK, der übergrosse Kreml-Verhandlungstisch hat vielleicht ein schlechtes Literatur-Karma und keine Leselampe.

Der Tisch ist noch nicht, wird aber vielleicht auch noch Literatur. Vielleicht wie die letzte Aufzeichnung seiner Herzmaschine vor dem finalen waagrechten Strich nach dem Kriegsverbrecher-Tribunal im 2024.

So gesehen, nützt dann lesen nix. Die Lebenskompetenz aufpeppen, kann man ja mit Menschen-Verlustrapporten kaum…

Wahrscheinlich gibts eh nach der feuchtmuffigen Schutzbunker-Zeit eine neue Art von Literatur, so aus dem unansehnlichen Voll-Verwüstungs-Zonenrandgebiet der russischen Literatur: die Paralympic-Trophy für T-72-Besatzungen, den Integrationsbambi für abgesetzte Russische Generäle oder auch den Friedens-Literatur-Preis für Lavrow….

Ja klar, alles beginnt immer mit der Sprache. Russisch mit Kaputthintergrund gibts jetzt auch bald.

 

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Stromprollitik

„Haben sie Allergien?“ Fragt man immer öfter an allen unmöglichen Orten. Ja, hab’ ich, aber nur ab und zu mal eine Polit-Allergie. Zur Zeit ist es die Stromallergie.

Der Strom ist jetzt auch schon in den SVP-Hosen. Die Russen sind nicht mehr so glaubwürdig. Und die Putinfreundlichkeit mit Fossil-Liebe hat nicht so recht geklappt.

Den Strom-General wollen sie jetzt auch nicht mehr so recht, nachdem soviele russische abgeschossen wurden. Guat, es gibt halt so etwas wie ein Gehör für Sätze und Worte, das sie nicht haben. Klar, die SVP-Themen schiessen sich immer wieder selber ab, sind ja immer wieder selbstreinigend. Kommen aber immer wieder mit hirnloser Beharrlichkeit.

Wie eine Horde durchgegangener Oldworld-Nashörner überbieten sie sich im Schweiz-Rettenwollen – und merken nicht, dass sie dabei  das Welt-Überleben tottrampen.

 

Die Apokalypse-Bewirtschaftung lohnt sich bei dieser Klientel ( ablenken vom Klimaschutz – schliesslich will man an fossilen Brennstoffen weiter verdienen..)

Wie Putzervögel auf dem Rücken eines Nilpferdes picken sie mit ihren Vorstössen zwischen den Speckfalten der Wohlstandschweiz herum, um sie sauber zu halten. Zum Beispiel auch gegen die Klimaschützer.

Welche Dinosaurierart war es, die interessiert verfolgt hat, wie sich eine andere Dinosaurierart in ein Bein weit unten verbeisst – bis irgendwann in ihrem Hirn die Nachricht angekommen ist, dass es ihr eigenes Bein ist, das da gerade gefressen wird?

Jahrelang den Umbau zu erneuerbaren Strom mit allem verhindern, und dann wegen der Stromlücke motzen. Das ist SVP.

Klar, weder die Fossil-Gruftis noch ich möchten unser gutes Schweizer-Leben aufgeben. Das schlichte Verneinen (Ich will das nicht, dass es wahr ist!) das All-you-can-eat Buffet der Schweiz…unseren Wohlstands-Bonbonladen versauen; kommt nicht in die Tüte.

Aber eigentlich brauchen wir alle Energieformen – vielleicht nur nicht die russischen Weltfresser aus Öl und Gas. Jeden Mix. Aber die SVPler wollen vielleicht immer noch nicht wissen, dass Fossile so wie wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck sind, auf Dauer lebensgefährlich.

Ich kann das natürlich als sinnfreies Kommunikat wahrnehmen. Ja mit so einem Strom-General, so guisanmässig ist das wohl zu lösen… mit so einer Rekruten-Pädagogik à la russe…

Solange man an den Fossilen mitverdient, will man noch nicht geistig diversifizieren.

Die hochbezahlen PRler, Furrer–Hugi und Konsorten , werden das für viel Geld unter die Leute bringen. Atomisiert werden sie da kommunizieren. Man weiss ja nie, ob es in 25 Jahren tatsächlich sichere A-Werke geben könnte. Konjunktiv.

 

Ist OK, für Leute, die soviel Vermögen haben, aber nicht das Vermögen etwas differenzierter in die Vergangenheit zu schauen oder gar in sich hineinzuschauen. Ist halt ihr kümmerlicher Möglichkeitssinn..kombiniert mit ihren Empörungsgesichtern mit Schnappatmung, gell Frau Bircher und Herr Imark,.

Mit kaschierter Verdruckstheit manipulieren sie ihre Trollbasis (oder sagt man Prollbasis?)

Ihre Brüllphilosophen werden das dann schon unter die Leute bringen.
Sie sind aber erfolgeich, so als Tubbelmagneten. Und schleichen sich so an. Zwielichtig, putinig, pseudo-volkig eben.

Auch in Graubünden. Man bringt einen Regierungsratskandidaten, Hug, der  ist so harmlos: gell, einer von uns, Steinbock, Architekt sogar, und ein guter Gemeindepräsident.

Und Martullo, die Superreiche, zwar wirtschaftlich kompetent aber moralisch fragwürdig – wieder mal so tut als ob sie dem Prekariat das Portemonnaie schützt (und auch noch Putins Ruf). Soziale Gerechtigkeit als Vorwand…es kann nicht sein, dass die Armen im Berggebiet noch mehr fürs Benzin zahlen…Verdecktes Scheibenschiessen auf die Erneuerbaren. Weil sie ja nichts erneuern wollen.

Typen wie sie sorgen dafür, dass die Welt bleibt, wie sie ist.

Sie legen sich wohl gerne am Samstag auf den Diesel-Kühler um hingebungsvoll die Frontscheibe mit dem Sünnali wieder zu polieren. Machen dazu ein leuchtendes Gesicht, als hätte man die Glühbirne erfunden.

Und wenn dann tatsächlich in 3 Jahren der Strom ausgeht für 3 Tage…?

Jesses, wär ja schlimm mal in der Daunenjacke ohne Cordon-bleu den Samschtigsjass zu lugen. Da kommt wohl dieses Titanic-Gefühl auf, der Untergang ihres Luxusdampfers, der nicht versteht Eisberge zu meiden?

Luxusdampferprobleme habt ihr schon. Und Kapitäne, die sich überschätzen sowieso.

Sie bauen auf den Bystander Effekt. Zuerst beunruhigen und dann ausrufen: …die Ruhe der anderen wiegt uns in falscher Sicherheit. Die FDP-Gewerbler glauben auch noch an diese Geschichtlis. (Jahrelang hat das American Petrol Institute: jährlich 10 Mio Dollar in Werbung für  sogennant „saubere“ fossile Brennstoffe ausgegeben.) Das wirkt dann bis zu den Harvard-Absolventen in der Schweiz. OK, die verstehen wenigsten den Satz von Upton Sinclair. „It’s difficult to get a man to understand something when its salary depends upon his not understandig it.“

Sie gehören eigentlich auf die Strafbank…bei all diesen Tscheggs von hinten…

Es ist einfacher die Leute zu täuschen, als sie davon zu überzeugen, dass sie getäuscht wurden, sagte doch auch schon der alte Mark Twain.

 

 

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Osterlüftchen

Wenn ich mal genug Ukraine-Horror oder Screen-Trance habe, also gelangweilt vor dem Bildschirm hocke, alles stummschalte, mal app-schalte, mache ich mich gerne auf einen Bonda-Quartierspaziergang. Wenn man viele Stufen übersprungen hat, endet man in Chur hier oben, kann fast nicht mehr weiter.

Als Füdlibürger-Churer vom Bonda-Quartier, sehe ich mich natürlich nicht als solchen. Meine routinierte pseudo-intellektuelle Geringschätzigkeit dieser Umstände erleichtert dann auch einen deep dive in diese Zielgruppe mittlerer provinzieller Bürgerlicher, die sich für klüger hält, als sie ist. Also wie ich.

Ich kann ja, als alter B-Boomer, nicht in diesem ambitioniert frechen werblichnervenden Influencerinnen-Ton über mein Quartier reden.

Das selbstgefällige Zen, dass sich im Herumkarriolen im Diesel-SUV, Eigenverantwortungs-Golfen und blau-gelben Nails äussert, kann ich nicht ganz nachmachen, aber doch verstehen. Ist ja auch nicht durchs Band so: Im Bondaquartier redet man eher über Weingüter, Prostata-OP und Saron-Zinsen.

Mein reflexhafter Sarkasmus ist hier eh nicht angebracht. Lässt höchstens oberflächliches Verstehen für meine Denke ahnen.

Wir wissen ja, dass die Summe aller sich selbst verwirklichenden Individuen glückliche Gesellschaften ergibt.

„Schatz, ich bin glücklich.“ schreien ja schon die üblichen zwei- bis dreistelligen GR-Autonummern.

Diese Leute in ihrer kleinen Alltäglichkeit und Anhänglichkeit, in ihrer geduldigen Bedeutungslosigkeit, haben eben Regeln.

Mit geblähten Sehnsuchtssegeln erfüllt von einer grossen Ruhe,  spaziere ich durch mein Traumquartier. Hier scheinen die Leute nicht einmal zu ahnen, dass man auch nicht glücklich sein kann…

 

Guat, alles hat schon irgendwie den Look des pensionierten Regierungsrates, der mit grosser Selbstverständlichkeit das Recht auf seine Anwesenheit wahrnimmt. Ist doch alles gepflegt, maniküriert, justiert, ordentlich nett und putzig blumig. Samschtigsjass-Graduierte, FDP-SVP-Leserbrief-Pleps oder auch diversifizierter: Dinkel-Dünkel-Bündner mit Vollkornsandalen..Aber auch Corona-Gegner soll es hier geben. Nur: gegen eine Krankheit sein, nützt ja auch nicht viel.

 

Und wenn am Horizont der Surselva-Himmel dann so unendlich und weit die Nachmittage lang sind, komme ich keineswegs ins Grübeln. Eine grosse Weite breitet sich in mir aus,

…ein wortloses Gefühl des Erhöhtseins, immerhin 150 Meter über dem Churer-Normlevel.

 

Die Rehe, die immer wieder in unserem Garten fressen, sind da eher ein Symbol. Glücklich und schweigend gemeinsam. Wie zwei Menschen, die es gewohnt sind, viel Zeit miteinander zu verbringen, sehen wir uns – wenn sie mich nicht wittern – durch die Mehrfach-Glasung an. Ich twittere dann beiläufig das Gefühl, es begrüsse mich mit der herzlichen Beiläufigkeit, die eben ehemalige Regierungsräte im Quartier auszeichnet.

Wobei das Reh, wie mir scheint, mit etwas weniger aufgeblähten Bedeutungssegeln grast. Es hat wohl auch schon das moderne, bescheidene Schweizer Mittelschichts-Verhalten angenommen. Und leidet auch nicht unter dem Segel einiger schärferer Missinterpretationen – manchmal hör’ ich da raus: Afghanen? ja, als Hunde. Ukrainer? ja, zur Imagekorrektur. Velofahrer? OK, solange Tempo 50 bleibt. (OK, Das war jetzt die Stelle mit der billigen Polemik.)

 

Guat, haben wir beim Toleranz-Yogi gelernt; ich will auch nicht im Quartierleben herumnasen. Auch wenn einige vielleicht Vollpfosten sein mögen, sie haben ein Recht Bremspfosten zu sein…(wie die Fossilien-Partei, die SVP, die nur noch Fossile unterstützt. Schliesslich laufen die russischen Panzer nicht mit Erneuerbaren.)

 

Heute ist eh Osterweekend. Osterspaziergang. Schon bei Dante kam man in den Höllenkreis im Erdinnern durch acht terrassierte konzentrische Kreise hinab. Fast wie so vom Kliiwaldegg zum Kantonsspital. – Oder umgekehrt von unten nach oben 4 Tage und 3 Nächte immer weiter der Höhe zustrebend ins Purgatorium (der Reinigung). Eben sozialer Aufstieg. Der Flug durchs himmlische Gefild.

Weiss nicht, ob all die Putzfrauen, die hier täglich raufkommen, das auch so sehen…

 

(Vielleicht schreib ich auch aus Notwehr solche Anbiederungssätze.)

Das gute alte Gretchen, die Putzfrauen-Figur der Literatur.
hat’s auf jeden Fall irgendwie gecheckt. – Ich hör’ schon den Oster-Faust spazierelen: „Ich höre schon des Dorfs Getümmel. Hier ist des Volkes wahrer Himmel. Zufrieden jauchzet gross und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!“

Und alle Oster-Oberstufen-Kolumnisten meiner Güte würden da agitato beifügen: Osterlüftchen. Wir sind unseren Grossvätern dankbar für die AHV, die wir ihnen jetzt abklemmen, lassen ihnen auf den Fussgängerstreifen keinen Vorrang, sind aber doch pazifistisch und jetzt auch für einen Nato-Beitritt.

Füdlibürger sind nicht immer Fortschrittswürger.

Wir sind ja im Ruhestand. Und gerade aus dem Stillstand soll neues Leben entstehen. Das zeigt  sich ja in der Korrelation des Verschwindens von Krawatten und dem steigende Anteil von Frauenkandidaturen bei den Grossratswahlen. Da kommt doch so ein mau-laues Frühlingsmütchen auf…

 

 

 

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Die Senioren-Klappe

Da sich die Welt gerade ändert, schau’ ich einiges genauer an. Kürzlich ein aktuelles Foto der „Early Seventies“ der HSG. (also meine Alters-und Berufs-Gruppe, mein sozialer Marker). Irgendwie edgy. – Guat, die soziale Diät durch Corona hat mein soziales Sensorium vielleicht verfeinert, vielleicht auch verbiestert..

Zur Foto (oben) passend, sinnieren sie im dazu passenden Artikel von, „ wir müssen keine Karriere mehr machen.“ Guatso. – aber nichtsdestotrotz „sich in den Ruhestand begeben, das möchte ich nicht“ sagt der Präsi. Auch okay, so sehen sie aus.

Ich schau mir das Alumi-Heft an – war vor kurzem noch im Warteraum der Strahlentherapie im Kantonsspital an. OK, anderes Setting. Und sinniere nun auch mit Napoleon:“ „Was für ein Roman ist doch mein Leben!“ Nur hat’s der nicht ironisch gemeint. Er lag ja auch falsch, er hatte seine Biografie,“ Le Mémorial“ auf der Insel Sainte-Hélène geschrieben.

Die war dann genauso langweilig wie etwa eine Cassis-Bio rauskommen dürfte.– Eben: Alte-Männer-Biografie.

Schau sie an auf dem Foto. Sie haben ihren HSG-Filter auf die Welt gelegt, glauben offenbar an das Grundrecht, dass man an der Welt nicht allzuviel ändern sollte. Nungut, wenn die Frauen schwerer werden, wird das Leben leichter.

Sie sind alle noch busper, in ihren Augen glitzert noch das Vergangene, es schimmert noch auf der Hornhaut und vielleicht auch in den Neuronen…so meint man’s mindestens zu erkennen…Diese gestrickte Wiedererkennbarkeit. Dieses Gepose mit der sabbernden Erinnerung. (Zur dieser meiner Zeit: es gab noch kein AIDS, Vietnam am Anlaufen, Homosexuelle outeten sich noch spärlich…und der Ogi konnte damals nur gut skifahren..)

Ich war ja mit einigen von Ihnen in den frühen 70er oft an der HSG-Caffibar. Später wurden einige von ihnen so Buy-Low-Sell-High-Existenzen, die immer auf Achse waren. Mehrheitsfähig haben sie doch in der breiten Öffentlichkeit den Status einer universellen Anerkennungsinstanz erlangt und verdient. OK, ihre von mir jetzt vorprogrammierte Entwertung soll doch nicht zu einem gewaltsamen und traurigen Ende führen!

Sie haben wahrscheinlich die Schwall-Sunk Problematik des Lebens längst begriffen: zuerst ein Schwall von Überforderung und dann der Sunk ins Nichts.

Und sie wissen: Mit unserer Osteoporose haben wir eh nicht mehr so viel Knochen für die Sauce. Und vielleicht wissen sie sogar: im Alter nützt auch Torheit nichts. Die meisten von uns haben gelernt, sich in Restaurants im Allgemeinen für das Tagesmenu zu entscheiden. Würde sich ja nicht lohnen, darüber leidenschaftliche Diskussionen zu führen.

Sie sind Elitewillige (oder mindestens so Denkende), die sich jedes Jahr, der (mindestens angedachten) Hegemonie ihrer Organisation versichern müssen. Die Macht dieser Konnektivität strahlt doch so eine Solidarität innerhalb der eigenen Identitätsgemeinschaft aus.

Dunkler Anzug, helles Hemd…so eine toxische Positivität. Wie alle Genormten aus der neoliberalen Ecke, die jetzt bedauern, keine Kravatte mehr tragen zu können. Meine ich – sie aber nicht. Sie haben doch einen guten Kern, der sich einfach nach vor lauter NZZ in die falsche Richtung bewegte…Ich hoffe, ich weiß, dass sie glücklich werden.

Der Club der fast toten Manager. Mit Zugehörigkeitsbeweis.
Wer sich mit der HSG ins Bett legt, wacht mit einem dicken Portemonnaie auf. Man begehrt, was andere begehren, und zwar durch Nachahmung.

Ich weiss auch, es gibt furchtbar dumme Menschen, die an der HSG grandios abschneiden…aber auch umgekehrt.

Es ist wohl normal, dass sich ältere Menschen für Geschichte interessieren. Wie ich höre, lesen sie offenbar so gerne historische Biografien……vom Schicksal berühmter und manchmal mächtiger Menschen, die letztlich auch nur zu Staub geworden sind.

Eine üble Performance, aber sehr üblich.

 

Das relativiert doch unser Dahinscheiden. Das sind so Bemächtigungsversuche der Zeit. Wie ein leises Summen höre ich aus dem Foto schon das Betriebsgeräusch des ewigen Gleichweitermachens im vertraulichen Gemütlichkeitsecken.

 

Gedacht: Ob der Tod jetzt rumantsch grischun redet oder ein anderes Idiom, oder ob wir erst in der Nachjagd freigegeben werden, ob man uns mit einer Stromlücke Angst macht oder der Wolf uns frisst, ist wohl egal.

 

Und da kommt einem unwillkürlich der (wiederholte) Satz von Houllebecq in den Sinn: „Zum Schluss schüttet man ein bisschen Erde auf uns, und alles ist auf immer beendet.“ Die Beendigungsrituale und die Beerdigungsrituale sind es doch, die wir hinterfragen sollten. (also abfackeln kann man mich natürlich auch) Nach einer Gesellschaftskarriere mit Stress, Gepose und und einer hundsgewöhnlichen Aussichtlosigkeit hat man doch das Recht auf‘s standesgemässe Abgeschobenwerden, auf eine Abfertigungstonart für die vorauseilende Leere.

 

Jetzt wo die Babyklappe hinterfragt wird, fragt man sich ob eine Seniorenklappe nicht angemessener wäre.

Denn die soll im Grunde genommen verhindern, dass weiterhin unsere Generation – also die über 70 jährigen – als Zeremoniermeister noch weiterwursteln auf irgendwelchen Politsitzen oder Verwaltungsräten oder sich als lebensrettende Lebenskomiker sehen.

Beschafft uns einfach die Seniorenklappe und zwar subito. Deponiert uns in der Klappe .Wir wollen unsere Klappe und halten dann die Klappe.

 

 

 

 

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ZOOM davonlaufen

Gut, neue IT-Tools brauche ich nicht immer zuerst, da habe ich eher so eine gelassene Art damit umzugehen. Stressless, heisst das glaubi. (Nicht nur der Nuvo-Biedermeier-TV-Stuhl aus der TV-Werbung…) Will heissen, eigentlich ist’s mir egal.

Die Möglichkeiten des digital unterstützten ortsunabhängigen Arbeiten sind ja wirklich ein Segen. Und Ja, Tablett oder Smartphone sind tolle oder auch die schrecklichsten und folgenreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Wecken bei den Falschen manche Bedürfnisse, die wir sonst nicht hätten und lässt uns an allem Möglichen teilnehmen…

Ich hab’ bei unserem Sohn, U-Berater mit Microsoft und Team die Selbstverständlickeiten gesehen, wie man damit umgehen kann– oder könnte? Mit all den Zoom-, oder Team-tools. Meist streng durchgetaktet–wirklich ein Segen.

 

Reality check bei einem real existierenden Bündner Unternehmen: Wir hocken zu fünft vor einem kleinen Tablett in Chur. Altersdurchschnitt zwischen 60 und 74 (das bin ich). Ein Soziologe würde sagen zwischen abgelöschten Jobbern und intrinsisch übermotivierten Bestätigungs-Senioren-Unternehmern.

Eine Dame bemüht sich…aber es war so pandemisch surreal, als wollte sie durch eine Plexischeibe ein Glacé essen.

 

Wir kommunizierten mit hochbezahlten Beratern zwischen Basel, St. Gallen und Chur. Und ich ging davon aus, dass bei diesen anwesenden Durchschnittsstundenlöhnen so was wie eine technische Vorbereitung, also vorbereitendes Beherrschen der Besprechungstools auch selbstverständlich seien. Es ging aber rund 25 Minuten bis zum Start.

„Jezt söttis glaub go..“
„Freigabe steuern? Was maint’r damit?“

…und so on. Die anderen, also die Basler und St.Galler etwas ungeduldiger. Die hielten uns nach 10 Minuten schon für Basic-Vollpfosten. Lasen wahrscheinlich multitaskend parallel E-mails und beantworten Mitteilungen auf dem Smartphone. (Da kann man die Verrechnungstunden multitaskend multiplizieren.)

„Jezt muasch abr d’Muus golohn“

„Wart, dr Kevin waiss wohrschinli wia, i lüt im a..
i khan abr nit dr Bildschirm varlooh?“

Ja, die zunehmende Verwendung von immersiven Frontier-Technologien wie dem Metaversum verändern unser Leistungsfähigkeit, so etwa hat die NZZ vorsichtig gemeint. Je nachdem werden unterschiedliche Hirnregionen aktiviert. Oder gar keine.

„ was maint är mit shiften?“
„Jetzt häsch abr dr Bildschirm nit teilt..“
„Mümar jetz uf „Dokument taila“?“

Das teile ich jetzt voll.

Zoom Fatigue. So heisst, ja die Erschöpfung nach einer Video-Konferenz.

 

Da niemand die Sitzordnung nach visueller Screen-Aufteilung beorderte, war ich dann die ganzen zweieinhalb folgenden Stunden nicht im Bild – also nicht auf dem Screen der eigentlich dazu vorgesehen war. Mein Glück. Ich musste damit nicht ununterbrochen auf das weit weg liegende Tablett und den entsprechend kleinen Bildschirm starren, wie es gefordert wird.

 

Am Schlusse der Herr von Basel. (demonstriert digital stressless):

„I muess mi do leider uusse schliche, will i do no en Anschluss-Call ha…“

 

 

 

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Calanda Hymne

Mal gelernt. Eine gute Regierung ist wie eine geregelte Verdauung; solange sie gut funktioniert, merkt man kaum etwas von ihr.
Das ist auch bei uns in der Graubünden-Politik so. Und auch mit  unseren Bergen irgendwie so. Der Calanda, der Stoiker vor meinem Fenster, der hat’s nicht nötig sich irgendwie zu erklären.

Wenn ich ein Berg wäre, wär’ ich der Calanda. Der ist so durchschnittlich. Und sieht manchmal so schön aus, dass es nicht auszuhalten ist. Der hat so eine Wer-die-Welt-liebt-lässt-sie-in-Ruhe-Haltung. – Jo, isch doch guat, wissen wir – eigentlich will doch jeder etwas Fassbares, Klares, etwas Einordbares, etwas was sich nicht verändert.

Danach sehnt man sich nach all diesen Corona-Jahren. Das haben wir nun mindestens schon 22 Monate hinter uns. Und es geht wahrscheinlich noch länger. Nach all diesen Unwägbarkeiten, diesen unvorhersehbaren In-die-Welt-treten neuer Viren, neuer Infos. Dieses Ungewisse, das nennt man heute Emergenz. Und ja, einige (wenige) von uns sind emergenzwiderständischer geworden.

Und man weiss, je komplexer das Ganze, desto mehr Angstarroganz bleibt…wie bei den Diktaturschreiern.

Das ist wie bei der Kunst. Je preisgepushter, desto durchergefallen: je lauter, desto Nichtssagender.

OK, unser angeborenes Fluchtverhalten ist ja eher für die steinzeitliche Kleingruppe gemacht.

So im Stile Aha-ein-Calanda-Wolf-LAUTSCHREIEN. Gppvrdmmi.

Geht aber nicht. Da ist mal ein Mangel an Selbstberuhigungsstoffen. Und unsere toxische Positivität hilft auch nicht immer. Am meisten hilft Kontingenz, aber sag das mal diesen Daseins-Schwurblern: „Kontingenz bezeichnet prinzipielle Offenheit zu Komplexität“. Die kennen das Wort wahrscheinlich gar nicht.

Der Calanda schon, der macht das einfach immer richtig. Das Richtig-Sein kommt von seinem Überblick. Der sieht den Nebel schon in Sargans kommen und weiss: „Aha, sogar der Mittenberg ist am Mittag zu.“ (Also nicht besoffen.) So wie der Polizei-Forensiker in schlechten Krimis zu sagen pflegt: „….so zwischen ein Uhr und vier Uhr…“

Natürlich weiss der auch, dass so ein Steinbock auf seinem Grat mehr vom Leben versteht, als die meisten Menschen.

Der bekommt dann auch keine Hirnerschütterung weil seine Selbstgefälligkeit etwas leidet, weil er impfen sollte…

Er weiss, viele kraxeln zu ihm herauf, um den Himmel zu überwinden.
Und dass sie im Grunde genommen so eine Entgötterung möchten, aber nicht können. Er weiss auch, es gibt so nebst einigen HUHU-Berge wie dem Uetliberg auch gestandene Berge wie Tödi und Bernina. Keine so arrogante Dünkelberge…die dann plötzlich von Weitem so Stadt-Land-Gräben sehen wollen. Er sieht alle Möglichkeitsräume. Auch diese deprimierende Vielwichtigkeit und Vielschichtigkeit der Nebelwerfer.

 

Guat, wenigstes sieht unsereiner ja täglich in der Tagesschau jemand, dem es schlechter geht. Das funktioniert wahrscheinlich auch unter Bergen so.

Der Calanda sieht den Polentahügel, den Berg-Simulanten: Denkt sich, der passt guat zu Chur,

Hier haben wir viele solche Management-Simulanten, so Vührungs-Fornehm-Tuer. Eigentlich wie der Stapi…die spielen diese Rolle sehr gut…und füllen dann so ein Autoritätsvakuum.

 

Wir möchten halt alle so wie Winnetou dichtgeschmiegt an den Hals des Pferdes, dem Omikron-Feind im Kampf tapfer allen Bergen entgegengaloppieren. Uns in die richtige Kohorte einsortieren.

So wie ein schizophrener Schamane in einem Sioux-Dorf, der

 

gerade wegen seiner Unfähigkeit die Welt rational erklären zu wollen, als Prophet hochgeschätzt wird.

 

So wie diese Trumps, Orbans und Chiesas…mit „ derwischmässigem Wiederholen monotoner Schlagworte bis alles Schaum vor dem Mund hat.“

Guat, alles ist nicht so eine primitiv-exzentrische-populärdemokratische Nicht-Denkwelle wie bei unseren vermeintlichen Polit-Oppositiöönlern.

Diese Obergurus in Sachen spezifischer Hirnficks wissen das schon. Sie warten wie Wladimir und Estragon auf einige Deppen, die dann mitmachen, freedom day, eine Steuersenkung, einen neuen Blocher oder einfach auf die Leerstellen auf den Konti anderer. Das alles mit diesen Obertönen in der Stimme, mit zu vielen falschen Höhen, dünn und so tölpliganbiedernd…

Guat, Wladimir (also nicht der umnachtete Wladimirowitsch) und Estragon haben eben Beckett gelesen und diese Was-soll-das-Ganze-Fragen schon längst abgehandelt. Das volle Programm. Die wissen, das das Leben in der Politik so etwas ist wie eine leicht angedischte Banane, schon 2 Wochen im Mammut-Rucksack, matschig, reglos weich eine träge Masse, so ein ausgegorener Brei, der dann in den Medien als knallharter Fakten-Pudding zelebriert werden muss.

Die hätten auch im Godot eine Antwort auf Corona:

„Wir lassen es verschwinden. … In einem Augenblick werden alle verschwinden und wir werden wieder allein sein…

 

die Tränen der Welt sind eine konstante Menge.“ (OK, alles noch besser als die Gewerbeverband-Statements): Ja, das denkt wohl auch der Calanda und denkt sich dazu vielleicht auch: „Man beachte die tiefe Ironie.“

Und die Abenddämmerung zwinkert vom Tödi her sanft rüber. Meint vielleicht zu mir: „Und wieso hast du jetzt nicht die Welt gerettet, sondern nur einfach so einen sinnlosen Berg-Blog hingeschrieben?
Auch da hat Beckett die Antwort. Die Zeit. „Sie wäre sowieso vergangen“, heisst es in „Warten auf Godot.“

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JAin zum medienpaket

Noch nie war ich so zweigeteilt, so fast schizo, wie beim Medienpaket, das am 13. Februar in der Schweiz zur Abstimmung kommt. Klar, wir wollen die Meinungsfreiheit aufrechterhalten. Den kleinen regionalen Medien helfen. Romanische und italienische Medien mitfördern. Die antidemokratischen Vollpfosten wegstimmen.

Wenn man zuviele Filme und Drehbücher angeschaut hat, hat man bei allem, was man tut, mitunter das Gefühl sich in einer Filmszene zu befinden. Mit unserem Regionalkonzern, der Südostschweiz, gehts mir auch so. Da wird gespielt. Die Bündner Zeitung von früher, war mal mein Traum-Leib-Blatt. (und ich hab’ auch oft mitgeschrieben..)

Wenn ich heute die Südostschweiz-On-line querdurch lese (Okay, so häufig mach’ ich das nun auch wieder nicht…), denke ich, die Zeiten haben sich geändert.

Wenn ich die SO lese, überkommt mich so eine Übelkeit wie bei den neuen Woody Allen Filmen.

„Komödie ist gleich Tragödie plus Zeit“ hat der mal gesagt, früher nerdige Filme gemacht und ist heute einfach wääh, zum genieren. Ja und wie der Woody ist auch der Output des SO Konzerns halt so gespielt „forever young“, zusammengedrechselt, eher tragödisch, auf new gemacht.

Die Praktikanten so im Stile von Rosa Wilder “Ech weiss ned obi nöime häre ghöre. Be jetzt eifach mol dert woni bi.“ Ja, sie geben sich Mühe jeden Tag die inseratereduzierte Zeitung mit einer bodenlosen Hölle von Harmlosigkeitsterror, Oberflach-Bündnerwissen und Schmal-Themen zu füllen. „Wer kann das ansehen, ohne leise zu schnarchen?“, hätte wohl Kafka leicht abgeändert gesagt.

So Suboptimisten halt. Das alles angereichert im Quasselstrom von Grossrats-Protokollen und Freakunfällen, von E-Bikes, der neusten Esel-Vermietungsstation oder einem härzigen neuen Regionaldichterli. Dazu….eine Ladung Politik-Verlautbarungs-Capuns-Maluns-Snowsport-Bike-Fruchtpürée. Sie lieben es daherzuschreiben über alles, was sie nicht überfordert.

Behäbig halt, so ein narkoleptischer Guss für uns Senioren. Manchmal komme ich mir vor wie auf einem Betriebsausflug der alten Walking Deads-FDP-CVP aus den 70er Jahren.

Eine abgrundtiefe stammtischstundenlange deprimierende Pseudo-Vielwichtigkeit und Vielschichtigkeit…

Halt einfach etwas mau und morsch, würde man heute sagen.

Dazu redet man sich ein, regionalen Recherchier-Journalismus zu betreiben: O-Ton: „Wir haben ja die Baukartell-Geschichte aufgedeckt…“– Ja, die „Republik“ hat die gehörig aufgemischelt, dann musste die SO nachträglich erst Dampf mitmachen.

Und dann überlege ich mir, dass ein Konzern wie die Südostschweiz und dadurch eine reiche Familie unter dem Vorwand von Sprach- und Minderheitenschutz Steuergelder für Media-Erhaltung kassieren wird…

 

Zugegeben: SO Radio oder TV sehe ich mir das ganze Jahr nie an. Die SRG macht da viel besseren Regionaljournalismus: Regionaljournal und RTR beweisen es immer wieder.

Und: 40 Millionen der 150 Millionen sollen für die Früh- und Sonntagszustellung von abonnierten Zeitungen ausgegeben werden. Also: noch mehr Zuschuss für unsereiner, für aussterbende Medienformate, für die Seniorenfraktion.

Und jeden Tag kommts mir hoch: Krankgesparte Redaktionen im Kosmos der Churer Polit-Provinzwelt..

All die Praktikanten in den Redaktionen werden jetzt wenigstens subventioniert.

Guat, das zentrale Problem im Journalismus ist überall das gleiche – intellektuell wie finanziell: Es braucht möglichst viele gute Köpfe. Doch die sind teuer und in GR noch rarer.

Vorbeugen ist immer noch besser als auf die Schuhe kotzen, hat übrigens der (damalige), brilliante Chefredaktor Steffi Bühler kürzlich geschrieben. Meine ich auch. Bündner Sport-Hallelujah (die Zeitung füllt immer noch 5 Sportseiten), kaum mehr Recherche, dauernde Tourismus-Lobby-PR mixed mit nichtendenwollendem Nichts von Fusionsgemeinden-Regionalpark-Bergbahnen-Media-sheets, dazu künstlich aufgegeilter Engadiner New-Kultur…

…ab und zu aufgehellt durch eine Kolumne von Andrea Masüger; der kann’s. (sie sehen, ich habe immer noch eine gute Leserbindung.)

Nur: aus gutgemeinten New-Management-Gefühlen lässt sich keine gute Zeitung machen. Die Bündner lesen zwar ihre Zeitung und hören und schauen ihr bereits hoch subventioniertes Provinz-Radio-TV. Und schauen dann wie die Steingeiss, der man die Heisenberg’sche Unschärferelation zu erklären versucht, obwohl sie sie schon längst intus hat. Und  besser kennt als  die Redaktion… Dies höre ich täglich in meinem Umfeld – denen gehts ähnlich.

In meiner Familie wird’s so aussehen, dass die eine Hälfte für und die andere Hälfte gegen das Medienpaket ist. Genauso gehts mir…JAin, jetzt.

 

 

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Cool ist uncool

Jahresanfang. Erstaunlich wieviele gerade Bürger einem plötzlich schräge vorkommen, denke ich in diesen Tagen. (Nein, nicht die Nicht-Impfis) Nein, die die ich meine, haben keine Vorerkrankung, lesen vielleicht höchstens mal zu viel die NZZ. In letzter Zeit sowieso. Dort häufen sich so Liberalschwurbler, Mieter-Plattschreiber, Freisinn-Tiefsinn-Taucher, Liebertär-Hauseigentümer, Klimaschutz-Diffamier-Abwäger, Identitär-Jodler, Möchtegerne-Mitmischler… Guat, irgendwann kommt auch mein Wortschatz an seine natürlichen Grenzen

Also kurz gesagt, einfach Old Economy. Sie erinnern mich an meine Nachbarn, die kürzlich meinten: „Die haben mir doch letztes Jahr noch einen Diesel als nachhaltig verkauft…!“ Da wird man zum Dumpfdünkler.

Nein, der viel zu teure Benzin-Tank ist nicht halbvoll, Herr Röschti, auch nicht halb leer, der ist so trockengelegt, dass euer Das-müssen-doch-die -andern-lösen-Optimismus zu ersticken droht. Wie eure Atomenergie-Träume.

Zum Kranklachen wäre alles, wenn es nicht zum Totlachen wäre, meinte schon Ilse Aichinger.

Eure Bewusstsein-Veränderung geht so langsam wie geruchloses Gas in den Bergwerksstollen. Bis ihr tot umfällt, glaubt ihr noch an den Spirit des Saudi-Sprits und an russisches Gas. Ja, ihr seid halt wie die Trychler wollt doch einfach Eure Ruhe haben, darum seid ihr so laut… (Strategie-Denke ist jetzt nicht das erste Wort das mir dabei einfällt.)

Ihr blickt mit Zuversicht in die Vergangenheit, ihr seid ja keine Personen der Extreme, aber  diese Wohlstandsverlust-Angst sprengt euer Hirn extrem. Wenn man nicht mehr alles verstehen kann, trychelt man. Komplexität erfordert ja Datenkompression im Gehirn. Da muss man halt an die Schelle greifen: Verlustaversion erzeugt Lärm-Terror. Hauptsache Radau.

Sie haben dieses Prinzessin-auf-der-Erbse-Syndrom…sind schmerzfeindlich, veränderungsresistent, hängen sich am Kleinsten auf…mit zwänglerischem Bauerngeiz gehen sie eine glücklich-konservatorische Verbindung ein mit den Erd-Verbrennern und wollen im Grunde dass die Abhänge von Morgarten nicht ins Rutschen kommen. Guat, jeder hat das Recht in seiner eigenen Weltanschauung alt zu werden.

Diese Geistesfluktuationen sind doch nix für sie. Diese Fluchtuaktionen von Syrien bis Afghanistan, von Libyen bis Venezuela schon gar nicht. Sie schaffen doch am Digitalfortschritt im hier und jetzt und faxen das auch gerne und fortschrittsheiter weiter. – Aber bitte, keine neuen Faxen jetzt. Die Moral ist doch was für besondere Anlässe…wie beim Papst und beim Kulturapéro.

Die Doppelmoral ist auf Durchmarsch. Bei der SVP, die sich zwar impft aber gegen das Impfen ist. Imp-formationen manipulieren ist cool. Solche Fehleinschätzungen kommen wohl von der menschlichen Gabe zur Verdrängung: ich kenne diese Art von Leuten, diese Wahrheitsquetscher mit ihrer Gegenfolklore, die sich auf ihre Hodler- Heimat etwas einbilden – und sie zugleich mit ihrem Diktatur-Schmieren-Theater gefährden. So sieht wohl SVP Glückseligkeit aus. ..das wohlstandsverwahrloste halbfette SVP-Bircher-oder-Martullo-Müsli , immer selbstgefällig den Kopf höher haltend als er sein sollte…

In der EU: Gemeinsam einige Wälder vor dem Abholzen schützen und noch letztes Jahr die Kohle-Abbau-Gebiete zu geschützten Regionen machen. Erst gabs Kohle für die Kohle. Und dann für den Ausstieg…und wer redet da nicht von win-win? Nicht einfach nur Scheisse, sondern Durchfall.

Alle Probleme zu spät gelöst. (wir wissen das schon seit 1972) Man hätte vielleicht etwas weniger länger unschlüssig sein sollen.

Uncool sei in. Cool ist uncool. Auf jeden Fall bei den Popstars, Ed Sheeran, Billy Ellish. Siehe in der Hitparade dieser Woche. Und die sind eigentlich uncool. In der Tendenz sowieso. Klimaerwärmung ist in. Und jetzt im neuen Jahr nach Glasgow spielt die EU  zwar immer noch auf cool gegen erderwärmend, obwohl eigentlich uncool, das was in in Brüssel diese Woche als „Taxonomie“ genannte Atomkraft und Erdgas-Förderung publiziert wurde.

 

Das Um-Welt-Gewissen aufbewahrt in einem Fingerhut um dann in einer monströsen Politshow rauszulassen. Not cool.

Die Macher, denen das ökologische Etwas-Wissen im Brüssler-Schnelldurchlauf von der etwas genässten Stirn gewischt wird. Die vielgeübte Halswende kennen sie doch vom Yoga. Bevorzugt ist da die neue Stellung: auf andere herabschauende Hunde. Da ist mann dann schnell im Tiefschlaf der Gleichgültigkeit– das Alleinstelllungsmerkmal der Macher.

Ecoute, mais n’entends pas.

(Das ist von René Char)

Jetzt wollen sie wieder Atomkraft. Da kann ich wieder das Kopfkissen würgen. Aua. Sie werden homecomen und die Kinder wieder zum homeschooling schicken. Und danach direkt in den Klimatod. Lieber gut geschult sterben als so Friday-Future-Zeugs glauben…

Der verstaubte Polit-Sprechzettel mit den grossen Heilserzählungen genügt da, glaubs, nicht. Mit der Methode des permanenten Flick-Ficks geht das halt nicht – lösen wir ein Jahrhundertproblem nicht.

Aber das Grenzenziehen selbst am Tag vor der Sintflut ist ebenso wichtig wie Luthers Pflanzen des Apfelbaums. Uncool spielen für das coolen der Welt wär’ angebracht.

 

 

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wortendgeil

Ich war kaum Dreissig. Hab’ mich zuerst kaum getraut, was zu fragen. Hab’ mal ein Bier getrunken mit ihm und sass neben ihm im Falken in Chur. Nach einer Lesung in der Kliibühni. Er war so ein Einfühlerich – munterte mich auf. Kurt Marti. Eben Pfarrer, aber einer der guten Sorte.

Für mich. Dichter, politisch engagierter Mensch…eine Schatzkiste von Wörtern, die einen zum Lachen und Denken bringen. Wörtersammler nennen sie ihn. Er hat unter vielen auch das Buch „Wortwarenladen“ geschrieben. Er hat u.a. auch mich noch mehr zum Lesen verführt. Zum Wörtersammler gemacht.

Ich lese viel. Auch Schrott.

Manchmal versteh’ ich nicht mehr, was da jetzt an diesen Büchern gut sein soll.

Was hab’ ich denn so im letzten Monat gelesen?„…wenn sie beide ausgestiegen sind, könnte ich glaube ich ein Buch darüber schreiben“, sagt der Taxifahrer in Christian Krachts neuem Buch „Eurotrash“– Könnte ich auch.

Über all die Bücher, die ich in den letzten fünf Jahren gelesen. Ich lese so meine drei bis vier Bücher pro Woche, habe seit 10 Jahren ein jährliches BOB – mein Buch der Bücher. Da sind meine Notizen, Wertungen, besondere Formulierungen herausgestrichen. Das sind so meist so 140’000 Zeichen pro Jahr.

Ich hab’ den hochgejubelten „Eurotrash“ parallel zu anderen hochgejubelten Büchern auch gelesen. Naja, mehr dazu unten. Interessiert? Zur Zeit lese ich „Dunkelblum“ von Eva Menasse, „Every“ von Dave Eggers, und „Crossroads“ von Jonathan Franzen.

Ich versuche meine eigenen DNA nicht nur zu lesen auch schreiben zu können. Die ist vielleicht beschwert von Büchern, aber das kann ja nicht schaden. Die intellektuellen Wörter schmecken mir auf der Zunge. So als Wort-Facharbeiter hat man halt auch seine Feinschmecker-Assets. Ausser wenn’s zum Generationen-Problem wird: dann wird immer klar, wir Alten wollen euch doch nur die Meinung geigen.

Auch in der Literatur ist es so wie in der Kultur: man muss nicht die Tutanchamun Ausstellung in der Maag Halle gesehen haben… meint,

Du musst nicht die Frauenkränzli-Bestseller-Liste-Anmutung begriffen haben, um weiterhin vom Lesen ergriffen zu sein.

Bei Männern meiner Payroll und Alterszugehörigkeit heisst’s auch oft: „ja ich lese viel. Am liebsten so Biografien. Hast du Bismarck, oder sogar Harari gelesen? OUNAI..bald lest ihr auch noch Laschet oder Schröder.

Ich gebe gerne zu, dass kein Tag vergeht ohne schreiben. Womöglich machen wir unsere Welt ja durch die Sprache, die wir haben um sie zu schreiben. Ich sowieso, schreib fast jeden Tag.

Ich bin so ein Schreibgebäugter.

Stimmt so nicht. (Ich lieg’ ja schon fast vor den Tasten, wenn ich mich nachhintengebäugt bequem ins Schreibland versetzte…hab’s dann aber schon blendend easi.)

Das Wenige wollen, das wenige wollen.

«Mega“ „Absolut Wau“ „einzigartig» „ein pageturner“ «Ein Meisterwerk.» «Das kühnste Debüt des Jahres.» so tönts in letzter Zeit immer mehr. „Hudler des Lobs“ nannte Kurt Tucholsky solches in grauen Vorzeiten. Ein unheilvoller Marketing-Sog waltet da. So James-Bond-Like.

Dass Romane, besonders aus dem anglofonen Raum, gerne mit Presse­schnipseln im Superlativ beworben werden, ist an sich nichts Neues. Ebenso wenig, wie austauschbar die Formeln dabei sind.
Die Welle der Begeisterung, mit der gerade mehrere internationale Roman­debüts auf den deutsch­sprachigen Buch­markt kommen, ist allerdings auch für Literatur­betriebs­verhältnisse bemerkens­wert. Auch die Themen und Figuren­konstellationen dieser Bücher. Aber selbst diese überschwänglichen Rezensionen, dieser Marketing-Hype treiben die Verkaufszahlen nur noch selten in die Höhe.

Naja, komme mir so vor wie in diesen abgelutschten Vernissagen. Mit diesen so schönen Seelen, wie sie oft auftauchen, wenn sie ihr sinnloses Abtrampeln von lokalen Audabei-Künstlern zelebrieren. Da gibt dann mein Betriebssystem den Geist auf…die Generalkunstanbrennung mit Verklärungsschimmer wie sie Theodor Fontane wahrscheinlich genannt hätte, beglückt mich nicht unbedingt mehr.

Irgendwann hat man’s gesehen oder gehört, oder eben gelesen. Die Harmlosigkeits-Allüren führen dann zu Riesenzerknirschungen, wie eben der Theodor Fontane wohl subtil mitfühlen würde.

Rumpelt da mein Neidappeal mit? Kürzlich waren wir eingeladen. Bei einem Herrn, der antiquarisch Bücher sammelt – auf olympischem Niveau. Also mal ein Büchersammler statt ein Wörtersammler. Auch faszinierend.

Ja, ich weiss, Literatur ist, wenn man trotzdem schreibt..

Keine schönen Deckel und Drucke wie der, hab’ ich nicht. Dermassen viel Bildungsbürger-Show braucht man in unseren Zeiten nicht mehr. Also: ich hab gar keine schönen Bücher zu Hause. Alle verschenkt. Ich habe Bibliotheken nie gemocht, die Bücher schon… Fazit: wer alte Bücher sammelt, sammelt alte Haltungen. (Kann ja auch OK sein.)

Wenn du dich zum Beispiel in der deutschen Bundestagswahl (ist bei uns auch nicht besser, höchstens härziger) bei Politikerreden durch die Zwiebelschichten beissender Verlogenheit, falscher Narrative und Schein-Positionierungen durchgehört hast, bist du gleich weit.

Kann man auch Pathopornografie nennen. Wenn in diesen PR-Geilomaten alles zu einer guten Geschichte gewringt werden muss…

Unsere publicitygeile Gesellschaft, die sieben Tage in der Woche rund um die Uhr in einer Echtzeitsosse elektronischer Information mariniert wird, braucht das vielleicht.

„Reverse snobbery“ nennt man das – anstatt wie der Pöbel sich durch die Spiegel-Bestseller-Liste Distinktion zu erkaufen…kann man auch einfach lesen, was so kommt, kreuz und quer lesen…triviales bis erhabenes…“stöbern“, nannte das unser antiquarisch sortierte Schöngeist, der die Welt nur vor 1950 kennt.

Und: „In der Schule nicht beliebt gewesen zu sein oder Verdingkind gewesen zu sein berechtigt nicht die Veröffentlichung eines Romans.“ ist von Lebowitz. Könnte aber auch auf viele unserer neusten lokalen Bestseller Schriftsteller zutreffen..;-)

 

So was lernt man nur, wenn man allen Sprachmüll sortiert. oder wie Manfred Papst daraus Neues schafft: „…eben noch waren wir spatzenjung und gliederherrlich, jetzt sind wir höchstens noch altspitz und wackelsteif, zeitverbeult oder faltenäugig.“ Auch ein Wörtersammler.

Oder was hat Proust…gesagt?

„In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst.“ Finde ich wortendgeil.

(In Wirklichkeit bin ich auch nicht so verkopft wie dieser Blog hier…)

 

 

 

 

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Städter und Ländler

„Ich verabscheue Leute, die Hunde halten. Das sind Feiglinge, die nicht genug Schneid haben, selbst zu beissen,“ meinte schon Strindberg.

Guat, ich sehe das anders. Ich umgehe Leute, die Katzen halten. Die können ja immer unbehelligt und unbeaufsichtigt in der Gegend rumscheissen, sich verstecken, müssen nie an die Leine gelegt werden, und werden sich immer hinter dem Image verstecken, dass Katzen so freiheitlich, eigenverantwortlich, unzähmbar, wild und undressiert sind, wie die FDP sein möchte…

Es gibt aber sicher genausoviele bezaubernd kultivierte Menschen mit Hunden. Jetzt können Sie mir so einen Ist-eh-nicht-so-Blick auf dem screen zuwerfen und denken: Der hat wieder so einen Wahnsinns-Schwenk im Hirni. Vielleicht weil ich als Metzger-Ausläufer-Bub auch von einem Hund gebissen wurde. (Der hatte zwar nicht die Tollwut, ich musste nur genäht werden). Aber wir waren später (mit unserer Tochter) stolze Hunde-Eltern eines Boarder-Collies. Dreizehneinhalb Jahre lang.

Absatz. Trommelwirbel.

Aber eigentlich wissen wir seit Biller, dass die Bösen nicht rundherum schlecht sind, dafür sind die Guten auch nicht besser.

Aber sagen Sie das mal diesen tonnenschweren Satz einem Parteigänger mit Martullo-Gesicht. Kaum auszuhalten. Die stellen keine Fragen mehr, die brauchen keine Antworten mehr mit diesem abgenzend-enthemmten Gemeinsinn, den sie  rauszubellen pflegen.

Auch jeder Nazi hätte doch gesagt, er kenne einen guten Juden. Auch jeder Hundehater kennt doch einen guten Katzendisser. Diese schmutzabweisenden Antworten sind heute gefragt bei Talkshows, wo wieder viele Aushilfsnazis zum Quotenausgleich mittun dürfen.

Jetzt können Sie natürlich die Finger auf- und zuklappen, so als Geste für jedes Alltagsblabla…Echt jetzt? Hundegeschichten sind eh für die Katze. Oder für die innere Ruhe. Sie können mir auch so Seelensmarties aus Dr. Feelgoods Medizinschrank einkippen. Meine Parole: Tendenzfrieden unter Tierfreunden. Resultatorientiertes Stillhalten wie in der Schweizer Politik. Katzen und Hunde sind wie Städter und Ländler. Meine Befähigung zum Hörverstehen könnte da was nützen; Miauen und Bellen simultan erfassen, ein synästhetisches Von-den-Tieren-gelerntes-Sichverstehen.

Für geordnete Einfamilienhaus-Siedlungen sicher ein Verkaufsargument. Schliesslich sind die Geruchspartikel beider dieser Tier-Gattungen gleich störend wie Diesel- und SUV-Abgase. Und jede Verunrassung ist in diesen Zeiten eine zuviel. Im Sinne unserer monotheistischen Dominanzreligion, die auch immer mehr Dominanz verliert, plädiere ich für eine Hund-Katz-Ökumene.

Der Ausweg aus meiner Katz-Hund-Sackgasse ist wohl naheliegend. Reinrassige Inzuchtexemplare, die schon von der Muothataler-und-Börsen-Treichler-Fraktion gewünscht wären, könnten ja auch bei Hund und Katz auftreten. Einfach nur nicht mit pastunischen Bergziegen kreuzen oder mixen.

Jeder humanoide Parteigänger müsste entweder hundmanoid oder katzoid sein. Also mindestens ein Tierliebhaber. Um einer frappanten Verletzung der Dummheits-Gleichstellungsverordnung
der Tiergegner zu entgehen. Das wär’s: Die attraktive, sinnliche Katzenhaftigkeit auf das Entzückendste mit den Insignien der stattlichen Hunde-Dünkels korrespondierend zu kreuzen.

Wuff-Miau. Das Leben ist eben Korrelation.

Meine ausgiebigen Kenntnisse der Manipulations- sowie der Kopulationstechniken können hier endlich mal zum Tragen kommen.
Also: Die Rüden wollen ja immer balgen, erst um die Coco und dann mit ihr…und das muss ich als Hündeler sagen: der noch so verkackteste Doggybag-Auswurf stinkt in etwa gleich wie ein katzenbebrunzter Spazierweg. Und wenn ich die modernen Damen-Hundesorten so anschaue, denke ich oft: Das ist doch kein Hündchen, das ist doch eine Feldmaus, die sich für einen Hund hält.

Ist auch bei der SVP so, das sind meist als Landlust getarnte Grossstädter. Die Grössenproportionen bei den Katzen sind wenigstens etwas weniger exzentrisch. Das ist dann wiederum wie bei den Politikern; unsere Bergspatzen halten sich ja oft auch für Adler.

Guat, wenn die dann alle mal austherapiert sind, können sie ja wie im Hinduismus von Wiedergeburt zu Wiedergeburt, mal Hund mal Katze, mal SVP mal SP werden, zwischen verschiedenen Lebensformen und Kasten auf- und absteigen. Also mal Velofahren, mal John Deere fahren oder zur Abwechslung im ÖV steckenbleiben.

Wenn die Theorie also stimmt, dass Wehmut als politisch links, und Nostalgie als politisch rechts einzustufen ist, so können die sich alternativ als verschmuste trotzkige Wehmutskatze oder als Mein-Kampf-Sau-Hund durchs Leben bewegen…und ohne narzistische Kränkung überleben. Und wenn sich dann der Schäferhund mit seinem berühmten angespannten Adlerhorst-Blick des Führers zu einer schnurrenden …..Salonkatze morpht, ist das auch nicht weiter schlimm.

Als Metzgerssohn hab’ ich gelernt was abgeht, bis das Bolzenschussgerät kommt…da kommt meist nichts mehr.

So wär’ das lebensberatungmässig doch tauglich. Nicht nur normale Quartierbewohner, auch Politstrategen könnten mal diese Hundkatze-Positionierung hinterfragen.
Um mit Nazisprech zu bluffen: Werke von bleibendem Ewigkeitswert könnten so geschaffen werden, wenn sich Hund und Katze dann liebevoll küssend „Gute Nacht“ sagen…

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Otto – der Wohlstandsverwahrloste

Ich hab’ ihn im Rückspiegel kurz entdeckt. Er ist ausgestiegen aus seinem gutgefederten SUV. Im Parkhaus Mythenzentrum mitten in Schwyz an einem Sonntag. Mit einer Freiheitstrychler-Kutte. Genauso wie ich mir das vorgestellt habe. (die Begegnung  ist aber das einzig Wahre an dieser Geschichte…)

Ich öffne die Autotüre und rufe: „ Wuah, das Original…“ Das muss ich mir ansehen. Da kommt er schon sichtlich erfreut auf mich zu, da muss ich meine Anti-Schwyzer-Impfgegner-Haltung wegignorieren.

Nennen wir ihn Otto (er hat ja auf beiden Seiten etwas rundes, breites , gemütliches, anagrammhaftes.) Seine Innerschwyzer-Kleinbürgerlichkeit ist auf jeden Fall nicht gefakt. „Schön…“ sag ich, gemütlich lächelnd, weiss dann aber nicht mehr weiter. Jetzt hat ers wahrscheinlich gecheckt. „ Bist du geimpft?“, fragt er. Ich nicke, er ist sichtlich etwas irritiert, lässt den Laden runter, möchte aber doch noch etwas plaudern, begrüsst meine Frau freundlich, aber die kann normalerweise nichts mit solchem Talk-Aufstrich anfangen.

„ Jo, I bi jo xund.“, meint er, sich schon vorsichtig abwendend. Der Satzbrocken wurde zum Ritual nach Corona – auch für Leute wie ihn, die ja gar nicht impfen wollen. Weil er ja sonst nicht mehr viel zu sagen hat. Kann ja nur noch Schellen schwingen.

Also zum Bye-Bye mache ich ein „jo, halt nüt z’macha, bliib xund…“ Richtung Aargau wie die Autonummer zeigt. Und da stell’ ich mir vor, hoffe ich für ihn, dass er xund ankommt.

Wohlig schlummern die Kois im Bioteich vor seinem Hüsli.

Und nicht zum ersten Mal kam ihm, Otto der Gedanke, dass Gott die Erde ja vielleicht nicht für alle geschaffen hat.

Für ihn vielleicht schon eher. Der Rest der Welt ist doch schon eine ferne Favela, der es an Geld mangelt. Und was solls: Afghanistan ist ja weit weg und von Afghaninnen hält er eh nicht viel.

 

Er leidet auch nicht unter so einer Art akademischer Voreingenommenheit wie diese Zeitungs-Besserwisser. Seine blutwurstgeröteten Schwingergnick-Kollegen von seiner Partei bestätigten ihm das immer wieder.

Sie nehmen mit der Weltwoche an, dass sich Lügen (wie auch Anti-Impf-Argumente) unbeschwert vermehren lassen wie Fliegen um den Miststock – auch wenn sie von russischen Trolls kommen.

Diese Wissenschafts-Eminenzen, diese verluderte Politikermeute und diese Impf-Fans müssen doch mal etwas in die Schollentiefe versenkt werden.

Er geht sicher nie ins Theater. Politik ist doch so etwa wie Theaterstücke, in dem grell geschminkte Darsteller unter idiotischen Verrenkungen ihm etwas vorspielen, das er gar nicht sehen will. Margrith, seine Gattin, sieht das anders; sie will ja ihren Schmuck ab und zu vorführen und versteht, dass man halt im Theater beim ersten Mal nichts versteht, nicht aber, dass Otto kein zweites Mal will.

 

Während man glaubte, alles sei noch in Ordnung, rätselte man schon im Innern, die Lähmung kam nun auch in äusseren Worten –welthinterfragend. „Gell, schu no…schräg?“ Man weiss, dass man einmal wusste wie es ging, doch jetzt, trotz angestrengten, krampfhaften Versuchens will es nicht mehr gelingen.

„Mach etwas, egal was…“ sagt seine innere Stimme. Obwohl er nie Beckett gelesen. Seine Bauchstimme kommt ganz bestimmt nicht von einem absurden Theatermacher. Absurd kam ihm höchstens mal der Stau am Walensee oder Gubrist vor. Und ja, zugegeben, für die Impfgegner-Demo war er eigentlich zu faul, aber seine Kollegen zu treffen war dann doch wieder belebend.

Die Rede über die Traumatisierung des Volkes während des Lockdown hat ja was. Irgendwas stimmt ja schon nicht. Auf Facebook häuften sich die Posts seiner „Freunde“ (waren ja keine, haha), die sich über die traumatische Leere ohne Fussball, Bier, Marco Rima und Thiel beklagten.

Er war ja in einem Haushalt aufgewachsen, der in vielem so beschaffen war, dass sich dort das Bürgertum in aller Breite und Zufriedenheit niederlassen konnte.

(Er konnte ohne Wimperzucken den Paola-Felix-Geburtstag auf dem linken SF 1 geniessen)

Gut, die Eigenverantwortungs-Trommler sind sein Ding. Obwohl, in letzter Zeit, sind plötzlich ganz andere Leute auch gegen das Impfen: da kommt er nicht mehr mit; so Körnli-Yoga-Tanten, und diese Globuli-Spreader. Sind das Perspektivendifferenzierungen ?(kannte er das Wort überhaupt?) SSS….sicher nicht. Er kann denken, findet es aber einfacher ab und zu einfach nicht zu denken.

Er hat ja noch glücklich drei Nerven zusammengescharrt, die ihm die Ausübung einer bescheidenen Sensitivität erlauben. Er glaubt nicht mehr alles, was ihm vorgekäut wurde. Vor allem im Bezug aufs Ausland. An diese QAnon-Ideen mindestens im Kern etwas zu glauben, war für ihn schon prickelnd. Diese furchterregende Lust am Unwirklichen.Und dieses etwas Ersatzreligiöse findet er absolut geil.

So wie er die Texaner, die Harley-Fahrer wie in Florida, die Bewohner des Enddarms des amerikanischen Ex-Präsidenten liebte. Einen (nur vermeintlich so belämmerten) Präsidenten-Säuglingen in Erwachsenengestalt zu erleben, war doch bestes Entertainment. Er schäckerte fast mit dieser Sehnsucht nach einem Trump-Leben in jener kitschigen Flitter-Marmor-und Seide-Schumrigkeit, die er sich so gerne in seine Oftringer Wohnung wünschte. (Was er aber dann nicht so sagt.)

 

Ja, und überhaupt, sein Stammtisch-Kollege, Anwalt, belehrt ihn, dass er seiner Margrith nur beibringen müsse, dass sich Erotik nur als als „zustimmende Überlassung der Sexualorgane zu wechselseitigem Gebrauch“ definieren lasse. Ein Seitensprung sei also bestenfalls so wie ein Kopfsprung im Freibad Möriken. Und die eingeklemmten Affekte sowieso spiessig.

Verklemmt wie ein Reisverschluss waren bestenfalls diese Linksintellektuellen, die zwar in den 70ern die freie Liebe propagierten, aber handkehrum jetzt alles regulieren wollen täten – vom Parkplatz bis zum Veloweg.

Otto hatte damals noch mit dem Töff Abziehbilder vom Grimsel, Furka und Susten gesammelt. Born to be wild auf wild (Hirschpfeffer liebte er auf jeden Fall.)

Heute sieht er sich als MeToo-Gegner. „Anbaggern wird man wohl noch dürfen: sehen ja nicht alle Frauen aus wie Martullo.“ Und ja, man muss ja nicht dauern seelisch unterkühlt die BAG-Media-News verfolgen.

Und diese pasteurisierte Wort-Verrenkungs-Gender-Neusprache: „Mitarbeitende, Verkaufende…“ hat ja sowas klemmendes. „Die lächerliche Flucht in den Partizipativ“ wie sein alter Deutschlehrer-Kollege aus der Männerriege meinte, sei ja auch nicht so erbauend. Wer gendert sei nett und links, wer es nicht tut, bös und rechts.

 

Kräftige Fallwinde unter dem Mythen gab’s schon immer. Vor allem abends wenn der Hormonspiegel steigt. Unter diesem Zacken beisst man sich halt ab und zu die Zähne aus.

So ists manchmal auch bei Margrith. Wenn dann auf der anderen Seite das Wolkengebirge gegen das Gebirge aufläuft, krachts, blitzts halt. Und wenn Margrit täubalet, nennt er sie Männin, vom Manne ist sie ja genommen, hat er als Messdiener gelernt.

 

Die Leute fluchen auch über die Tabakkonzerne während sie rauchen. Und ja, das Suchtpotenzial in Untertaillen-Hinsicht, nimmt ja eh ab mit dem Alter. Man passt sich unmerklich und merklich einander an. Wie die Taillenweite. Und von dem gutgelagerten Speck, über den man sich erhaben fühlen dürfe, könne man auch in so Corona-Lockdown-Zeiten noch was zehren. Falls die fünfte Welle wieder verhindert, dass die Alten in die Migros dürfen.

 

Otto ist ein Parvenue der Nachahmung. Er hat schon früh die Gesten, Worte, Autos, Essgewohnheiten der Macher kopiert. Vieles auch durchschaut. Auf seine Weise. So konnte er auch bei der SVP Delegiertenversammlung zu den höchsten Vorbildern schweizerischen Misstrauens vordringen: die Imarks, Glarners und Chiesas…Diese Grummelprediger sind ja auch unterhaltend. Zwar unnütz wie der Blinddarm und immer auf der Suche nach was, worüber sie pikiert sein könnten. Aber immerhin etwas gegen die akute Virus-Langeweile. So muss er sich auch nicht auf dem Rudergerät dem Herzinfarkt entgegenfoltern. Oder schwungvoll aus der Haut fahren. I bi jo xund.

Der Herr Blocher und die angestrengte Anti-Diktatur-Demos haben ihm imponiert, die Motzerei gegen die Städter. Und anderes. All dies nahm er amüsiert und mit der interessierten Gelassenheit eines Völkerkundlers zur Kenntnis. Das war nötig, wie die Türe seines Kühlschranks, die man zuwerfen musste, damit sie ordentlich schliesst, aber erst nach dem Futtern.

 

Das tölpische Vorzeige-Gezänk zum Zwecke des Stimmenfangs fasziniert ihn immer wieder.

Zum Beispiel das Agrar-Stöhnen der Bauern, wahrscheinlich gelernt von ungemelkten Kühen. Das alles imponiert zwar auch nicht mehr wie früher – hat er auch selber erfahren müssen: sein Rentner-Hängebauch und sein Aperol-Hauch sind auch nicht mehr so in.

 

Im Kielwasser seiner Gefühle kam er dann rasch zur Erkenntnis, dass er doch nichts ändern müsse. Älterwerden ist ja eh ein Prozess – schliesslich hatte er von den Politikern gelernt: Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht.

Die einen lieben Milch. Und die anderen die Tochter des Hafermilch-Produzenten. Ja, das ist so mit dem Meinungspluralismus. Otto ist ja nicht blöd, aber es ist ihm einfach zu blöd. Er ist doch zufrieden und mit sich im Reinen, dass er nichts zu überstürzen braucht…nochmals an eine Samstags-Demo in so einem Khaff ? Kaum.

 

Genauso hab ich mir vorgestellt, ist das mit Otto an diesem Sonntag. Sein Gesicht hab’ ich noch in Erinnerung. Aber Otto könnte natürlich ganz anders sein…

 

 

 

 

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GR ossartig

Vielleicht hab’ ich einfach so einen Schutzzynismus, schreibend gegen die Zeiterscheinungen…gegen die White Supremaci-Form der Impfgegner oder der Prättigauer Landsünneli-Fraktion, wohl unterstützt von den Fake-Voten der Milliardärin aus Ems. (Eine Frau für den Ernst des Lebens. Hohepriesterin der femininen Macho-Kultur, gehörte eigentlich ins Bundesamt für Stammtischtik, weil sie ja so genau weiss, was Diktatur ist. Sie diktiert ja auch das kognitive Analphabetentum der SVP an die Macht – die Birchers und Imarks.)

Das wollte ich schon lange mal sagen: ich bin nicht der arrogante, kritische, schöngeistige, zynische und schreibend manchmal unverständliche Blogger und Kolumnist mit Alt-68er-Attitüde vom Land…ich bin der arrogante, kritische, schöngeistige, zynische und schreibend manchmal unverständliche Blogger und Kolumnist mit Alt-68er-Attitüde aus der Stadt.

Gut, ich schreib einfach gegen dieses Unbehagen an diesem Basso continuo, den zwar nicht so viele Bündner wahrnehmen, da das seelische Geflecht des Kantons selten bis in die Extremitäten freigelegt wird. Wir sind nicht Stadt oder Land; aber einfach ab und zu mal beides.
Zurückgeblieben.

… und räumen das Geschehen geräuschlos auf wie Marie Kondo den Schrank.

Schreiben kann man auch gegen den Midcult im Bereich Bündner Kultur. Meist Unterhaltung für Menschen, die das Erhabene suchen, ohne es mit künstlerischem Anspruch gleich übertreiben zu wollen. So Origen-Theater (nicht der Tanz), oder Weit-Weg-Theater aus Südamerika, das niemand so richtig versteht. Oder wie meinte Handke irgendwie: „ Der Nachteil bei grosser Kultur ist, dass jedes Arschloch sich damit identifizieren kann.“

Und wie mein Kollege Hardy im Juli bemerkte: „ Diese Kultur…ist fast ausnahmslos zwei, drei Nummern kleiner, nicht selten zehn Jahre zu spät und oft schon hundertmal gesehen. Das macht aber nichts.“

Hier gibts auch Standing Ovations für Restposten, meint er. So tun als ob, gehörte in den Randregionen schon immer zum unverzichtbaren Grundwortschatz. Und um hier elitär zu wirken, muss man nicht mal schwarze Klamotten und einen grauen Nichtbart tragen, voilà! Unsere Mitkultis sehen dann oft aus als ob sie vier verschiedene Outfits anprobiert hätten und sich dann dann einfach für alle entschieden hätten. Auch wieder sympathisch. Passt.

Das geh’ ich dann mit mit der Würde eines Stadttiers an, dass den Landpomeranzen mal die Meinung sagt. Meist so im Marketing-Ton, den ich ja so gut kenne. Oh, wie ich auch die Bündner kenne…Sie ordnen sich meist baukartellisch oder landwirtschaftssubventionistisch dem Gemeinwohl unter und räumen das Geschehen geräuschlos auf wie Marie Kondo den Schrank. Die Wohlfühlzone der Gemeinsamkeit.

Aber was soll’s, Muschg schreibt in seinem neuen Roman Aberleben. „Wer keine Bahn hat, kann auch aus keiner geworfen werden.“ Gut, wir haben wenigstens die Rhätische Bahn. Seit über Hundert Jahren Symbol für Innovation. Symbol des Weiter-So. Symbol für Grenzüberschreitungen. Jetzt wo wir die CO2-Werte als Grenzwerte nicht anerkannt haben, brauchen wir Ersatzsymbole.

Der dabei zwangsläufig entstehenden kognitiven Dissonanz versucht man zu entkommen, indem man die eigene Mehrheitsmeinung in eine Aussenseiterposition umdeutet. („Das Benzin ist auf dem Land viel teurer.“) Wir sind eben Steinböcke. So lustige, die sich nicht immer an Konsens halten müssen, auch beim CO2-Gesetz. OK– niemandem kann es gleichgültiger sein als einem Steinbock, ob die Menschheit zugrunde geht.

Das nennt man Dissonanzreduktion. Der eigene Opportunismus wird zum heroischen Widerstand. Das machen wir dann sogar in der Tourismus-Werbung und mit teuren TV-Spots mit auch so pseuodlustigen Böcken. – Und am Schluss hat der Steinbock immer nur gefurzt. Eben ein Städter, der Ländler spielt…harmlos.

Jetzt könnte man da noch Gelächter einspielen.

Das ist wieder mal typisch für den Schiesser. Ich weiss gar nicht, ob ich weiterlesen soll. Dieser elende Snob mit seiner Sich-nicht-Verbiegen-Wollen-Attitüde. Wo ist der Zusammenhang? Wieder so eine echt abgelutschte Tirade dieses Nein-Sagers, dieses Insubordinanten?

Und da wir schon lange vom Moralismus in Rente gegangen sind, können sie jetzt innerlich mit den Augen rollen. Wenn wir jetzt den rhätischen Luftraum überblicken, ersehen wir schnell die feiste Realität: Den Stadt-Land-Graben gibts bei uns nicht. Stimmt. Die Pandemie haben wir doch grossartig gemeistert. Stimmt. Und die SVP ist bei uns ja fast harmlos.

Wir sind doch echte Nettigkeitsprofis, professionelle Gastgeber. Wenn wir aufwachen nach der Krise, können wir wieder die Subventionen auf Null stellen, neu beginnen.…und das Kleingeld zählen. Also weit und breit Nichts wovon man sich fürchten müsste. Das Gefühl existenzieller Chancenlosigkeit erzeugt ja höchstens noch die Mär von der Abwanderung der potenzialarmen, also finanzausgleichsberechtigten Landregionen, ein politischer Waschzwang seit den sechziger Jahren.

 

Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich die einzige Person, die nichts schafft, nichts produktives, während alle anderen mit geschäftigem Durchdrehen über die Grabenideologie beschäftigt sind.

Jetzt könnte man da noch Gelächter einspielen.

 

 

 

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Luftbuchungen

Luftbuchungen sind spätesten seit wirecard ein gängiges Wort geworden. Blutte Luft zu schicken, ist offenbar ein allgemein übliches Mittel der Finanzwirtschaft. Man tut dann so, als ob  jemandem Geld übermittelt würde. Zur Zeit werden wir alle mit Luftbuchungen traktiert, viel heisse Luft mittels allerhand Beinstell-Kultur. In der „Arena“ bekommen wir Antworten, die keine sind– eben Luft-Antworten. Und mit CO2 läufts umgekehrt: man tut so als wäre das eh nur normale Luft. Also unwichtig.

Erfolgreich sind da Äschi oder Röschti, Dokter Fake, der gerne gutbezahlten Schwachsinn absondert. Zum Beispiel Punkto EU oder beim Klimaschutz. Guat,  schliesslich war ja auch Jesus Christus ein Provokateur. Gott hat Jesus bestraft, indem er seine Platz einnahm. Nicht im Cayenne, im Himmel.

Mit ihren Schreibtischfrisuren und bei einigen neuerdings abenteuerlichem Stoppellook, zeigen die Anzüge uns Luftakrobatik, zeigen uns, wie man die Welt narrt mit allerhand Pirouetten. Und sie liegen  mit ihren Vorlieben immer mit der Mehrheit der Stimmbürger perfekt in der Luft. Siehe CO2-Gesetz.

Sie versuchen ihre Logik direkt vom Mutterschiff in Zug , Heerliberg , Abu Dhabi oder Moskau in unser Hirn zu beamen.

Die Air-Bookers  sind jetzt in. Wir triggern Glücksgefühle durch vermeintliche Kursgewinne mittels Luftikuss-Ratings by EY, Goldmann-Sachs, Bitcoins undCo.. Und im Falle der üblicherweise eintretenden Amnesie, hat man sowieso vergessen, dass die CS einmal 10 mal höhere Aktienkurse hatte…und die Nationalbank mit Öl-Aktien in den letzten Jahren fast 80 Prozent verloren hat.

Neue Flugversuche gibts allerorts. Nicht mal nur bei der Ndrangheta. eher auch bei so neuen Unverdächtigen wie der PartnersGroup. Denen ist die EU viel zu wenig liberal.«Kompass Europa» des Finanzunternehmers Alfred Gantner, nennt sich dann das. Die haben schon erfolgreich das Rahmenabkommen in der Luft explodieren lassen. Die wollen einfach ungeniert und dereguliert weiter auf internationalen Finanzmärkten, bevorzugt Asien, ihre Milliarden scheffeln.

OK, ab 10 Millionen Jahresverdienst wächst auch der Spieltrieb, der wird grösser und man nimmt sie ernster. Sie erzählen uns dann irgendwas von der EU-Regulierungs-Krake, mischen es mit etwas Swissness-Natio-Fascho und fertig ists.

Mit schamlosarroganter Destabilsierungs-PR wanzen sich die Gierköpfe an uns ran und versuchen ihre Logik direkt vom Mutterschiff in Zug oder Heerliberg in unser Hirn zu beamen. Aber auch das ist wahrscheinlich eine Sache des Souveränitäts-Schutzes, oder sagt man Stutzes? Mit dem Rauschgold der verbrämten PR-Falschmeldungen uns wie Stukkas rumtrudeln zu lassen, bis wir nicht mehr wissen, wo wir sind.

Sie navigieren uns  souverän durch diesen Sturm. Sie entfachen den Shit-Storm, verstecken sogar,  das wir punkto Stromabkommen einen Shit-Strom-Deal zu erwarten haben…ihre Souveränitäts-Ambition-Phase muss schliesslich auch was kosten.

Die unbändige Energie schweizerischer Unentschlossenheit ist also gut gelenkt. Verblödungs-Freiheit meets Volchs-Souveränität.

Und die Verlogenheit der Herrenrunde mit ihrer Camouflage-Schnittmenge aus Schwyzer Schwingfestfähnli und Wallstreet-Pin punktet  erst noch. Peinlich staatsneurotisch zwar, aber auch zum vergessen. Weil sie die rauen Flecken am Kinn der Selbstzufriedenheit gar nicht merken, ritzen sich am Schlusse bestenfalls die letzten guten Öl-Börsenkurse auf die Innenseite ihrer Schenkel. Panisch luftholend. (Oder einfach nach der Entlassung noch 8 Millionen Boni rückfordernd wie die CS Top-Etage.)

Die haben wahrscheinlich alle Schopenhauers „Aphorismen zu Luft-Weisheiten“ gelesen. Servieren uns dann ihre Schlussfolgerungen als Schussfolgerungen auf einem Silbertablett: „Das Benzin wird teurer“. Das Dessert: Coupe Dänemark, einfach ohne Rahm(enabkommen).

Die Schweiz sei allein eben stark genug, um allein die Oberhoheit über den Stammtisch-Luftkampf zu garantieren. Oder sonst könne man

…immer noch aus ihren Kindern Tochtergesellschaften machen, sie ins Ausland verlagern –wie das CO2.

…so wie Konzerne das „steuern“.

Damit kaufen wir uns dann einfach die etwas teureren US-Kampfjets. Sechs Milliarden, das ist doch eher Luftakrobatik, oder Lustbuchung. Grossdenk eben, oder auch Doppeldenk: so tun als ob, und am Schluss den anderen die Schuld an der Misere zu geben– ist doch auch modisch. Wenn sie dann keine Luft mehr bekommen, können sie sich immer noch einen Ballon anschaffen, mit der Aufschrift:„ I can’t breath“.

 

 

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Keineahnungstan

 

„Kleiner Schleudergang“ nennt man das wohl in der Waschmaschine. Wir haben in GR jetzt wieder einen Waschgang hinter uns. Die PUK hat diese Woche über die Baukartell-Vorgänge informiert. Drei Jahre PUK. 1.1 Millionen Kosten. Und dazu kostete das Bündner Kartell-Businessmodel den Kanton Graubünden gemäss Schätzungen gegen 90 Millionen (Maxizahl) Franken Steuergelder.

The rise and the fall of Bündens Baukartell? Nein, eher klare Aussagen über die Ahnungslosigkeit der Bündner. Keineahnungstan. Postbaukartellisch sich aufzuregen, nützt nichts. Die Engadiner Sonne scheint ab Freitag noch shiniger. Wie schrieb die Republik: „Dass…, ist eine solche Blamage, dass der Kanton Graubünden gut damit beraten wäre, seinen Namen zu ändern, eine Perücke zu kaufen und das Land zu verlassen.“

Ich glaube, niemand ist da kriminell– sehr viele fettige Hände, sagt man. Aber kein Stückchen Butter. Denn vom Kartell profitiert haben will niemand – nicht einmal die Kartell­firmen selber.Das Adjektiv dafür ist noch nicht erfunden. ahnungsharmlosmedioker?

Voll die Herdennummer. Die Verlogenheit der Herrenrunde mit ihrer jämmerlichgutgetarnten Schnittmenge aus Jagdjankerl und Steinbockhumor punktet noch,

…kantonsschadend zwar, aber immer noch führungseloquent (im Bünder Sinne).

Guat, obwohl wir gerne mountainbiken, haben wir halt das Rad nicht erfunden. Wir sind prinzipiell idiotenmagnetisch…laufen magnetisch irgendwelchen Nullnummern nach…Wer käme sonst darauf eine Milliardärin wie Martullo als Bergvolchsvertreterin zu wählen…

Im Weltkatalog der Blödigkeit machen wir gerne etwa mit. Das wusssten wir.

Wir haben nicht unbedingt die hellsten Funzeln im Kronleuchter von Politik und Wirtschaft. Aber doch viele Dimmknöpfe und Duckköpfe.

„Der Mann ohne Eigenschaften“, Ständerat Engler, hat’s ja auch weit geschafft. Den früheren Köpfen des Tiefbauamtes attestiert man oberflächlich in dieser Sache einen Reflexions­grad nahe null. Aber so blöd sind die nicht. Die haben einfach nur eine hidden agenda.

Engler-Baukartell-Aussagen sind so vertrauenswürdig wie Trump über Muslime blodert. Der Zusammenhang zwischen all diesen Diskontinuitäten ist der Aggregatszustand „Mischhäfeli-Mischdeckeli“. Bis in Ewigkeit ihrer Echokammer Gewerbeverband, Baumeisterverband, Wirtschaftsforum  verbunden. Mit schamlosahnungsloswülstigen Antworten rausreden geht ja meist immer. Wissen die Gierköpfe.

Die fallen immer auf die Butterseiten. Bisher.

So wie man heute die Kulissendörfer für Demenzpatienten baut, hat GR nebst den wunderbaren Unesco-Dörfern auch so Wirtschafts-Kulissen aufgebaut.

Und bevor wir dann total an Amnesie leiden, würde ich gerne die Partei der UNVERARSCHBAREN gründen. Also so Vermeidungsstrategien verbreiten, von der Kanzel der politisch Unsichtbaren…die sich noch nicht verarschen lassen. Also die Ja-mag-sein-aber-bis-jetzt-hats doch funktioniert-Typen etwas durchrütteln. Also nicht so eine Partei, die in der NZZ nachlesen muss, wie das Politbüro funktionieren s0ll.

– Eher so Sinnfluencer werden. Ein unbestimmtes Misstrauen spürbar werden lassen. Die  Matchen-Liken-Chatten-Ficken-Generation könnte da vielleicht ins Spiel kommen. Als Denken-Umsetzen-Punkten-Generation.

Ich frage mich ob die PUK nicht auch einfach das gemacht hat, was GR auszeichnet…harmlos fein säuberlich aufgezeichnet, nicht mehr …und siehe, sie hat sogar mitverdient (wie gesagt, über eine Million). Guat, das muss man ja jetzt nicht protokollieren, das machen wir in GR sowieso meist nicht….

 

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Immer Trouble mit der Bubble

So könnte man vielleicht mal ein populäres Movie betiteln. Hauptfigur wär’ dann so ein Bubeli wie ich, das in einer Bubble lebt und sich selbst dauernd triggert. Guat, das wirkliche Leben ist niemals so einfach wie im Film. Aber in letzter Zeit hatte ich oft das Gefühl in einem seltsamen Film mitzuwirken.

Und zwar nicht auf Netflix, eher im richtigen Leben eines Provinz-Seniors. Ich werde beharrlich mit Mittelmässigkeit und Redundanz überspült und mit Minimalbotschaften von Leuten geflutet, die ich weder kenne noch kennenlernen möchte. Wer möchte denn wissen, ob das Essen im Süsswinkel jetzt besser ist, oder ob der Y schon wieder zum xten Mal auf der Alp Juchs war?

Netflix und Prime wissen zwar, was ich schaue, und halt doch nicht…

Und es fühlt sich verdammt gut an. Diese süssen Winkel haben gottseidank auch tote Winkel. Je vielschichtiger wir sind, desto weniger kann man uns durchschauen. ..ÄTSCH…Jeden Tag die NZZ lesen, macht mich aber nicht zum Freisinn-Bubeli. Weil ich auch die WOZ lese….Dass die Algorithmen sehr viel von uns wissen müssen, um passgenaue Informationen liefern zu können, ist ja auch beruhigend.

Wir sitzen zwar alle in so einer Bubble. Guat, zur Zeit nicht alle freiwillig. Ein Beispiel für den Bubble-Effekt gefällig: Ein SVPler und eine Umweltschützerin geben in Google das Wort „Shell“ ein; Aeschi, erhält Hinweise auf die Schweizer Erdölvereinigung , formuliert fast wie von der Reichspropagandaleitung. Badran hat das Argumentarium der SP und Grünen zum CO2 Gesetz auf dem Bildschirm. – OK, da gibts tödlicheres, man könnte auch einem älteren  SUV-Fahrer einfach mit “Greta“ anschreien, ist dann schon eine sichere Anleitung zum Herzinfarkt.

Letzen Monat  hab’ ich die Theater-Bubble in Chur hautnah erlebt. Wiedereröffnung mit einem Stück, das immerhin am Berliner Theatertreff als eines der besten zehn Stücke gefeiert wird. Total zwischen 20 und 30 Zuschauer, ich kenne sie fast alle persönlich. Nach einer halben Stunde liefen meine Frau und ich  raus. Die Performance  für unsere Churer Theater-Bubble adaptiert, wurde einfach verhunzt. Einfach postdramatischer Unsinn, Tik Tok für Grauhaarige ; aber wahrgenommen haben’s wohl nur die wenigsten…

Meist versuch ich, dies alles mit einem inneren Monolog zu bremsen, selbstreinigend zu werden…da hab’ ich dann ab und zu Blähungen (dann schreib ich Blogs, furze also alles selbst raus) aber im grossen Ganzen gibt das nur so ein warmes Gefühl im Bauch, und dann ist der Pupps draussen.

Sagen Sie mal, hören sie mir überhaupt zu…?

Wir sind ja immer stärker eingebunkert in solche Echokammern.

Social-Media-Nerds in einer Vielzahl von sozialen Bubbles blubbern: in meinem Umfeld sind es die Sport-Fitness-Fuzzis (bin auch einer), der Business-Bubble (40 Jahre Kunden in der ganzen Schweiz ergeben eine eigenes Umfeld), der 68er Bubble (Kanti-und Umfeld…), der Family-Bubble (unsere Kinder kennen…). OK, vielleicht „leiden die einfach am Beisammensein“ wie es Ingeborg Bachmann genannt hätte. Oder bin ich schon Mit-Opfer der Schafherde mit dystopischer Zunahme des Tunnelblicks und intellektueller Isolation?

Wir igeln uns in unserer Blase ein oder flüchten in Parallelwelten. Ok, das machen alle, nur spricht die NZZ oder die WOZ nicht von uniformem Denken…Das Hauptproblem: Entweder du bist für uns und somit im Licht, oder gegen uns und somit ein Feind. Grautöne gibt es nicht, weil ihre «Wahrheit» für sie nicht teilbar ist. Guat, muss ja nur Chur, mein Füdlibürgerleben, meine verreistes Verharren im Kleinstädtischen, meine Prägung aus mir herausdenken…

Das geniessen wir doch bald narzisstisch..Dass die Algorithmen sehr viel von uns wissen müssen, um passgenaue Informationen liefern zu können, muss nicht notwendig eine Überwachungs-Paranoia auslösen. Da kann man eher zynisch mitmachen.

An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen, und an einem anderen
halt nicht.

Khurar-Bubble, Insta-Bubble, Twitter-Bubble, Fashion-Bubble…OK, aber schreib nicht einfach auf FB eine fröhliche Ansichtskarte wie als Kind in der Ferienkolonie in Flerden: auf denen immer dasselbe stand: „Mir geht es gut! Wie geht es euch?“

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Fach-oder Vollidiot

Klassenunterschiede gäbe es keine mehr. Nur noch Fach-Idiot oder Vollidioten. Das sei der neue Klassenunterschied.

OK, für einmal könnte die NZZ recht haben. Und in den Corona-Wechselbad-Trilogien aus Lethargie, Resilienz und Wut hat das Wort „Idiot“ sowieso Karriere gemacht. „Covidiot“ darf laut Gerichten nun verwendet werden – vielleicht nicht als Kosewort. Und dies lange nach Dostojewskis „Idioten“.

Manchmal frag’ ich mich schon ist das jetzt voll einer, hast du jetzt einen Fachidioten oder schon einen Vollidioten vor Dir? – Guat, bei so politischen Familienaufstellungen ist’s man meist mit einem schnellen Urteil da: oben hocken die Vollidioten, die spielenden Herren der Nomenklatur, rechts und links die Fachidioten. Etwas übertrieben? Nai, das hab’ ich faktisch verifiziert bei Sitzungen im Stadthaus von Chur…ist voll so, voll mega.

Gut, das sind ja Leute, die in ihrem Leben, was politische Ansichten anbelangt, stets zur Promiskuität neigten.

Die etwas eingeschränkte Gegenwartsschrumpfung durch Covid-Massnahmen hat wohl auch Gehirnschrumpfungen bewirkt.

Seltsame ältere Leute, schnellaltgewordene Jüngere mit Neigung zur Beschwerde sind das Kernpublikum der Covidioten. Wohlstandsverwahrloste wohl. Die sind wahrscheinlich das Ergebnis von 20 Jahren Achtsamkeitstraining, Meditation und Lama-Lifestyle-Beratung bei den einen und NZZ-Leitartikeln, Köppel-Abo und neoliberaler Börsen-Gewaltbereitschaft bei den anderen. Gehören trotz allem zusammen.

Schuld sind aber offenbar  die Epidemiologen und Virologen. Die Cov-Idioten nennen sie zwar Fachidioten. Seit Corona hab’ ich grossen Respekt vor ihnen (und das mein’ ich ehrlich, gottseidank haben wir die…). Das Resultat war, dass sich die Schweiz international gut gemetzget hat…

Die Epi-und Viros verhindern ja einfach nur so beizer-bürgerliches Präventivtoben mit Tonalität mürrischer Kleinmut, und halbbatziges Lädenöffnen mit gefakter Empörung, alles idiotensicher getriggert. Aber das können wir ja ab Juni hoffentlich alles wieder auspinseln.

Und bei dieser Corona-Unübersichtlichkeit wird halt alles etwas schwieriger. Manche, sogenannt bürgerliche, formten bisher das Wort „Planwirtschaft“ mit den Mundwinkeln abwärts. Und dann schrien sie mit demselben Gesichtsausdruck nach „Planungssicherheit“. Die  gibts für die wohl auch nicht mehr nach Gletscherschmelze und Permafrost…können sie sich nur noch nicht so recht vorstellen. Obwohl,  der Tod der Eisbären ist auch bald planungssicher.

Guat, das  ist  halt so ein Gemisch aus echten Schweizern, deren Säure-Basen-Haushalt vermutlich etwas aus dem Gleichgewicht. Vermutlich können sie aufgrund von Botox, wechselseitig die Emotionen der anderen nicht mehr ablesen. Die treten dann auf wie das heimattümelnde, menschliche Äquivalent des Panzer 68.

Zusammengefasst mit Jürgen Habermas Worten treffend charakterisiert: „So viel Wissen über unser Nichtwissen gab es noch nie..“ Und das Niveauchen ist dann auch bemerkenswert. Als Touristiker hab’ ich das ja hautvollénah miterlebt. Das St. Moritzer Credo: „man muss die Reichen zueinander hetzen, das befördert ihre Gier.“, hat man nun erweitert:

Man muss die Dummen nur zueinander hetzen, das befördert ihre Politegos.

Allfrustige, Esoteriker und rechtslastig Laute. Hat sich sehr bewährt. In der NZZ vermutet man sogar, dass wir anstaltslos gelduldigen Maskenträger in der Nähe zu Heinrich Manns „Untertanen“ anzusiedeln seien.

 

Gut, diese Briefmarkensammler-Seelen werden nicht aussterben. Diese Buchprüfer der Gesellschaft mit ihren Selbstmitleidsorgasmen für alles was das Hamsterrad weniger komfortabel macht, waren plötzlich dieser schwindelerregende Mix aus „Diktatur“-Gegnern. Und Frau Martullo setzte ihr Vollgewicht ein für diese Anpassungszumutung. „Brodwüarscht  im Restaurant“ ist  die neue Freiheit.

Und  die Transponierung des geldbürgerlichen Überlegenheitsgefühls auf die Prekariats-Restgesellschaft kann jetzt fliessender geschehen. Sie gehören eh zusammen. Viel einfacher als früher, als die Ausserwählten zwar auf der Luxusjacht mit individuellem Service, die anderen als Kreuzfahrtstrottel mit der Polonaise zum Buffet kamen. Dabei wäre das doch die ultimative Totalvision für die Volchspartei. Die wissen ja sons nicht mehr was zu motzen wäre. Alle müssen in den Schnee hocken um die Brodwuarscht zu essen. Es gibt keine Milliardärs-Terassen.

Vollkasko eben. Für Vollidioten, für diese Vollkasko- Revolutionäre.

Da kann man dann die Fakten, die einem nicht passen – vor allem die der Epidemiologen oder auch die der Klimafachleute– schon mal „fachidiotisch“ nennen. Guat sind wir wieder beim Thema: (etwas toleranter gesehen) Vollpfosten im Jägerzaun sind doch tolerabel.

Wer stammtischstundenlang siniert, dass und wie sich gleichzeitig der Lookdown und der Wolf wie der Islamismus breit macht, der ist nur mit dem Herstellen von Benzinaufpreis-, Nikabmärlis und Diktatur-Gschichtlis beschäftigt. Menschen mit solch sinistren Gedankengängen gibts offenbar häufiger in der Volchspartei.

Oder, was hab’ ich mal gelernt? Eine gute Regierung ist wie eine geregelte Verdauung; solange sie gut funktioniert, merkt man kaum etwas von ihr. Das ist wohl auch so, wenn wir (bald) wieder im Restaurant essen dürfen. Take-away haben wir dann wohl mal verdaut, die Vollidioten auch.  Denn Vollpfosten sollten wir wohl bei der nächsten Krise keinen Sendeplatz mehr geben.

 

 

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Wortfindungsstörungen

Ich liebe es flowig daherzuschreiben. Mit reden ist das schon etwas anders. Guat, oft hab’ ich ja so einen Quasselstrom der mich treibt, aber handkehrum fehlt mir redend plötzlich ein Wort. Anderen in meinem Alter ja auch.

Dieser fehlende Wörterlavastrom, der aprupt abbricht…so ein coitus verbalis. Kürzlich machte Jürg mitten im Reden seine „ÄÄH…MHMHMs“ – „ also waisch, der….“ und dann kann er den Namen oder das Wort nicht mehr sagen. – Geht mir auch so: „Jo waisch, i han au öppa so Müah…mit Erinnara.“ Plötzlich fehlt einfach ein Name oder ein Wort.

Und das nicht nur an Tagen an denen man sich mau und morsch fühlt.
Wortfindungsstörungen nehmen zu. Einzelne möchten es verdecken, andere lassen es einfach zu.

Da hat man subito etwas mehr Windmühlen im Kopf als Jos Gasser

– eine heftig verstörende Wirkung. Da kann man auch wegschauen, die Sonne so heiliggeistmässig studieren, den Himmel über der Signina bestaunen, die so erleuchtend leuchtet. Automatisch kommt man dann in die weiten Hallen des Gedächtnisses…(so frei nach Augustinus).

OK, Wenn ich Hunger kriege, weiss ich nicht immer gleich worauf..aber irgendwann kommt das schnell mit der „bistecca fiorentina“ und dem „Erdbeertörtli“ wieder. Wortfindungsgedanken haben meist länger, bruzeln meist länger vor sich hin. Und dann, und dann schau’ ich dann wie ein Ochs, dem man die Heisenberg’sche Unschärferelation zu erklären versuchte, aus der Wäsche.

Das Ohne-Worte-sein kann ja auch peinlich werden…wenn die Worte mit der Sanftheit eines Überschallknalls ins Weltall krachen und nie mehr zurückkommen wollen. Kann ja mit dem Alters- und Veränderungsschmerz einhergehen…Ich komme mir dann so vor, wie ein verballerter Altsportler mit Senioren-Nostalgie-Krampf. Wie so in vielem: möchte so gerne, aber kann nicht mehr…

Jetzt könnte ich doch so meine eigne „Best of Verschüttet-Liste“ machen? Namen und Begriffe langsam aufschreiben, alle was mir immer wieder so entfällt? – Früher hatte ich doch über den Regierungsrat geschmunzelt, dessen Gattin vor dem Smalltalk die Namen und Vornamen der Auftauchenden flüstern musste. Und heute gehts mir gleich: wie heisst sie schon wieder? Martha, Anna…oder so? Dabei kenn’ ich sie seit 40 Jahren.

Diese Anstrengungs-Beseitigungsanssprüche kommen dann wieder hoch.

Deine Wörter sind fliegende Fische, sind nicht mehr da, sind verloren. Fort. Denk ich paralysiert. Ich bin vergesslich geworden, aber ich vergesse nicht, dass ich vergesse..peinlich. Und jetzt mit all diesen Covid Mutationen muss man sich doch unendlich viel mehr merken…die brasilianische Version P1 oder die englische B.1.1.7 ?

Okay, so häufig geschieht mir das nun auch wieder nicht… Und zwischen Wortverlust und stummem Einvernehmen gibt es ja noch so eine woke Toleranzschwelle. Es heisst, dass die Stille, die auf Mozart folgt, immer noch Mozart ist…nur bei Schiesser ist es halt immer noch Scheisse. Funkstille.

Bei den Laufmetern von Alleserklär­büchern im Stil von «Warum Italienerinnen besser italienisch sprechen und trotzdem gut kochen…“ gibt es vielleicht auch bald einen neuen Bestseller „ Das Wie-heisst-sie-schon wieder-Syndrom? Lebensentwürfe für Wortwürfe…“ – mit dem Epilog des erfolgreichen 78jährigen Joe Biden „und er gewönne mit Worten wieder eine Welt.“

Gut, auch ohne Pro Senectute weiss ich, dass sich mit der Verlangsamung der Hirnleistung auch die Fähigkeit, Verdrängtes zurückzuhalten verlöre. Kann ja auch gut sein, all den Lebens-Shit mal abzuwaschen…

Das ist das Lemma-Dilemma. Die Lemma Ebene (von griechisch: das Angenommene) ist diese Formebene im Hirn, die das Schriftbild und die klangliche Gestalt jedes Worts repräsentiert. Auf einer anderen wiederum sind seine Bedeutung sowie die Kombinierbarkeit mit anderen Wörtern gespeichert. – Bei mir sind es sowieso auffällig viele Bilder die ich abrufen kann. Ist auch sehr angenehm, ein gutes visuelles Gedächtnis zu haben. Man geht auch ohne phone und GPS in keiner Stadt verloren.

Zur Beruhigung erfahr’ ich dann, dass es das Wortfindungsphänomen in allen Sprachen der Welt gibt. Schätzungen zufolge geraten wir im Schnitt einmal die Woche derart ins Stocken; unsereiner, also Ältere etwas häufiger als Junge. – Die Japaner und die Schweizer müssten demnach mehr Wortfindungsstörungen haben…

Sieht man ja auch, wenn Röschti oder andere Super-Schweizer die auswendiggelernten Argumentationsformeln gegen das CO2-Gesetz aufsagen. Die haben vielleicht auch schon nach den ersten Hitzewallungen, den ersten Arthritissymptomen sowieso die Symptome der Vergesslichkeit. – Die russischen oder saudiarabischen Schriften der Erdöl-und Gaslobby sind wahrscheinlich auch etwas komplizierter oder aufwändiger zu lesen. Die Schriftstellerin Jamaica Kincaid sagt ja:

«Alles, was es wert ist, gelesen zu werden, ist schwierig zu lesen.»

Sie meinte zwar belletristisches, nicht fossil-antinationalistisches.

Wenn ich dann die Chiesas und Wobmanns mit ihren abgrundtief deprimierenden Wortschätzen aus mir hinausdenke., ist mir wieder vögeliwohl, da überkommen mich fast wieder Wortbindungseuphorien. So Momente des Einvernehmens mit meinem Hirni. Wie so ein Capuns-Rahmsössli mit Erdbeertorte und Güpf beflügelt mich meine Wortwelt aufs Neue. Und eine wundersame Selbstzufriedenheit wie bei den Corona-Rebellen in Rapperswil überkommt mich.

Wörter zu finden war ja schon immer mein Lebenszweck. Dieses schlendernde Lebenserfüllung, das Einssein mit den Worten bezeichne ich gerne als meine schönsten Erlebnisse. – Da kommt ja die Sina, oder ist es der Reto? Gut, entschuldigt, ich sehe ja auch nicht mehr so gut.

 

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Füdlibürgerburgunder

1981 schickte meine noch jungfräulich unschuldige Firma unseren Kunden und Freunden einen „Füdlibürgerburgunder“ zu Weihnachten.
Ich glaube, schon damals erkannten wir als Kommunikationsagentur dass alles FAKE gut ankommt. Der Burgunder war nämlich ein (doch gut süffiger) italienischer Tischwein. Also nichts zum kotzen.

Das ging mir diese Woche wieder durch den Kopf als ich die NZZ las – zum xten Male irgendwelches Freisinnig-Liberales-Eigenverantwortungs-Gestammel. Die Headline: „ Liebe Freisinnige, tut um Gottes willen etwas Tapferes.“ Das ist  dann eher wieder zum kotzen. Und das erst noch im beschwörenden „Interesse der Schweiz“. Mit Freiheits-Zitaten aus den Kriegsjahren um 1941 wird FDP als „Genom dieses freiheitlichen Bundesstaates“ gefeiert.

Als Glatzenträger weiss ich ja, was alternativlos unheilbar ist. Wusste ich schon mit krausem Vollhaar vor 50 Jahren. Da war mein geschätzter und wirklich geliebter Bruder Fritz, Metzgermeister, bereits in der FDP. Im Gegensatz zu ihm, hielt ich mich raus aus dem einseitigen Parteien-Gelärme. Vieles tönte doch krass dogmatisch, ideologisch und parteibüfflig; gut, ich bin parteilos, aber Probleme hat doch jede(r).

 

Das FDP-Doppelspiel: so tun als wäre man für einen bürgerlichen Mittelstand sich aber ereifern für die 1 Prozent Reichen.

 

Das ging mir auf den Sack. Vorgeschobene Haltung ist wohl das Stichwort…Guat, Fritz und ich (Hansli) verstanden das eben verschieden. Ich argumentierte: Die FDP nähme ganz sicher nicht die Interessen von Bäckern, Metzgern und Beizern wahr. Und im Hotel Stern zu Chur sässen doch die alten Rechts- und Rechthaber, mit dem Linken-Hass, dem asozialen Steuerverhalten, dem Fry-Rätien-Wahn, dem habitualisierten Wegsehen, Staatssparer. In Chur waren das eher harmlose Mittelständler, Einfamilienhaus-„Akademiker, Juristen, Ingenieure…Veterinäre und Treuhänder, die eher zu den 99 Prozent gehörten.

Da korrespondierte die gefakte Welthaftigkeit der FDP auf das Entzückendste mit den Insignien kleinstädtischen Dünkels. Und wir wussten, dass das  wie bei den Zimmerpflanzen in der Geschirrkammer des Hotels Sterns war.  Die konnten draussen kaum überleben. Die wackeren Freisinnigen kämpften noch gegen die roten Mammuts, nicht gegen nachlassende Gäste-Bindung. Guat, heute ist ihr Wirtschaftsbarock nur etwas moderner benamst, heisst jetzt Blackrock, Goldmann Sachs oder Economie-Suisse… der neoliberale Täusch-Mist  hat sich verstärkt. Der Hallraum ist aber etwas enger.

Der frühere Hansli hätte das als „verdrehter provinzieller Molekular-Kapitalismus“ betitelt. „Bei den meisten sozialisationsbedingten manifest Unterprivilegierten ist da wohl nichts zu machen…“ meinte ich dann oft zu Fritz. Ironie verstand er. Als Wokismus-Jünger hätte er mich zwar nicht betitelt. Das Feindbild kannte man damals noch nicht.

Nun haben’s selbst die aus den Engadiner-Schattenwirtschaftszonen (sprich Baukartell) gecheckt: „Immer nur gier, macht stier.“ Die NZZ  warnt zwar jetzt, „der Manager mit dem freisinnigen Genom sei weg.“ Wie auch immer. Vielleicht sind die etwas moderneren Manager einfach etwas woker oder weniger blöd als die FDP. So langzeitverzögerte und  überpushte Kartell-Geschichtli sind höchstens Symptome.

Nichtsdestotrotz schreibt die FDP ähnlichen Unsinn in ihre Medien­mitteilung zur Pandemie, der Bundesrat spiele «fahrlässig mit der Glaubwürdigkeit aller involvierten Institutionen». Daran haben wir uns ja gewöhnt: die FDP gibts nur noch als pdf. Und der Hansli – 55 Jahre NZZ Leser– sagt heute zur NZZ: „nous sommes perdue, aber nicht per Du“. Abbestellen.

Hansli erträgt vielleicht den moralischen Gestank der Junggeldgierigen nicht mehr, die ins Gesicht verkleidete Markwalder-Bangigkeit, die martialische Forschheit des FDP Fraktionsvorsitzenden Walti mit seiner Stahlmantelmimik und Cassis mit seiner Internationaliät fast ostasiatisch in seinem Bemühen Ungangenehmes zu vermeiden, ist doch der Beste Fake-Verhandler. Und erst die Liberalismus-Verbalaktivisten der NZZ-Corona. Auch die halt eine Seuche.

So sind wohl nur noch die letzten auf Mittelstand geschminkten Wohlstandsverwahrlosten  in der FDP.

Die Metzger und Beizer in der SVP. Um zusammen mit der FDP den Benzin- und Heizölpreis der Saudis und Russen zu schützen. Alle diese Bäcker und Gipser möchten mit dem polierten Mercedes auch mal in die Bahnhofstrasse Züri einbiegen – verstehe ich. Nur sind da die Grünen mit  CO2-Vorgaben und mobility pricing im Wege.

Und Fritz würde wahrscheinlich zum Hansli sagen: „ Am Anfang sind wir jung und blöd, am Ende alt und blöder.“– Hansli: „Die meisten sind nicht blöd. Sie haben einfach nur Pech beim Denken.“

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Zahltag

 

Gut, es war so eine Lappaliensituation. Ich wollte im Coop Quader mit GKB-Twint covidgerecht und elektronisch an der Kasse zahlen. Mein iPhone funktioniert aber mit Gesichtserkennung, konnte als so dank Wintermütze, FFP2-Maske und angelaufener Brille meine Fratze nicht erkennen. „hua**…Sh…**, fu…**“ undso, ein scharfer Schmerz in meinem Frontallappen kam auf.

Ich hab’ ja keinen Kühlungsmodus wie so ein Grosscomputer. Im Gegenteil die Langlauf-Mütze machte noch heisser. Verändert Pupille und Atmung. Kein Wunder erkennt mich mein Phon nicht, erweiterte Pupille wie ein addict; schweratmend mit ewigwährendem Seufzen wie die Covid-Verleugner.

Schieben die mich jetzt ab in einen Pro-Senectute-Handy-Kurs? Oder gar in die neue Seniorenklappe beim Kantonsspital – das Pendant zur Babyklappe?

– Eine Alterserkenntnis: Wenn dein Handelswert gegen Null tendiert, bist du am Arsch. Das ist wie bei der Rabatt-Wühlecken im Coop, die überlagerten Rindsblätzli sind plötzlich nicht mehr so viel wert.

Guat, mit Corona haben schon einige das Gesicht verloren. Als Entschädigung hat man ja als Backup das Vermögenskonto bei der GKB, so als Brennkammer permanenter Seligkeit bis in die Ewigkeit. Dass ist dann etwa so ein Anker wie die dicken Socken vom Hitsch, die ich mittlerweile vor dem Zubettgehen altersbedingt anziehe. Die nützen aber wenig, schwitzend vor der Coop-Kasse.

Man bemüht sich doch sich als Abgänger noch ins rechte Licht zu rücken. Und das jetzt mit fast dreiundsiebzig. Das Leben ist halt nicht immer ein endloser Carving-Tag mit wölklilosem Himmel und wohltemperierten 5 Grad. Als Oldie ist man da schon etwas reduziert wie heute der Aktions-Appenzeller-Käse.

Die unterbezahlten Coop-Kassiererinnen sind aber perfekte Altenversteher. Die wissen, dass sie uns überleben werden. Und da ich eh bald in der ewigen Cloud logiere, verlangsamen die automatisch die Spielgeschwindigkeit, fragen bedächtig einfühlend: „Haben Sie eine Supercard?“ Ein vielfach konditionierter Reflex: klar, habe ich die. Aber die da ist ja eine Cumulus, ist wohl für den falschen Laden?

Wiedermal alles falsch. Die unterversorgte Blutzufuhr trägt jetzt auch noch zur Panik bei. Es war einer jener Augenblicke, die einem in der Nacht aufwachen lassen, die man anhalten möchte, umkehren möchte…
Wie die 250’000 Paniker, die unterschrieben haben, das man die Beizen öffnet.

Sind das krampfhafte Panik-Entleerungen unverdauter Deppen-Vibes?

Den Mund in einer abwärts weisenden Parabel weiden sie sich am milden Rausch andauernder Unzufriedenheit. Sie wollen Planungssicherheit über das Leben, wohl der wichtigste Lebensaspekt seit dem Urknall.

Mein Jahr USA hat mich doch in den 70er Jahren so optimistisch gestimmt…Aber heute mehrschichtig optimistisch orangegebräunt wie es Usus ist unter uns Frührentnern, kann man sich solche Abknicker nicht leisten. Hani immer noch genug positive Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin? Erst später hab ich gemerkt, dass die US-Menschen sich sogar selber betrügen mit ihrem falschen orangeblonden Optimismus. So eine eigelbe Tolle ist höchstens das tolle am Verwesungsgeschmack.

Und da kommt er wieder, der moralische Reflex den wir wir alle beim Alters-Talk haben müssten: mehr Selbstbewusstsein! Mein Alterskollege Trump hat wohl diese Angst vor der Alterslächerlichkeit nicht. Spieglein, Spieglein an der Wand, wie wirke ich denn? Auch so machoalt, obszönalt, frühfossiliert, unverbesserlichalt, feigalt, formatalt, aufplusterndalt, dümmlichalt…?

Seelische Kargheit wittert man immer. Vielleicht bräuchten wir zusätzlich zur Contact Tracing App jetzt auch noch so eine Idiotenapp, die zuverlässig aufzeigt, ob sich in meiner unmittelbaren Nähe einer dieser Öffnungsidioten aufhält. Gibt vielleicht mehr Urvertrauen.

Gut, gibts noch Shakespare. Der King Lear. Mit den erschütterndsten Alterseinsichten: „Und von Stund zu Stund reifen wir, und von Stund zu Stund faulen wir!… Quält einen Geist nicht! Lass ihn ziehen!“ – Das machte ich dann auch und zahlte mit Maestro…The End: zurück zum Optimismus (und Knausgard)…“selbst die schlimmsten Erinnerungen haben früher oder später etwas Gutes.“

 

 

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meine kriminelle energie

Ja gut, ich schaue immer noch den „Tatort“-Krimi. Seit ca. 35 Jahren. Den auch ich brauche etwas, das meinen Sonntagsglauben abends sinnvoll manifestiert. Das mir selber immer rätselhaft werdende Vergnügen ist aber irgendwie so, weiss nicht so…mal so, mal so… Und da bin ich ja nicht allein. Oft sind es 10 Millionen, die da zuschauen. Immer wieder Sonntags. Die Plots widerspiegeln unsere Gesellschaft, mal solche, mal solche…ist wohl so wie bei all den Covid-Impfsorten– etwas unübersichtlich. Fast wie so eine fanatisch flexible Funktionsjacke.

Ich hab’ auch Kollegen, die Tatort Krimis schrieben, mal gute, mal schlechte…Hab’ mich dann auch noch versucht, mit mässigem Erfolg. Bei mir war’s vielleicht das schreibgeile Äquivalent posttestosterongesteuerten Aufplusterns im AHV-Alter. Autoren wie ich, von beschränkter narrativer Kompetenz neigen halt dazu die eigene Sicht möglichst laut und ausführlich zur Sprache bringen…tempi passati.

Tatortig lernt man aber viel über die Menschen. Tatorte sind ja oft etwas zusammengeficktes, wie die Menschen. Allgemein tut man ja auch sonst viel dafür, um Bildung als ein anspruchsloses Angebot für Anspruchslose zu installieren. Florierende Gassenhauer, von Divertimento bis Rima, Emil bis Röbi Koller. Regressive Schrebergartisierung oft moderiert mit automatenhaftem Frohsinn.

Jack Gillenhal-Typen und Schröder-der-Erste-Verschnitte, Nahrungskettenvorsitzende mit Kinder-Gegenprogramm: ideel verballerte Jung-Asis mit Ratte..

Dagegen ist der Tatort doch schon fast eine Bildungsstätte. Da gibts, Berliner Drogenhöllen bis Münchner Villas, Jack Gillenhal-Typen und Schröder-der-Erste-Verschnitte, Männer mit Anteilen am Silicon Valley und Damen mit ebenso dicken Anteilen an Silicon. Nahrungskettenvorsitzende mit Kinder-Gegenprogramm: ideel verballerte Jung-Asis mit Ratte auf der Schulter und Unterhemden mit ohne was drüber. Gegen Ende, so 21.45 Uhr öffnet sich dann oft das dritte Auge in unserer Zirbeldrüse und wir meinen die Geheimnisse unseres Kosmos wieder zu verstehen. Zurück in die hellerleuchtete Dunkelheit unserer Sonntags-Schlappheit.

Wie der winterliche Pfau der seine Schwanzfedern in Fellinis Amarcord spreizt, meine ich dann oft montags diesen Figuren leibhaftig zu begegnen. Entweder spiele ich dann (im Manor) Monica Vitti, die in einem Antonioni Film in die Ecke zurückweicht und „non lo so“ flüstert oder (auf der GKB), auch mal Schimanski, der laut auf den Tisch haut und aus dem „Heidi“ zitiert: „Fräulein Rottenmeier sieht aus wie eine geladene Kanone“.

Ok, die Summe der Intelligenz ist eine Konstante, aber die Bevölkerung in den deutschsprachigen TV-Nationen wächst halt. Gewohnt nach über 10 Jahren Netflix, bin ich auch bestrebt eine gewisse Vieldeutigkeit auszuhalten…als vielsprachiger, multipolitischer Bündner gewöhnt man sich daran. Und ob das Gehirn in der Höhe anders funktionert als im Tal, ist auch nicht so wichtig, auf jeden Fall funktioniert es im Kopf guat. Wenn ich dann auf TV Südostschweiz Regierungsrat Parolini herangezoomt wie im richtigen Fernsehen, scharf gezeichnet sehe, beim Versuch Obama zu imitieren, der einen Kulturmenschen spielt, merke ich, dass könnte stimmen.  Bagatellen mit einem homerischen Aufwand zu schildern, liegt uns wohl.

Nach der perfekten Geburt, der perfekten Kita, der perfekten Uni, der perfekten Wohnung und perfekten Lebensläufen, nach fünfzig perfekten Ferien am gleichen Ort in der Toscana können wir uns wohl noch den perfekten Tatort gönnen. So am Siedepunkt der Langeweile, nach 12 Monaten Covid, kann man sich schon mal in schlechte Gesellschaft begeben. Da das das Leben eh nicht weiss, was es in diesen Zeiten mit uns anfangen soll. Ist eh zu kurz um das Beste aus jedem Tag zu machen. Da hat man ein Menschenrecht auf den Tatort.

„Jeder Mensch hat ein Recht auf schlechte Laune, man sollte das in die Verfassung aufnehmen.“, hat ja schon Georges Simenon vor dem Verhüllungsverbot gesagt. Ist auch beim Tatort so. Das schönste an der schlechten Laune ist, das man nachher keine mehr hat. So ein Sonntagskrimi boykottiert einfach meine sonntägliche Selbstboykottierungsschleife. Jo, somit ist auch die Fragwürdigkeit des Menschen unantastbar – wie in der Politik.

Wir Entertainment-Verwahrlosten meinen dann oft steife Formulierungen seien ein Signal für Tiefgang.

(meine überkandidelten, gedrechselten Sätze inklusive) Aber oblomovsche Trägheit oder bartlebeyeske Lähmung, hamletartiges Zaudern beim Zappen am Sonntagabend sind angesichts der Netflix-Covid-Sinnlosigkeitsbeseitigungs-Anfälle doch eher wieder erhaben top. Das können wir jetzt fast wieder unter Hochkultur ablegen. Titel, die bereits den Zuschauer qualifizieren, gibts ja nicht so oft wie bei Dostojewski: „Der Idiot“.

Nach dem Abspann ist die Gesellschaft wohl weniger zersplittert. Man denkt weniger an Krankenkassenwechsel und Verhüllungsverbot und spuckt Zuversicht auf den Riemenboden…reisst sich vielleicht eher wieder am Riemen und gerät bei Satzkonstruktionen, die mehr als zwei Nebensätze ausschwingen nicht mehr in Panik.

Selbst der plumpste Kack-Tatort ever mit viel Ausgelutschtheit bringt mich weiter. – Obwohl, vom echten Leben haben die wohl soviel Ahnung wie die SVP von der Nikab. Bei diesen Spasten und Politonanisten ist das Schlimmste was passieren kann, das nichts passiert. Und das ist ja auch nicht schlimm.

 

 

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was Thomas Mann zum WEF sagen würde…

Ich würde schon gerne wissen, was Thomas Mann über das Davoser WEF geschrieben hätte.

Adam war, nachdem er den Apfel gegessen hatte, auch nicht zu einem anderen Menschen geworden. Er war der, der er schon immer war, nur dass es ihm jetzt schlechter ging. Wie uns und dem WEF nach Corona.

Der Schwab meint, es müsse doch besser gehen, eine bessere Wirtschaft sei möglich…Das unterschreiben wir doch alle. Aber welche? Klar, er meint die wirtschaftlichen, globalen Ungleichheiten seien nun langsam zu gross. Selbst ER, meint die neoliberale Ideologie hätte sich in den letzen 40 Jahren zu stark durchgesetzt….hat er wohl recht.

Thomas Mann zum Ausgleich der Ungleichheit? „ Was sie an Qualität vermissen liess, muss sie ersetzt haben durch…Dynamik“ ergänzte Hans Castorp im Zauberberg. Doch der meinte nicht die Wirtschaft.

Okay, jetzt versuch ich den ganzen Film mal zu entwickeln (Sind mir nicht immer dieselben Sachen wichtig, die Schwab wichtig sind? )

Schwab melkt die fettesten Euter der Welt.

Für mich verkörpert er die Euphemismus-Variante der Korrumpierung der Korruption…nai, natürlich nicht so wie ein N’drangheta Mann – er ist eher der musterhaft Redliche, der…diese Schiefheiten vielleicht mit Gewinn konzertiert, natürlich auch wieder im Verein mit einer höheren Wesenheit würde T. Mann meinen. Er ist das makellos rasierte Gesicht der Macht, hat aber auch diese ins Gesicht verkleidete Bangigkeit, schaut dann oft wie ein so extrem gehudelter Mensch, so fast (…aber nur fast) eine sozialismuskompatible Papstbesuchs-Variante. Er ist ein Vordenker in einer Wirtschaftsgesellschaft, die sich im Kern vor jeder Veränderung fürchtet, die ihren Gewinn schmälert.

Mit diesen dealt er gut: Er hat gerne diese Strotzer um sich. Auf der einen Seite, die taktierenden Suits, streberhaft und getrimmt. Auf der anderen die feisten, verfetteten Arrivierten, die Trumps und Goldmann-Sachs und Blackrocks, voller Hochmut und Stumpfheit. Gesellschafts-Reflexionsverweigerer. So im Stile des Möchte-Gerne-Bundes-Wirtschaftsminister-Merz in Deutschland: „Hier draußen können Millionen gemacht werden, und deine einzige Konkurrenz sind Idioten“,

Dazu hat er etwas von jener Altmaier-Feistigkeit der Geldschwämme, der Anzugs-Verlogenheit…und netterweise auch diese Bono-Euphemismus-Ladung…Schwab unterwirft sich immer wie ein Hirsch dem Stärkeren, wenn es brunftet. Wie vor 2 Jahren bei Trump.

So kommt er mir dann oft vor wie eine Flaschenpost aus anderer Zeit.
(das hör ich dann raus: er bestellt einen Fitnesssalat, hätte aber viel lieber Bratkartoffeln mit Braten gehabt.)

Krähen seien die Businessmänner der Vogelwelt, hatte irgendeiner mal gesagt. Picken an ihren Laptops rum, fläzen sich dann in den Mercedes und meckern am Abend mit ihren klunkergeilen Damen über die Gretas…und treffen sich jährlich am WEF. Um einander später wieder die Augen auszuhacken. Fliegen jedes Jahr gegen Süden ans WEF, um erhitzte Debatten über neue Thesen zu führen, die sie nicht so richtig interessieren. Primär nur ein Gerenne und Gehetze um Aufmerksamkeit, um Hauen und Stechen und Status. –

Liege ich da wieder mal vorurteilsbehangen falsch? Mag sein, falsches Casting. Ich sollte natürlich nun Ringeltänze des Bedauerns aufführen, vor Zerknirschung den Kopf senken…soviel Wertschöpfung, die sie doch Davos bringen. – „Halte deine Vorurteile im Zaum“. Steht wahrscheinlich auf meinem Glückkeks (gratis zum Dim Sum) im Davoser China Restaurant Golden Dragon.

Ich seh’ schon Schwabs Augenbrauen eine Oktave höher steigen, seinen Bauch zieht er ein. Er doziert jetzt eine Gleichschaltungsdiät…sein Bäuchlein hat sich doch etwas angefettet. Die ganze Verletzlichkeit seiner marktwirtschaftsspeckumhüllten Existenz, mit freiwilliger Glatze und freisinnigem Sinn ist glaubwürdig. Den hält man schon wegen seiner schieren Freudlosigkeit für kompetent. Und gut, er sieht so aus, als ob er allein schon ob mangelnder Feinmotorik keiner Fliege etwas zu leide tun kann.

Fixiert auf meine Fixierungen lasse ich jetzt irgendein Schwachsinnantiliberalismusschleimscheissergelaber raus.

Aber Schwab ist Schwab. Der Täter sieht sich gerne als Wirtschaftssanitäter.

Er hat sich doch auch schon als Gretinist geoutet (mir auch recht). Der Zweck heiligt die Titel. Der liebt die Wirtschaft so, dass er am liebsten zwei davon hätte…

War ja schon immer so ein Verbalaktivist, so im Sinne: ich decke bloss den Tisch, aufgetragen wird von anderen…da kann ihm nichts passieren, das WEF ist ja eigentlich nur ein banales Geschäftsnarrativ mit fettem Leanback inbegriffen. Sieht sich als lonesome Cowboy, der in die Stadt reitet, alle Schurken und Feiglinge erledigt und dann wieder allein und fidel pfeifend in die Abendsonne reitet…Bei fettem Eintrittsgeld darf man zuschauen.

…der hat doch eher dieses Endsiegverkackt-Gefühl von seinen Vorfahren geerbt,

Was jetzt, vielleicht humpelt sogar seine Geldmachmaschine im Schleudergang? Gut, die Weltwirtschaft ist nach Corona vielleicht wie ein Mann mit Potenzangst: was ist, wenn ich ihn nicht hochkriege? Glaube ich nicht, Schwab hat doch jetzt nicht so ein Basisfeeling von Verlorenheit? Da geht man einfach nach Singapur.

Wie so ein Fallschirmspringer, der merkt dass er nur einen leeren Rucksack auf dem Buckel hat? Nai, der hat doch eher dieses Endsiegverkackt-Gefühl von seinen Vorfahren geerbt, ist doch schlau genug, um faktisch zu merken, dass da nicht mehr alles stimmt. Kein Denkvermeider. Der merkt, dass die Löscharmee für den Müll der Neoliberalen schon aus der Wirtschaft kommen muss..

 

Oder wie hätte Thomas Mann gesagt: der beutelschneiderische Geschäftsgeist des WEF-Präsidenten lässt uns in die untergehende Davoser Sonne grimassieren. Und siehe da: im „Zauberberg“ steht die Antwort… „ Er wollte Omeletten für sich und die Seinen. “ – …Das war zu wenig für das Gemüt von Leuten, deren Schicksal ausserordentliche Tröstungsansprüche rechtfertigte…“

 

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skifahren oder sterben

Im Moment befinden wir uns so in einer Mexican Standoff-Situation.. Die Situation in der sich mehrere Cowboys gegenseitig Colts an den Kopf halten. Drückt einer ab, wären letztlich doch alle tot. Der Platzer will uns mit offenen Beizen töten, der Bigler mit offenen Läden, und der Ueli Maurer meint, er hätte einen offenen Hosenladen, also einen inkontinenten Staatshaushalt, soviel Cash fliesst ihm ab, dem Scheisser.

Auf der anderen Seite das Choronachörli in der Endlosschlaufe. Die töten sich im Überbietungsmodus mit Berichterstattungsoverkill von Epidemologen und Virusmonologen.

Stan Laurel sagte, er würde jetzt lieber skifahren als sterben. Wirklich? fragte die Krankenschwester. Nicht wirklich, aber er könne immer noch besser Ski fahren als sterben.

Und dann die Bündner Bergbähnler: sie wehren sich die Ski- und Sessellifte zu schliessen. Okay, da muss ja Stan Laurels letzter Witz kommen: Er sagte auf dem Sterbebett zu seiner Krankenschwester; er würde jetzt lieber Skifahren als zu sterben…. Auf die Frage, ob er das denn könne, hat er geantwortet: Nicht wirklich, aber er könne immer noch besser Ski fahren als sterben.

Geht mir wie Laurel, zwar verunsichert von Wirtschaftsverbänden, Infektionszahlen und Totenstatistik, bin ich zur Zeit in der Wartezimmer-Besatzung voll zufrieden. Wir üben uns im Flachatmen hinter der Maske…kurz vor Pharmageddon wartend auf das neue Pfizer-Moderna-Gleitgel, das uns hoffentlich in Graubünden dann (mit der üblichen Zeitschlaufe) auch noch erreicht. Aber wir sind ja auch da wohl altersbedingt Überprivilegierte in der Glücks-Wartezone. Also alles Summa Summarum im Bereich der Norm-Chur-Durchschnittsmenschen. Coop hat immer noch Toilettenpapier und der Stapi ist immer noch ein harmloser Schnorri.

Skifahren lass ich momentan noch aus, die Spitäler möcht’ ich nicht überlasten, in Graubünden hat man ja alles. Einiges ist vielleicht nur temporär erlaubt. (wie Schneeschuhlaufen in der Wildzone?) Einen plötzlich sich aufbauenden Negativitätsschub hab’ ich noch nicht festgestellt. Die Churer Bibliotheken versorgen uns mit guten Synapsen-Swings und guten Geschichten. Die stärken die Immunabwehr. Wir sind ja auch geblesst. Wie die Blesshühner in der Schutzzone.

Dürfte man jetzt nicht so sagen angesichts der vielen Corona-Schicksale, angesichts der lächerlichen öffentlichen Diskussionen, wer-was-wann falsch gemacht, angesichts der okkulten, selbsternannten „Querdenker“, (das Wort bleibt wahrscheinlich nur noch als T-Shirt-Schrift aus den 2020er-Jahren), darf man vielleicht aber schon sarkastisch darauf hinweisen…

OK, sich von einer Welt abkapseln, in der sich die Menschen in sozialen Netzwerken sowieso aneinander vollfressen, ist auch nicht so falsch. Aber diese psychologische Fettleibigkeit führt auch noch zu Hirninfarkten, ihr sterbensfetten Verrückten. –

Gohts no, ihr Stänkerer, die ihr nichts anderes als unter dem Emotionssammelterminus „Sehnsucht“ zu subsummierende Egotrips der FDP-SVP-Aeschis und Köpples verniedlicht. Gott erscheint denen wohl in Form einer Staatsverschuldungsstatistik.

Guat, ich kann mich auch auf die Erfahrung als Rekrut im 1968 berufen, mein Gehör für zuviel Autoritätsgehabe, zuviel falsche Töne und verlogenes Angst- Pathos sind schon dann geschärft worden. Ja, sind halt nicht alle Figuren Hauptrollen, sagt der Film-Freak in mir.

Für viele Leute ist Nichtstun offenbar qualvoller als physischer Schmerz? Ich kann da auch mitreden. Meine halbe irdische Daseinsspanne hab’ ich doch mit skifahren verbracht. (Vielleicht auch etwas weniger…) Nur mit den Skis kommt man zu sich selbst., meint man in Abänderung eines Bonmots von Kraus. Und wenn ich sehe, wie die ihre Mittelstandskörper durch die nichtcoronagerechten Warte-Schlangen und vollplanierte Winterlandschaft schieben und drehen, kniewürgend und carvingkantend…gohtsno? goht schu, bin ja nur neidisch.

Corona ist die perfekte Seuche, aber die ist eben auch nur so geil, weil wir wissen, dass es in Wahrheit wieder mal die andern trifft: die Schwachen, die Ganz-Alten, die Leute in der Dritten Welt, die sich keine Quarantäne leisten können. Dass es eine Krankheit ist, die vor allem die Zentren der Gesellschaft trifft. Die zynische Wahrheit ist, dass der Globale Süden nicht an Corona, sondern an seinen Folgen sterben wird: sterben wenn die anderen skifahren. Da hat der Laurel also schon recht.

Skifahren: da ist man dauernd unter Leuten, und stosst dauernd auf die Probleme, die man mit denen hat…Aber eins sag ich Ihnen: sobald ich geimpft bin, bin ich wieder auf der Early-Bird Piste…bis die nächste Vogelgrippe kommt.

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