Singsation

Wenn man am Montag noch so ein Chorlied vor sich hinsummt, im Streaming die Songs nochmals sucht, die Namen der neuen Chöre im Netz googelt. – Dann ist das Schweizer Chorwettbewerb. Anfangs Februar in Chur. Viele begeisterte Sängerinnen und Zuschauer. Nur in Chur hat’s niemand so richtig bemerkt…obwohl doch auf allen Plakaten und Panels „Singstadt Chur“ stand. (Die SO Media hat’s auch sehr bewusst unter der Nebelgrenze gehalten, schliesslich war RTR der Mediensponsor)

Als Nichtsänger hab’ ich den ersten Schweizer Chorwettbewerb intensiv miterlebt, so um die 20 Chöre gehört. (Ich singe immer noch wie eine Nachtigall mit Zahnschmerzen.– Hätte vielleicht rechtzeitig Gesangsuntericht nehmen sollen…)

Feinsinnigkeiten gibts ja in Chur meist eher im Theater. FeinSINGigkeiten diesmal at it’s best.

In den Kirchen, in der Postremise und ja auch im Theater Chur.

Miterlebt wie einige Hundert Schweizer zusammen „la sera sper il lag„ sangen. Freude, Flow, Flavio. Bundi heisst er, der RTR Chefredaktor, der total gekonnt und locker einen souveränen Finalnachmittag moderierte. Multilingual und zehnmal entspannter als meine verkrampfte Boomer-Generation in komischen Kravatten: OK-Präsident, Kulturregierungsrat, und Kulturstadtrat auch auf der Bühne am Schluss – (Das gute Lied vom Fremdschämen gibts’ glaubi nit.) Dieses Alt-Backen-Trallala. Nix fröhlich schwingender Sopran. Gesichter wie bei einem inneren Rammsteinkonzert.

Das hatte ja fast etwas Religiöses, was die Stadt Chur da zelebrierte, veranstaltete, verunstaltete. Zuerst war die Vertreibung und dann haben sie das Paradies erfunden. Zuerst wollte Stapi Marti nichts wissen von so einem nichtwertschöpfenden Konzept „Singstadt-was?: „ Bringt nichts“, so sein vor Jahren offensichtliches Abknallen. Man vertrieb die Chöre samt ihr Chorcenter vom Arcas. „Das Konzept“ sagte er mir persönlich vor etwa drei Jahren, das sei so „eine selfulfilling prophecy, wishful thinking“. (…wahrscheinlich ein Begriff aus der Immo-Dealer Branche?)

Da hätte man am Liebsten rechtzeitig Abgesangsunterricht genommen.

Sie sagen zwar, dass man auf der Jagd immer gegen den Wind arbeitet. Sie sind dann ja alle Jäger, wenn sie gewählt werden wollen. Aber manchmal muss man gegen den Wind singen, den Wind nicht mehr im Rücken haben. Das sagten sich auch die Churer Chöre mit Christian Klucker, Heinz Girschweiler, Gian Reto Trepp …….sie würgten sich einige Jahre gegen den Wind. Und dann kam der so typisch politische Beflissenheits- und Rechtfertigungswettbewerb der Stadtbehörde „ miar sind doch alle Sänger..“ Als wollten sie die Partituren bekehren…

 

Und im Februar 2024. Beieindruckend auf welch hohem Niveau. Heidiheidahalloaahwiaguat. Bunischem. Guat, mit Liedern kann man vielleicht auch die Puderschicht von der Realitätsoberfläche der Churer Kulturpolitikblase blasen. Chur-Chor. Ein groooooser Chor?

 

„Reverse snobbery“ nennt man das – Man kann sich natürlich auch wie das Bildungsbürger-Establishment Distinktion erkaufen durch die Origen-Zuckerbäcker-Religion. – Oder wie  an diesem Weekend, eben umgekehrt snobistisch, auch einfach hören was so kommt, kreuz und quer Chanzuns, Canzoni, Chansons und lauter schöne Lieder hören…triviales bis erhabenes.

 Laudate bis Guggisberglied. Bach bis le vieux chalet. Ein Erweckungserlebnis, man war singing high.

 

Bei mir eine Vorkehrung gegen den Altersstarrsinn.. (der kann ja auch bei Chören…)

 

Ich bin ja so ein Turnveteran- war also in meiner Jugend an X Turnfesten, wir sind am „Schweizerischen“ im Handstand hinter den Trams gelaufen und haben an mancher gut besoffenen Ansammlung von studierten Reckturnern mitgegrölt. So war die Stimmung auch in Chur. Nur ohne Handstand und ohne Alkohol. Aifach Tschent.

(Aufgeräumt haben die Bündner eh. Incantanti, Consonus, Ligia Grischa….gratulesch. Und unsere Tochter, beim HeartKhor Zürich, auch ein Bündner Destillat, die haben sogar unerwartet abgeräumt. Kat A1 mischedads, 1.Rang – me proud, superbgia)

 

 

Wenn ich jetzt Churer Normalos frage, was dann so churereignisreich gewesen anfangs Februar: Nur Zögern. Man weiss nicht. Ich sag dann, ihr habt was verpasst.

Oder wie singt doch Patent Ochsner: „warum söttemir öppis vermisse, wo mer nie hei khaa.“

 

 

 

 

 

 

 

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