Die Heiz-Schweiz

„Was? Schon 13 Jahre pensioniert?“ Oft beneiden oder bedauern mich die Leute. Je nach Gusto.

Zur Zeit dreht sich ja vieles um die Laufzeitverärgerung. Also nicht um meine, eher die der AKWs. Die Laufzeitverlängerung wird zur Laufzeit-Verärgerung. Die einen wollen strecken, die andern nix. Ist halt ein CH- Kompromiss. Die einen sehen Morgenröte, die anderen Morgengrauen.

Genauso die Laufzeit-Verärgerung  beim AHV-Alter der Damen. – Wir Vollkasko-Rocker wollen uns doch die Rente sichern, und da sollen halt die Frauen etwas länger schaffen. Wie sang doch der Esposito: „Grantigi elteri Herre chöi mit dr Ziit bösartig wärde..“

Guat, as isch immer khuul, wenn man den richtigen Leuten auf die Nerven geht…

.…und so richtig einheizen kann, vor allem vor der nächsten schwierigen Heizperiode.

Alle müssen jetzt Konzessionen machen: Wir wissen, alle Energiearten werden gebraucht. (Uns Grüngesinnten quillt zwar schon etwas die Soja im Hirn.) Und für viele Fossil-Fossilien ist die Kacke, die man selbst gebaut, halt selber am Dampfen. OK, CO2 verdampfen dürfen sie ja wieder .Sie haben die Energiewende erfolgreich kaputtlobbyiert. Zur Entschuldigung stossen sie nun die (SVP-)übliche Grunzkaskade aus.

Das mit dem Auf-die-Nerven-gehen geniessen wohl einige sehr (ich auch). Bene, „Ich-bin-wie-ich-bin“, sagte der Adenauer. „Die einen kennen mich, die anderen können mich.“

OK. Versuche jetzt ein Brikett weniger zwischen mir und meinen Affekten reinzuwerfen.

Versuche mich runterzuregeln wie wohl die Heizung im Dezember.

Ainawäg: Man merkt den alten Leuten an, dass sie, wie alle alten Leute in erster Linie ans eigene Mittagessen denken. Auch bei den Blochers. No offense. Guat, diese milliardenschweren Emser-Zürcher mit ihrem feisten Schwemmgut gehören einfach zu unserer Menagerie – Denen fehlt doch einfach der Adapter für die Restwelt. Vielleicht sind auch einfach die Brennstäbe kaputt und müssen mal ausgetauscht werden.

Oder sind sie – wie bei der Neutralität – verbraucht und müssen nun mal ein paar Jahrzehnte ins Abklingbecken…

Auch bene, alle Gifte und schlechten Säfte sickern aus dem Körper und werden von Kühlwasser gebunden.

Sind halt so stehengebliebene Overachiever, diese Goldküsten-Senis. Die funktionieren wie in einer Dressurschule für minderbemittelte Berggeissen. Und wenn die dann noch performen als ob sie auf einem Speed-Zücki ausgerutscht wären, dann rockts. Wie ein Senioren-Hitmix aus Linard Bardill und den Emser Tambouren.

 

Dass man wegen diesen Verärgerungen dann so einen Dauerlärm (wir waren schon immer für AKWs) verursachen muss, nur weil man dauergierig ist, ist dann eher Viertelvor-Hirntot. Weil das mit den AKWs ist ja ein Nebengefecht, das eher politisch einheizt, aber nur sehr viel Energie raubt.

 

Wärme ist so eine Gefühlssache. Ob heiss oder kalt, ist subjektiv. Wir wissen ja, wir brauchen keinen Stromgeneral, eher einen Wärmegeneral. Denn wir haben kein Stromproblem (wir haben genügend Kraftwerkskapazitäten, um Strom zu erzeugen.)

Wir haben ein Wärmeproblem: Zwei Drittel des Erdgases werden zur Wärmeerzeugung genutzt.

Eine Absurdität, die Beckett auch nicht toppen könnte. Sie machen mal – mit viel CO2 – aus Gas den Strom. Und danach brauchen sie diesen Strom um mit ihrem neuen Heizöfeli Wärme zu erzeugen.

Guat, man könnte auch seine Wohnung mit karmischer Energie heizen. Womit wir wieder bei Bardill wären. Aber das ist eine andere Geschichte. Seelische Aerosole wabern wohl nicht so wärmend herum wie bei den Impfgegnern und sonstigen Verschwörern.

Und so ein Wärmegeneral wäre dann, auch wenn erst mit 65 pensioniert, eher besser eine Generalin. Siehe, diese AHV-Laufzeitverärgerung könnte sich noch als gut erweisen (Achtung Kalauer: das wäre dann eine Genderalin.)– Mit Gemüseburgern und Velofahren kann man nun auch nicht alle Probleme lösen. Das ist dann so wie wenn man die Energie aus dem Marmorera-See mit Teelöffeln ausschöpfen wollte.

 

Verheizt werden wir ja alle. Mehr oder weniger.

Da können die Zuger Rohstoffhändler mit ihren Über-Gewinnen easy das Ficktory-Zeichen machen.

Die vögeln uns eh wie die russischen Kriegsheimkehrer der Wagner-Gruppe das so tun.

 

Apropos Altherrenseufzen. So oder so, im Herbst kommen wir wohl ins Fremdschwitzen, etwas uncool unschweizerisch. –

Ab 22 Uhr wird zurückgeheizt, jo, ääahm, aaah also nur impfall falls ihr Deutschen uns kein Gas liefert.

Aber jede Kälte-Drohung befeuert ja auch nicht unbedingt unsere Schweizer Neutralität.

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Füfer + Weggli

„Das kostet mit diesem Fähnchen 30 Rappen mehr..“, ruft mir ein Bekannter, pensionierter Arzt, im Coop zu. Er zeigt eine 1.August-Wegge, einladend backfrisch – macht mich an. Mitfühlend, 68er-ironisch (er kennt mich so) rufe ich über die 20 Meter zurück:„Du hast nun mal keine Ahnung von Distinktions-Marketing…;-)“. Grinsgesicht.

Ja, klar kostet dieses Fähnchen in einer ganzschweizerischen Coop-Menge eingekauft wahrscheinlich 2 bis 3 Rappen. Nicht 30. (So genau weiss ich das nicht). Nur hab’ ich mich persönlich gewundert, dass das einer aus meiner Generation, Mittelschicht, überhaupt merkt. Ich hätte es nicht gemerkt. Weiss nicht mal, wieviel eine Wegge überhaupt kostet. (und zu diesem Zeitpunkt wusste ich auch nicht, dass Coop eine Berghife-Aktion daraus machte…)

Aber er hat ja im Kern recht. Er wollte nur ein Wegge ohne Nationalstolz-Aufpreis.

Gehört die Wegge jetzt zur kooperativen Neutralität von Cassis? So im Sinne wir bezahlen jetzt lieber etwas mehr für unsere Schweizer- National-Weggen-Neutralität? Statt Völkerrechtsverletzung.

Aber mindestens ein Hinweis zum heutigen Marketing ist’s: auch klar, man kreiert schnell so eine vermeintliche Authentiziät. Die wird dann rassig zur gutverkaufenden, teureren glatten Marke. Wie diese Tulpenzwiebel-Päckli die wir vor Jahren noch kauften, mit mit dem schönen Tulpen-Fotos drauf, die so schöne Kelche versprachen…

Oder die Schweizer-On-Schuhe…schön, dass jetzt alle Ärzte sie tragen, auch die Pensionierten. – Nach der ersten drei Paaren, die ich vor Jahren, als firstmover trug, merkte ich dass da viel Distinktionsmarketing ist. Heisst: Teurer und bessser erscheinen lassen – und dann dazu diese Swissness!

Nicht so schweizerisch waren dann die Sohlenabbrüche nach wenigen Kilometern.

(Auch der arme Roger scheint darauf reingefallen zu sein. Bei ihm werden’s dann Kohlen-Abbrüche) Und erst die On-Verwaltungsratshonorare. Guat, das ist relativ. Wie bei der Ems Chemie.

 

Also diese nationale Prestigefixierung…auf alles ein Schweizer-Fähnchen. Unsere selbsternanten Heimatschützer finden das nicht schlecht…die Weggen gab’s ja schon lange vor dem Tell. Und wir haben ja gerne den Fünfer + z’Weggli. Vielleicht sind die jetzt auch noch Handlungsreisende in Sachen Fähnli? Verkaufen da ein paar Jung-SVPer auch noch überteuerte Nationalstölzli (nicht nur strunzdoffe Ballermann-Songs?) Wie bei den Masken. Halt immer etwas verkehrt rum: zuerst teuer verkaufen und dann dagegen motzen. Oder ist’s etwa so eine präfaschistoide Mangelwahrnehmung von Fahnen-Knappheit? Wer weiss.

Guat, sie haben grundsätzlich Arier lieber als Prekarier.

Obwohl ihre Zwangsstörung „Benzinpreis subventionieren“ vermeintlich für die Prekarier sein soll. Sind aber eher für die Erdöl-Firmen.

 

Die SVP lernt uns jetzt auch noch Energie-isch: Ein richtiger General soll her, auch für Gas, Dieselmotoren und AKWs. Die sollen nun auch noch ein Schweizer Fähnli bekommen. – Ich seh‘ das eh wie der Köppel.:“Ich bin ja tolerant….aber die Russen. Dabei sind die Russen ja nur die Vorhut der Chinesen. Gute Kunden der Ems Chemie.“

Nun gut, Die SVPis kennen ihre Polit-Role-Models: Josef Stalin, ein Vorbild aus gleicher geopolitischer Region riet einmal: «Wenn du einem Huhn alle Federn ausreisst, es trittst und ihm dann ein paar Körner hinstreust, wird es dir auf dem Fuss folgen.»

So gesehen ist das überteuerte Fähnli auf den Weggen eher eine Deko, so fürs Fussvolk eben. Und zum Trost könnte ich jetzt meinem Senioren-Kollegen den Mediziner-Witz rüberzwinkern: „Ach Herr Kollege, Menschen sind auch nur etwas Zusammengeficktes.“

 

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Aääh, das ist Äääh, sehr wichtig

Man hat eingeladen zu einer wichtigen Energie-Informationsveranstaltung. Eine seriöse Vereinigung. Organisation der Wirtschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz: aeesuisse graubünden. Schweizerisch verankert. Eine Dialog-und Netzwerk-Plattform seit 2014. – Hat bei mir hohe Affinität, hohe Akzeptanz wegen der Klimaschutzziele.

Der Präsident – ein langjähriger Freund – zappelt auf der Bühne herum. Ääahms alle 10 Sekunden. Rhytmisches Nicken, rudert sich schwingend mit den Armen in Fahrt so im Predigermodus. Die Körpersprache zeigt, dass etwas mit ihm…irgendwie slapstickig…hampelpolitisch…out of time…eher grotesk.

Ich habe am Morgen noch mit ihm telefoniert; eines unserer gemeinsamen Projekt läuft aus dem Ruder, weil sich zuviele Berater honorarsteigernd und portemonnaieorientiert verhalten. Jetzt hat er’s auch gemerkt. Sein Eigentrost: „ wir müssen das halt wieder positiv angehen…“ – Positiv thinking bis zum Klimatod nenn’ ich das.

Aääh, abschweifend noch und noch. äääh.

Für mich ist sein wirres Zappeln, Hin-und Her, chaotisches politisches Rumkurven – ein Sinnbild der schweizerischen Klimapolitik.

Bei ihm kann man kann das im Alter auch rheumatische Unbeweglichkeit nennen. ER war mal first mover, irgendwie bröckelts…jetzt nur noch in wirren Endlosschlaufen.

 

Er liest aus dem Tagi vor: die Oasen in Nordafrika, gell, „die Welt…dieser Ukraine-Weizen“, wir haben halt eine Herkulesaufgabe. Darum immer wieder dieses Wippen-Zuckeln, dieses bucklige Rumkurven auf der Bühne – meine (fiese) Frage:

Vielleicht hat das Grünsein auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum?

 

Originalton. „Aääh, die Wirtschaft muss ÄHHH (diesmal flachatmender) eingebunden sein.“

Guat, „ äääh, es ist ja grundsätzlich gratis, aber ich denke ääh Fr. 10. könnte man schon spenden…“ Guat, ist ja für den Apéro Riche, der ist bestimmt teurer. Hat, da jemand etwas nicht begriffen? Vielleicht die Reihenfolge? Bei Fundraising-Kampagnen bekommt man meist ja etwas Motivierendes vorgesetzt, ist dann überzeugt, dass das auch fürs Gemeinwohl…und spendet dann.

Der Apéro stösst schon auf.

Ich bekomme Sodbrennen vor soviel Wirtschaften mit heller ökologischem Zukunft. Vor soviel ÄHHS und WENNS und ABERS.

 

Highlight: Ein Referent mit hoher Kompetenz im Fachbereich Energiewirtschaft erläutert die schweizerische Strompreisentwicklung. Nur wegen ihm hat sich das Zuhören gelohnt…gute Schlussfolgerungen, gute Mathematik, gute Darstellung, gute Charts.

 

Seine Erkenntnis: wenn ihr Schweizer die 15 % Importstrom, die ihr im Winter braucht, auch selber mit Erneuerbaren erarbeiten würdet, wärt ihr nicht vom europäischen Strompreis abhängig– der notabene bis 10 mal höher als die schweizerischen Stromerstellungskosten. Der Referent (wahrscheinlich Nichtschweizer – er heisst: Dr. Adhurim Haxhimusa) und kann somit nicht stantepede die SVP-Souveränen mit ihrer persönlichen Ölbereicherungsstrategie mit Ölimport-Lobby und Zuger-Rohstoffhändlern angreifen. (Die Nebenerkenntnis war augenfällig im Diagramm sichtbar: europäische Ölpreise bestimmten auch den letzten (höchsten) Strompreis im ganzen 2022.)

 

Am Schluss der Vortrag eines jungen Wirtschaftsanwaltes. Guter Typ, intelligent und ehrgeizig, ich kenne ihn seit Geburt, früher ein Nachbarskind.“ we energize your taxes“…heisst sein Slogan laut chart. Dass man vielleicht nach der angekündigten Apokalypse mit angedrohten Bergstürzen und Überschwenmungen auch noch Steuern optimieren kann; ein Benefit, auch wenn der Apéro jetzt halt doch kostet….

Gleichentags stellt die Südostschweiz ja auch einen alternden Glücksexperten vor, der meint, Glück könne man lernen. Oder vielleicht mit einem neuen Ökolabel kaufen…

 

„Jetzt höre ich auf zu reden“, meint unser alternde Klima-Betriebssamkeitsritter,

 

weil es für ihn nichts mehr zu sagen gibt, obwohl es eigentlich viel zu sagen gäbe über das Nichtmitmachen.

 

Eine breite Wirtschaftselite macht da einfach lauwarm mit, beim CO2-Gesetz, oder beim Abschaffen von Ölheizungen.

Vielleicht hört er besser auf mit zappeln. Wir zappeln bald mal an viel Grööööööööserem…

Als 1972-Veteran, Club of Rome-Überlebender, surviver von x-Energietagungen frage ich mich nun, ob es das sei? Guat, vielleicht hab’ ich jetzt nicht mehr die Geduld mich fertig zu wundern. Wer haut das nun mediagerecht raus, lauter als die lauteren Rassisten, haut die Klimadrechsler und Verharmloser der Schweizer-Klima-Politik in die Pfanne?

Das macht man nicht. Darum wird man dann so zappelig.

Die Tagung war ein Erfolg. Viel mehr Zuhörer als erwartet, keine klimarelevanten Aussagen drangen an die Öffentlichkeit, und der Apéro (wahrscheinlich) guat (ich war ja nicht mehr dabei).

Man sah auch keinerlei Berichterstattung in den lokalen Medien.

Wenn das Klima ein Film wäre, würde man vor dem Hintergrund des grünleeren Bildschirms,während der Abspann läuft, einen Schuss hören. – Also: morgen beziehe ich meinen Kofpwehtag.

 

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