Top of the worst

 

 

Auf den Bündner Bergen, wo man gerne alles hinter dem Berg hält, macht man jetzt auf grün. Der Tagi berichtete schon vom Greenwashing der Bergbahnen in St.Moritz. CO-neutral skifahren. Toll. Ich fahr’ ja  auch gerne Ski in St.Moritz.

Guat, sowas kann man ja nur begrenzt unter Verschluss halten… die 36 Pistenfahrzeuge und die 65 Dienstfahrzeuge fahren mit Gas to Liquids (GTL). Das nennen die CO2 neutral. Also 91.5 % Umweltverschmutzung bleiben. Und die Häuser werden mit ebenso FCK…* Heizöl (GTL Fuel Heating) befeuert. Machen die jetzt SAC-Hütten aus ihren Ölplattformen?

Ob das auch von den Kataris kommt? Sind die Alpen nun arabisch? P-al-ü. Al Pen.

Bain, guat, ich dachte als Sekretär des Oberengadiner Tourismusvereins schon im 1977, die hätten etwas viel fehlerhafte Ignoranz in der Kommunikation und defizitäre Interaktionsmuster. Die notorische Inszenierung der eigenen Top -Individualität war immer Teil des Marketings. Auch meine Kollegen, wie Danuser, haben da mitgeholfen.

Und wenn dann rhetorisch dazu die unvergleichliche Aufladung mit Bedeutung kommt, wirkt das für mich wie umweltpolitische Rammdösigkeit. Die waschen sich im Schongang grün.

 

In Zeiten wo die NZZ die Klimajugend mit der RAF der 70er Jahre verwechselt, kann man das ja mindestens probieren. Die Welt ist ganz schön verspannt und augenfällig anfällig auf alle möglichen Bullshit-News. Hauptsache gernegrossgeil. Habenwollen und Nichtsein.

Guat, auf eine gewisse Grösse kommt es unbedingt an, sagen sie immer die Betriebswirtschafter, die Deutschen und auch die St.Moritzer…mit starkem gesellschaftlichem Instinkt,

Haben die das im Abreisskalender von BP oder Shell gelesen?
Passende Wir-retten-die-Welt-Pirouetten mit GTL Fuel Alpin, synthetische Kraftstoffe von Shell aus Katar? Plus etwas CO2-Kompensationen. Die haben wohl Druck auf der PR-Blase.

Dieses Make-up hat aber eher ein Leichenbestatter gemacht. Die brauchen vielleicht Frischmacher-Kits von Ferragamo. Ist auch schwierig immer vor vermeintlicher Gesundheit zu strotzen und dauernd damit beschäftigt scheinen, sich selber zuzulächeln.

 

Bain, wir Bündner und wir Kinder neigen ja dazu blosse Harmlosigkeit in den Status einer Höchstleistung zu erheben.

Vielleicht auch den selbstherrlichen St. Moritzer-Bergbähnler aus der Besenkammer für überkommenes Klima-Greenwashing.

„Zwei Spuren im Schnee“ liebe ich ja auch ausserordentlich, kommt auch vom St.Moritzer Vico Torriani. Also der Song ist ok und auch alt. Aber ich meine,  im Oberengadin skifahren, ist immer noch ein Higlight- Kracher.

Aber vielleicht sind die einfach neben der Spur. Sie können halt immer wieder gut die Puderschicht von der Realitätsoberfläche blasen. Man erschöpft sich schnell unter dem Druck interessant zu erscheinen.

 

Für diese fossilen Denk-Fossilien sind das vielleicht aber neue Existenzdimensionen. Und der klimapolitische Feldstecher ist vielleicht anders eingestellt als unsereiner…

Oh du plumpe Publikumsdompteuse

Die Reichen zu beschenken, damit sie noch reicher werden, war immer ein Leitbild-Ziel dieser Rolex-Destination. Diesmal ist’s für die Kataris. Zur Vermeidung von Unlust derselbigen. Und die kommen ja immer noch wie Hühner zum Futter. Wenn nichts Seiendes ist von der Seinsart des Daseins dann greift man zu solchen Massnahmen.

Status-Zwirbeleien mit übertriebenen Ansprüche an das Wohlfühlglück,

waren immer Sache der St.Moritz-Top-Masche. Diesmal das Ich-bin-doch-klimaneutral-Face. Entschuldigen Sie, aber ein anderer Schmäh ist mir angesichts dieser Rosstäuscher-Massnahme nicht eingefallen.

Bain, die hatten schon immer Umfärbemaschinen. Ein Erfolgsmodell. Da wird in den Orts-Immobilien schwarzes und graues Kapital grün eingefärbt. Das ist dort eine Erwerbsbasis. Und das schwarze Geld sieht man ja nicht im Dunkeln- bei der Mondscheinfahrt von der Diavolezza..

 

Guat, in einer Fünftelsekunde kannst du eine Botschaft rund um die Welt schicken: Aber es kann ja Jahre dauern bis sie von der Aussenseite eines Engadinerschädels nach innen dringt. Soviel euphemistischer schöngesoffener Blödsinn kann nur aus solchen Hirnis kommen.

Bain, Bernina, Margna, Chapütschin und die Seen hatten ja nie vor als schöngeredete Naturschönheiten anzutreten. Die sind einfach da und atemberaubend. Wie will man da versuchen mit eruptiven Lügen und Behauptungen mehr Frequenzen zu erzeugen? Bestenfalls Aufmerksamkeit…

 

Wenn die dann einmal keinen fossilen Kraftstoff mehr verbrauchen und nur die Kraft brauchen, die die Umwelt schützt, dann sind wir gerettet…

 

Ohne jede Spur von Scheu und Schamgefühl prangt die Sonne weiter am brutalblauen Engadiner-Himmel…heutzutage kann man auch nicht mehr so viel dunkle Geschäfte machen dort …kann ja nix passieren.

Wie sagt man im Engadin: „ Tsche wosch far, cunter il vent non posch pissar.“ Gegen den Wind pinkeln ist bei denen schon schwierig. Das ist am Engadiner-Bündner Justizsystem schon erprobt worden.

 

 

Standard

Splendid Zeit

Es ist wieder Spendenzeit. EMails und Briefe zu Hauf, von Campax, Helvetas, Ukraine-Rettern…die machen das gut. Ich will denen nichts unterstellen, hab’ selbst ein schlechtes Gewissen.

Alles auf einmal: Rapid Response – Rette deine Enkelkinder – wenn es uns gelingt den Klimawandel aufzuhalten, indem wir die Grossbanken zum Umdenken bewegen…Plötzlich hab’ ich das Gefühl in einem Katastrophenfilm zu sein…und meist haben sie ja recht.

Jajaja. Während ich schreibe, verschwindet alle sieben Minuten eine Art von der Erde (und einige Menschen im Donbass…)

Der Singsang ist vertraut, die Tonalität bekannt. Klar, spende ich dann. Aber nicht immer. Und da kommt schon wieder das schlechte Gewissen.

Mein Mitleidsspeicher ist wohl etwas aufgebraucht.

Oder unser Spendenbudget. Die Ostafrikaner sind ja auch noch am verhungern. Irgendwie werden wir da immer abgeschmirgelter.

 

So kennen mich die meisten. Der rechte Mundwinkel zeigt bei mir nach oben, als würde ich lächeln, der linke hängt nach unten (nach einer Zeckeninfektion mit Gesichtslähmung vor über 30 Jahren). Das kann ich jetzt natürlich als kunstvolle Doppeldeutigkeit verkaufen.

…macht mich aber eher ratlos. Nein, nicht der schiefe Mund, die Welt.

Cringe. Das lässt einem erschaudern. Sind wir etwa alle durchgeknallt? Mit Blaulicht und Folgehornton gehts wohl nur noch knapp bis Weihnacht…Beim Ausmass dieser Katastrophen wird uns wohl mal kognitive Blindheit strafen. Oder irgendein Gott?

Eigentlich herrscht bei uns ja Naphta. Gott des Öls. Darum ist die Fussball-WM auch in Katar sein.

Darum wird Naphtas Stellvertreter für die Schweiz – der Röschti – jetzt auch noch Bundesrat.

Darum werden Olheizungen in der Schweiz nicht eingeschränkt, wir haben ja nur Strommangellage…

Nur geht mir das alles etwas zu schnell. Was da alles in unseren Köpfen rumeiert. Rapid Chaos. Oft hab’ ich beim Einschlafen nur noch so ein Nachglimmen all dieser Sammel-Werbung auf der Netzhaut.

 

Oikos, Geborgenheit, dafür ist jetzt Zeit. Adventsstimmung, die Sammler machen aus dem Bedürfnis nach Schutz ein Business. Nicht falsch. Einige sind zwar sus. Verdächtig. Man könnte sie mindestens unter die üblichen Verdächtigen einteilen.

Wegen 30-Minuten-Klimaschtau in Züri jammern unsere Verlustangst-Zombies über ihren Wohlstandsärger. Allergattungs-Beifall von der Goldküste. Wohl etwas sozial retardierte Speckgürtel-Tröten…mit glänzenden Autofahrer-SUV-Pausbacken, gefüttert auf „Kultur“-Kreufahrtreisen mit All-inclusive-Buffet.

Und die NZZ möchte die Jugendlichen auch noch bestrafen mit hohen Bussen. –

Simp. Klima-Einfaltspinsel. Denen fehlt wohl das Einfühlungsvermögen, um zu bemerken, dass ihnen das Natur-Einfühlungsvermögen fehlt.

Vielleicht sammeln wir nächste Weihnacht auch noch für Menschen, die den Unterschied zwischen grossen und kleinen Sorgen nicht mehr verstehen…? Wie sagt Elfriede Jelinek? „Der Klimawandel, der ist überall gleich, nur manchmal gleicher, wenn die Menschen vor lauter Geld nicht mehr atmen können.“

 

So ein Spenden-Mix gequirlt mit Gewissensbissen…aufgelöst in einer leckergemixten Algorithmen-Sosse aus Tagesschau, Guatnachtgschichtli und (reduzierter) Weihnachtsbeleuchtung kann dann schon unsere pekuniäre Zurückhaltung mindern – dann geben wir alles.

„ Wir glauben wir zahlen, wir glauben, wir zählen, und dann haben wir Ruhe.“

 

(Aus ganz anderem Zusammenhang, aber auch von Jelinek)

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Inflationääääär

Es ist das Mantra unsere Tage. IN -Einatmen, FLA -Ausatmen, TI- Einatmen, ON-Ausatmen. Inflation…Inflation. In-flaaaa-tion. Um dieses Wort auszusprechen, muss ich tief einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Das ist wie Ballon aufblasen.

Je grösser der Ballon wird, desto kleiner werde ich.

Auf eine gewisse Art ist die Inflation ein Grundprinzip des Lebens.

So auch bei der Kunst. Und da noch viel mehr. Kunst ist bei uns inflatiiiionär. Die Kunst-Preise, Buchpreise, Vermarktungsplattformen schiessen aus dem Boden. Schliesslich muss ja alles zum Kunden.

Diese Ich-bin-auch-ein-Künstler-Kakofonie wird grösser.

Guat, bildende Kunst, schwierige Texte, Literatur überhaupt, sind eine Art Überlebenstraining und eine elementare Lebenschule im Nichtverstehen. – Soviel hab’ ich mal in meinem doch schon langen Leben gelernt, auch mühsam dazu gelernt, bei vielen Berliner Theatertreff-Wochen, Zürcher Theaterspektakel Abenden, Churer Avantgarde Theater mit fünf Zuschauern….

Wer behauptet, etwas durchaus verstanden zu haben, hat noch gar nichts verstanden. Denn alle Erkenntnisse ist vorläufig. Ich steh auf meines Deutschlehrers Peterlis Schultern, dieser wieder auf Goethes Schultern, und der wieder Shakespeares Schultern und dieser wiederum wohl auf jenen Petrarcas…. mit diesem Wissen aus zweiter Hand habe ich das Nichtverstehen geübt.

Und (vielleicht) auch verstanden: Soziale Distinktion ist es, die Kunst schafft… Wenn uns also die Churer Kulturkomission glaubhaft macht, das etwas Kunst ist, so glauben wir das. Doch ist etwas, das auch noch die Churer Kulturkommision knapp fast versteht, das leicht zugänglich ist für alle, bereits Kunst? Da gibt’s Fr. 10’000 als Literaturpreis der Stadt Chur für eine Schreibe, die man nach 10 Minuten weglegt…naja. Vielleicht bin ich ja nur neidisch?

Guat, nur 5 Prozent der Autorinnen und Autoren können von ihren Büchern leben. Sie leben oft in prekären Verhältnissen. Worst case: Man spricht von einem durchschnittlichen Monatseinkommen von Fr. 900.-. Ich rede aber von (den sich häufenden) Autor*innen, die nach Schema-F-Romane und Krimis verlässliche Einkommen generieren…Man kann so die alltäglichste Erfahrung, dass wir etwas nicht verstehen, etwas umgehen. In der Kunst üben wir den Umgang mit dem, was sich der unvermittelten Deutung entzieht.

„Man muss lernen, dass man ein Dummkopf ist.“ (Montaigne).

Das bewahrt einem vor mancher Dummheit, einschliesslich jener, nicht begreifen zu wollen, dass das Verstehen dort beginnt, wo wir etwas nicht verstehen.

Das Verstehen ist nicht ein Zustand, der das Nicht-Verstehen ablöst. Es ist ein unabschliessbarer Prozess, stets öffnen sich neue Deutungshorizonte, wenn man etwas nur lange genug von verschiedenen Seiten her anschaut..

“Ich möchte, dass die Dinge weniger vage sind.“, hat Joan Baez mal gesagt.

Jedesmal wenn ich die SO lese, könnt ich kotzen. Je künstlerischmittelmässiger man ist, desto mehr punktet man…je verpeilter unwissend die Journalisten werden…desto guater. Das genügt wohl Kantinengeplauder in der Cafeteria – und die Spiegel-Bestseller-Liste genügt um Trouvaillen zu orten.

Kannst du auch so sehen wie Milos Formans Larry Flint: „Opinions are like assholes, everybody’s got one.“

 

Kultur wird wie im im Karussellständer für preiswerte Fleecejacken angeboten Und viele machen sich halt daran, sich neu zu erfinden…“ich mach’ am liebsten etwas mit Kunst..“ und dazu braucht man jemanden, der beweist, dass es ihnen gelungen ist. Feen existieren nur, wenn Kinder in die Hände klatschen, habe ich mal bei Salman Rushdie gelernt. Wenn eine ganze Gesellschaft kreischt, muss man brüllen um gehört zu werden.

Ein ausgelebtes Kunst-Charisma wie das einer Öl-Zentralheizung genügt doch. Das Mittelmass ist dabei der verbindliche Standard.

So fühlt es sich bei mir an. Ab und zu ein Nicken, sogar ein verhaltener Stolz auf eine out-of-time Inszenierung des Churer Stadttheaters – Kontroverse Klassiker Interpretationen wie aus dem Fundus des Theatertreffs Berlin in den 90er Jahren. All das verursacht eher Kopfschüttteln, alles so im aktuellen Polit-Stil: „“Wir brauchen keine Heizung, wir kriegen auch so alles geregelt.“

Da mein Blog wie eine Zimmerpflanze behandelt wird, steht irgendwo herum, wird aber nicht weiter beachtet, kann ich ja alles sagen. Auch über die nicht vorhandenen Kulturmassstäbe und die unzulängliche Kultur-Begrifflichkeit.

Ich mag ja den Churer Autor Gurt (Bestseller-Champ), auch wenn er so schreibt wie ein ins Heidi verliebter, zurückgebliebener 50er Jahre-Kantonspolizist mit etwas eingeschliffenen Ausdrucksmitteln.Trivial halt. Aber schon wieder Beststeller. Wer sowas liest, sagt viel über sich selbst. Und wer das manierierte Bündnersein mit dem Capuns-Maluns-Humor von Arno Camenisch (auch den mag ich wegen seiner spoken word-performances) noch nicht durchschaut hat, geht bei mir unter Züzi. Und überall hett’s Schtaiböck druff.

Es müssen ja nicht immer diese intellektuellen Oberkellner sein.

Aber Bücher; vollkommen ohne jede Ausstrahlung so blutlos neutral wie ein Skiständer werden als unterhaltsam hochgepowert. Was den meisten gar nicht auffällt.

Was Daniel Kehlmann sagt, gilt schon: „ Die Menschen wollten Ruhe. Sie wollten essen und schlafen, und sie wollten dass man nett zu ihnen war. Denken wollten sie nicht.“

 

Darum vermarktet man lieber Nettigkeiten. Mit Schreibquatsch und leerem Getöse, und einer positivschöngeistigen Schwäche um den Mund – genügt oft.
Sie bedienen einen bestenfalls herkömmlichen Bildungsbürger- Voyeurismus und funktionieren als Projektionsfläche für das „das varstömmar wenigschtans“. – Soll doch jeder mitmachen können beim Kunstquiz.

Guat, chemisch sind die Kultis und die Nichtleser ja vollkommen identisch. Auch die Bildungsbürger…

Muss ja nicht sein wie bei Madame Bovary„Ganz wie ich“, fiel Léon ein.“ Gibt es den etwas Schöneres, als abends mit einem Buch am Kamin zu sitzen, während der Wind an den Läden rüttelt und die Lampe brennt.“

Wenn auch diesen Winter mit einem Pulli mehr…Bleiben wir doch noch ein wenig dort, wo es warm ist…möglichst ohne zweitklassige Lokalkrimis und pilcherpuderzuckergüssige Romane.

„Alles hat zwei Seiten, eine schlechte und eine noch schlechtere.“ (Ist von Georg Kreisler.)

 

 

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