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das belladonna syndrom

 

Das kann ja nicht Realität sein, denkt man….Die Steinreiche wird von den potenzialarmen Bündner-Hang-Bewohnern gewählt. Uns fehlt’s eben an Kies. Gut, sie schätzt uns auch als tüchtige Mitmacher, eben Kiesmacher.

 

Die Schollenhüter und die Schwellenhüter der Bünder-Bau-und-Bankkonti lieben es. Das Scheff-Hafte der Zürcherin Martullo. Polit-Züchterin, mit wisserischer Befehls-Tonspur und der züriseegeborenen, gemütssimulierenden Ich-bin-doch-auch-etwas-molly-wie-ihr-Haltung. Ist doch auch gmüetli-schweizerisch: immer mehr fressen wollen, als man verdaut. Fast eine Allegorie, eine Soap-Figur für das Spiesser-Bündnertum. „Sie ist doch so erfolgREICH“ , die Frau, die in der Endlosschleife immer unzufrieden wirkt.

 

Momoll, das Haben für sie, das Sollen für die Wähler. Die Prekariatsfolklore wirkt auf jeden Fall. Die haben so eine „doppelte Buchführung“ würde ich das mal nennen: missbrauchen die Unterschicht um ihre Oberschicht-Ziele zu erreichen. Für ländliche Bündner, die sich zum nie erreichbaren, ersehnten Reichenbalkon noch eine Wohlhabenden-Terasse mit Umverteilungspool wünschen.

Als Heerlibergerin mit schwach geprägtem Sesshaftigkeitshintergrund ist sie vielleicht nicht gerade sprachintelligent, aber ihre sieben Zwergli haben ihre sieben Thinking-Steps schon verstanden.– Sie weiss: „Du darfst nie schlauer wirken als dein Wähler“. Das sagt wahrscheinlich auch ihr Umfeld: die Röschtis und Köppels. Auch doppelte Buchführung: der eine lliebundandundlüüttauglich, der andere hoch-fake-eloquent, sucht immer nach Eiterbeulen, wo auch makellose Haut ist. Ist für mich der Inbegriff der tiefsinnig komischsten Widersprüchlichkeit des Polit-Lebens.

Minderheiten-Geschädigte wie Graubünden sind derart mit sich selbst beschäftigt, dass sie das nicht merken, so dass sie halt anfällig sind. Partizipationsfolklore wirkt da schnell.

Wenn Mächtige tun, als seien sie machtlos. Wenn der Täter sich trumplike zum Opfer macht, die Kunst der strategischen Ausblendung und des schadlosen Überhörens beherrschend. Macht immer den Gärtner zum Bock – in Graubünden zum Steinbock. Führt dann den vermeintlichen Guerillakrieg gegen die Oberen, gegen Bern – und das als reichste Parlamentarierin.

Immer nach der geschmacklosesten, haarsträubendsten Position greifen, nur um andere zu skandalisieren. Edelgord nennt man das. Das sind jene Disputanten in Internetforen, die mit Trollen agieren und die grassierende Wutbürgerei von heute doch gut verkörpern. Schmöggt nach Stinggi. Minderheiten-Geschädigte wie Graubünden sind derart mit sich selbst beschäftigt, dass sie das nicht merken, so dass sie halt anfällig sind. Partizipationsfolklore wirkt da schnell.

Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich höre, was Frau Martullo in der SO sagt?

Und sie finanziert auch noch die Monolpresse mit, man siehts den Medien der Südostschweiz so klar an: Jeden Tag eine Hammerseite mit Martullo für die grössten Dumpfbacken. Im altersdebilen Bündner Tagblatt, da gehören ihr wenigstens die Titelrechte, aber auch in der infoschloddrigen, vertuschenden Südostschweiz mit Anhängsel wird ausnahmslos lobgehudelt. –

Die Bewirtschaftung von Zeitungspapier hat sich eben entschieden geändert. Martullo, als Sympath und Volksheldin versiegender Heimatgefühle mit pompös-hohlen Titeln wie „ Martullo obsiegt.“ Oderso. Für Bündner gilt: Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich höre, was Frau Martullo in der SO sagt?– Die wären ja auch vermutlich imstande ein Pilzbestimmungsbuch als Martullo-Innovation zu verkaufen..

Aber die Bündner haben eben keinen Spam-Filter eingebaut.

Hauptthema: Diese Begabung, die sich in der adäquaten Bündner Volksvertretung in Bern verschwendet und vergeudet…Die Obsiegerin war auf jeden Fall am Wahlabend unheimlich schlecht gelaunt. Die Performance der Unglücklichen (so heisst ein Buch von Simone Beauvoir). Jetzt muss sie wieder nach Bern…Die Arme, die so unsouverän, mit gesenktem Kopf müffelt, etwas zudeckt…diese stets traurig gekränkte Männlichkeit in einer Frau….Hat wohl einige biografische Narben. Benutzt Management-Brocken als Fake-Fast-Food für unbedarfte Gewerbler- und Boulevard-Leser-Wähler. Aber die Bündner haben eben keinen Spam-Filter eingebaut.

Würde man meinen Blog überhaupt lesen (ich weiss, viel zu lange), würde es jetzt schon wieder waschkörbeweise daumenrunter Leserbriefe der immergleichen Schreib-Bande der SVP hageln.…dabei möchte ich doch nur vorbeugen, dass Martullo noch zum Bündner Unwort des Jahres wird.

… so wie die blocherfinanzierten Südostschweiz-Medien die tägliche Martullo-Ration wie Belladonna-Tropfen den Bündnern einträufelt….

Ich glaube, da handelt es sich um das Belladona-Symptom. Vor vielenvielen Jahren war es ja bei Opernsängerinnen noch üblich, sich Belladonna in die Augen zu tröpfeln, die dann auf der Bühne mit Klarheit und einem Glanz erstrahlten, die darüber hinwegtäuschten, dass die Sängerinnen nichts mehr sahen. Die Belladonna-Tropfen liessen sie vorübergehend erblinden, und der durch sie erzeugten Anschein von vollkommener und perfekter Sicht, von glänzenden Augen, die dem Publikum eine gesteigerte Intensität und Einsicht signalisierten, verbarg den wahren Zustand der zeitweisen Behinderung.

Also in etwa so wie die blocherfinanzierten Südostschweiz-Medien die tägliche Martullo-Ration wie Belladonna-Tropfen den Bündnern einträufelt….so wie einige weitere Falschinformationen – Aber heute braucht man das ja nicht mehr…fake Tropfen sind wirksamer…und die meisten werden auch davon blind. Wählerblind.

Auf jeden Fall nimmt der Härtegrad des Wahnsinns massiv zu.. und die dumpferen Musikanten bedienen sich immer mehr der Polit-Sprachorgel…Intonationskunst mit subtilen Obertönen ist da nicht gefragt. Auch wenn der alte Blocher einfach seine letzte Hitze an jungen, coolen Grünen kühlen will, auf jeden Fall werde ich meiner Baby-Enkelin sagen:

„Ich werde zu Dir halten, wenn du zig Jungs ausprobieren wirst, ich werde dasein, wenn du am Freitag auf Klimademo gehst. Wenn du jedoch wirst wie diese Martullo, dann ist es aus zwischen uns…“– Abar gäll, auswandern bringt nichts, denn diese Kultur ist fatalerweise wie das Oktoberfest überall…

 

 

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kreuzfahrt-trotter(l)s

Heute könnte ich Bäume ausreissen. Nicht aus Wut, aus Freude. Aber das sollte man nicht. Es gibt eh schon bald zu wenig. Buchen und bald auch Fichten. Also nur kleine Bäume ausreissen, so ein Tannenschössling im Garten. Geht vielleicht noch. Der wäre zwar erst in 20 Jahren fähig, den Klimawandel zu mässigen.

Lassen wir das mal. Entschuldbar, die Zeit verändert die Skalen der Wertschätzung, dachte ich immer. – Nicht sicher: Kürzlich mischte ich mich in der Sportgarderobe bei einer Diskussion ein, die sich darum drehte, welche Kreuzfahrten noch zu toppen seien. Wir Alten wollen eben verwöhnt werden. Obwohl die Garderobe eher von männlichen Abgasen dominiert war, kam so ein Konsensduft auf. „Gell, das ist die beste Ferienform.“

„Einst lebten wir auf dem Lande, dann lebten wir in den Städten, und von jetzt an leben wir fast nur noch für die Kreuzfahrten.“

 

In dieser Goldgefärbtheit schwärmten sie von diesem Hochhinaus auf See, dieses Hochgefühl von Verwöhntwerden“…so tönt’s in der Reisebeilage, fast wie unser schweizerisch-gebärmütterliches Schaukeln im Überfluss. Vergnügen und Verwöhnung. Man weiss: Kreuzfahrten sind ökologisch verheerend, dafür oberflächlich und erlebnisarm.

Meine Kollegen steigerten sich dann auch im Mobilisieren von Superlativen zum kreuzfahrerischen Seinspotenzial („auch kulturell so interessant…“), wollten auch bei mir auf eine Verhaltensregulierung hinsteuern („waisch, diese Kreuzfahrten werden immer umweltfreundlicher“). Ja, in Kiel kann man diesen Sommer sogar auf eine „vegane Kreuzfahrt.“ Toll, wenn wieder 2000 Leute die Welt retten mit einem Diesel-Monster.

„Ich freue mich wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ meinte ja schon Karl Valentin. Der hat es verstanden sogenannte kognitive Dissonanzen auszuloten. Er wusste, dass wir gerne schlau denken und dann doch gerne blöd handeln. Was hätte der wohl zur Klimadebatte gesagt? Gut, in den Tagen nach unseren Oktoberwahlen begegnete ich auch einigen dieser Senioren mit eingetrübtem Blick: „gell, schlimm diese Grünen gewinnen jetzt noch.“

Zurück zur Garderobe. Das war wohl alles im toten Winkel ihres Wissens. Etwas Alternativmathematik und Fake-Physik a la Trump und schon bist du der Kracher bei den Ignoranten…Leben als gebe es noch drei Erden im SUV-Kofferraum.

„Iss schön uf, damit mora d’Sunna schiint…“ mahnte meine Mutter immer. Und was hemmar jetzt davo? Ein SVP-Sünneli das etwas untergeht… Manche tun soviel für die Gesundheit, vor allem die der Nation, dass sie krank werden durch soviel geistige Selbstbestäubung.

Ja, all die kulturwiegesken Städte wollen doch auch noch rohölovertouristed werden

Dabei ist kreuzfahren eigentlich wie Bäumeausreissen. (Meine Belehrung punkto Rohöl- und Umweltschäden, die ich in der Dusche hielt: über Stickoxid, Schwefel und Feinpartikel. Fakt ist, dass noch die Mehrheit der KF-Schiffe mit Schweröl fahren. Rohöl, das mit einem Gehalt an Schwefeloxid, 1500 mal höher ist, als es im Diesel für Privatfahrzeuge toleriert wird. Dass zum Beispiel die Schiffe des amerikanischen Branchenleaders Carnival Corporation ebensoviel Schwefeldioxid an den europäischen Küsten produzieren wie 26 Millionen Autos). Und es nimmt zu: 2 Mio. Deutsche gehen jährlich auf Kreuzfahrt, das sind erst 8 % der Touristen, aber 34 Prozent wollen  bald mal auf eine KF laut Marktforschung.

Man müsste vielleicht auch mal erforschen, was bei all diesen Luxusfahrten absichtlich oder unabsichtlich über Bord geht: Plastik im Meer (darüber kann man sich ja dann im Feuilleton aufhalten..)

Und ja, die Schiffe verbrauchen täglich im Durchschnitt 150 Tonnen schwergiftiges Schweröl. Und das bei 500 Kreuzfahrt-Schiffen weltweit…Tendenz steigend. In Häfen wurden 500’000 Feinstaubpartikel pro Kubikzentimeter gemessen (an befahrenen Strassen in Berlin sind es nur 15’000.)

Für Kulturbeflissenheitsfregatten mit Weinreise-Gatten oder Kreuzfahrtstrottel mit Buffet-Polonaise…

„Finde ich nichts besonderes“, reisetalkend sagte mir kürzlich eine wohlbestallte, cruise-und sonstgeschmückte Dame aus dem Mittelstand, die ihre mittlere Wohlhabenheit mit Cruise-Talk aufwertete. Nach so einer Kreufahrt hat man wohl seinen eingebauten, schwingungsdämpfenden Quatschdedektor eingebaut. Sie war schon überall auf der Welt, meist per Kreuzfahrt. „Oman isch nit schpeziell“ fand sie zum Beispiel, kann man aber auch durch eine andere Destinationen ersetzen. Wie sich dann meist herausstellt, hatte sie auch hier nur die Hauptstadt 4 Stunden lange besucht. Maskat – in diesem Falle – deckte nicht ihre etwas eingenähte Weltsicht. Totale Genuss-Sättigung?

Ihre kleinbürgerlich hochgerüsteten Belanglosigkeiten („Ja, der Arktis-Forscher am Abend war ein ausserordentlicher Wissenschafter…“) erreichten dann den Massstab touristischer Seinserfüllung mit so Knallchargen-Sätzen: „und wissen Sie, all diese Kulturabende auf all den Schiffen…“. Geleitet vom Wissen um die Haus- und Gartenliteratur entstehen wohl so Weitwinkelsichten. Da endet man dann einvernehmlich zwischen Usuaia oder Singapur in Unterhaltungsshows für Superalte mit Röbi Koller. Floten an der Oberfläche. Dafür mit Panflöten.

Richtig juicy wird’s dann wenn sie die Schiff-Buffets beschreiben..Wenn sie ihren Schweizer-Mittelstands-Reichtum mit markanten Hinweisen auf Kochbüchervarianten und eigenem Weinkeller bekunden. – Ist wohl die Konvergenz zwischen unserem Grauen vor dem Tode – der Sargangst – und unserer Lust auf wenigstens gutes Essen. Da kann man dann die Grenzen des Essbaren immer erweitern („Gion, isst jetzt sogar Sushi…“) Der Unaufgeräumtheit des Lebens kann man ja mit einem hohen Anteil an vermeintlicher Virtualität begenen, dem Essen und Geniessen, das dann auch eine hohe Wichtigkeit bekommt. Kenne ich selbst. Die Konvergenz vom Wissen um den Welthunger, den Schlachtfeldern ethischer Einordnung und ihrem Bedürfnis nach Gutmenschentum ist erreicht. Gut, manchmal blitzt sogar das obligate Schamgefühlchen leicht hervor: „und all dia Arma.“

Ja, all die kulturwiegesken Städte wollen doch auch noch rohölovertouristed werden. Für Kulturbeflissenheitsfregatten mit Weinreise-Gatten oder Kreuzfahrtstrottel mit Buffet-Polonaise…Man will sich schliesslich nur vor dem Weltuntergang schützen. Noch einen Lebenssinn haben, bevor man klimaschonend kompostiert wird.

Ist wohl die Konvergenz zwischen unserem Grauen vor dem Tode – der Sargangst – und unserer Lust auf wenigstens gutes Essen.

Die Sammelgier der modernen Touristen ist mit Völlerei vergleichbar. Sie entsprechen prächtig dem Rentnergeschmack– die luxuriösen Altersheime auf Wellen. Die spiessigen Zeremonien einer alternden Gesellschaft mit Dinner,  Showprogramm leichter Klassikmusik und Spielautomaten… in Kreuzfahrt-Schifflounges klebend dem Tod entgegenfiebern..

So kommts mir vor. „Einst lebten wir auf dem Lande, dann lebten wir in den Städten, und von jetzt an leben wir fast nur noch für die Kreuzfahrten.“ In diesem erweckten Bewusstseinszustand erreicht man wohl ein gewisses Mass an Weltlosigkeit.

Das ist jetzt altersfeindlich. Aber ich bin ja auch einer. Sie werden aber immer jünger, die zweite Generation der Bildungseinsparungsmassnahmen ruft auch schon ahoi. Der Durchschnittskreuzfahrer ist schon unter 50. „Wir kaufen nicht was wir haben wollen, wir konsumieren was wir sein möchten.“, gilt wohl auch für diese Ferienform. Wusste ich ja aus meiner unrühmlichen Vergangenheit als Marketingberater. Denk daran, sagte ich immer in den 70er Jahren. „ Glücklichen Leuten kannst du nichts verkaufen…“ Ich war wenigstens noch nie auf einer Kreuzfahrt…

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Hü plappern. Und hott meinen…

Heut‘ ist es schon hot. Da kommt man dann schnell auf diese Fragen: „Es gibt doch jetzt diese Greta, diesen Wolf, diese Windräder und überhaupt… Darum müssen wir alle zusammenhalten…“– Waach, wie mitleidig sollen wir da noch dreinschauen? Meint da jemand sein Wille zur Gartenhag-Wohlhabenheit müsste geschützt werden? So einer, der seine Burschenüberlegenheit noch etwas geniessen möchte?

Irgendwann kommt da bei mir so Ignoranz-Müdigkeit auf. Was soll ich mich noch um die kümmern? Mich auf den Rückzug unter den Kopfhörer fokussieren?

In letzter Zeit will ja die FDP. „Die Schweiz will.“, steht mindestens auf dem Plakat. Oder doch nicht? Eigentlich wissen wir gar nicht was die FDP so will, vor allem nicht punkto Klimaschutz.

Die haben alle einen guten Kontostand, einen Gartenzaun und einen Schützenpanzer in der Garage zu schützen. Und Pestizide und das ganze Agrar-Willens-Programm.

Nix machen, einfach wegerklären. Und das mit atemberaubender Radikalität und Aufpolsterungstechnik.

Bei dieser Kaminvorleger-Glückseligkeit kommt dann das Paradebeispiel des Wunschdenkens ins Spiel, wie es für Menschen meines Alters typisch ist: „Es gibt doch sicher eine andere Gelegenheit mich fremdzuschämen…“Der nächste Winter ist bestimmt nicht so hot wie heute. Wir carven auch ins nächste Jahr. Vielleicht anders. „A long way down.“, würde Nick Hornby sagen. Aber der versteht vielleicht nicht viel von Schnee..

Die Arroganz der Ignoranz nimmt offensichtlich zu. Wenn die FDP Nationalräte sich gerne grün geben, uns immer noch in diesem fatalistisch liberalen Eigenverantwortungston belehren, dass wir viel realistischer an die Klimadebatte rangehen müssen. Will heissen: Nix machen, einfach wegerklären. Und das mit atemberaubender Radikalität und Aufpolsterungstechnik. Sag einfach Hot, wenn sie denken du sagst Hü….vom Klimaschutz reden und das Gegenteil machen.

Meist mit einem Gesichts-Ausdruck niederer Gerissenheit, wie man ihn von Engadiner-Bauleuten kennt. Achselzucken, Netflix gucken?

Ach, dieses Verdrehen. Augenverdrehen. Und das alles in diesem hinterhältigen Tonfall– wenn sie jemals gehört haben, wie ein Kind für etwas um Erlaubnis fragt, was es schon längst gemacht hat, wissen Sie, was ich meine…Meist mit einem Blick wie ein verlassenes RHB-Perron und dem Gesichts-Ausdruck niederer Gerissenheit, wie man ihn von Engadiner-Bauleuten kennt. Sie tragen schliesslich die Last der Banken-Industrie-Aristokratie und ihrer Inzucht. Amigogeschäfte – geschäftstüchtige Doppelpassspiele. Und, kaum zu glauben: meist sind sie nur einfache Land-Gewerbler, die auch nicht bei den berühmten 1% mitgarnieren dürfen.

Gut, das Rezept für dieses Klima-Omelett ist komplex, und man wird noch viele Eier zerschlagen müssen. Man kann nicht immer dieselben rigiden ideologischen Prinzipien, die früher in Fragen der Rechte, des Schutzes und des Gewerbes zum Tragen kamen, unverändert auf die Kapitalflüsse einer globalisierten Welt oder gar auf den Klimaschutz übertragen.

Ja , nein, abbrechen? Aber nicht den Wahlzettel fortwerfen…

Im Film kämen jetzt diese anschwellenden Streicher, sie peitschen ihre Saiten, spielen mit unserer Sargangst. Und dann führen alle diese gleich kreischenden Streicher zu einer imaginären Konsenswolke. Dem Wölkli auf dem Bild über unserem Nationalrat. Den dürfen wir ja wieder wählen. „Wer immer alles verpennt, gehört zum Polit-Establishment.“ hätten wir früher…Mal sicher zur SVP-FDP-Agrar-Mehrheit, können wir da getrost feststellen.

Sind sie jetzt sicher, dass sie das in den Papierkorb und den leeren wollen? Ja , nein, abbrechen. Aber nicht den Wahlzettel fortwerfen: Schauen Sie, dass wenigstens einige dieser heiligen, kalten Krieger im Oktober etwas verloren und restarrogant aussehen. Die Leichenstarre üben diese alten Männer eh schon lange. Vielleicht wird dann dem einen oder anderen wenigstens bewusst, dass auch er wie die Erde am Ende auseinanderfällt.

 

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ohne rechte hand

Jetzt hab’ ich doch die rechte Hand gebrochen. Bikeunfall. Die linke kann nicht mehr so recht mithalten beim tippen. Sh….Nun, lese ich halt mehr. Da kommen aber auch Zweifel, ob ich in meinem Leben nicht zuviel gelesen habe? Manchmal tauchen dann so Wortfetzen auf. Summend wie von einem Ohrwurm. Wie  Konstantin Weckers, unser aller Revoluzzer-Sing-Idol aus den 70ern: „…wenn der Sommer nicht mehr weit ist, und der Himmel violett, weiss ich dass das meine Zeit ist, und die Welt dann wieder breit ist, satt und ungeheuer fett..“ So was findet man heute auch beim youtübeln, gut dort gibts auch so Biedermeier-Konformitäts-Bestätigungs-Gschichtli wie man sie oft in unseren Senioren-Breitengraden hört: „Heute zum 100sten Mal auf dem Dreibündenstein.“

 

Guat Senior, tenggi, gleiche Hirn-Leistung ist bei fortschreitendem Alter eine Steigerung. – Aber nicht gleich über das Glück nachdenken. Man kann auch jeden Tag ins M-FIT und dann mit 80 aufs Spenderhirn warten. Danach kann man dann wieder unbeschwert Liegestütze im Kopf machen. Vierundzwanzig, fünfundzwanzig…achtundreissig….uff, aufschnaufen.

Weil die rechte Hand jetzt chillt, ist so meterlanges unterschwelliges Kopflärmen angesagt – hat auch was. „Gute Nacht Freunde, es ist Zeit für mich zu gehn…sumsum… was ich noch zu sagen hätte…suumsuum… bleibt mir noch eine Zigarette…“ Das war dann der Reinhard Mey – Und da ich nicht rauche, könnt ihr auch diesen Text rauchen…ich geh’ noch nicht gleich.

…muss nicht mehr raten und haten, dissen und anderen ans Bein pissen.

Wenn ich so auf die Tasten haue, ohne dass die Finger erröten, ist mir wohl– jetzt halt etwas einhändiger. Auch eine Form von Glück. Ich muss dann gar nicht so viel auf FB, Twitter oder Instagram raten und haten, dissen und anderen ans Bein pissen…ist sowieso viel so sozialnarkotisches Plimplam.

Das fängt aber offenbar jetzt schon mit zwölf an. Offenbar so ein unberechtigter Vor-Bezug von Seniorentellern in Form von Posts. Is dann so, wie wenn Du aus lauter auffälligen Häufungen von nichtigen Nebensächlichkeiten kurz nach der besten Sendezeit an aufgeregten TV-Runden einschläfst…Heiliger Schlaf, hat auch was Gutes, oder doch nicht? Laut Media-Forschung sei das Hass-Aufkommen bei müdem Zustand, spätabends oder Nacht, anfangs Woche besonders hoch..

Ich kann viel anfangen mit schönen Sätzen und Worten. Nicht immer mit so schönen Seelen, wie sie oft auf Vernissagen auftauchen, wenn sie ihr sinnloses Abtrampeln von lokalen Audabei-Künstlern zelebrieren. Da gibt dann mein Betriebssytem den Geist auf…die Generalkunstanbrennung mit Verklärungsschimmer wie sie Theodor Fontane wahrscheinlich genannt hätte, beglückt mich nicht unbedingt mehr. Irgendwann hat man’s gesehen…oder eben gehört. Die Harmlosigkeits-Allüren führen dann zu Riesenzerknirschungen, wie eben der Theodor F. wohl subtil mitfühlen würde. Rumpelt da mein Neidappeal mit? „Ich hab’ ja auch keine schöne Kunst zu Hause, aber dermassen keine schönen Bilder wie der, hab’ ich nicht.“

Generalkunstanbrennung mit Verklärungsschimmer…irgendwann hat man’s gesehen…oder eben gehört.

Auch guat: das alte Testament wie so ein Comic-Script lesen, und den neidvollen Adam zitieren, der am Schlusse alles auf seine Frau schiebt: „uups, she did it again“, meint wohl mancher nach dem Hunderteinunzwanzigsten Galerie-Apéro…

Diese Provinz-Galerien-Flanierer könnte man auch mit Zizek wohl etwas sofisticateter, feuilletonistischer deuteln: Ohne Freiheit keine Sünde – so entstand ja die menschliche Moral– (mindestens die der FDP).

Man muss schon nicht jeden Provinz-Schtuss ernst nehmen. „Wer im Gebirge lebt, kümmert sich nicht um die Stechmücken der Ebene..“ (ist von Tomasi di Lampedusa und nicht aus dem NZZ-Leitartikel). Nimms einfach mit der heiteren Gelassenheit der Geranien am Langwieser Bahnhof. Auch wenn ich den Walter Tell (ja, der der sich für die Freiheit entschied) gerne ernst nehme:“ Vater, es wird mir eng in diesem Land..“ oderso.) Der schrecklich wohlproportionierte Urschleim der eigenen Dumpfheit kann auch moderner interpretiert werden…

Ich bin ja aus Chur. Chur ist oft zu klein für die grossen Gedanken. Nur Berge, das vermittelt dem, der dort aufwächst eine gewisse Sicht…man hat seine Hobbys in den Bergen, sieht oft nur Berge, ….aber eigentlich interessiert eher der Horizont…dort sieht man, was sich am anderen Ende befinden könnte, denkt man. Aber zwischen Hirn und Jetzt gibts viel mehr als man denkt. Wenn man aus dem Weltraum auf die Erde schaut, sieht man immer direkt das Obertor (meint ja auch unser Stapi.)

Ist Chur etwas zu tief positioniert für einen grossen Sog, für tiefschürfende Gedanken? Nai, je länger man da lebt, denkt man: meist ist’s nicht unangenehm hier, hier kann man die Gedanken in Form von ahnsehnlichen Höhenmetern anheben und dann auf 2000 Metern in einem Begeisterungsgebirge, schnaufend im Jetzt landen. Betrachte das aber nicht zu sentimental. Am Ende eines Lebens weisst Du’s wieder: „When life gives you a lemon, make lemonade.“ Unsere Zitronen sind die Berge. Unsere Wertschöpfung.

Um bei der Fruchtologie und bei den Glücksforschern zu bleiben: „Glaube nicht schöne Äpfel würden besser schmecken…“ ist ein altes lateinisches Sprichwort von Livius (für Insider: mein Übernahmengeber); und der hat mich nachdenken lassen: Bei uns ist doch alles immer noch besser als etwa in so einer Sub-Sahara-Nation. Diese unsere Schweizer-Komfort-Wurstel-Zone kann auch ein Sehnsuchtsort für das vollkommene Aufgehobensein sein…

 

Ja, manchmal streiten wir uns ja um Geschmack wie zwei Damen auf dem Strich ums Trottoir…OK, tut gut, zu hören was andere so gerne hören; wenn ich im Cycling so auf Velorädern Musik abstrample, da lern ich viel über „Diversity“ – wie verschiedene sind doch Geschmäcker und Perzeptionen.

 

Auch, eben einer dieser Ohrwürmer; diese Harmonie-Trigger, diese ewiggleiche Tonspur, die uns dann begleitet mit dieser energetischen Heiterkeit bis man sie nicht mehr abstellen kann, wie den Florian Silbereisen (den hat sie jetzt zwar abgestellt) , so atemlos wie bei der Helene Fischer, schön harmonisch plärr populärr, popuplärrend und und mainstreamig, aber auch irgendwie ergreifend…wohl eher passend zur akustischen Zerstreuung, die earfon- und sporthallenfüllend unsere Sinne betäubt….Dieser lange Atem wie bei den Heimatliedern hat so etwas gleichzeitige „Diversity“ in sich wie ein Art-Kuhfladen von Not Vital oder die richtigen Fläden auf der Ochsenalp.

Nach dieser Schwerelosigkeit suchen ja viele heutzutage, auf Kreuzfahrten, Zürcher-SVP-Parteiabenden oder anderen Schlangenbeschwörer-Events. Mit wogenden Klangsegeln oder ländleraffinen Jassgeräuschen. Klopf und Bamm. Rumpelt vielleicht leicht etwas, ist aber beglückend…diese gerontokratische Polytonalität. – Wie fast alles bei der Fast-Leichen-Generation. Wenn du Schwein hast in eine Moll-Harmonik verfallend, von hohem Schmelz und einer ergreifenden Melodie-Trunkenheit zum Sentimentalen balancierend. Gut, muss man auch hören können – ich zum Beispiel kann problemlos Musik hören ohne zu joggen…

Sie sehen, ich komme an die Grenze meiner Ausdrucksfähigkeit, bin ja höchstens ein sophister, ein Wortverdreher – die meisten verstehen mich dann in Kolumnen oder Glossen nicht mal – sagens dann aber nicht, gehen lieber mal ins Pissoir zum Augenverdrehen…Merke aber: Leute, die man am leichtesten versteht, sind meist Bullshitter oder Politiker.

Ich versuche meine eigenen DNA nicht nur lesen auch schreiben zu können. Die ist vielleicht beschwert von Büchern, aber das kann ja nicht schaden. Die intellektuellen Wörter schmecken mir auf der Zunge. So als Wort-Facharbeiter hat man halt auch seine Feinschmecker-Assets. Ausser wenn alles zum Generationen-Problem erklärt wird: Klar, wir Alten wollen euch doch nur die Meinung geigen.

Da kann die Wir-furzen-ja-auch-die-schönen-Löcher-in-die-Ozonschicht-Fraktion noch so lange in Heimat-F-Moll sprechen…

So wie die Sorte Schweizer, die alles auf der ersten Silbe betont (auch wenn am WEF inglisch spiikend) und gegen das Rahmenabkommen wettert. Wenns dann noch nach so einen netten Autokennzeichenklang nach SZ-SUV tönt, seh ich mich endgültig nach einem geistigen Präservativ um.

Meine Linke ist ja noch intakt. Da kann die Wir-furzen-ja-auch-die-schönen-Löcher-in-die-Ozonschicht-Fraktion noch so lange in Heimat-F-Moll sprechen und das volltönende, dunkle Agrar-Timbre für ein Gefühl der Geborgenheit sorgen. Diese Tubbel-Flüsterer wie Köppel sind mir einfach suspekt wie so eine gutverkaufende Tupperware-Party-Hausfrau. Da recke ich meine arthritischen Daumen schnell mal abwärts auf FB.

„Ach Louise lass, das ist ein zu weites Feld.“ würde  Fontane meinen. Gut, diese anal-verstockten autoritären Archetypen der Schweizer Politik, die die Klima-Jugend bekämpfen, sie haben ja diesen erfrischenden Hauch jener gschtabigen Macht, die die Welt beherrschen möchte. Die Welt, die ja auch schon bald einen Hirntumor hat…Da ist in meinem Alter so eine gebrochene rechte Hand fast wieder ein Geschenk…

 

 

 

 

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Achtung workshop

Meinem Alter entsprechend ist es meine Art so sonderbare Momente zu sammeln und wie ein Eichhörnchen in der Seele zu horten…

Kürzlich war ich an einem Workshop der HTW Chur, es ging um ein Churer Kulturprojekt. Da hör’ ich aus einer Workshop-Ecke, genialisch euphorisiert: „Ja, STADT-ERLEBNIS, genau das Wort brauchen wir….“ Jaa, brauchen wir für die Politik-Behörde, das hörte man dann auch noch mehrfach:“ Jaaa, brauchen wir…einen LEUCHTTURM.“ So Betulichkeitswörter muss man kennen. Die punkten. „WERTSCHÖPFUNG“ oder gar „KOMPETENZZENTRUM“ und „DIGITALISIERUNG“ sind da auch rankingtauglich und wahlgewinnend.

Die junge Workshop-Leiterin (könnte meine Enkelin sein…) redet dann den ganzen Morgen von „Profil schärfen“, verzwergt den Nicht-Hochschul-Betriebswirt zu einem Wicht. Ihr Raster der Konzeptentwicklung musste genauso angewendet werden, wie sie es in ihrem Schualbüachli hatte. Sie intervenierte dann mit Verve um ihr Weltbild auch durchzusetzen. Wir Verlorenen. Was heisst: brauche die immergleichen Wörter: Kulturaffine Zielgruppe/ Erlebnistouristen/Innovation /Businessplan…

Sie wollen ja auch Mit-Strippenzieher werden bei all den mittanzenden Idioten und Lacksaugern.

 

Eigentlich hab ich ja null Bock auf diese Kopfwixerei der Fachhochschulen, ist ja ähnlich wie in den Fitness-Studios…Was wissenschaftlich aussieht, ist meistens Szientismus aber keine Wissenschaft.

Gut, man muss doch auf die jungen Stimmen hören. Sie wollen ja auch Mit-Strippenzieher werden bei all den mittanzenden Idioten und Lacksaugern. Was aber, wenn sie so alt tönen, als könnten sie unsere damaligen Professoren sein? – Heute tönen viele Jungakademiker wirklich so, so wie Ende der 60er, anfangs der 70er Jahre…

Zurück zu unserem workhop: nun zelebrierten die Zentralgestirne die Feinheiten eines workshops, als handle es sich um eine Hochamtsliturgie am Ostersonntag. So ist es: Unsere Enkel tönen wie unsere Eltern (einfach noch etwas pseudo-akademischer). Inzwischen haben zwar einige Reizwörter gewechselt, aber zum Beispiel das „USP“ (Alleinstellungsargument) brauchen sie immer noch wie die Wirtschaftswunderer. Heutzutage formuliert man krankhaft eins. Damals war man einfach ein USP. Die besten Umsetzer sind doch einfach die „Umsatzer“, weil sie kommerziellen Erfolg haben…Die Nase haben, was läuft. Was ich verkaufe, soll funken und flacken, beissen und brennen, spontan und spicy sein, überraschend und erhellend…wieso soll ich Esel erfinden, die in Löwenhaut rumspazieren?

Kommt jetz der Absatz, wo ich aus meiner Angry-old-Man-Alterssicht über den Zuviel-Wandel, die Traditionsfeindlichkeit des Nachwuchses sauertöpfisch missbilligend, das Change-Moment nicht mehr verstehen will…? (Nanai, Hauptsache gesund, nicht auf die Uhr schauen, nicht seufzen, die Mundwinkel nach oben ziehen)

Leider ist es umgekehrt: Akademiker-Rookies reden heute wie mein Professor an der HSG anno 1968. …Damals dachten wir vor dem Einschlummern …“gutso, wenn das für das Licenziat reicht, soll’s recht sein.“ Es war dann auch so: meine prämierte HSG-Diplomarbeit (ja ein bisschen fremdschämen muss schon sein) hatte 1971 Chur’s Marketing zum Thema. Fazit: Chur als Alpenstadt zu positionieren. – Gut das ging dann einfach etwa 30 Jahre bis man das umsetzte.

In jeder Peinlichkeit wohnt ja eine Erleuchtung inne, meinte schon Enzensberger.

Gleichentags die Abend-News: die Hochschulabschlüsse in der Schweiz haben sich von 2007 bis 2017 verdoppelt. Ab 2030 wird rund jede(r) Zweite 25 bis 64 Jährige eine Hochschule oder eine höhere Berufsbildung absolviert haben. – Guat, jetzt haben wir also viele solch clevere Jungschweizer***…(einige MINTS fehlen zwar) aber im grossen Ganzen haben wir immer mehr solche tolle junge Leute, die die Verhaltenskodexe gut kennen, den Koran (nein, nicht den religiösen) kennen…und ebenso mittelmässig ehrgeizig wie unbegabt sind.

Der Gruppendruck wird also stärker: dieses etwas dumpfe, pyramidale Abkopieren von Harvard, der London School of Economics, der HSG und am Schlusse der HTW Chur…das ist die Ernährungspyramide. Es scheint, dass man mittlerweile nur das vordenken muss, was so vorgelabbert wird. Und dies oft mit einer merklichen Kruste der Austrocknung, die sich auf ihrer langen Entfernung von der Quelle der Eingebung gebildet hat…

Man muss nur Marketingoberflächen kennen, kein Produktinneres. Denk nicht nach – denke vor…?? Gilt wohl nicht mehr?? Gut, in jeder Peinlichkeit wohnt ja eine Erleuchtung inne, meinte schon Enzensberger.

Soweitsogut, da kommt dann doch noch mein innerer Einwand: die performen aber alle viel besser als Deine Generation. Ihre Show ist bedeutend besser. Sie wissen genau wieviele Worte pro Chart… OK, seit Trump kenne wir den Backfire-Effekt. Nicht alles was Du weisst auch noch einbringen…(Wenn Fakten das Weltbild des Gegenübers in Frage stellen, ist es sogar kontraproduktiv, sie zu erwähnen.). Gut, immer Rechthabenmüssen zermürbt vielleicht auch…

Ja, ist wohl so: Mäandernde Wortströme werden beliebig im Ausbildungsmarkt kanalisiert, frei flottierende Allerwelts-Charts suchen Bildungssammlungen als Ankerplätze. Nur hat der Wert dieser Konzepte gar keine reale Deckung mehr. Diese lokalen „Hochschulen“ tummeln sich gerne im Hochpreissegment der Wünsche, flott flottierend bildungssegmentbefriedigend, staats- oder elternfinanziert, politiksedierend und innovationssimulierend und ersparen es ihren Professoren, ihr Mittelmass an internationalen Massstäben zu messen.

Diese dysfunktional gewordene Hochschul-Simulation hat dann so ihre flankierenden Auswüchse. Ein erfolgreicher Altstadt-Lädeli-Besitzer dozierte dann auch noch am workshop (So wissenschaftliche Grabräuber gehören auch dazu…:-) :„ Wie die Hochschule Luzern in einer Studie herausgefunden hat, wünschen sich 60 % der Touristen Lebensmittel als Souvenir nach Hause zu nehmen..“ Als ob er dies nicht schon vorher gewusst hätte. – Well, die Amerikaner haben uns schon in den 70ern beibrachten: überall wo’s etwas Schönes zu watchen gibt, musst du Burgers oder Hotdogs salen…Deshalb ist ihr weitgereister Präsi wohl so dick…da gibts wohl bald eine Korrelationsanalyse dazu.

Halt wieder so ein workshop an dem ein blinder Veganer mir erklärt, wie eine Bein-Wurst auszusehen hat….

Apropos (nicht nur bei Trump): Reflexionen sind heute nicht immer gefragt. Immer ein Schrittli rückwärts, denke dumfpwärts schal und fad, langweilig und uninspiriert einfach mit der etwas moderneren Innovations-Lap Umgebung…Da kann man sich doch toll anlehnen an diese Screen-Wände, oder wie heissts: „Hinfallen ist wie anlehnen, nur später.“

Am Schlusse des workshops kommt der O-Ton des sympathischen Wirtschaftsförderers in dieser banalen Üblichkeit: „ Wir haben heute viel gelernt…die Learnings sind beachtenswert.“ – Hat er vielleicht was über Kultur gelernt? Wohl kaum über Problemlösungen. Und schon gar nicht gemerkt was für eine absurde Multiplikation des Aufwands da mitfliesst. Um 3 Kulturprojekte zu evaluieren, haben rund 20 Leute steuerbezahlt einen Tag mit Nonsens verbracht Der Apparat stand in keinem sinnvollen Verhältnis zur Produktiviät des Systems…

Die Kunst der strategischen Ausblendung und des schadlosen Überhörens…war am workshop dann bei mir etwas erloschen. Der Triumph der Form über den Inhalt brachte einige Materialermüdung…ich wurde so einfach ein Beispiel für die Koexistenz von lebhaftem Interesse und bescheidener Zurückhaltung.

 

Ja, so ein Workschop mit Partizipationsfolklore ist schon was..Und was sind die Learnings bei mir? Möglich: Weniger Altersstarrsinn oder weniger Abwehr von Neuerungen. Vielleicht mehr das Eingeständnis eines Zurückblickenden oder das Reuebekenntnis eines Erschlafften…Halt wieder so ein workshop an dem ein blinder Veganer mir erklärt, wie eine Bein-Wurst auszusehen hat….

 

 

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Die Bündner Rassentrennung

Ich bin noch mit inversiver Rassentrennung aufgewachsen. Die Schwarzen dominierten alles in den 50er und 6Oer Jahren. Die CVP hatte am meisten Beamte in Chur…ja die Schwarzen schrieben sozusagen politisch schwarze Zahlen…Die Dominanz-Disproportionaliät von katholischen Sursilvanern zu anderen Stämmen war augenfällig. Sie hatten das Sagen.– Die Kirche war noch die Volksbildungswaffe und wir konnten uns nie vorstellen, dass dieser katholische Machtblock auch irgendwann denen um die Ohren fliegen sollte…Es gab zwar keine Schilder „nur für Schwarze“, aber schwarze Tsunamis überall…

Die Regel nach der man in GR als Deutschbündner doppelt so gut sein muss als ein Romane, hat man uns subtil eingebleut. Rumantsch und CVP-Connections war schon mal die Hälfte des Erfolgs. Die serienmässige Inkompetenz der Schwarzen war höchstens ein Geraune, aber nicht so erkenntlich. Wenn sie dann mit Grossratsmiene durch die Reichsgasse liefen, wusste man: die Macht ist mit ihnen- heute würde ich’s so narcosmexicomässig nennen.

Sie rechneten immer mit Katastrophen und planten dementsprechend:  Bunker (wenn’s khömmand..), Mirages…auch mal Stauseen und Tageszeitungen. Auch das WEF Davos entstand damals. Gut, da konnte man sich gar nicht vorstellen, dass britische Journalisten heutzutage etwas so bekanntes so vergleichend beschreiben würden: „Wie Davos, nur mit Intelligenz und Poesie und ohne die Verpflichtung so zu tun, als würde man anderen helfen.“

Also: Die C-Connection. Es fehlte ihnen schon an Wirbelsäulenkalzium. Aber sie waren Meister der gelungenen Zudeck-formulierung. Bevor sie ihre Inkompetenz und Trostlosigkeit salonfähig dadurch ausdrückten, dass sie immer wieder olympische Winterspiele organisieren wollten und eine schollendynamische, wenig überzeugende Wir-habens-im-Griff-Attitüde kultivierten. Meist mit so einer Medien-Aura drittklassiger Polit-Chargenschauspieler und meist passte das Ende ihrer Sätze schon nicht mehr zum Anfang. Ideenlose, konservative CVP-Politiker bestimmten, wer Jobs bekam, schliesslich brachten sie auch die Subventionen aus Bern mit.

Unsere Basis-Schulung hat sich bewährt: halt einfach den Mund und sag bestenfalls etwas in rumantsch….

Wer würde bei solchem Schwachsinn nicht wütend werden? „GR, du machst mir Sorgen?“ Das war unsere 90Jahre-Frage. Beim Nachdenken über GR wurde einem halt schlecht im Auto Richtung Disentis – aber nicht wegen der Kurven…

Aber dann kamen Ablenkungen wie die antioxidative Schafhaltung der Potenzialarmen oder das Steinbock-Biofleisch aus der Gian-und Giatgen-Freilandhaltung und als Belohnung immer wieder neue Bewirtschaftungs-Prämien.  Immer die gleichen Konzepte. Unsere Basis-Schulung hat sich bewährt: halt einfach den Mund und sag bestenfalls etwas in rumantsch….

Der Tonfall eine Mischung aus Schollen-Selbstbewusstsein, Dominanz und glückseliger Unwissenheit getarnt durch eine ausgedehnte Beamten-Spreche wurde zum State of the Art. Unterstützt von Hat-nichts-mit-mir-zu-tun-Beamten, hatten sie immer noch eine bestimmte archaische Bündner-Würde. Aber man erreichte dann doch trotz Klimawandel-Ansage einen neuen Kältegrad. Das war vor der Jahrtausendwende manchmal fast unerträglich.

Ich denke bündnerisch, also jammere ich… über Höhennachteile, Sprachminderheit und Agrarleiden, Wasserlassen beim Wasserzins…diese Seufzerfiguren hatten Erfolg. Gelernt ist gelernt. Randgruppen-Jammer-Marketing wurde zum Bündner USP – Was der Bauer mal kennt, frisst er dann jahrelang: Subvenzionsfood…bündneragrarische Unfähigkeit als Stilmittel.. es genügte wenn man die Stimmbürger mit Konzepten, Majorzdominanz und einer potenzialarmen Brachen-Verzweiflung zutextete und in Schach halten konnte.

Die geheimsprachlichen Diskurse der Sogenannt-Bürgerlichen (egal was, Hauptsache Baufirmen, Banken und Armee wurden zur politischen Essenz) hatte aber auch etwas liebevoll Verzauseltes, Verhuschtes, Verholpertes, Radebrechendes, Abgeraunztes.

So wurden wir domestiziert. So wurden wir dann auch verspätet zu Nachdenkern, sogar Spät-68er. – Das alternde Frühwarnsystem kam erst später, aber auch nur spärlich mit dem kraftvoll aufsteigenden Aroma der Schollennationalisten der SVP. Die Voll…ks-Partei. Die Renaissance der alten Feudalwerte – einfach durch eine andere Partei– war aufgegleist. Mit der (alten) SVP. (Ja, die vor der BDP. Und niemand sahs kommen: „Tu dormis, tu perdis…“Du pennst, du verlierst“– man konnte altfeudal weiterschlafen brauchte lange bis zur Bewusstseinserweiterung. )

Als Frühwarnsystem waren erst viel später die abstürzenden Immo-Preise, die Zweitwohnungsmisere und erst heute der Bauskandal im Engadin. Damit schloss sich der Kreis von der Surselva ins Engadin. Lebende nationale Peinlichkeiten wie Martullo haben dann später einem bereits sedierten Rechts-Wirtschaftsbürgertum endgültig das Hirn rausgerissen. Als Nachfolger und Zuchtstation für etwas unbewegliche Bündner kam dann die BDP mit ihren etwas beschränkten Weisheiten und Polit-Darstellern…

Gemischt mit den Ausdünstungen der Fremdenfeindlichkeit ergab sich so eine neue Zukunfts-Vision. Guat, Halt..man kann natürlich Historie auch anders begreifen (würde das Bündner Tagblatt meinen…)

Das muss man natürlich nicht so schwarzweiss sehen oder gesehen haben…meine Jahrgänge, die die echte Rassentrennung in den USA noch erlebt haben, finden’s wahrscheinlich übertrieben. Schwarze und weisse Schafe sind geblieben…

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in sein eigenes Körbli scheissen…

Alles nach dem Motto: Ein Vorurteil ist doch immer doof. Doofer ist’s, wenn man’s steigert mit 100 Social -Media-Posts.  Und danach führen 1000 Repetitionen zu „..eine Studie der Weltwoche belegt…“ – So belegt bin ich nun, und berieselt mit den Leserbriefen zur Selbstbestimmung.

Etwas von fremden Richtern schwafeln…etwas, was es auf der ganzen Welt nicht gibt: eine Verfassung, die über den Menschenrechten stehen soll. Dies nennt man bei der SVP Selbstbestimmung. –Eigentlich wollen sie abstimmen, dass man weiterhin zustimmt, dass sie künftig bestimmen sollen.  Soviel  Nonsens zu dieser Nonsens-Abstimmung.

Bald wird in der Schweizer Verfassung auch noch stehen, mit welchem nationalistischen Dumpfgrunzen wir kacken sollen.

Ja, klar bin ich gerne selbstbestimmt. Selbstbestimmung soll ein Menschenrecht sein (wie das eines Gehörnten Hörner zu tragen.) Darüber müssen wir jetzt abstimmen. Also so eine Selfie-Initiative. Selbstdarstellung als Selbstbestimmung.– Gut jetzt kann man sagen, Selfies liegen im Trend  (hornlos ja auch, hirnlos glaube ich auch….)

Wir sind gar nicht mehr in der Verfassung all die vielen intelligenten Sätze zu überblicken, die die intelligente SVP uns in die Verfassung diktiert. Wenn das so weitergeht, wird in der Schweizer Verfassung auch noch stehen, mit welchem nationalistischen Dumpfgrunzen wir kacken sollen.

Die Ersetzung eines Unsinns (wie die Moschee-Initiative) durch einen anderen Unsinn (wie die  Selbstbestimmungs-Initiative) hat schon Methode. Das ist Zocker-Demokratie: BIETE neue sinnlose Abstimmung (zwecks Parteioptimierung), LÖSCHE Demokratie. (Gut, diesmal scheint der Schuss hinten hinaus zu gehen…)

Wie kann man sich in einer Herde von Landwirtschafts-Ajathollas und Innenverteidigern der nationalen Requisitenkammer selbstbestimmt fühlen? Nur weil sie stierig und paranoig glauben schlauer zu sein als die Ochsen über der Grenze? Einfach konfuser Mehrfach-Denk mit verlogenem Mehrfach-Sprech: die Partei, die sich vermeintlich für Wirtschaft und Freiheit einsetzt, fährt sie selbstbestimmt an die Wand (und widerspricht dann völkerrechtlichen Verpflichtungen wie bei der Ausschaffungs-Initiative).

Die Argumente vieler Juristen, dass Menschenrechte übergeordnet seien, stimmt. Mehr mag ich jetzt nicht breitwalzen. Aber was führt dann immer wieder zu diesen Schwachsinns-Volksabstimmungen?

Das ist Zocker-Demokratie: Biete neue sinnlose Abstimmung,  lösche Demokratie.

Gut, das ist die neu Ideologie der Zeit: Selfie. Das ist der neue Kommunismus. Der Klassenkampf der neuen Europa-Zuchtmeister Salvini, Orban und Vogelschiss-Gauland. Die regulierte Hysterie. Eigenwixx: Selfie-Parteiparolen für Selfies in der Selbstoptimierung. Das ist politischer Photoshop.

 

Wirkt doch nett, so etwa wie die Blümchenmuster auf den Sennenhemdlis. Oder wie der Herr Föhn auf dem Pragelpass…und kommt der Nebel, kann man vielleicht auch nicht die Swastika, auch Hakenkreuz genannt, so genau von Gipfelkreuzen unterscheiden. Im fernen Asien ist die ja als Glückssymbol bekannt. So weltoffen sind die.

 

Wenn der Herr Nationalrat Föhn, so ein alerter Durchblicks-Moutathaler mit Mieselsuchtsfratze uns sagt, was los ist in Europa und erst beim Brexit, so glaube ich dem. Er repräsentiert ja auch den gedunsen-schlaffen Bauch unserer Gesellschaft. Der sieht hoch oben von seiner aufgeräumten Alp in die morbide Tiefe der (zugegeben nicht immer nebelfreien) EU-Ebene..Er kann als zwischen Hybris und Minderbegabung dahinstolpernder HuHu-Patriot seinen Bedeutungswind immer wieder neu anfachen. Immer wieder neue Dumm-Dimensionen anblasen. Damit wir mit Kleinsinn-Pedanterie wettmachen, was wir nicht verstehen…

 

Er schaut dann wie ein kleiner Abteilungschefs der nie mit der Arbeit der Kassiererinnen zufrieden ist. Nix mit Alpsegen. Eher so ein Stossgebet: „Kleinhirn an alle. Ich selbstbestimme, also bin ich.“

Die selbstbestimmten Ich-Präsidenten à la USA werden ja Vorbilder. Und das alles ohne grössere Reflexionsdämmerung. Von Hanna Arendt wissen wir, dass für den Aufstieg der totalitären Bewegungen in Europa wichtig war, „…dass ihre Mitglieder aus der Masse jener scheinbar politisch ganz uninteressierten Gruppen rekrutieren, welche von allen anderen Parteien als zu dumm oder zu apolitisch aufgegeben worden waren.“ Das erinnert an Kästners Fabian: „Alles was gigantische Formen annimmt, kann imponieren, auch die Dummheit.“

Die SVP hat 30%. „Alles was gigantische Formen annimmt, kann imponieren, auch die Dummheit.“

Da kommt einem immer wieder der Verdacht auf, dass wir Stimmbürger als noch die grösseren Arschlöcher eingestuft werden, als wir sind. Enden wir dann wie die Nutten, die ein Leben lang zurückzahlen müssen, was sie ihren Zuhälter gekostet haben? Oder wie ein Hund der in sein eigenes Körbchen scheisst – selbstbestimmt.

 

 

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kannittvarstaahn..

„Iii, halten Sie bitte Abstand!“ mit ausgestreckten Händen zeigte die Dame dem Zugbegleiter, dass sie nicht mit ihm in Körper-Kontakt treten wollte. Nein, keine metoo-Story, auch keine weitere dieser SBB-Kolumnen, eher so Alltag. Verblüfft schaute der Beamte umher. Deeskalations- und transaktionsgeschult, fügte er sich, streckte auch die Arme weitweit von sich und kontrollierte das e-Ticket.

„Wissen Sie hier ist alles voller Strahlung…“ meinte sie dezidiert.

„Ja, dann wäre der sicher schon tot..“, rief ich vom Nebensitz dazwischen mit Blick auf den Kondukteur. Und erntete stillschweigend männlichen Beifall.

„Nein, alles voller Strahlen, Sie merken’s nur nicht.“ versuchte sie den Faden wieder aufzunehmen, nachdem er schon rückwärts weiterlief. Mit der Angelschnur wohldosierter Sätze fischte sie nach Bestätigung bei mir….“Sie können sich das gar nicht vorstellen…“ (Hatte wohl gerade von 5 G gelesen. Wie sich 45 Zugsminuten später herausstellte, war sie sehr gläubig, aber man kann heute von den Leuten schliesslich nicht verlangen, an die Spiritualität von i-Phones zu glauben…)

Fast wollte ich sagen: „ihre technikbezogenen Fachkenntnisse wären ausbaufähig…“, liess es aber bleiben. Sie war wohl eher eine Versteherin aller Zusammenhänge. Fand ihre Chakren wohl total  harmonisiert…

So versteh’ ich das: Die Kondukteure verstehen die Fahrgäste immer weniger. Die Bürger verstehen die Politiker nicht mehr. Die Geiger die Pauker nicht mehr. Die Fleischfresser die Veganer nicht mehr. Und allle haben auch nur einen Gedanken im Kopf: die Parameter anpassen, mit denen sie ihre Feinde definieren…letztendlich wollen doch alle unter sich bleiben. Sich nur mit Leuten umgeben, die so sind wie sie sind.

Nana, ich versuche seine Verbal-Diarrhö zu stoppen

Wie kürzlich im M-FIT. Ich diskutiere in der Garderobe mit Fredi, ehemaliger SP-Grossrat, Gutmensch (ächter) ist oft in Nordafrika – Entwicklungshilfe-Projekte. Wir reden über Mali (seit der Unabhängigkeit in den 60ern), er weiss viel, hat viele Freunde dort, und versucht zu objektiveren, was ich ab und zu etwas hinterfrage. Da poltert ein etwas Schwerbeleibter – Ranzen, zu kurze Velohose im bayrischen Lederhosen-Imitat dazwischen: „Alles wegen dem Islamismus…gell.“ Eigentlich haben wir ihn nicht gefragt, aber er wusste – immer noch ungefragt– auch dass Sarrazin und Köppel das besser wissen: „Ich war am Vortrag von Köppel..“– Nana, ich versuche seine Verbal-Diarrhö zu stoppen, er versucht sich aber weiter als Faktenzeiger. Eine Kakofonie von Schwachsinn…

Guat, dem Körperbau nach ist er kein Athlet (rund 100 Kilo tiefschweizer Nazi-Treibsatz). Denkathlet schon gar nicht. Muss wohl sein Denkfett zuerst los werden. – Plötzlich reichts mir, sein rassistisches Geschwurbel muss ich mir auch nicht hier anhören. Die Konkurrenz von Wirklichkeiten reicht mir auf FB. Ziemlich laut rufe ich in die Garderobe: „Du musst mit gewaltiger Dummheit gesegnet sein…“

Uiuii, das macht man nicht, schon gar nicht im Fitness-Club. Ein Bekannter ruft dazwischen: „bitte keine Politik hier…“ Die unknown unknowns sind uns doch lieber. Das darf man in der Politik wohl nicht so sagen: „Das Grundproblem ist, dass mein Wert als SVPler in deinem Minderwert als Syrer liegt. Mein Mehrwert ist dein Prekariat.“

Ja so ist das, der Pessimist beklagt den Riss in der Hose, der Optimist freut sich über den Luftzug

Und wie ging die Geschichte im Zug – sie war  Musiklehrerin – weiter? Wir diskutierten dann von Landquart bis Zürich. Auch über Hoömopathie: „ich machs nur noch mit Globuli“. Da ich witzig sein wollte, erwiderte ich: „ Das ist doch die teuerste Form Zucker und Mehl zu sich zu nehmen.“ Auch ui,ui ui …wegen dem Zucker zickte sie dann noch heftiger… Ja so ist das, der Pessimist beklagt den Riss in der Hose, der Optimist freut sich über den Luftzug…aber so konkret durfte ich natürlich nicht argumentieren.

Dann ihr rascher Griff zum I-Phone: „… ich mach das alles  nicht mehr mit, wissen sie ich verweigere mich einfach dem Konsum“ (sie telefonierte aber mindestens eine Viertelstunde, dafür romanisch, also pc–politisch korrrekt)

Ist ja alles so selbstredend! Selbstredende Mitmenschen sind immer interessant. Interessant…bis man alle Bewohner aller Welttangenten kennengelernt hat. Selbstfahrende Ideologien gibts ja immer mehr. Den nächsten Weltkrieg werden wohl etwas über sieben Milliarden Feinde gegeneinander anzetteln.

Am Hauptbahnhof gab sie mir dann noch einen Flyer für ein Kirchenkonzert in der Martinskirche Chur…den geb ich vielleicht meinem übergewichtigen Fitness-Kollegen, der so gerne über den Islam psalmodiert ….

(Soziologen sagen zwar, im Paradigma der Diskriminierung gäbe es keine Interaktionen, keine Wechselseitigkeiten, dafür auch keine moralischen Dilemmata…)

An-streng-end-nichchchcht?

(Bitte im Falle einer faschistischen Machtergreifung diesen Blog sofort zerstören!)

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aufwachen–inszeniert

Chur hat ein Theater. Ab und zu sogar ein gutes. Das Theater ist der Versuch der vielschichtigen Stadt gerecht zu werden. Die gutvernetze und vielseitige Direktorin hat nur ihre liebe Mühe damit. Was machen?

Es allen recht zu machen, ist in Zeiten der Pluralisierung der Gesellschaft schwierig. Dass einige denken, dass die Gesellschaft so bleiben kann, wie sie ist…ist nicht unbedingt nur churerisch, aber trügerisch. Und auch eine Programmfrage. Der Typus des „Churers“ hat sich verändert; und sogar die Veränderung hat sich verändert…zu vielfältig, zu divers..

 

Chur… so eine Schweizer Normcore-Stadt. Macht vieles wie man’s halt macht. Hat sogar bald einen avantgardistischen Werbe-Turm von Bane. Auch der Milo Rau war schon hier…der der sogar Zürich als Welthauptstadt des postmodernen Kleinbürgers, als globalen Hauptort der Lebensfeindlichkeit bezeichnete.

„Sogar die Veränderung hat sich verändert…zu vielfältig, zu divers.“.

Ursina Lardi, Churs Starschauspielerin, heute in Berlin, hat ihn wohl bei ihrer grandiosen Aufführung von „Die Geschichte des Maschinengewehrs“ über ihre Heimatstadt aufgeklärt. Er, der meinte die Ideologie der Peinlichkeit, wie sie den Schweizer Geist beherrscht, sei dominant. Den Schweizern sei alles peinlich, was nur im Ansatz physisch oder sozial ist, im Endeffekt sei ihnen das Leben peinlich. Denn die grösste Angst der Schweizer sei natürlich, dass ihre Angst vor der Peinlichkeit selbst entdeckt werden könnte. Ursina Lardi musste in der grandiosen Darstellung einer Kongo-Geschichte dann auch noch ganz kontextuell begründet auf die Bühne pissen…irgendwie symbolisch. – (..Geht jetzt aber zu weit, dazu müssten Sie den intertextuellen und intergestischen Stücke-Kontext verstehen….sonst ist das jetzt nur destruktiv!)

In Chur will man vor allem Ruhe. Letzten Samstag war ich in einer sehrsehrmodernen Antigone-Interpretation der furiosen Performerin Ann Liv Young. Mit radikal die Grenzen von körperlicher, geschmacklicher und psychischer Strapazierfähigkeit austestenden Performance-Abenden hat sich die New Yorkerin inzwischen einen Namen gemacht. Als die am Ende ihrer Entladung ziemlich aggressiv die Zuschauer provozierte…war das vor allem das Zeichen zum abhauen. Die „kleine Tür“ zu finden, wie es bei Brecht heisst, durch die man in letzter Minute entkommt, war dann doch für die Mehrheit der Zuschauer angesagt.

Sie sind es gewohnt Nichts zu sagen.

Gut, die würdestarrenden Mitglieder einer grossbürgerlichen Kleinstadt-Society, die Damen in kulturschwarz oder sogar mal in altmädchenweiss, die Ganzaufgeschlossenen in Cashmere-Pullovern…Die  mit Konfirmandenkrawatte oder mit fetten Klunkern  behängten Oldies irren auch noch sporadisch umher; auch die letzten Liegeradfahrer und Staatskundelehrer im Jeansjäggli sind dabei, spontanisieren und sympathisieren auch noch ab und …es müssen aber  konventionelle Vorstellungen sein.

 

Sie sind es gewohnt Nichts zu sagen. Es ist als hätten diese Bürger sich damit abgefunden, dass ihr Leben den Rhein hinabtreibt, ohne dass sie selbst das Ruder in die Hand nehmen müssen. Eine gewisse Souveränität im Elegischen-Anpasserischen und eine Verlangsamung der Spielgeschwindigkeit ist ihnen inne. Sie konsumieren gerne, es muss dann aber nichts Aufregendes sein…

 

Lieber würden sie dort eh über die Form des Pinot-Glases reden. Aber die Churer-Theater-Beiz ist nun auch mal kein Vorzeigemöbel…Man sieht sich lieber an Weltcuprennen, Higa oder bei Nostalgie-Geschichten in Riom. – Das Einstweh ist unser Basiskrankheit…und unsere angeschlagene Tageszeitung beschäftigt sich vor allem mit Verfalls-Credo und bringt historisierenden Wichtigkeits-Ramsch. Gerne gegen die Scheibe der Zeit. So wählt man dann auch.

„Harmlose, akute Horizonterweiterungsallergie ist churerisch.“

In Chur muss man nicht Brecht spielen, wie man ihn heute interpretieren könnte, es genügt vorzuführen wie Brecht 1948 die „Antigone“ spielen wollte (das tat dann auch korrektbildungsbürgerjustiert das Ensemble aus Wiesbaden). Standing Ovations gab’s zur Spieleröffnung letzte Woche.

Chur hat lange vor Adorno beschlossen, dass es im falschen Leben kein richtiges gibt..Oblomow, der Mensch im Schlafrock, nicht gemacht fürs Vorwärts, könnte Churer  sein. Und solche Oblomowereien lieben wir eher, führen lieber Gespräche unter unseresgleichen. Harmlose, akute Horizont-Erweiterungsallergie ist unserem Ab-und-zu-Programm-Theater-Publikum gemeinsam.

Die Direktion bemüht sich das Dornröschen nach ihrem hundert Jahre währenden Schlaf etwas zu schütteln. Das Programm implodiert förmlich (man nimmts dann nicht mehr wahr), und manchmal explodiert es…wie im Falle unserer Berserker-Antigone, Ann Liv Young. Aber dann kommen nur 30 Leute. Der Folgeabend fiel sogar aus. Die Unbesuchtheit ist wohl auch eine Unbesuchtheit des wachen Geistes…

Eher schlussfordernd als schlussfolgernd sag ich da: Naja, irgendwann gewöhnt man sich gegen alles.

 

 

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Wuala, der Wahlkommentar

„Man tritt nicht zweimal in denselben Dreck“, hat Beckett mal gedeutelt. Irgendwie haben wir aber geahnt, dass die Bündner das doch gerne tun. Sie haben nachgedoppelt. Die Wahl-Resultate von heute reissen uns kaum aus allen Kostümen. – Waren wir nicht einer genuin bündnerischen (Miss-?)Gestimmtheit verpflichtet?

In süsser Benommenheit, inspiriert vom Trälleri Bardill, haben wir uns vorgenommen diesmal nicht alle diese Weichspüler wieder zu wählen. Wir wurden regelrecht animiert von diesem Wahnsinns-Überflieger mit diesem Ui-bini-luschtig-Stil mit Alt-68-Opakäppli in Rosa-Weltformat. – (Guat, seine Guat-Nacht-Gschichtlis scheinen beliebt zu sein…über 12’000 Stimmen: das kleine, unterentwickelte GR-Sensorium für grosse Zusammenhänge hat doch guat gepunktet.)

Wir wollten die bisherigen Epochenschänder mit ihrer Pseudo-Fortschrittsideologie, mit ihrem Hang zur Plausibiltät der Inprofitabilität einfach abwählen…Doch die schreckliche Rache der bisher Beiseitegelassenen ist nicht gekommen.

Man hat uns zwar bestohlen, aber wir wissen eh nicht was uns fehlt…

Sie kennen doch die Story von diesem Menschen, der aufwacht und feststellt, dass er sich in einen Käfer verwandelt hat? Wollten wir uns nicht ein neues Polit-Geschäftsmodell herbeisehnen? – Jetzt können wir Käferli mit dem Wahlresultat doch gut weiterschlafen. Die politgestaltende Bricolage wegreden.…Vorbei over mit den parolinischen Bastelnachmittagen im Grauen Haus?

Die Ausschüttung der Baukartell-Informationen in die Fassungslosigkeit der staunenden und erschrockenen Bündner Seelen war halt doch nur sowas wie eine Fiebermeldung: 37.8 Grad. OK. Etwas Temperatur. Nicht weiter schlimm. Man hat uns zwar bestohlen, aber wir wissen eh nicht was uns fehlt…

Und nun: gewählt sind die Bisherigen ohne Biss, plus Caduff  und PPeyer- zwei Hoffnungen. Doch die Jawollskis haben wieder übernommen. (Diese Wahlen sind doch so etwas wie eine Bewertungen von Reisekutschen durch Tripadvisor. Einfach etwas retro.) – OK, der Mangel an Erschütterbarkeit ist uns Steinböcken doch gegeben, die Moral des Hinnehmens haben wir gelernt. Wir wussten ja, unter Politikern kommt es halt zu Tumorbildung, da muss es ab und zu Geschwüre geben.

Am Besten sagen wir halt nur, was man am besten so sagt, sagte sich die Regierung…das ist wohl die Vielzweckwaffe der Bündner Politiker…So ein Bündner Hüttenwart-Stoizismus. Nullsprech-Prosa gewohnt.

„Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ sagte ja Karl Valentin…

Unser Kümmernisse wurden wohl nur so  zum Lüften aufgehängt und die aufzuhängenden Politiker eher locker durchgewinkt. Wie immer. So etwas in der Kommunikation Durchgeschleiftes wirkt ja auch meist. Wir haben ja keine Änderungskultur, eher so eine Bewältigungskultur.

Nichts ändert sich. Die Bündner sind schon in post-panischer Zeit angekommen. Sie sind nicht einmal mehr erschreckbar…. also so gesehen weit voraus. Und die Wieder-Gewählten ? Wir wollten sie ja modern etwas nudgen, also schubsen. Aber wohin eigentlich ? –

Sie bräuchten sich uns gegenüber nicht zu schämen, sagen sie wohl beim nächsten Regierungs-Apéro. Dr Ha-nüt-gmerggt ist dominant. Und wir konstatieren wieder mal mit altersmilder Serenität: „Probleme sind nicht wie grosse Bordeaux-Weine. Sie werden nicht besser, indem man sie lange lagert.“

Zwischenruf aus den hinteren Rängen: “Lang lebe der auf verlorenem Posten.“ – Das ist der Vorteil der Berglangsamkeit, man bleibt auf der Kreuzung stehen und wartet, bis man über den Haufen gefahren wird.

Sie können jetzt natürlich mit einer therapeutischen Leseart an diesen Text gehen, oder auch faktisch urteilen: die wenigen Anwesenden haben wieder mal die vielen Abwesenden überstimmt…

So endet dann die Wahlfänger-Story. Wie bei Moby Dick. Genauso sick. (Aber doch demokratisch) „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ sagte ja Karl Valentin…

 

 

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