Füdlibürgerburgunder

1981 schickte meine noch jungfräulich unschuldige Firma unseren Kunden und Freunden einen „Füdlibürgerburgunder“ zu Weihnachten.
Ich glaube, schon damals erkannten wir als Kommunikationsagentur dass alles FAKE gut ankommt. Der Burgunder war nämlich ein (doch gut süffiger) italienischer Tischwein. Also nichts zum kotzen.

Das ging mir diese Woche wieder durch den Kopf als ich die NZZ las – zum xten Male irgendwelches Freisinnig-Liberales-Eigenverantwortungs-Gestammel. Die Headline: „ Liebe Freisinnige, tut um Gottes willen etwas Tapferes.“ Das ist  dann eher wieder zum kotzen. Und das erst noch im beschwörenden „Interesse der Schweiz“. Mit Freiheits-Zitaten aus den Kriegsjahren um 1941 wird FDP als „Genom dieses freiheitlichen Bundesstaates“ gefeiert.

Als Glatzenträger weiss ich ja, was alternativlos unheilbar ist. Wusste ich schon mit krausem Vollhaar vor 50 Jahren. Da war mein geschätzter und wirklich geliebter Bruder Fritz, Metzgermeister, bereits in der FDP. Im Gegensatz zu ihm, hielt ich mich raus aus dem einseitigen Parteien-Gelärme. Vieles tönte doch krass dogmatisch, ideologisch und parteibüfflig; gut, ich bin parteilos, aber Probleme hat doch jede(r).

 

Das FDP-Doppelspiel: so tun als wäre man für einen bürgerlichen Mittelstand sich aber ereifern für die 1 Prozent Reichen.

 

Das ging mir auf den Sack. Vorgeschobene Haltung ist wohl das Stichwort…Guat, Fritz und ich (Hansli) verstanden das eben verschieden. Ich argumentierte: Die FDP nähme ganz sicher nicht die Interessen von Bäckern, Metzgern und Beizern wahr. Und im Hotel Stern zu Chur sässen doch die alten Rechts- und Rechthaber, mit dem Linken-Hass, dem asozialen Steuerverhalten, dem Fry-Rätien-Wahn, dem habitualisierten Wegsehen, Staatssparer. In Chur waren das eher harmlose Mittelständler, Einfamilienhaus-„Akademiker, Juristen, Ingenieure…Veterinäre und Treuhänder, die eher zu den 99 Prozent gehörten.

Da korrespondierte die gefakte Welthaftigkeit der FDP auf das Entzückendste mit den Insignien kleinstädtischen Dünkels. Und wir wussten, dass das  wie bei den Zimmerpflanzen in der Geschirrkammer des Hotels Sterns war.  Die konnten draussen kaum überleben. Die wackeren Freisinnigen kämpften noch gegen die roten Mammuts, nicht gegen nachlassende Gäste-Bindung. Guat, heute ist ihr Wirtschaftsbarock nur etwas moderner benamst, heisst jetzt Blackrock, Goldmann Sachs oder Economie-Suisse… der neoliberale Täusch-Mist  hat sich verstärkt. Der Hallraum ist aber etwas enger.

Der frühere Hansli hätte das als „verdrehter provinzieller Molekular-Kapitalismus“ betitelt. „Bei den meisten sozialisationsbedingten manifest Unterprivilegierten ist da wohl nichts zu machen…“ meinte ich dann oft zu Fritz. Ironie verstand er. Als Wokismus-Jünger hätte er mich zwar nicht betitelt. Das Feindbild kannte man damals noch nicht.

Nun haben’s selbst die aus den Engadiner-Schattenwirtschaftszonen (sprich Baukartell) gecheckt: „Immer nur gier, macht stier.“ Die NZZ  warnt zwar jetzt, „der Manager mit dem freisinnigen Genom sei weg.“ Wie auch immer. Vielleicht sind die etwas moderneren Manager einfach etwas woker oder weniger blöd als die FDP. So langzeitverzögerte und  überpushte Kartell-Geschichtli sind höchstens Symptome.

Nichtsdestotrotz schreibt die FDP ähnlichen Unsinn in ihre Medien­mitteilung zur Pandemie, der Bundesrat spiele «fahrlässig mit der Glaubwürdigkeit aller involvierten Institutionen». Daran haben wir uns ja gewöhnt: die FDP gibts nur noch als pdf. Und der Hansli – 55 Jahre NZZ Leser– sagt heute zur NZZ: „nous sommes perdue, aber nicht per Du“. Abbestellen.

Hansli erträgt vielleicht den moralischen Gestank der Junggeldgierigen nicht mehr, die ins Gesicht verkleidete Markwalder-Bangigkeit, die martialische Forschheit des FDP Fraktionsvorsitzenden Walti mit seiner Stahlmantelmimik und Cassis mit seiner Internationaliät fast ostasiatisch in seinem Bemühen Ungangenehmes zu vermeiden, ist doch der Beste Fake-Verhandler. Und erst die Liberalismus-Verbalaktivisten der NZZ-Corona. Auch die halt eine Seuche.

So sind wohl nur noch die letzten auf Mittelstand geschminkten Wohlstandsverwahrlosten  in der FDP.

Die Metzger und Beizer in der SVP. Um zusammen mit der FDP den Benzin- und Heizölpreis der Saudis und Russen zu schützen. Alle diese Bäcker und Gipser möchten mit dem polierten Mercedes auch mal in die Bahnhofstrasse Züri einbiegen – verstehe ich. Nur sind da die Grünen mit  CO2-Vorgaben und mobility pricing im Wege.

Und Fritz würde wahrscheinlich zum Hansli sagen: „ Am Anfang sind wir jung und blöd, am Ende alt und blöder.“– Hansli: „Die meisten sind nicht blöd. Sie haben einfach nur Pech beim Denken.“

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