wortendgeil

Ich war kaum Dreissig. Hab’ mich zuerst kaum getraut, was zu fragen. Hab’ mal ein Bier getrunken mit ihm und sass neben ihm im Falken in Chur. Nach einer Lesung in der Kliibühni. Er war so ein Einfühlerich – munterte mich auf. Kurt Marti. Eben Pfarrer, aber einer der guten Sorte.

Für mich. Dichter, politisch engagierter Mensch…eine Schatzkiste von Wörtern, die einen zum Lachen und Denken bringen. Wörtersammler nennen sie ihn. Er hat unter vielen auch das Buch „Wortwarenladen“ geschrieben. Er hat u.a. auch mich noch mehr zum Lesen verführt. Zum Wörtersammler gemacht.

Ich lese viel. Auch Schrott.

Manchmal versteh’ ich nicht mehr, was da jetzt an diesen Büchern gut sein soll.

Was hab’ ich denn so im letzten Monat gelesen?„…wenn sie beide ausgestiegen sind, könnte ich glaube ich ein Buch darüber schreiben“, sagt der Taxifahrer in Christian Krachts neuem Buch „Eurotrash“– Könnte ich auch.

Über all die Bücher, die ich in den letzten fünf Jahren gelesen. Ich lese so meine drei bis vier Bücher pro Woche, habe seit 10 Jahren ein jährliches BOB – mein Buch der Bücher. Da sind meine Notizen, Wertungen, besondere Formulierungen herausgestrichen. Das sind so meist so 140’000 Zeichen pro Jahr.

Ich hab’ den hochgejubelten „Eurotrash“ parallel zu anderen hochgejubelten Büchern auch gelesen. Naja, mehr dazu unten. Interessiert? Zur Zeit lese ich „Dunkelblum“ von Eva Menasse, „Every“ von Dave Eggers, und „Crossroads“ von Jonathan Franzen.

Ich versuche meine eigenen DNA nicht nur zu lesen auch schreiben zu können. Die ist vielleicht beschwert von Büchern, aber das kann ja nicht schaden. Die intellektuellen Wörter schmecken mir auf der Zunge. So als Wort-Facharbeiter hat man halt auch seine Feinschmecker-Assets. Ausser wenn’s zum Generationen-Problem wird: dann wird immer klar, wir Alten wollen euch doch nur die Meinung geigen.

Auch in der Literatur ist es so wie in der Kultur: man muss nicht die Tutanchamun Ausstellung in der Maag Halle gesehen haben… meint,

Du musst nicht die Frauenkränzli-Bestseller-Liste-Anmutung begriffen haben, um weiterhin vom Lesen ergriffen zu sein.

Bei Männern meiner Payroll und Alterszugehörigkeit heisst’s auch oft: „ja ich lese viel. Am liebsten so Biografien. Hast du Bismarck, oder sogar Harari gelesen? OUNAI..bald lest ihr auch noch Laschet oder Schröder.

Ich gebe gerne zu, dass kein Tag vergeht ohne schreiben. Womöglich machen wir unsere Welt ja durch die Sprache, die wir haben um sie zu schreiben. Ich sowieso, schreib fast jeden Tag.

Ich bin so ein Schreibgebäugter.

Stimmt so nicht. (Ich lieg’ ja schon fast vor den Tasten, wenn ich mich nachhintengebäugt bequem ins Schreibland versetzte…hab’s dann aber schon blendend easi.)

Das Wenige wollen, das wenige wollen.

«Mega“ „Absolut Wau“ „einzigartig» „ein pageturner“ «Ein Meisterwerk.» «Das kühnste Debüt des Jahres.» so tönts in letzter Zeit immer mehr. „Hudler des Lobs“ nannte Kurt Tucholsky solches in grauen Vorzeiten. Ein unheilvoller Marketing-Sog waltet da. So James-Bond-Like.

Dass Romane, besonders aus dem anglofonen Raum, gerne mit Presse­schnipseln im Superlativ beworben werden, ist an sich nichts Neues. Ebenso wenig, wie austauschbar die Formeln dabei sind.
Die Welle der Begeisterung, mit der gerade mehrere internationale Roman­debüts auf den deutsch­sprachigen Buch­markt kommen, ist allerdings auch für Literatur­betriebs­verhältnisse bemerkens­wert. Auch die Themen und Figuren­konstellationen dieser Bücher. Aber selbst diese überschwänglichen Rezensionen, dieser Marketing-Hype treiben die Verkaufszahlen nur noch selten in die Höhe.

Naja, komme mir so vor wie in diesen abgelutschten Vernissagen. Mit diesen so schönen Seelen, wie sie oft auftauchen, wenn sie ihr sinnloses Abtrampeln von lokalen Audabei-Künstlern zelebrieren. Da gibt dann mein Betriebssystem den Geist auf…die Generalkunstanbrennung mit Verklärungsschimmer wie sie Theodor Fontane wahrscheinlich genannt hätte, beglückt mich nicht unbedingt mehr.

Irgendwann hat man’s gesehen oder gehört, oder eben gelesen. Die Harmlosigkeits-Allüren führen dann zu Riesenzerknirschungen, wie eben der Theodor Fontane wohl subtil mitfühlen würde.

Rumpelt da mein Neidappeal mit? Kürzlich waren wir eingeladen. Bei einem Herrn, der antiquarisch Bücher sammelt – auf olympischem Niveau. Also mal ein Büchersammler statt ein Wörtersammler. Auch faszinierend.

Ja, ich weiss, Literatur ist, wenn man trotzdem schreibt..

Keine schönen Deckel und Drucke wie der, hab’ ich nicht. Dermassen viel Bildungsbürger-Show braucht man in unseren Zeiten nicht mehr. Also: ich hab gar keine schönen Bücher zu Hause. Alle verschenkt. Ich habe Bibliotheken nie gemocht, die Bücher schon… Fazit: wer alte Bücher sammelt, sammelt alte Haltungen. (Kann ja auch OK sein.)

Wenn du dich zum Beispiel in der deutschen Bundestagswahl (ist bei uns auch nicht besser, höchstens härziger) bei Politikerreden durch die Zwiebelschichten beissender Verlogenheit, falscher Narrative und Schein-Positionierungen durchgehört hast, bist du gleich weit.

Kann man auch Pathopornografie nennen. Wenn in diesen PR-Geilomaten alles zu einer guten Geschichte gewringt werden muss…

Unsere publicitygeile Gesellschaft, die sieben Tage in der Woche rund um die Uhr in einer Echtzeitsosse elektronischer Information mariniert wird, braucht das vielleicht.

„Reverse snobbery“ nennt man das – anstatt wie der Pöbel sich durch die Spiegel-Bestseller-Liste Distinktion zu erkaufen…kann man auch einfach lesen, was so kommt, kreuz und quer lesen…triviales bis erhabenes…“stöbern“, nannte das unser antiquarisch sortierte Schöngeist, der die Welt nur vor 1950 kennt.

Und: „In der Schule nicht beliebt gewesen zu sein oder Verdingkind gewesen zu sein berechtigt nicht die Veröffentlichung eines Romans.“ ist von Lebowitz. Könnte aber auch auf viele unserer neusten lokalen Bestseller Schriftsteller zutreffen..;-)

 

So was lernt man nur, wenn man allen Sprachmüll sortiert. oder wie Manfred Papst daraus Neues schafft: „…eben noch waren wir spatzenjung und gliederherrlich, jetzt sind wir höchstens noch altspitz und wackelsteif, zeitverbeult oder faltenäugig.“ Auch ein Wörtersammler.

Oder was hat Proust…gesagt?

„In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst.“ Finde ich wortendgeil.

(In Wirklichkeit bin ich auch nicht so verkopft wie dieser Blog hier…)

 

 

 

 

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Städter und Ländler

„Ich verabscheue Leute, die Hunde halten. Das sind Feiglinge, die nicht genug Schneid haben, selbst zu beissen,“ meinte schon Strindberg.

Guat, ich sehe das anders. Ich umgehe Leute, die Katzen halten. Die können ja immer unbehelligt und unbeaufsichtigt in der Gegend rumscheissen, sich verstecken, müssen nie an die Leine gelegt werden, und werden sich immer hinter dem Image verstecken, dass Katzen so freiheitlich, eigenverantwortlich, unzähmbar, wild und undressiert sind, wie die FDP sein möchte…

Es gibt aber sicher genausoviele bezaubernd kultivierte Menschen mit Hunden. Jetzt können Sie mir so einen Ist-eh-nicht-so-Blick auf dem screen zuwerfen und denken: Der hat wieder so einen Wahnsinns-Schwenk im Hirni. Vielleicht weil ich als Metzger-Ausläufer-Bub auch von einem Hund gebissen wurde. (Der hatte zwar nicht die Tollwut, ich musste nur genäht werden). Aber wir waren später (mit unserer Tochter) stolze Hunde-Eltern eines Boarder-Collies. Dreizehneinhalb Jahre lang.

Absatz. Trommelwirbel.

Aber eigentlich wissen wir seit Biller, dass die Bösen nicht rundherum schlecht sind, dafür sind die Guten auch nicht besser.

Aber sagen Sie das mal diesen tonnenschweren Satz einem Parteigänger mit Martullo-Gesicht. Kaum auszuhalten. Die stellen keine Fragen mehr, die brauchen keine Antworten mehr mit diesem abgenzend-enthemmten Gemeinsinn, den sie  rauszubellen pflegen.

Auch jeder Nazi hätte doch gesagt, er kenne einen guten Juden. Auch jeder Hundehater kennt doch einen guten Katzendisser. Diese schmutzabweisenden Antworten sind heute gefragt bei Talkshows, wo wieder viele Aushilfsnazis zum Quotenausgleich mittun dürfen.

Jetzt können Sie natürlich die Finger auf- und zuklappen, so als Geste für jedes Alltagsblabla…Echt jetzt? Hundegeschichten sind eh für die Katze. Oder für die innere Ruhe. Sie können mir auch so Seelensmarties aus Dr. Feelgoods Medizinschrank einkippen. Meine Parole: Tendenzfrieden unter Tierfreunden. Resultatorientiertes Stillhalten wie in der Schweizer Politik. Katzen und Hunde sind wie Städter und Ländler. Meine Befähigung zum Hörverstehen könnte da was nützen; Miauen und Bellen simultan erfassen, ein synästhetisches Von-den-Tieren-gelerntes-Sichverstehen.

Für geordnete Einfamilienhaus-Siedlungen sicher ein Verkaufsargument. Schliesslich sind die Geruchspartikel beider dieser Tier-Gattungen gleich störend wie Diesel- und SUV-Abgase. Und jede Verunrassung ist in diesen Zeiten eine zuviel. Im Sinne unserer monotheistischen Dominanzreligion, die auch immer mehr Dominanz verliert, plädiere ich für eine Hund-Katz-Ökumene.

Der Ausweg aus meiner Katz-Hund-Sackgasse ist wohl naheliegend. Reinrassige Inzuchtexemplare, die schon von der Muothataler-und-Börsen-Treichler-Fraktion gewünscht wären, könnten ja auch bei Hund und Katz auftreten. Einfach nur nicht mit pastunischen Berzgziegen kreuzen oder mixen.

Jeder humanoide Parteigänger müsste entweder hundmanoid oder katzoid sein. Also mindestens ein Tierliebhaber. Um einer frappanten Verletzung der Dummheits-Gleichstellungsverordnung
der Tiergegner zu entgehen. Das wär’s: Die attraktive, sinnliche Katzenhaftigkeit auf das Entzückendste mit den Insignien der stattlichen Hunde-Dünkels korrespondierend zu kreuzen.

Wuff-Miau. Das Leben ist eben Korrelation.

Meine ausgiebigen Kenntnisse der Manipulations- sowie der Kopulationstechniken können hier endlich mal zum Tragen kommen.
Also: Die Rüden wollen ja immer balgen, erst um die Coco und dann mit ihr…und das muss ich als Hündeler sagen: der noch so verkackteste Doggybag-Auswurf stinkt in etwa gleich wie ein katzenbebrunzter Spazierweg. Und wenn ich die modernen Damen-Hundesorten so anschaue, denke ich oft: Das ist doch kein Hündchen, das ist doch eine Feldmaus, die sich für einen Hund hält.

Ist auch bei der SVP so, das sind meist als Landlust getarnte Grossstädter. Die Grössenproportionen bei den Katzen sind wenigstens etwas weniger exzentrisch. Das ist dann wiederum wie bei den Politikern; unsere Bergspatzen halten sich ja oft auch für Adler.

Guat, wenn die dann alle mal austherapiert sind, können sie ja wie im Hinduismus von Wiedergeburt zu Wiedergeburt, mal Hund mal Katze, mal SVP mal SP werden, zwischen verschiedenen Lebensformen und Kasten auf- und absteigen. Also mal Velofahren, mal John Deere fahren oder zur Abwechslung im ÖV steckenbleiben.

Wenn die Theorie also stimmt, dass Wehmut als politisch links, und Nostalgie als politisch rechts einzustufen ist, so können die sich alternativ als verschmuste trotzkige Wehmutskatze oder als Mein-Kampf-Sau-Hund durchs Leben bewegen…und ohne narzistische Kränkung überleben. Und wenn sich dann der Schäferhund mit seinem berühmten angespannten Adlerhorst-Blick des Führers zu einer schnurrenden …..Salonkatze morpht, ist das auch nicht weiter schlimm.

Als Metzgerssohn hab’ ich gelernt was abgeht, bis das Bolzenschussgerät kommt…da kommt meist nichts mehr.

So wär’ das lebensberatungmässig doch tauglich. Nicht nur normale Quartierbewohner, auch Politstrategen könnten mal diese Hundkatze-Positionierung hinterfragen.
Um mit Nazisprech zu bluffen: Werke von bleibendem Ewigkeitswert könnten so geschaffen werden, wenn sich Hund und Katze dann liebevoll küssend „Gute Nacht“ sagen…

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Otto – der Wohlstandsverwahrloste

Ich hab’ ihn im Rückspiegel kurz entdeckt. Er ist ausgestiegen aus seinem gutgefederten SUV. Im Parkhaus Mythenzentrum mitten in Schwyz an einem Sonntag. Mit einer Freiheitstrychler-Kutte. Genauso wie ich mir das vorgestellt habe. (die Begegnung  ist aber das einzig Wahre an dieser Geschichte…)

Ich öffne die Autotüre und rufe: „ Wuah, das Original…“ Das muss ich mir ansehen. Da kommt er schon sichtlich erfreut auf mich zu, da muss ich meine Anti-Schwyzer-Impfgegner-Haltung wegignorieren.

Nennen wir ihn Otto (er hat ja auf beiden Seiten etwas rundes, breites , gemütliches, anagrammhaftes.) Seine Innerschwyzer-Kleinbürgerlichkeit ist auf jeden Fall nicht gefakt. „Schön…“ sag ich, gemütlich lächelnd, weiss dann aber nicht mehr weiter. Jetzt hat ers wahrscheinlich gecheckt. „ Bist du geimpft?“, fragt er. Ich nicke, er ist sichtlich etwas irritiert, lässt den Laden runter, möchte aber doch noch etwas plaudern, begrüsst meine Frau freundlich, aber die kann normalerweise nichts mit solchem Talk-Aufstrich anfangen.

„ Jo, I bi jo xund.“, meint er, sich schon vorsichtig abwendend. Der Satzbrocken wurde zum Ritual nach Corona – auch für Leute wie ihn, die ja gar nicht impfen wollen. Weil er ja sonst nicht mehr viel zu sagen hat. Kann ja nur noch Schellen schwingen.

Also zum Bye-Bye mache ich ein „jo, halt nüt z’macha, bliib xund…“ Richtung Aargau wie die Autonummer zeigt. Und da stell’ ich mir vor, hoffe ich für ihn, dass er xund ankommt.

Wohlig schlummern die Kois im Bioteich vor seinem Hüsli.

Und nicht zum ersten Mal kam ihm, Otto der Gedanke, dass Gott die Erde ja vielleicht nicht für alle geschaffen hat.

Für ihn vielleicht schon eher. Der Rest der Welt ist doch schon eine ferne Favela, der es an Geld mangelt. Und was solls: Afghanistan ist ja weit weg und von Afghaninnen hält er eh nicht viel.

 

Er leidet auch nicht unter so einer Art akademischer Voreingenommenheit wie diese Zeitungs-Besserwisser. Seine blutwurstgeröteten Schwingergnick-Kollegen von seiner Partei bestätigten ihm das immer wieder.

Sie nehmen mit der Weltwoche an, dass sich Lügen (wie auch Anti-Impf-Argumente) unbeschwert vermehren lassen wie Fliegen um den Miststock – auch wenn sie von russischen Trolls kommen.

Diese Wissenschafts-Eminenzen, diese verluderte Politikermeute und diese Impf-Fans müssen doch mal etwas in die Schollentiefe versenkt werden.

Er geht sicher nie ins Theater. Politik ist doch so etwa wie Theaterstücke, in dem grell geschminkte Darsteller unter idiotischen Verrenkungen ihm etwas vorspielen, das er gar nicht sehen will. Margrith, seine Gattin, sieht das anders; sie will ja ihren Schmuck ab und zu vorführen und versteht, dass man halt im Theater beim ersten Mal nichts versteht, nicht aber, dass Otto kein zweites Mal will.

 

Während man glaubte, alles sei noch in Ordnung, rätselte man schon im Innern, die Lähmung kam nun auch in äusseren Worten –welthinterfragend. „Gell, schu no…schräg?“ Man weiss, dass man einmal wusste wie es ging, doch jetzt, trotz angestrengten, krampfhaften Versuchens will es nicht mehr gelingen.

„Mach etwas, egal was…“ sagt seine innere Stimme. Obwohl er nie Beckett gelesen. Seine Bauchstimme kommt ganz bestimmt nicht von einem absurden Theatermacher. Absurd kam ihm höchstens mal der Stau am Walensee oder Gubrist vor. Und ja, zugegeben, für die Impfgegner-Demo war er eigentlich zu faul, aber seine Kollegen zu treffen war dann doch wieder belebend.

Die Rede über die Traumatisierung des Volkes während des Lockdown hat ja was. Irgendwas stimmt ja schon nicht. Auf Facebook häuften sich die Posts seiner „Freunde“ (waren ja keine, haha), die sich über die traumatische Leere ohne Fussball, Bier, Marco Rima und Thiel beklagten.

Er war ja in einem Haushalt aufgewachsen, der in vielem so beschaffen war, dass sich dort das Bürgertum in aller Breite und Zufriedenheit niederlassen konnte.

(Er konnte ohne Wimperzucken den Paola-Felix-Geburtstag auf dem linken SF 1 geniessen)

Gut, die Eigenverantwortungs-Trommler sind sein Ding. Obwohl, in letzter Zeit, sind plötzlich ganz andere Leute auch gegen das Impfen: da kommt er nicht mehr mit; so Körnli-Yoga-Tanten, und diese Globuli-Spreader. Sind das Perspektivendifferenzierungen ?(kannte er das Wort überhaupt?) SSS….sicher nicht. Er kann denken, findet es aber einfacher ab und zu einfach nicht zu denken.

Er hat ja noch glücklich drei Nerven zusammengescharrt, die ihm die Ausübung einer bescheidenen Sensitivität erlauben. Er glaubt nicht mehr alles, was ihm vorgekäut wurde. Vor allem im Bezug aufs Ausland. An diese QAnon-Ideen mindestens im Kern etwas zu glauben, war für ihn schon prickelnd. Diese furchterregende Lust am Unwirklichen.Und dieses etwas Ersatzreligiöse findet er absolut geil.

So wie er die Texaner, die Harley-Fahrer wie in Florida, die Bewohner des Enddarms des amerikanischen Ex-Präsidenten liebte. Einen (nur vermeintlich so belämmerten) Präsidenten-Säuglingen in Erwachsenengestalt zu erleben, war doch bestes Entertainment. Er schäckerte fast mit dieser Sehnsucht nach einem Trump-Leben in jener kitschigen Flitter-Marmor-und Seide-Schumrigkeit, die er sich so gerne in seine Oftringer Wohnung wünschte. (Was er aber dann nicht so sagt.)

 

Ja, und überhaupt, sein Stammtisch-Kollege, Anwalt, belehrt ihn, dass er seiner Margrith nur beibringen müsse, dass sich Erotik nur als als „zustimmende Überlassung der Sexualorgane zu wechselseitigem Gebrauch“ definieren lasse. Ein Seitensprung sei also bestenfalls so wie ein Kopfsprung im Freibad Möriken. Und die eingeklemmten Affekte sowieso spiessig.

Verklemmt wie ein Reisverschluss waren bestenfalls diese Linksintellektuellen, die zwar in den 70ern die freie Liebe propagierten, aber handkehrum jetzt alles regulieren wollen täten – vom Parkplatz bis zum Veloweg.

Otto hatte damals noch mit dem Töff Abziehbilder vom Grimsel, Furka und Susten gesammelt. Born to be wild auf wild (Hirschpfeffer liebte er auf jeden Fall.)

Heute sieht er sich als MeToo-Gegner. „Anbaggern wird man wohl noch dürfen: sehen ja nicht alle Frauen aus wie Martullo.“ Und ja, man muss ja nicht dauern seelisch unterkühlt die BAG-Media-News verfolgen.

Und diese pasteurisierte Wort-Verrenkungs-Gender-Neusprache: „Mitarbeitende, Verkaufende…“ hat ja sowas klemmendes. „Die lächerliche Flucht in den Partizipativ“ wie sein alter Deutschlehrer-Kollege aus der Männerriege meinte, sei ja auch nicht so erbauend. Wer gendert sei nett und links, wer es nicht tut, bös und rechts.

 

Kräftige Fallwinde unter dem Mythen gab’s schon immer. Vor allem abends wenn der Hormonspiegel steigt. Unter diesem Zacken beisst man sich halt ab und zu die Zähne aus.

So ists manchmal auch bei Margrith. Wenn dann auf der anderen Seite das Wolkengebirge gegen das Gebirge aufläuft, krachts, blitzts halt. Und wenn Margrit täubalet, nennt er sie Männin, vom Manne ist sie ja genommen, hat er als Messdiener gelernt.

 

Die Leute fluchen auch über die Tabakkonzerne während sie rauchen. Und ja, das Suchtpotenzial in Untertaillen-Hinsicht, nimmt ja eh ab mit dem Alter. Man passt sich unmerklich und merklich einander an. Wie die Taillenweite. Und von dem gutgelagerten Speck, über den man sich erhaben fühlen dürfe, könne man auch in so Corona-Lockdown-Zeiten noch was zehren. Falls die fünfte Welle wieder verhindert, dass die Alten in die Migros dürfen.

 

Otto ist ein Parvenue der Nachahmung. Er hat schon früh die Gesten, Worte, Autos, Essgewohnheiten der Macher kopiert. Vieles auch durchschaut. Auf seine Weise. So konnte er auch bei der SVP Delegiertenversammlung zu den höchsten Vorbildern schweizerischen Misstrauens vordringen: die Imarks, Glarners und Chiesas…Diese Grummelprediger sind ja auch unterhaltend. Zwar unnütz wie der Blinddarm und immer auf der Suche nach was, worüber sie pikiert sein könnten. Aber immerhin etwas gegen die akute Virus-Langeweile. So muss er sich auch nicht auf dem Rudergerät dem Herzinfarkt entgegenfoltern. Oder schwungvoll aus der Haut fahren. I bi jo xund.

Der Herr Blocher und die angestrengte Anti-Diktatur-Demos haben ihm imponiert, die Motzerei gegen die Städter. Und anderes. All dies nahm er amüsiert und mit der interessierten Gelassenheit eines Völkerkundlers zur Kenntnis. Das war nötig, wie die Türe seines Kühlschranks, die man zuwerfen musste, damit sie ordentlich schliesst, aber erst nach dem Futtern.

 

Das tölpische Vorzeige-Gezänk zum Zwecke des Stimmenfangs fasziniert ihn immer wieder.

Zum Beispiel das Agrar-Stöhnen der Bauern, wahrscheinlich gelernt von ungemelkten Kühen. Das alles imponiert zwar auch nicht mehr wie früher – hat er auch selber erfahren müssen: sein Rentner-Hängebauch und sein Aperol-Hauch sind auch nicht mehr so in.

 

Im Kielwasser seiner Gefühle kam er dann rasch zur Erkenntnis, dass er doch nichts ändern müsse. Älterwerden ist ja eh ein Prozess – schliesslich hatte er von den Politikern gelernt: Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht.

Die einen lieben Milch. Und die anderen die Tochter des Hafermilch-Produzenten. Ja, das ist so mit dem Meinungspluralismus. Otto ist ja nicht blöd, aber es ist ihm einfach zu blöd. Er ist doch zufrieden und mit sich im Reinen, dass er nichts zu überstürzen braucht…nochmals an eine Samstags-Demo in so einem Khaff ? Kaum.

 

Genauso hab ich mir vorgestellt, ist das mit Otto an diesem Sonntag. Sein Gesicht hab’ ich noch in Erinnerung. Aber Otto könnte natürlich ganz anders sein…

 

 

 

 

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GR ossartig

Vielleicht hab’ ich einfach so einen Schutzzynismus, schreibend gegen die Zeiterscheinungen…gegen die White Supremaci-Form der Impfgegner oder der Prättigauer Landsünneli-Fraktion, wohl unterstützt von den Fake-Voten der Milliardärin aus Ems. (Eine Frau für den Ernst des Lebens. Hohepriesterin der femininen Macho-Kultur, gehörte eigentlich ins Bundesamt für Stammtischtik, weil sie ja so genau weiss, was Diktatur ist. Sie diktiert ja auch das kognitive Analphabetentum der SVP an die Macht – die Birchers und Imarks.)

Das wollte ich schon lange mal sagen: ich bin nicht der arrogante, kritische, schöngeistige, zynische und schreibend manchmal unverständliche Blogger und Kolumnist mit Alt-68er-Attitüde vom Land…ich bin der arrogante, kritische, schöngeistige, zynische und schreibend manchmal unverständliche Blogger und Kolumnist mit Alt-68er-Attitüde aus der Stadt.

Gut, ich schreib einfach gegen dieses Unbehagen an diesem Basso continuo, den zwar nicht so viele Bündner wahrnehmen, da das seelische Geflecht des Kantons selten bis in die Extremitäten freigelegt wird. Wir sind nicht Stadt oder Land; aber einfach ab und zu mal beides.
Zurückgeblieben.

… und räumen das Geschehen geräuschlos auf wie Marie Kondo den Schrank.

Schreiben kann man auch gegen den Midcult im Bereich Bündner Kultur. Meist Unterhaltung für Menschen, die das Erhabene suchen, ohne es mit künstlerischem Anspruch gleich übertreiben zu wollen. So Origen-Theater (nicht der Tanz), oder Weit-Weg-Theater aus Südamerika, das niemand so richtig versteht. Oder wie meinte Handke irgendwie: „ Der Nachteil bei grosser Kultur ist, dass jedes Arschloch sich damit identifizieren kann.“

Und wie mein Kollege Hardy im Juli bemerkte: „ Diese Kultur…ist fast ausnahmslos zwei, drei Nummern kleiner, nicht selten zehn Jahre zu spät und oft schon hundertmal gesehen. Das macht aber nichts.“

Hier gibts auch Standing Ovations für Restposten, meint er. So tun als ob, gehörte in den Randregionen schon immer zum unverzichtbaren Grundwortschatz. Und um hier elitär zu wirken, muss man nicht mal schwarze Klamotten und einen grauen Nichtbart tragen, voilà! Unsere Mitkultis sehen dann oft aus als ob sie vier verschiedene Outfits anprobiert hätten und sich dann dann einfach für alle entschieden hätten. Auch wieder sympathisch. Passt.

Das geh’ ich dann mit mit der Würde eines Stadttiers an, dass den Landpomeranzen mal die Meinung sagt. Meist so im Marketing-Ton, den ich ja so gut kenne. Oh, wie ich auch die Bündner kenne…Sie ordnen sich meist baukartellisch oder landwirtschaftssubventionistisch dem Gemeinwohl unter und räumen das Geschehen geräuschlos auf wie Marie Kondo den Schrank. Die Wohlfühlzone der Gemeinsamkeit.

Aber was soll’s, Muschg schreibt in seinem neuen Roman Aberleben. „Wer keine Bahn hat, kann auch aus keiner geworfen werden.“ Gut, wir haben wenigstens die Rhätische Bahn. Seit über Hundert Jahren Symbol für Innovation. Symbol des Weiter-So. Symbol für Grenzüberschreitungen. Jetzt wo wir die CO2-Werte als Grenzwerte nicht anerkannt haben, brauchen wir Ersatzsymbole.

Der dabei zwangsläufig entstehenden kognitiven Dissonanz versucht man zu entkommen, indem man die eigene Mehrheitsmeinung in eine Aussenseiterposition umdeutet. („Das Benzin ist auf dem Land viel teurer.“) Wir sind eben Steinböcke. So lustige, die sich nicht immer an Konsens halten müssen, auch beim CO2-Gesetz. OK– niemandem kann es gleichgültiger sein als einem Steinbock, ob die Menschheit zugrunde geht.

Das nennt man Dissonanzreduktion. Der eigene Opportunismus wird zum heroischen Widerstand. Das machen wir dann sogar in der Tourismus-Werbung und mit teuren TV-Spots mit auch so pseuodlustigen Böcken. – Und am Schluss hat der Steinbock immer nur gefurzt. Eben ein Städter, der Ländler spielt…harmlos.

Jetzt könnte man da noch Gelächter einspielen.

Das ist wieder mal typisch für den Schiesser. Ich weiss gar nicht, ob ich weiterlesen soll. Dieser elende Snob mit seiner Sich-nicht-Verbiegen-Wollen-Attitüde. Wo ist der Zusammenhang? Wieder so eine echt abgelutschte Tirade dieses Nein-Sagers, dieses Insubordinanten?

Und da wir schon lange vom Moralismus in Rente gegangen sind, können sie jetzt innerlich mit den Augen rollen. Wenn wir jetzt den rhätischen Luftraum überblicken, ersehen wir schnell die feiste Realität: Den Stadt-Land-Graben gibts bei uns nicht. Stimmt. Die Pandemie haben wir doch grossartig gemeistert. Stimmt. Und die SVP ist bei uns ja fast harmlos.

Wir sind doch echte Nettigkeitsprofis, professionelle Gastgeber. Wenn wir aufwachen nach der Krise, können wir wieder die Subventionen auf Null stellen, neu beginnen.…und das Kleingeld zählen. Also weit und breit Nichts wovon man sich fürchten müsste. Das Gefühl existenzieller Chancenlosigkeit erzeugt ja höchstens noch die Mär von der Abwanderung der potenzialarmen, also finanzausgleichsberechtigten Landregionen, ein politischer Waschzwang seit den sechziger Jahren.

 

Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich die einzige Person, die nichts schafft, nichts produktives, während alle anderen mit geschäftigem Durchdrehen über die Grabenideologie beschäftigt sind.

Jetzt könnte man da noch Gelächter einspielen.

 

 

 

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Luftbuchungen

Luftbuchungen sind spätesten seit wirecard ein gängiges Wort geworden. Blutte Luft zu schicken, ist offenbar ein allgemein übliches Mittel der Finanzwirtschaft. Man tut dann so, als ob  jemandem Geld übermittelt würde. Zur Zeit werden wir alle mit Luftbuchungen traktiert, viel heisse Luft mittels allerhand Beinstell-Kultur. In der „Arena“ bekommen wir Antworten, die keine sind– eben Luft-Antworten. Und mit CO2 läufts umgekehrt: man tut so als wäre das eh nur normale Luft. Also unwichtig.

Erfolgreich sind da Äschi oder Röschti, Dokter Fake, der gerne gutbezahlten Schwachsinn absondert. Zum Beispiel Punkto EU oder beim Klimaschutz. Guat,  schliesslich war ja auch Jesus Christus ein Provokateur. Gott hat Jesus bestraft, indem er seine Platz einnahm. Nicht im Cayenne, im Himmel.

Mit ihren Schreibtischfrisuren und bei einigen neuerdings abenteuerlichem Stoppellook, zeigen die Anzüge uns Luftakrobatik, zeigen uns, wie man die Welt narrt mit allerhand Pirouetten. Und sie liegen  mit ihren Vorlieben immer mit der Mehrheit der Stimmbürger perfekt in der Luft. Siehe CO2-Gesetz.

Sie versuchen ihre Logik direkt vom Mutterschiff in Zug , Heerliberg , Abu Dhabi oder Moskau in unser Hirn zu beamen.

Die Air-Bookers  sind jetzt in. Wir triggern Glücksgefühle durch vermeintliche Kursgewinne mittels Luftikuss-Ratings by EY, Goldmann-Sachs, Bitcoins undCo.. Und im Falle der üblicherweise eintretenden Amnesie, hat man sowieso vergessen, dass die CS einmal 10 mal höhere Aktienkurse hatte…und die Nationalbank mit Öl-Aktien in den letzten Jahren fast 80 Prozent verloren hat.

Neue Flugversuche gibts allerorts. Nicht mal nur bei der Ndrangheta. eher auch bei so neuen Unverdächtigen wie der PartnersGroup. Denen ist die EU viel zu wenig liberal.«Kompass Europa» des Finanzunternehmers Alfred Gantner, nennt sich dann das. Die haben schon erfolgreich das Rahmenabkommen in der Luft explodieren lassen. Die wollen einfach ungeniert und dereguliert weiter auf internationalen Finanzmärkten, bevorzugt Asien, ihre Milliarden scheffeln.

OK, ab 10 Millionen Jahresverdienst wächst auch der Spieltrieb, der wird grösser und man nimmt sie ernster. Sie erzählen uns dann irgendwas von der EU-Regulierungs-Krake, mischen es mit etwas Swissness-Natio-Fascho und fertig ists.

Mit schamlosarroganter Destabilsierungs-PR wanzen sich die Gierköpfe an uns ran und versuchen ihre Logik direkt vom Mutterschiff in Zug oder Heerliberg in unser Hirn zu beamen. Aber auch das ist wahrscheinlich eine Sache des Souveränitäts-Schutzes, oder sagt man Stutzes? Mit dem Rauschgold der verbrämten PR-Falschmeldungen uns wie Stukkas rumtrudeln zu lassen, bis wir nicht mehr wissen, wo wir sind.

Sie navigieren uns  souverän durch diesen Sturm. Sie entfachen den Shit-Storm, verstecken sogar,  das wir punkto Stromabkommen einen Shit-Strom-Deal zu erwarten haben…ihre Souveränitäts-Ambition-Phase muss schliesslich auch was kosten.

Die unbändige Energie schweizerischer Unentschlossenheit ist also gut gelenkt. Verblödungs-Freiheit meets Volchs-Souveränität.

Und die Verlogenheit der Herrenrunde mit ihrer Camouflage-Schnittmenge aus Schwyzer Schwingfestfähnli und Wallstreet-Pin punktet  erst noch. Peinlich staatsneurotisch zwar, aber auch zum vergessen. Weil sie die rauen Flecken am Kinn der Selbstzufriedenheit gar nicht merken, ritzen sich am Schlusse bestenfalls die letzten guten Öl-Börsenkurse auf die Innenseite ihrer Schenkel. Panisch luftholend. (Oder einfach nach der Entlassung noch 8 Millionen Boni rückfordernd wie die CS Top-Etage.)

Die haben wahrscheinlich alle Schopenhauers „Aphorismen zu Luft-Weisheiten“ gelesen. Servieren uns dann ihre Schlussfolgerungen als Schussfolgerungen auf einem Silbertablett: „Das Benzin wird teurer“. Das Dessert: Coupe Dänemark, einfach ohne Rahm(enabkommen).

Die Schweiz sei allein eben stark genug, um allein die Oberhoheit über den Stammtisch-Luftkampf zu garantieren. Oder sonst könne man

…immer noch aus ihren Kindern Tochtergesellschaften machen, sie ins Ausland verlagern –wie das CO2.

…so wie Konzerne das „steuern“.

Damit kaufen wir uns dann einfach die etwas teureren US-Kampfjets. Sechs Milliarden, das ist doch eher Luftakrobatik, oder Lustbuchung. Grossdenk eben, oder auch Doppeldenk: so tun als ob, und am Schluss den anderen die Schuld an der Misere zu geben– ist doch auch modisch. Wenn sie dann keine Luft mehr bekommen, können sie sich immer noch einen Ballon anschaffen, mit der Aufschrift:„ I can’t breath“.

 

 

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Keineahnungstan

 

„Kleiner Schleudergang“ nennt man das wohl in der Waschmaschine. Wir haben in GR jetzt wieder einen Waschgang hinter uns. Die PUK hat diese Woche über die Baukartell-Vorgänge informiert. Drei Jahre PUK. 1.1 Millionen Kosten. Und dazu kostete das Bündner Kartell-Businessmodel den Kanton Graubünden gemäss Schätzungen gegen 90 Millionen (Maxizahl) Franken Steuergelder.

The rise and the fall of Bündens Baukartell? Nein, eher klare Aussagen über die Ahnungslosigkeit der Bündner. Keineahnungstan. Postbaukartellisch sich aufzuregen, nützt nichts. Die Engadiner Sonne scheint ab Freitag noch shiniger. Wie schrieb die Republik: „Dass…, ist eine solche Blamage, dass der Kanton Graubünden gut damit beraten wäre, seinen Namen zu ändern, eine Perücke zu kaufen und das Land zu verlassen.“

Ich glaube, niemand ist da kriminell– sehr viele fettige Hände, sagt man. Aber kein Stückchen Butter. Denn vom Kartell profitiert haben will niemand – nicht einmal die Kartell­firmen selber.Das Adjektiv dafür ist noch nicht erfunden. ahnungsharmlosmedioker?

Voll die Herdennummer. Die Verlogenheit der Herrenrunde mit ihrer jämmerlichgutgetarnten Schnittmenge aus Jagdjankerl und Steinbockhumor punktet noch,

…kantonsschadend zwar, aber immer noch führungseloquent (im Bünder Sinne).

Guat, obwohl wir gerne mountainbiken, haben wir halt das Rad nicht erfunden. Wir sind prinzipiell idiotenmagnetisch…laufen magnetisch irgendwelchen Nullnummern nach…Wer käme sonst darauf eine Milliardärin wie Martullo als Bergvolchsvertreterin zu wählen…

Im Weltkatalog der Blödigkeit machen wir gerne etwa mit. Das wusssten wir.

Wir haben nicht unbedingt die hellsten Funzeln im Kronleuchter von Politik und Wirtschaft. Aber doch viele Dimmknöpfe und Duckköpfe.

„Der Mann ohne Eigenschaften“, Ständerat Engler, hat’s ja auch weit geschafft. Den früheren Köpfen des Tiefbauamtes attestiert man oberflächlich in dieser Sache einen Reflexions­grad nahe null. Aber so blöd sind die nicht. Die haben einfach nur eine hidden agenda.

Engler-Baukartell-Aussagen sind so vertrauenswürdig wie Trump über Muslime blodert. Der Zusammenhang zwischen all diesen Diskontinuitäten ist der Aggregatszustand „Mischhäfeli-Mischdeckeli“. Bis in Ewigkeit ihrer Echokammer Gewerbeverband, Baumeisterverband, Wirtschaftsforum  verbunden. Mit schamlosahnungsloswülstigen Antworten rausreden geht ja meist immer. Wissen die Gierköpfe.

Die fallen immer auf die Butterseiten. Bisher.

So wie man heute die Kulissendörfer für Demenzpatienten baut, hat GR nebst den wunderbaren Unesco-Dörfern auch so Wirtschafts-Kulissen aufgebaut.

Und bevor wir dann total an Amnesie leiden, würde ich gerne die Partei der UNVERARSCHBAREN gründen. Also so Vermeidungsstrategien verbreiten, von der Kanzel der politisch Unsichtbaren…die sich noch nicht verarschen lassen. Also die Ja-mag-sein-aber-bis-jetzt-hats doch funktioniert-Typen etwas durchrütteln. Also nicht so eine Partei, die in der NZZ nachlesen muss, wie das Politbüro funktionieren s0ll.

– Eher so Sinnfluencer werden. Ein unbestimmtes Misstrauen spürbar werden lassen. Die  Matchen-Liken-Chatten-Ficken-Generation könnte da vielleicht ins Spiel kommen. Als Denken-Umsetzen-Punkten-Generation.

Ich frage mich ob die PUK nicht auch einfach das gemacht hat, was GR auszeichnet…harmlos fein säuberlich aufgezeichnet, nicht mehr …und siehe, sie hat sogar mitverdient (wie gesagt, über eine Million). Guat, das muss man ja jetzt nicht protokollieren, das machen wir in GR sowieso meist nicht….

 

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Immer Trouble mit der Bubble

So könnte man vielleicht mal ein populäres Movie betiteln. Hauptfigur wär’ dann so ein Bubeli wie ich, das in einer Bubble lebt und sich selbst dauernd triggert. Guat, das wirkliche Leben ist niemals so einfach wie im Film. Aber in letzter Zeit hatte ich oft das Gefühl in einem seltsamen Film mitzuwirken.

Und zwar nicht auf Netflix, eher im richtigen Leben eines Provinz-Seniors. Ich werde beharrlich mit Mittelmässigkeit und Redundanz überspült und mit Minimalbotschaften von Leuten geflutet, die ich weder kenne noch kennenlernen möchte. Wer möchte denn wissen, ob das Essen im Süsswinkel jetzt besser ist, oder ob der Y schon wieder zum xten Mal auf der Alp Juchs war?

Netflix und Prime wissen zwar, was ich schaue, und halt doch nicht…

Und es fühlt sich verdammt gut an. Diese süssen Winkel haben gottseidank auch tote Winkel. Je vielschichtiger wir sind, desto weniger kann man uns durchschauen. ..ÄTSCH…Jeden Tag die NZZ lesen, macht mich aber nicht zum Freisinn-Bubeli. Weil ich auch die WOZ lese….Dass die Algorithmen sehr viel von uns wissen müssen, um passgenaue Informationen liefern zu können, ist ja auch beruhigend.

Wir sitzen zwar alle in so einer Bubble. Guat, zur Zeit nicht alle freiwillig. Ein Beispiel für den Bubble-Effekt gefällig: Ein SVPler und eine Umweltschützerin geben in Google das Wort „Shell“ ein; Aeschi, erhält Hinweise auf die Schweizer Erdölvereinigung , formuliert fast wie von der Reichspropagandaleitung. Badran hat das Argumentarium der SP und Grünen zum CO2 Gesetz auf dem Bildschirm. – OK, da gibts tödlicheres, man könnte auch einem älteren  SUV-Fahrer einfach mit “Greta“ anschreien, ist dann schon eine sichere Anleitung zum Herzinfarkt.

Letzen Monat  hab’ ich die Theater-Bubble in Chur hautnah erlebt. Wiedereröffnung mit einem Stück, das immerhin am Berliner Theatertreff als eines der besten zehn Stücke gefeiert wird. Total zwischen 20 und 30 Zuschauer, ich kenne sie fast alle persönlich. Nach einer halben Stunde liefen meine Frau und ich  raus. Die Performance  für unsere Churer Theater-Bubble adaptiert, wurde einfach verhunzt. Einfach postdramatischer Unsinn, Tik Tok für Grauhaarige ; aber wahrgenommen haben’s wohl nur die wenigsten…

Meist versuch ich, dies alles mit einem inneren Monolog zu bremsen, selbstreinigend zu werden…da hab’ ich dann ab und zu Blähungen (dann schreib ich Blogs, furze also alles selbst raus) aber im grossen Ganzen gibt das nur so ein warmes Gefühl im Bauch, und dann ist der Pupps draussen.

Sagen Sie mal, hören sie mir überhaupt zu…?

Wir sind ja immer stärker eingebunkert in solche Echokammern.

Social-Media-Nerds in einer Vielzahl von sozialen Bubbles blubbern: in meinem Umfeld sind es die Sport-Fitness-Fuzzis (bin auch einer), der Business-Bubble (40 Jahre Kunden in der ganzen Schweiz ergeben eine eigenes Umfeld), der 68er Bubble (Kanti-und Umfeld…), der Family-Bubble (unsere Kinder kennen…). OK, vielleicht „leiden die einfach am Beisammensein“ wie es Ingeborg Bachmann genannt hätte. Oder bin ich schon Mit-Opfer der Schafherde mit dystopischer Zunahme des Tunnelblicks und intellektueller Isolation?

Wir igeln uns in unserer Blase ein oder flüchten in Parallelwelten. Ok, das machen alle, nur spricht die NZZ oder die WOZ nicht von uniformem Denken…Das Hauptproblem: Entweder du bist für uns und somit im Licht, oder gegen uns und somit ein Feind. Grautöne gibt es nicht, weil ihre «Wahrheit» für sie nicht teilbar ist. Guat, muss ja nur Chur, mein Füdlibürgerleben, meine verreistes Verharren im Kleinstädtischen, meine Prägung aus mir herausdenken…

Das geniessen wir doch bald narzisstisch..Dass die Algorithmen sehr viel von uns wissen müssen, um passgenaue Informationen liefern zu können, muss nicht notwendig eine Überwachungs-Paranoia auslösen. Da kann man eher zynisch mitmachen.

An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen, und an einem anderen
halt nicht.

Khurar-Bubble, Insta-Bubble, Twitter-Bubble, Fashion-Bubble…OK, aber schreib nicht einfach auf FB eine fröhliche Ansichtskarte wie als Kind in der Ferienkolonie in Flerden: auf denen immer dasselbe stand: „Mir geht es gut! Wie geht es euch?“

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Fach-oder Vollidiot

Klassenunterschiede gäbe es keine mehr. Nur noch Fach-Idiot oder Vollidioten. Das sei der neue Klassenunterschied.

OK, für einmal könnte die NZZ recht haben. Und in den Corona-Wechselbad-Trilogien aus Lethargie, Resilienz und Wut hat das Wort „Idiot“ sowieso Karriere gemacht. „Covidiot“ darf laut Gerichten nun verwendet werden – vielleicht nicht als Kosewort. Und dies lange nach Dostojewskis „Idioten“.

Manchmal frag’ ich mich schon ist das jetzt voll einer, hast du jetzt einen Fachidioten oder schon einen Vollidioten vor Dir? – Guat, bei so politischen Familienaufstellungen ist’s man meist mit einem schnellen Urteil da: oben hocken die Vollidioten, die spielenden Herren der Nomenklatur, rechts und links die Fachidioten. Etwas übertrieben? Nai, das hab’ ich faktisch verifiziert bei Sitzungen im Stadthaus von Chur…ist voll so, voll mega.

Gut, das sind ja Leute, die in ihrem Leben, was politische Ansichten anbelangt, stets zur Promiskuität neigten.

Die etwas eingeschränkte Gegenwartsschrumpfung durch Covid-Massnahmen hat wohl auch Gehirnschrumpfungen bewirkt.

Seltsame ältere Leute, schnellaltgewordene Jüngere mit Neigung zur Beschwerde sind das Kernpublikum der Covidioten. Wohlstandsverwahrloste wohl. Die sind wahrscheinlich das Ergebnis von 20 Jahren Achtsamkeitstraining, Meditation und Lama-Lifestyle-Beratung bei den einen und NZZ-Leitartikeln, Köppel-Abo und neoliberaler Börsen-Gewaltbereitschaft bei den anderen. Gehören trotz allem zusammen.

Schuld sind aber offenbar  die Epidemiologen und Virologen. Die Cov-Idioten nennen sie zwar Fachidioten. Seit Corona hab’ ich grossen Respekt vor ihnen (und das mein’ ich ehrlich, gottseidank haben wir die…). Das Resultat war, dass sich die Schweiz international gut gemetzget hat…

Die Epi-und Viros verhindern ja einfach nur so beizer-bürgerliches Präventivtoben mit Tonalität mürrischer Kleinmut, und halbbatziges Lädenöffnen mit gefakter Empörung, alles idiotensicher getriggert. Aber das können wir ja ab Juni hoffentlich alles wieder auspinseln.

Und bei dieser Corona-Unübersichtlichkeit wird halt alles etwas schwieriger. Manche, sogenannt bürgerliche, formten bisher das Wort „Planwirtschaft“ mit den Mundwinkeln abwärts. Und dann schrien sie mit demselben Gesichtsausdruck nach „Planungssicherheit“. Die  gibts für die wohl auch nicht mehr nach Gletscherschmelze und Permafrost…können sie sich nur noch nicht so recht vorstellen. Obwohl,  der Tod der Eisbären ist auch bald planungssicher.

Guat, das  ist  halt so ein Gemisch aus echten Schweizern, deren Säure-Basen-Haushalt vermutlich etwas aus dem Gleichgewicht. Vermutlich können sie aufgrund von Botox, wechselseitig die Emotionen der anderen nicht mehr ablesen. Die treten dann auf wie das heimattümelnde, menschliche Äquivalent des Panzer 68.

Zusammengefasst mit Jürgen Habermas Worten treffend charakterisiert: „So viel Wissen über unser Nichtwissen gab es noch nie..“ Und das Niveauchen ist dann auch bemerkenswert. Als Touristiker hab’ ich das ja hautvollénah miterlebt. Das St. Moritzer Credo: „man muss die Reichen zueinander hetzen, das befördert ihre Gier.“, hat man nun erweitert:

Man muss die Dummen nur zueinander hetzen, das befördert ihre Politegos.

Allfrustige, Esoteriker und rechtslastig Laute. Hat sich sehr bewährt. In der NZZ vermutet man sogar, dass wir anstaltslos gelduldigen Maskenträger in der Nähe zu Heinrich Manns „Untertanen“ anzusiedeln seien.

 

Gut, diese Briefmarkensammler-Seelen werden nicht aussterben. Diese Buchprüfer der Gesellschaft mit ihren Selbstmitleidsorgasmen für alles was das Hamsterrad weniger komfortabel macht, waren plötzlich dieser schwindelerregende Mix aus „Diktatur“-Gegnern. Und Frau Martullo setzte ihr Vollgewicht ein für diese Anpassungszumutung. „Brodwüarscht  im Restaurant“ ist  die neue Freiheit.

Und  die Transponierung des geldbürgerlichen Überlegenheitsgefühls auf die Prekariats-Restgesellschaft kann jetzt fliessender geschehen. Sie gehören eh zusammen. Viel einfacher als früher, als die Ausserwählten zwar auf der Luxusjacht mit individuellem Service, die anderen als Kreuzfahrtstrottel mit der Polonaise zum Buffet kamen. Dabei wäre das doch die ultimative Totalvision für die Volchspartei. Die wissen ja sons nicht mehr was zu motzen wäre. Alle müssen in den Schnee hocken um die Brodwuarscht zu essen. Es gibt keine Milliardärs-Terassen.

Vollkasko eben. Für Vollidioten, für diese Vollkasko- Revolutionäre.

Da kann man dann die Fakten, die einem nicht passen – vor allem die der Epidemiologen oder auch die der Klimafachleute– schon mal „fachidiotisch“ nennen. Guat sind wir wieder beim Thema: (etwas toleranter gesehen) Vollpfosten im Jägerzaun sind doch tolerabel.

Wer stammtischstundenlang siniert, dass und wie sich gleichzeitig der Lookdown und der Wolf wie der Islamismus breit macht, der ist nur mit dem Herstellen von Benzinaufpreis-, Nikabmärlis und Diktatur-Gschichtlis beschäftigt. Menschen mit solch sinistren Gedankengängen gibts offenbar häufiger in der Volchspartei.

Oder, was hab’ ich mal gelernt? Eine gute Regierung ist wie eine geregelte Verdauung; solange sie gut funktioniert, merkt man kaum etwas von ihr. Das ist wohl auch so, wenn wir (bald) wieder im Restaurant essen dürfen. Take-away haben wir dann wohl mal verdaut, die Vollidioten auch.  Denn Vollpfosten sollten wir wohl bei der nächsten Krise keinen Sendeplatz mehr geben.

 

 

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Wortfindungsstörungen

Ich liebe es flowig daherzuschreiben. Mit reden ist das schon etwas anders. Guat, oft hab’ ich ja so einen Quasselstrom der mich treibt, aber handkehrum fehlt mir redend plötzlich ein Wort. Anderen in meinem Alter ja auch.

Dieser fehlende Wörterlavastrom, der aprupt abbricht…so ein coitus verbalis. Kürzlich machte Jürg mitten im Reden seine „ÄÄH…MHMHMs“ – „ also waisch, der….“ und dann kann er den Namen oder das Wort nicht mehr sagen. – Geht mir auch so: „Jo waisch, i han au öppa so Müah…mit Erinnara.“ Plötzlich fehlt einfach ein Name oder ein Wort.

Und das nicht nur an Tagen an denen man sich mau und morsch fühlt.
Wortfindungsstörungen nehmen zu. Einzelne möchten es verdecken, andere lassen es einfach zu.

Da hat man subito etwas mehr Windmühlen im Kopf als Jos Gasser

– eine heftig verstörende Wirkung. Da kann man auch wegschauen, die Sonne so heiliggeistmässig studieren, den Himmel über der Signina bestaunen, die so erleuchtend leuchtet. Automatisch kommt man dann in die weiten Hallen des Gedächtnisses…(so frei nach Augustinus).

OK, Wenn ich Hunger kriege, weiss ich nicht immer gleich worauf..aber irgendwann kommt das schnell mit der „bistecca fiorentina“ und dem „Erdbeertörtli“ wieder. Wortfindungsgedanken haben meist länger, bruzeln meist länger vor sich hin. Und dann, und dann schau’ ich dann wie ein Ochs, dem man die Heisenberg’sche Unschärferelation zu erklären versuchte, aus der Wäsche.

Das Ohne-Worte-sein kann ja auch peinlich werden…wenn die Worte mit der Sanftheit eines Überschallknalls ins Weltall krachen und nie mehr zurückkommen wollen. Kann ja mit dem Alters- und Veränderungsschmerz einhergehen…Ich komme mir dann so vor, wie ein verballerter Altsportler mit Senioren-Nostalgie-Krampf. Wie so in vielem: möchte so gerne, aber kann nicht mehr…

Jetzt könnte ich doch so meine eigne „Best of Verschüttet-Liste“ machen? Namen und Begriffe langsam aufschreiben, alle was mir immer wieder so entfällt? – Früher hatte ich doch über den Regierungsrat geschmunzelt, dessen Gattin vor dem Smalltalk die Namen und Vornamen der Auftauchenden flüstern musste. Und heute gehts mir gleich: wie heisst sie schon wieder? Martha, Anna…oder so? Dabei kenn’ ich sie seit 40 Jahren.

Diese Anstrengungs-Beseitigungsanssprüche kommen dann wieder hoch.

Deine Wörter sind fliegende Fische, sind nicht mehr da, sind verloren. Fort. Denk ich paralysiert. Ich bin vergesslich geworden, aber ich vergesse nicht, dass ich vergesse..peinlich. Und jetzt mit all diesen Covid Mutationen muss man sich doch unendlich viel mehr merken…die brasilianische Version P1 oder die englische B.1.1.7 ?

Okay, so häufig geschieht mir das nun auch wieder nicht… Und zwischen Wortverlust und stummem Einvernehmen gibt es ja noch so eine woke Toleranzschwelle. Es heisst, dass die Stille, die auf Mozart folgt, immer noch Mozart ist…nur bei Schiesser ist es halt immer noch Scheisse. Funkstille.

Bei den Laufmetern von Alleserklär­büchern im Stil von «Warum Italienerinnen besser italienisch sprechen und trotzdem gut kochen…“ gibt es vielleicht auch bald einen neuen Bestseller „ Das Wie-heisst-sie-schon wieder-Syndrom? Lebensentwürfe für Wortwürfe…“ – mit dem Epilog des erfolgreichen 78jährigen Joe Biden „und er gewönne mit Worten wieder eine Welt.“

Gut, auch ohne Pro Senectute weiss ich, dass sich mit der Verlangsamung der Hirnleistung auch die Fähigkeit, Verdrängtes zurückzuhalten verlöre. Kann ja auch gut sein, all den Lebens-Shit mal abzuwaschen…

Das ist das Lemma-Dilemma. Die Lemma Ebene (von griechisch: das Angenommene) ist diese Formebene im Hirn, die das Schriftbild und die klangliche Gestalt jedes Worts repräsentiert. Auf einer anderen wiederum sind seine Bedeutung sowie die Kombinierbarkeit mit anderen Wörtern gespeichert. – Bei mir sind es sowieso auffällig viele Bilder die ich abrufen kann. Ist auch sehr angenehm, ein gutes visuelles Gedächtnis zu haben. Man geht auch ohne phone und GPS in keiner Stadt verloren.

Zur Beruhigung erfahr’ ich dann, dass es das Wortfindungsphänomen in allen Sprachen der Welt gibt. Schätzungen zufolge geraten wir im Schnitt einmal die Woche derart ins Stocken; unsereiner, also Ältere etwas häufiger als Junge. – Die Japaner und die Schweizer müssten demnach mehr Wortfindungsstörungen haben…

Sieht man ja auch, wenn Röschti oder andere Super-Schweizer die auswendiggelernten Argumentationsformeln gegen das CO2-Gesetz aufsagen. Die haben vielleicht auch schon nach den ersten Hitzewallungen, den ersten Arthritissymptomen sowieso die Symptome der Vergesslichkeit. – Die russischen oder saudiarabischen Schriften der Erdöl-und Gaslobby sind wahrscheinlich auch etwas komplizierter oder aufwändiger zu lesen. Die Schriftstellerin Jamaica Kincaid sagt ja:

«Alles, was es wert ist, gelesen zu werden, ist schwierig zu lesen.»

Sie meinte zwar belletristisches, nicht fossil-antinationalistisches.

Wenn ich dann die Chiesas und Wobmanns mit ihren abgrundtief deprimierenden Wortschätzen aus mir hinausdenke., ist mir wieder vögeliwohl, da überkommen mich fast wieder Wortbindungseuphorien. So Momente des Einvernehmens mit meinem Hirni. Wie so ein Capuns-Rahmsössli mit Erdbeertorte und Güpf beflügelt mich meine Wortwelt aufs Neue. Und eine wundersame Selbstzufriedenheit wie bei den Corona-Rebellen in Rapperswil überkommt mich.

Wörter zu finden war ja schon immer mein Lebenszweck. Dieses schlendernde Lebenserfüllung, das Einssein mit den Worten bezeichne ich gerne als meine schönsten Erlebnisse. – Da kommt ja die Sina, oder ist es der Reto? Gut, entschuldigt, ich sehe ja auch nicht mehr so gut.

 

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Füdlibürgerburgunder

1981 schickte meine noch jungfräulich unschuldige Firma unseren Kunden und Freunden einen „Füdlibürgerburgunder“ zu Weihnachten.
Ich glaube, schon damals erkannten wir als Kommunikationsagentur dass alles FAKE gut ankommt. Der Burgunder war nämlich ein (doch gut süffiger) italienischer Tischwein. Also nichts zum kotzen.

Das ging mir diese Woche wieder durch den Kopf als ich die NZZ las – zum xten Male irgendwelches Freisinnig-Liberales-Eigenverantwortungs-Gestammel. Die Headline: „ Liebe Freisinnige, tut um Gottes willen etwas Tapferes.“ Das ist  dann eher wieder zum kotzen. Und das erst noch im beschwörenden „Interesse der Schweiz“. Mit Freiheits-Zitaten aus den Kriegsjahren um 1941 wird FDP als „Genom dieses freiheitlichen Bundesstaates“ gefeiert.

Als Glatzenträger weiss ich ja, was alternativlos unheilbar ist. Wusste ich schon mit krausem Vollhaar vor 50 Jahren. Da war mein geschätzter und wirklich geliebter Bruder Fritz, Metzgermeister, bereits in der FDP. Im Gegensatz zu ihm, hielt ich mich raus aus dem einseitigen Parteien-Gelärme. Vieles tönte doch krass dogmatisch, ideologisch und parteibüfflig; gut, ich bin parteilos, aber Probleme hat doch jede(r).

 

Das FDP-Doppelspiel: so tun als wäre man für einen bürgerlichen Mittelstand sich aber ereifern für die 1 Prozent Reichen.

 

Das ging mir auf den Sack. Vorgeschobene Haltung ist wohl das Stichwort…Guat, Fritz und ich (Hansli) verstanden das eben verschieden. Ich argumentierte: Die FDP nähme ganz sicher nicht die Interessen von Bäckern, Metzgern und Beizern wahr. Und im Hotel Stern zu Chur sässen doch die alten Rechts- und Rechthaber, mit dem Linken-Hass, dem asozialen Steuerverhalten, dem Fry-Rätien-Wahn, dem habitualisierten Wegsehen, Staatssparer. In Chur waren das eher harmlose Mittelständler, Einfamilienhaus-„Akademiker, Juristen, Ingenieure…Veterinäre und Treuhänder, die eher zu den 99 Prozent gehörten.

Da korrespondierte die gefakte Welthaftigkeit der FDP auf das Entzückendste mit den Insignien kleinstädtischen Dünkels. Und wir wussten, dass das  wie bei den Zimmerpflanzen in der Geschirrkammer des Hotels Sterns war.  Die konnten draussen kaum überleben. Die wackeren Freisinnigen kämpften noch gegen die roten Mammuts, nicht gegen nachlassende Gäste-Bindung. Guat, heute ist ihr Wirtschaftsbarock nur etwas moderner benamst, heisst jetzt Blackrock, Goldmann Sachs oder Economie-Suisse… der neoliberale Täusch-Mist  hat sich verstärkt. Der Hallraum ist aber etwas enger.

Der frühere Hansli hätte das als „verdrehter provinzieller Molekular-Kapitalismus“ betitelt. „Bei den meisten sozialisationsbedingten manifest Unterprivilegierten ist da wohl nichts zu machen…“ meinte ich dann oft zu Fritz. Ironie verstand er. Als Wokismus-Jünger hätte er mich zwar nicht betitelt. Das Feindbild kannte man damals noch nicht.

Nun haben’s selbst die aus den Engadiner-Schattenwirtschaftszonen (sprich Baukartell) gecheckt: „Immer nur gier, macht stier.“ Die NZZ  warnt zwar jetzt, „der Manager mit dem freisinnigen Genom sei weg.“ Wie auch immer. Vielleicht sind die etwas moderneren Manager einfach etwas woker oder weniger blöd als die FDP. So langzeitverzögerte und  überpushte Kartell-Geschichtli sind höchstens Symptome.

Nichtsdestotrotz schreibt die FDP ähnlichen Unsinn in ihre Medien­mitteilung zur Pandemie, der Bundesrat spiele «fahrlässig mit der Glaubwürdigkeit aller involvierten Institutionen». Daran haben wir uns ja gewöhnt: die FDP gibts nur noch als pdf. Und der Hansli – 55 Jahre NZZ Leser– sagt heute zur NZZ: „nous sommes perdue, aber nicht per Du“. Abbestellen.

Hansli erträgt vielleicht den moralischen Gestank der Junggeldgierigen nicht mehr, die ins Gesicht verkleidete Markwalder-Bangigkeit, die martialische Forschheit des FDP Fraktionsvorsitzenden Walti mit seiner Stahlmantelmimik und Cassis mit seiner Internationaliät fast ostasiatisch in seinem Bemühen Ungangenehmes zu vermeiden, ist doch der Beste Fake-Verhandler. Und erst die Liberalismus-Verbalaktivisten der NZZ-Corona. Auch die halt eine Seuche.

So sind wohl nur noch die letzten auf Mittelstand geschminkten Wohlstandsverwahrlosten  in der FDP.

Die Metzger und Beizer in der SVP. Um zusammen mit der FDP den Benzin- und Heizölpreis der Saudis und Russen zu schützen. Alle diese Bäcker und Gipser möchten mit dem polierten Mercedes auch mal in die Bahnhofstrasse Züri einbiegen – verstehe ich. Nur sind da die Grünen mit  CO2-Vorgaben und mobility pricing im Wege.

Und Fritz würde wahrscheinlich zum Hansli sagen: „ Am Anfang sind wir jung und blöd, am Ende alt und blöder.“– Hansli: „Die meisten sind nicht blöd. Sie haben einfach nur Pech beim Denken.“

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Zahltag

 

Gut, es war so eine Lappaliensituation. Ich wollte im Coop Quader mit GKB-Twint covidgerecht und elektronisch an der Kasse zahlen. Mein iPhone funktioniert aber mit Gesichtserkennung, konnte als so dank Wintermütze, FFP2-Maske und angelaufener Brille meine Fratze nicht erkennen. „hua**…Sh…**, fu…**“ undso, ein scharfer Schmerz in meinem Frontallappen kam auf.

Ich hab’ ja keinen Kühlungsmodus wie so ein Grosscomputer. Im Gegenteil die Langlauf-Mütze machte noch heisser. Verändert Pupille und Atmung. Kein Wunder erkennt mich mein Phon nicht, erweiterte Pupille wie ein addict; schweratmend mit ewigwährendem Seufzen wie die Covid-Verleugner.

Schieben die mich jetzt ab in einen Pro-Senectute-Handy-Kurs? Oder gar in die neue Seniorenklappe beim Kantonsspital – das Pendant zur Babyklappe?

– Eine Alterserkenntnis: Wenn dein Handelswert gegen Null tendiert, bist du am Arsch. Das ist wie bei der Rabatt-Wühlecken im Coop, die überlagerten Rindsblätzli sind plötzlich nicht mehr so viel wert.

Guat, mit Corona haben schon einige das Gesicht verloren. Als Entschädigung hat man ja als Backup das Vermögenskonto bei der GKB, so als Brennkammer permanenter Seligkeit bis in die Ewigkeit. Dass ist dann etwa so ein Anker wie die dicken Socken vom Hitsch, die ich mittlerweile vor dem Zubettgehen altersbedingt anziehe. Die nützen aber wenig, schwitzend vor der Coop-Kasse.

Man bemüht sich doch sich als Abgänger noch ins rechte Licht zu rücken. Und das jetzt mit fast dreiundsiebzig. Das Leben ist halt nicht immer ein endloser Carving-Tag mit wölklilosem Himmel und wohltemperierten 5 Grad. Als Oldie ist man da schon etwas reduziert wie heute der Aktions-Appenzeller-Käse.

Die unterbezahlten Coop-Kassiererinnen sind aber perfekte Altenversteher. Die wissen, dass sie uns überleben werden. Und da ich eh bald in der ewigen Cloud logiere, verlangsamen die automatisch die Spielgeschwindigkeit, fragen bedächtig einfühlend: „Haben Sie eine Supercard?“ Ein vielfach konditionierter Reflex: klar, habe ich die. Aber die da ist ja eine Cumulus, ist wohl für den falschen Laden?

Wiedermal alles falsch. Die unterversorgte Blutzufuhr trägt jetzt auch noch zur Panik bei. Es war einer jener Augenblicke, die einem in der Nacht aufwachen lassen, die man anhalten möchte, umkehren möchte…
Wie die 250’000 Paniker, die unterschrieben haben, das man die Beizen öffnet.

Sind das krampfhafte Panik-Entleerungen unverdauter Deppen-Vibes?

Den Mund in einer abwärts weisenden Parabel weiden sie sich am milden Rausch andauernder Unzufriedenheit. Sie wollen Planungssicherheit über das Leben, wohl der wichtigste Lebensaspekt seit dem Urknall.

Mein Jahr USA hat mich doch in den 70er Jahren so optimistisch gestimmt…Aber heute mehrschichtig optimistisch orangegebräunt wie es Usus ist unter uns Frührentnern, kann man sich solche Abknicker nicht leisten. Hani immer noch genug positive Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin? Erst später hab ich gemerkt, dass die US-Menschen sich sogar selber betrügen mit ihrem falschen orangeblonden Optimismus. So eine eigelbe Tolle ist höchstens das tolle am Verwesungsgeschmack.

Und da kommt er wieder, der moralische Reflex den wir wir alle beim Alters-Talk haben müssten: mehr Selbstbewusstsein! Mein Alterskollege Trump hat wohl diese Angst vor der Alterslächerlichkeit nicht. Spieglein, Spieglein an der Wand, wie wirke ich denn? Auch so machoalt, obszönalt, frühfossiliert, unverbesserlichalt, feigalt, formatalt, aufplusterndalt, dümmlichalt…?

Seelische Kargheit wittert man immer. Vielleicht bräuchten wir zusätzlich zur Contact Tracing App jetzt auch noch so eine Idiotenapp, die zuverlässig aufzeigt, ob sich in meiner unmittelbaren Nähe einer dieser Öffnungsidioten aufhält. Gibt vielleicht mehr Urvertrauen.

Gut, gibts noch Shakespare. Der King Lear. Mit den erschütterndsten Alterseinsichten: „Und von Stund zu Stund reifen wir, und von Stund zu Stund faulen wir!… Quält einen Geist nicht! Lass ihn ziehen!“ – Das machte ich dann auch und zahlte mit Maestro…The End: zurück zum Optimismus (und Knausgard)…“selbst die schlimmsten Erinnerungen haben früher oder später etwas Gutes.“

 

 

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meine kriminelle energie

Ja gut, ich schaue immer noch den „Tatort“-Krimi. Seit ca. 35 Jahren. Den auch ich brauche etwas, das meinen Sonntagsglauben abends sinnvoll manifestiert. Das mir selber immer rätselhaft werdende Vergnügen ist aber irgendwie so, weiss nicht so…mal so, mal so… Und da bin ich ja nicht allein. Oft sind es 10 Millionen, die da zuschauen. Immer wieder Sonntags. Die Plots widerspiegeln unsere Gesellschaft, mal solche, mal solche…ist wohl so wie bei all den Covid-Impfsorten– etwas unübersichtlich. Fast wie so eine fanatisch flexible Funktionsjacke.

Ich hab’ auch Kollegen, die Tatort Krimis schrieben, mal gute, mal schlechte…Hab’ mich dann auch noch versucht, mit mässigem Erfolg. Bei mir war’s vielleicht das schreibgeile Äquivalent posttestosterongesteuerten Aufplusterns im AHV-Alter. Autoren wie ich, von beschränkter narrativer Kompetenz neigen halt dazu die eigene Sicht möglichst laut und ausführlich zur Sprache bringen…tempi passati.

Tatortig lernt man aber viel über die Menschen. Tatorte sind ja oft etwas zusammengeficktes, wie die Menschen. Allgemein tut man ja auch sonst viel dafür, um Bildung als ein anspruchsloses Angebot für Anspruchslose zu installieren. Florierende Gassenhauer, von Divertimento bis Rima, Emil bis Röbi Koller. Regressive Schrebergartisierung oft moderiert mit automatenhaftem Frohsinn.

Jack Gillenhal-Typen und Schröder-der-Erste-Verschnitte, Nahrungskettenvorsitzende mit Kinder-Gegenprogramm: ideel verballerte Jung-Asis mit Ratte..

Dagegen ist der Tatort doch schon fast eine Bildungsstätte. Da gibts, Berliner Drogenhöllen bis Münchner Villas, Jack Gillenhal-Typen und Schröder-der-Erste-Verschnitte, Männer mit Anteilen am Silicon Valley und Damen mit ebenso dicken Anteilen an Silicon. Nahrungskettenvorsitzende mit Kinder-Gegenprogramm: ideel verballerte Jung-Asis mit Ratte auf der Schulter und Unterhemden mit ohne was drüber. Gegen Ende, so 21.45 Uhr öffnet sich dann oft das dritte Auge in unserer Zirbeldrüse und wir meinen die Geheimnisse unseres Kosmos wieder zu verstehen. Zurück in die hellerleuchtete Dunkelheit unserer Sonntags-Schlappheit.

Wie der winterliche Pfau der seine Schwanzfedern in Fellinis Amarcord spreizt, meine ich dann oft montags diesen Figuren leibhaftig zu begegnen. Entweder spiele ich dann (im Manor) Monica Vitti, die in einem Antonioni Film in die Ecke zurückweicht und „non lo so“ flüstert oder (auf der GKB), auch mal Schimanski, der laut auf den Tisch haut und aus dem „Heidi“ zitiert: „Fräulein Rottenmeier sieht aus wie eine geladene Kanone“.

Ok, die Summe der Intelligenz ist eine Konstante, aber die Bevölkerung in den deutschsprachigen TV-Nationen wächst halt. Gewohnt nach über 10 Jahren Netflix, bin ich auch bestrebt eine gewisse Vieldeutigkeit auszuhalten…als vielsprachiger, multipolitischer Bündner gewöhnt man sich daran. Und ob das Gehirn in der Höhe anders funktionert als im Tal, ist auch nicht so wichtig, auf jeden Fall funktioniert es im Kopf guat. Wenn ich dann auf TV Südostschweiz Regierungsrat Parolini herangezoomt wie im richtigen Fernsehen, scharf gezeichnet sehe, beim Versuch Obama zu imitieren, der einen Kulturmenschen spielt, merke ich, dass könnte stimmen.  Bagatellen mit einem homerischen Aufwand zu schildern, liegt uns wohl.

Nach der perfekten Geburt, der perfekten Kita, der perfekten Uni, der perfekten Wohnung und perfekten Lebensläufen, nach fünfzig perfekten Ferien am gleichen Ort in der Toscana können wir uns wohl noch den perfekten Tatort gönnen. So am Siedepunkt der Langeweile, nach 12 Monaten Covid, kann man sich schon mal in schlechte Gesellschaft begeben. Da das das Leben eh nicht weiss, was es in diesen Zeiten mit uns anfangen soll. Ist eh zu kurz um das Beste aus jedem Tag zu machen. Da hat man ein Menschenrecht auf den Tatort.

„Jeder Mensch hat ein Recht auf schlechte Laune, man sollte das in die Verfassung aufnehmen.“, hat ja schon Georges Simenon vor dem Verhüllungsverbot gesagt. Ist auch beim Tatort so. Das schönste an der schlechten Laune ist, das man nachher keine mehr hat. So ein Sonntagskrimi boykottiert einfach meine sonntägliche Selbstboykottierungsschleife. Jo, somit ist auch die Fragwürdigkeit des Menschen unantastbar – wie in der Politik.

Wir Entertainment-Verwahrlosten meinen dann oft steife Formulierungen seien ein Signal für Tiefgang.

(meine überkandidelten, gedrechselten Sätze inklusive) Aber oblomovsche Trägheit oder bartlebeyeske Lähmung, hamletartiges Zaudern beim Zappen am Sonntagabend sind angesichts der Netflix-Covid-Sinnlosigkeitsbeseitigungs-Anfälle doch eher wieder erhaben top. Das können wir jetzt fast wieder unter Hochkultur ablegen. Titel, die bereits den Zuschauer qualifizieren, gibts ja nicht so oft wie bei Dostojewski: „Der Idiot“.

Nach dem Abspann ist die Gesellschaft wohl weniger zersplittert. Man denkt weniger an Krankenkassenwechsel und Verhüllungsverbot und spuckt Zuversicht auf den Riemenboden…reisst sich vielleicht eher wieder am Riemen und gerät bei Satzkonstruktionen, die mehr als zwei Nebensätze ausschwingen nicht mehr in Panik.

Selbst der plumpste Kack-Tatort ever mit viel Ausgelutschtheit bringt mich weiter. – Obwohl, vom echten Leben haben die wohl soviel Ahnung wie die SVP von der Nikab. Bei diesen Spasten und Politonanisten ist das Schlimmste was passieren kann, das nichts passiert. Und das ist ja auch nicht schlimm.

 

 

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was Thomas Mann zum WEF sagen würde…

Ich würde schon gerne wissen, was Thomas Mann über das Davoser WEF geschrieben hätte.

Adam war, nachdem er den Apfel gegessen hatte, auch nicht zu einem anderen Menschen geworden. Er war der, der er schon immer war, nur dass es ihm jetzt schlechter ging. Wie uns und dem WEF nach Corona.

Der Schwab meint, es müsse doch besser gehen, eine bessere Wirtschaft sei möglich…Das unterschreiben wir doch alle. Aber welche? Klar, er meint die wirtschaftlichen, globalen Ungleichheiten seien nun langsam zu gross. Selbst ER, meint die neoliberale Ideologie hätte sich in den letzen 40 Jahren zu stark durchgesetzt….hat er wohl recht.

Thomas Mann zum Ausgleich der Ungleichheit? „ Was sie an Qualität vermissen liess, muss sie ersetzt haben durch…Dynamik“ ergänzte Hans Castorp im Zauberberg. Doch der meinte nicht die Wirtschaft.

Okay, jetzt versuch ich den ganzen Film mal zu entwickeln (Sind mir nicht immer dieselben Sachen wichtig, die Schwab wichtig sind? )

Schwab melkt die fettesten Euter der Welt.

Für mich verkörpert er die Euphemismus-Variante der Korrumpierung der Korruption…nai, natürlich nicht so wie ein N’drangheta Mann – er ist eher der musterhaft Redliche, der…diese Schiefheiten vielleicht mit Gewinn konzertiert, natürlich auch wieder im Verein mit einer höheren Wesenheit würde T. Mann meinen. Er ist das makellos rasierte Gesicht der Macht, hat aber auch diese ins Gesicht verkleidete Bangigkeit, schaut dann oft wie ein so extrem gehudelter Mensch, so fast (…aber nur fast) eine sozialismuskompatible Papstbesuchs-Variante. Er ist ein Vordenker in einer Wirtschaftsgesellschaft, die sich im Kern vor jeder Veränderung fürchtet, die ihren Gewinn schmälert.

Mit diesen dealt er gut: Er hat gerne diese Strotzer um sich. Auf der einen Seite, die taktierenden Suits, streberhaft und getrimmt. Auf der anderen die feisten, verfetteten Arrivierten, die Trumps und Goldmann-Sachs und Blackrocks, voller Hochmut und Stumpfheit. Gesellschafts-Reflexionsverweigerer. So im Stile des Möchte-Gerne-Bundes-Wirtschaftsminister-Merz in Deutschland: „Hier draußen können Millionen gemacht werden, und deine einzige Konkurrenz sind Idioten“,

Dazu hat er etwas von jener Altmaier-Feistigkeit der Geldschwämme, der Anzugs-Verlogenheit…und netterweise auch diese Bono-Euphemismus-Ladung…Schwab unterwirft sich immer wie ein Hirsch dem Stärkeren, wenn es brunftet. Wie vor 2 Jahren bei Trump.

So kommt er mir dann oft vor wie eine Flaschenpost aus anderer Zeit.
(das hör ich dann raus: er bestellt einen Fitnesssalat, hätte aber viel lieber Bratkartoffeln mit Braten gehabt.)

Krähen seien die Businessmänner der Vogelwelt, hatte irgendeiner mal gesagt. Picken an ihren Laptops rum, fläzen sich dann in den Mercedes und meckern am Abend mit ihren klunkergeilen Damen über die Gretas…und treffen sich jährlich am WEF. Um einander später wieder die Augen auszuhacken. Fliegen jedes Jahr gegen Süden ans WEF, um erhitzte Debatten über neue Thesen zu führen, die sie nicht so richtig interessieren. Primär nur ein Gerenne und Gehetze um Aufmerksamkeit, um Hauen und Stechen und Status. –

Liege ich da wieder mal vorurteilsbehangen falsch? Mag sein, falsches Casting. Ich sollte natürlich nun Ringeltänze des Bedauerns aufführen, vor Zerknirschung den Kopf senken…soviel Wertschöpfung, die sie doch Davos bringen. – „Halte deine Vorurteile im Zaum“. Steht wahrscheinlich auf meinem Glückkeks (gratis zum Dim Sum) im Davoser China Restaurant Golden Dragon.

Ich seh’ schon Schwabs Augenbrauen eine Oktave höher steigen, seinen Bauch zieht er ein. Er doziert jetzt eine Gleichschaltungsdiät…sein Bäuchlein hat sich doch etwas angefettet. Die ganze Verletzlichkeit seiner marktwirtschaftsspeckumhüllten Existenz, mit freiwilliger Glatze und freisinnigem Sinn ist glaubwürdig. Den hält man schon wegen seiner schieren Freudlosigkeit für kompetent. Und gut, er sieht so aus, als ob er allein schon ob mangelnder Feinmotorik keiner Fliege etwas zu leide tun kann.

Fixiert auf meine Fixierungen lasse ich jetzt irgendein Schwachsinnantiliberalismusschleimscheissergelaber raus.

Aber Schwab ist Schwab. Der Täter sieht sich gerne als Wirtschaftssanitäter.

Er hat sich doch auch schon als Gretinist geoutet (mir auch recht). Der Zweck heiligt die Titel. Der liebt die Wirtschaft so, dass er am liebsten zwei davon hätte…

War ja schon immer so ein Verbalaktivist, so im Sinne: ich decke bloss den Tisch, aufgetragen wird von anderen…da kann ihm nichts passieren, das WEF ist ja eigentlich nur ein banales Geschäftsnarrativ mit fettem Leanback inbegriffen. Sieht sich als lonesome Cowboy, der in die Stadt reitet, alle Schurken und Feiglinge erledigt und dann wieder allein und fidel pfeifend in die Abendsonne reitet…Bei fettem Eintrittsgeld darf man zuschauen.

…der hat doch eher dieses Endsiegverkackt-Gefühl von seinen Vorfahren geerbt,

Was jetzt, vielleicht humpelt sogar seine Geldmachmaschine im Schleudergang? Gut, die Weltwirtschaft ist nach Corona vielleicht wie ein Mann mit Potenzangst: was ist, wenn ich ihn nicht hochkriege? Glaube ich nicht, Schwab hat doch jetzt nicht so ein Basisfeeling von Verlorenheit? Da geht man einfach nach Singapur.

Wie so ein Fallschirmspringer, der merkt dass er nur einen leeren Rucksack auf dem Buckel hat? Nai, der hat doch eher dieses Endsiegverkackt-Gefühl von seinen Vorfahren geerbt, ist doch schlau genug, um faktisch zu merken, dass da nicht mehr alles stimmt. Kein Denkvermeider. Der merkt, dass die Löscharmee für den Müll der Neoliberalen schon aus der Wirtschaft kommen muss..

 

Oder wie hätte Thomas Mann gesagt: der beutelschneiderische Geschäftsgeist des WEF-Präsidenten lässt uns in die untergehende Davoser Sonne grimassieren. Und siehe da: im „Zauberberg“ steht die Antwort… „ Er wollte Omeletten für sich und die Seinen. “ – …Das war zu wenig für das Gemüt von Leuten, deren Schicksal ausserordentliche Tröstungsansprüche rechtfertigte…“

 

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skifahren oder sterben

Im Moment befinden wir uns so in einer Mexican Standoff-Situation.. Die Situation in der sich mehrere Cowboys gegenseitig Colts an den Kopf halten. Drückt einer ab, wären letztlich doch alle tot. Der Platzer will uns mit offenen Beizen töten, der Bigler mit offenen Läden, und der Ueli Maurer meint, er hätte einen offenen Hosenladen, also einen inkontinenten Staatshaushalt, soviel Cash fliesst ihm ab, dem Scheisser.

Auf der anderen Seite das Choronachörli in der Endlosschlaufe. Die töten sich im Überbietungsmodus mit Berichterstattungsoverkill von Epidemologen und Virusmonologen.

Stan Laurel sagte, er würde jetzt lieber skifahren als sterben. Wirklich? fragte die Krankenschwester. Nicht wirklich, aber er könne immer noch besser Ski fahren als sterben.

Und dann die Bündner Bergbähnler: sie wehren sich die Ski- und Sessellifte zu schliessen. Okay, da muss ja Stan Laurels letzter Witz kommen: Er sagte auf dem Sterbebett zu seiner Krankenschwester; er würde jetzt lieber Skifahren als zu sterben…. Auf die Frage, ob er das denn könne, hat er geantwortet: Nicht wirklich, aber er könne immer noch besser Ski fahren als sterben.

Geht mir wie Laurel, zwar verunsichert von Wirtschaftsverbänden, Infektionszahlen und Totenstatistik, bin ich zur Zeit in der Wartezimmer-Besatzung voll zufrieden. Wir üben uns im Flachatmen hinter der Maske…kurz vor Pharmageddon wartend auf das neue Pfizer-Moderna-Gleitgel, das uns hoffentlich in Graubünden dann (mit der üblichen Zeitschlaufe) auch noch erreicht. Aber wir sind ja auch da wohl altersbedingt Überprivilegierte in der Glücks-Wartezone. Also alles Summa Summarum im Bereich der Norm-Chur-Durchschnittsmenschen. Coop hat immer noch Toilettenpapier und der Stapi ist immer noch ein harmloser Schnorri.

Skifahren lass ich momentan noch aus, die Spitäler möcht’ ich nicht überlasten, in Graubünden hat man ja alles. Einiges ist vielleicht nur temporär erlaubt. (wie Schneeschuhlaufen in der Wildzone?) Einen plötzlich sich aufbauenden Negativitätsschub hab’ ich noch nicht festgestellt. Die Churer Bibliotheken versorgen uns mit guten Synapsen-Swings und guten Geschichten. Die stärken die Immunabwehr. Wir sind ja auch geblesst. Wie die Blesshühner in der Schutzzone.

Dürfte man jetzt nicht so sagen angesichts der vielen Corona-Schicksale, angesichts der lächerlichen öffentlichen Diskussionen, wer-was-wann falsch gemacht, angesichts der okkulten, selbsternannten „Querdenker“, (das Wort bleibt wahrscheinlich nur noch als T-Shirt-Schrift aus den 2020er-Jahren), darf man vielleicht aber schon sarkastisch darauf hinweisen…

OK, sich von einer Welt abkapseln, in der sich die Menschen in sozialen Netzwerken sowieso aneinander vollfressen, ist auch nicht so falsch. Aber diese psychologische Fettleibigkeit führt auch noch zu Hirninfarkten, ihr sterbensfetten Verrückten. –

Gohts no, ihr Stänkerer, die ihr nichts anderes als unter dem Emotionssammelterminus „Sehnsucht“ zu subsummierende Egotrips der FDP-SVP-Aeschis und Köpples verniedlicht. Gott erscheint denen wohl in Form einer Staatsverschuldungsstatistik.

Guat, ich kann mich auch auf die Erfahrung als Rekrut im 1968 berufen, mein Gehör für zuviel Autoritätsgehabe, zuviel falsche Töne und verlogenes Angst- Pathos sind schon dann geschärft worden. Ja, sind halt nicht alle Figuren Hauptrollen, sagt der Film-Freak in mir.

Für viele Leute ist Nichtstun offenbar qualvoller als physischer Schmerz? Ich kann da auch mitreden. Meine halbe irdische Daseinsspanne hab’ ich doch mit skifahren verbracht. (Vielleicht auch etwas weniger…) Nur mit den Skis kommt man zu sich selbst., meint man in Abänderung eines Bonmots von Kraus. Und wenn ich sehe, wie die ihre Mittelstandskörper durch die nichtcoronagerechten Warte-Schlangen und vollplanierte Winterlandschaft schieben und drehen, kniewürgend und carvingkantend…gohtsno? goht schu, bin ja nur neidisch.

Corona ist die perfekte Seuche, aber die ist eben auch nur so geil, weil wir wissen, dass es in Wahrheit wieder mal die andern trifft: die Schwachen, die Ganz-Alten, die Leute in der Dritten Welt, die sich keine Quarantäne leisten können. Dass es eine Krankheit ist, die vor allem die Zentren der Gesellschaft trifft. Die zynische Wahrheit ist, dass der Globale Süden nicht an Corona, sondern an seinen Folgen sterben wird: sterben wenn die anderen skifahren. Da hat der Laurel also schon recht.

Skifahren: da ist man dauernd unter Leuten, und stosst dauernd auf die Probleme, die man mit denen hat…Aber eins sag ich Ihnen: sobald ich geimpft bin, bin ich wieder auf der Early-Bird Piste…bis die nächste Vogelgrippe kommt.

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